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Meine
LP Favoriten
Letztes Update: 23. Juli 2006
In
dieser Rubrik werde ich in loser Folge meine LP Favoriten vorstellen. Langspielplatten,
die ich bedeutsam, wichtig oder einfach nur schön finde. Ähnlich wie die
entsprechenden Singles Rubrik Kicks
on 45 wird auch diese Abteilung „LPs für die Insel“ wachsen und wachsen.
Und nach und nach wird am Ende eine Liste meiner Lieblings-LPs stehen. In einer
dann aktuellen Reihenfolge natürlich.
The Beatles – Revolver (Parlophone,
1966)
Aus mehr oder weniger aktuellem
Anlass beginne ich mit dieser LP, die sogar auch noch seit Jahren meine
absolute Lieblingsplatte ist. Warum das so ist, will ich nun versuchen zu
verdeutlichen. Am 5. August 1966 erschien diese LP im UK, das siebente reguläre
Beatles Album. D.h. von Album sprach man damals noch nicht. Dieser Begriff
machte erst ein paar Jahre später aus LPs mit 10-14 relativ zufällig
kompilierten gerade aktuellen Songs Alben, die gleich viel mehr Bedeutung
erlangten. In diesem Sinn ist „Revolver“ dann wohl doch schon ein Album.
Einerseits spiegeln diese 14 Tracks den Zustand der zu jener Zeit
erfolgreichsten Beatband der Welt. Andererseits liefern diese Tracks die
Blaupause, die Anleitung für viele Innovationen in der Popmusik, für
Veränderungen und grandiose Neuerungen. „Revolver“ fängt den Moment dieser
Transition von der popmusikalischen Unschuld zu psychedelischer Exaltiertheit
einerseits und dem Ausverkauf der Beatmusik andererseits auf die wunderbarste
Weise ein. Diese Platte ist vielschichtig, abwechslungsreich, absolut auf der
Höhe ihrer Zeit und sie wird mir niemals langweilig. Obwohl ich beinahe jeden
Ton dieser LP auswendig kenne, werde ich nie müde, sie immer und immer wieder
zu hören.
Los
geht’s mit George Harrisons sarkastischer Hommage an den Steuereintreiber, den
Finanzbeamten, den „Taxman“. Knackiger Bass, klasse Gitarrenarbeit! Ein
typisches Modstück. Mit seinem Offbeat lädt es sofort zum Tanzen ein. Und es
ist der ideale Opener für diese LP. Es folgt „Eleanor Rigby“. Für einen Popsong
damals ungewöhnlich erwachsen und ernst. Wer auch immer die Idee mit dem
Streichquartett hatte, diese Idee ist genial. Ich denke, ich muss jetzt nicht
in aller Ausführlichkeit die Songs erläutern und interpretieren. In der
aktuellen Ausgabe von Mojo (Nr. 152 vom Juli 2006) wird genau das auf rund
sechs Seiten getan. „I’m Only Sleeping“ ist wundervoll mit seinen kleinen
psychedelischen Effekten wie rückwärts laufenden Gitarren, aber auch von seiner
Grundstimmung. Dieser Track setzt Maßstäbe für unzählige relaxte Psych-Pop
Nummern, die in den nächsten zwei Jahren folgten. Mit „Love You To“ taucht
George erstmals richtig in seine indische Musikwelt. Die Aufnahme ist gerade
exotisch genug und noch ausreichend konventionell im Songwriting, um einen
anzutörnen und mitzunehmen auf die Reise in neue musikalische Gefilde. „Here, There
And Everywhere“ lässt mich die Augen schließen und selig träumen. Eine
wunderschöne Melodie, sehr angemessen sparsam arrangiert. Ein perfekter
Lovesong! Danach wache ich wieder auf und gehe an Bord des „Yellow Submarine“.
Natürlich ist das eher ein Kinderlied, das man mit einem gewissen Schmunzeln
und Augenzwinkern zur Kenntnis nimmt. Und doch ist es absolut adäquat und
genial umgesetzt. Ich liebe diesen Track imgrunde nicht weniger als die anderen
auf dieser LP. Weiter geht es mit „She Said She Said“. Ein ziemlicher
Schnellschuss, wie ich jetzt las. Nun, dafür ist es ausgesprochen gelungen! Ich
liebe diese Rhythmik und diese harmonischen Wendungen. Die Gitarre ist
wundervoll. Proto-Raga-Rock, wenn man so will. Mit „Good Day Sunshine“ folgt
ein weiterer Track, der von vielen eher abschätzig bewertet wird. Dabei ist das
doch der ideale gute-Laune-mir-kann-keiner Popsong! Absolut treffend intoniert
und vorgetragen. „And Your Bird Can Sing“ setzt die formidable Stimmung fort
und noch einen drauf. Vortrefflicher Jingle Jangle Gitarrenpop! Danach wird es
wieder nachdenklich bei „For No One“, fast hätte ich gesagt besinnlich. Aber
warum nicht? Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, die Liebe erlischt, dann
ist es Zeit, sich zu besinnen. Musikalisch ist auch dies sehr einfühlsam und
für damalige Popmusik Verhältnisse auch sehr innovativ umgesetzt mit diesem
Cembalo (?) und dem englischen Horn. „Doctor Robert“ verbindet wieder
ausgesprochen genial schlichten Mod Beat mit dezenter Psychedelia. Keine Ahnung
wie sie diesen Gitarrensound hinkriegen. Klingt jedenfalls großartig. Bei „I
Want To Tell You“ bedient sich George bei einigen Soundideen, die man heute
wohl mit Northern Soul assoziieren würde. Wundervoller Song im übrigen. Weiter
in Richtung Soul lehnt sich Paul beim folgenden „Got To Get You Into My Life“,
das ich gerade wegen dieses Arrangements mit Bläsern anfangs nicht so sehr
mochte. Inzwischen liebe ich auch diese Aufnahme, die ungemein vorwärts drängt
und enorme positive Energie versprüht. Der Höhepunkt, wenn man so will, kommt
zum Schluss. Mit dieser Aufnahme haben The Beatles Maßstäbe gesetzt! „Tomorrow
Never Knows“ ist in jeder Beziehung absolut großartig und genial! Ringos Drums,
die Tape Loops, der entrückte Gesang, die Lyrics – alles genau so, wie es sein
soll, möchte ich meinen. Und dabei betraten die Vier vollkommenes Neuland mit
dieser Produktion. Danach kann nichts mehr kommen, was das noch übertreffen
könnte.
Wie
gesagt, diese LP fasziniert mich seit Jahren schon. Eigentlich seit
Jahrzehnten. Kennen gelernt habe ich sie allerdings nicht zum Zeitpunkt ihres
Erscheinens und auch nicht als erste Beatles LP. Genau kann ich mich nicht mehr
erinnern, aber ich glaube es muss irgendwann 1968 gewesen sein, dass ich diese
Platte zum ersten Mal als Ganzes wahrnahm. Gekauft habe ich sie mir aber erst
in den frühen 70ern. Da besaß ich von den Beatles bereits einige andere LPs.
Richtig oft gehört habe ich die Platte dann so um 1971/72 und vor allem später
wieder in den 80er Jahren. Zu meiner Lieblingsplatte hat sich „Revolver“ auch
erst dann entwickelt. Für mich ist das die perfekte Pop LP mit allen
wesentlichen Aspekten und Facetten, die ich an Popmusik besonders liebe. Das
heißt nicht, dass ich andere Platten mit anderen stilistischen und soundmäßigen
Schwerpunkten nicht auch schätze. Aber wenn ich eine Wahl zu treffen habe, dann
ist dies die Nummer Eins.
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