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Letztes Update: 07. März 2010
Kicks
on 45 ! – Die besten Singles aller Zeiten!
– Teil 4
Angeregt
durch ähnliche Aktivitäten im Leserforum des deutschen Rolling Stone habe ich mich
entschlossen, hier nach und nach meine liebsten 7“45s vorzustellen. Mit
Coverabbildung (soweit möglich) und mit einer meist kurzen Erläuterung zu der
jeweiligen Single. Daraus wird eine All-time Top 100 Liste entstehen. Denn jedes Mal wenn ich hier neue Singles
einstelle, werde ich sie auch in meine Bestenliste
aufnehmen. Diese Liste wird wachsen und sich verändern. Und es werden, wenn 100
erreicht sind, auch wieder einzelne Singles rausfliegen.
Das
hier ist die vierte Seite mit meinen 7“45 Favoriten. Los geht’s auf dieser Seite.
The
Tornados – Telstar / Jungle Fever (London
/ Decca, 1962)
Telstar
hörte ich zum ersten Mal irgendwann 1967/68 im Kino. Es gab ja damals noch die
Bezirkskinos, oft mitten in Wohngebieten bzw. in kleineren Einkaufsstraßen. In
so ein Kino ging ich mit gleichaltrigen Freunden mindestens 1x im Monat. Dort
sahen wir alles, von Winnetou über Engelchen bis zu Perry Rhodan
– SOS im Weltall. Bevor das Vorprogramm begann wurden immer Werbe-Dias
gezeigt, und dazu lief Musik vom Band. Auf diesem Band – es war immer
dasselbe – war auch Telstar. Da ich die Melodie und den Sound sofort
mochte, fragte ich den Kartenabreisser schließlich
nach dem Titel. Dieser elektronische Orgelklang (eigentlich handelt es sich um
eine mehrfach gedoppelte Clavioline) und die
glockenhellen Gitarren sind für mich seither untrennbar mit der Vorstellung von
Reisen durch den Weltraum verbunden. Telstar ist einer der wunderschönsten Instrumentaltracks, die ich kenne. Jedes Wiederhören löst
in mir eine gewisse Sehnsucht und Wehmut aus. Über Joe Meek,
den Schöpfer dieses Werkes, dieser Aufnahme, habe ich erst Jahre später mehr
erfahren. Dass er förmlich besessen war von der Vorstellung von Leben auf
fremden Planeten, passt natürlich vorzüglich ins Bild. Dass er andererseits
völliger Autodidakt war und selbst kein Instrument spielte oder Notenlesen
konnte, erhöht für mich in gewisser Weise die Faszination. Als Studio-Techniker
und Produzent hat er einige echte Innovationen zustande gebracht. The Tornados waren eine der Bands, die regelmäßig für Meek aufnahmen. Telstar war ihr größter Hit und eine Nummer
Eins sowohl im UK wie in den USA. Die Single kaufte ich übrigens doch erst viel
später. Auf der B-Seite hört man Jungle Fever, eine Komposition von Geoff Goddard, mit dem Meek bereits seit 1960 zusammenarbeitete. Jungle Fever ist ebenfalls ein
Instrumental, das seinem Titel durchaus Ehre erweist. Im Vergleich zu Telstar
ist der Track allerdings fast schon belanglos. Da die Single auch hier zu Lande
ein Riesenhit war, dürfte sie relativ leicht für vergleichsweise kleines Geld
zu finden sein.
Adamo
– Inch’ Allah / Sont-ce vos bijoux,
Madame (Electrola, 1967)
1967
habe ich noch regelmäßig die „Schlager der Woche“ im RIAS
gehört. Sonst hätte ich diesen Song, diese Single womöglich gar nicht kennen
gelernt. Salvatore Adamo (ein gebürtiger Italiener,
der in Belgien aufwuchs) ist ja eigentlich mehr Schlagersänger als Chansonnier.
Nicht nur in Frankreich, auch in Deutschland war und ist er äußerst
erfolgreich, und seine Singles erschienen auch alle in deutschen Versionen. Bis
auf diese hier. Ein Hit wurde sie aber dennoch auch in Deutschland. Damals hat
mich einfach nur die wundