Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! – Das Flyer-Zine - seit 1999

Die Kurzen (Singles, EP) Longplay (LP, CD) Re-Issues Live Gigs Fanzines Unsigned Talent Album des Monats News Links

Konzertvorschau zurück zu Twang!


Meine LP Favoriten

Letztes Update: 23. Juli 2006    

In dieser Rubrik werde ich in loser Folge meine LP Favoriten vorstellen. Langspielplatten, die ich bedeutsam, wichtig oder einfach nur schön finde. Ähnlich wie die entsprechenden Singles Rubrik Kicks on 45 wird auch diese Abteilung „LPs für die Insel“ wachsen und wachsen. Und nach und nach wird am Ende eine Liste meiner Lieblings-LPs stehen. In einer dann aktuellen Reihenfolge natürlich.

The Beatles – Revolver (Parlophone, 1966)

RevolverAus mehr oder weniger aktuellem Anlass beginne ich mit dieser LP, die sogar auch noch seit Jahren meine absolute Lieblingsplatte ist. Warum das so ist, will ich nun versuchen zu verdeutlichen. Am 5. August 1966 erschien diese LP im UK, das siebente reguläre Beatles Album. D.h. von Album sprach man damals noch nicht. Dieser Begriff machte erst ein paar Jahre später aus LPs mit 10-14 relativ zufällig kompilierten gerade aktuellen Songs Alben, die gleich viel mehr Bedeutung erlangten. In diesem Sinn ist „Revolver“ dann wohl doch schon ein Album. Einerseits spiegeln diese 14 Tracks den Zustand der zu jener Zeit erfolgreichsten Beatband der Welt. Andererseits liefern diese Tracks die Blaupause, die Anleitung für viele Innovationen in der Popmusik, für Veränderungen und grandiose Neuerungen. „Revolver“ fängt den Moment dieser Transition von der popmusikalischen Unschuld zu psychedelischer Exaltiertheit einerseits und dem Ausverkauf der Beatmusik andererseits auf die wunderbarste Weise ein. Diese Platte ist vielschichtig, abwechslungsreich, absolut auf der Höhe ihrer Zeit und sie wird mir niemals langweilig. Obwohl ich beinahe jeden Ton dieser LP auswendig kenne, werde ich nie müde, sie immer und immer wieder zu hören.

Los geht’s mit George Harrisons sarkastischer Hommage an den Steuereintreiber, den Finanzbeamten, den „Taxman“. Knackiger Bass, klasse Gitarrenarbeit! Ein typisches Modstück. Mit seinem Offbeat lädt es sofort zum Tanzen ein. Und es ist der ideale Opener für diese LP. Es folgt „Eleanor Rigby“. Für einen Popsong damals ungewöhnlich erwachsen und ernst. Wer auch immer die Idee mit dem Streichquartett hatte, diese Idee ist genial. Ich denke, ich muss jetzt nicht in aller Ausführlichkeit die Songs erläutern und interpretieren. In der aktuellen Ausgabe von Mojo (Nr. 152 vom Juli 2006) wird genau das auf rund sechs Seiten getan. „I’m Only Sleeping“ ist wundervoll mit seinen kleinen psychedelischen Effekten wie rückwärts laufenden Gitarren, aber auch von seiner Grundstimmung. Dieser Track setzt Maßstäbe für unzählige relaxte Psych-Pop Nummern, die in den nächsten zwei Jahren folgten. Mit „Love You To“ taucht George erstmals richtig in seine indische Musikwelt. Die Aufnahme ist gerade exotisch genug und noch ausreichend konventionell im Songwriting, um einen anzutörnen und mitzunehmen auf die Reise in neue musikalische Gefilde. „Here, There And Everywhere“ lässt mich die Augen schließen und selig träumen. Eine wunderschöne Melodie, sehr angemessen sparsam arrangiert. Ein perfekter Lovesong! Danach wache ich wieder auf und gehe an Bord des „Yellow Submarine“. Natürlich ist das eher ein Kinderlied, das man mit einem gewissen Schmunzeln und Augenzwinkern zur Kenntnis nimmt. Und doch ist es absolut adäquat und genial umgesetzt. Ich liebe diesen Track imgrunde nicht weniger als die anderen auf dieser LP. Weiter geht es mit „She Said She Said“. Ein ziemlicher Schnellschuss, wie ich jetzt las. Nun, dafür ist es ausgesprochen gelungen! Ich liebe diese Rhythmik und diese harmonischen Wendungen. Die Gitarre ist wundervoll. Proto-Raga-Rock, wenn man so will. Mit „Good Day Sunshine“ folgt ein weiterer Track, der von vielen eher abschätzig bewertet wird. Dabei ist das doch der ideale gute-Laune-mir-kann-keiner Popsong! Absolut treffend intoniert und vorgetragen. „And Your Bird Can Sing“ setzt die formidable Stimmung fort und noch einen drauf. Vortrefflicher Jingle Jangle Gitarrenpop! Danach wird es wieder nachdenklich bei „For No One“, fast hätte ich gesagt besinnlich. Aber warum nicht? Wenn eine Beziehung in die Brüche geht, die Liebe erlischt, dann ist es Zeit, sich zu besinnen. Musikalisch ist auch dies sehr einfühlsam und für damalige Popmusik Verhältnisse auch sehr innovativ umgesetzt mit diesem Cembalo (?) und dem englischen Horn. „Doctor Robert“ verbindet wieder ausgesprochen genial schlichten Mod Beat mit dezenter Psychedelia. Keine Ahnung wie sie diesen Gitarrensound hinkriegen. Klingt jedenfalls großartig. Bei „I Want To Tell You“ bedient sich George bei einigen Soundideen, die man heute wohl mit Northern Soul assoziieren würde. Wundervoller Song im übrigen. Weiter in Richtung Soul lehnt sich Paul beim folgenden „Got To Get You Into My Life“, das ich gerade wegen dieses Arrangements mit Bläsern anfangs nicht so sehr mochte. Inzwischen liebe ich auch diese Aufnahme, die ungemein vorwärts drängt und enorme positive Energie versprüht. Der Höhepunkt, wenn man so will, kommt zum Schluss. Mit dieser Aufnahme haben The Beatles Maßstäbe gesetzt! „Tomorrow Never Knows“ ist in jeder Beziehung absolut großartig und genial! Ringos Drums, die Tape Loops, der entrückte Gesang, die Lyrics – alles genau so, wie es sein soll, möchte ich meinen. Und dabei betraten die Vier vollkommenes Neuland mit dieser Produktion. Danach kann nichts mehr kommen, was das noch übertreffen könnte.

Wie gesagt, diese LP fasziniert mich seit Jahren schon. Eigentlich seit Jahrzehnten. Kennen gelernt habe ich sie allerdings nicht zum Zeitpunkt ihres Erscheinens und auch nicht als erste Beatles LP. Genau kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich glaube es muss irgendwann 1968 gewesen sein, dass ich diese Platte zum ersten Mal als Ganzes wahrnahm. Gekauft habe ich sie mir aber erst in den frühen 70ern. Da besaß ich von den Beatles bereits einige andere LPs. Richtig oft gehört habe ich die Platte dann so um 1971/72 und vor allem später wieder in den 80er Jahren. Zu meiner Lieblingsplatte hat sich „Revolver“ auch erst dann entwickelt. Für mich ist das die perfekte Pop LP mit allen wesentlichen Aspekten und Facetten, die ich an Popmusik besonders liebe. Das heißt nicht, dass ich andere Platten mit anderen stilistischen und soundmäßigen Schwerpunkten nicht auch schätze. Aber wenn ich eine Wahl zu treffen habe, dann ist dies die Nummer Eins.               

Zurück zu Twang! News Singles Longplayer Re-Issues Konzertrückschau Fanzine Reviews Unsigned Talent Links Album des Monats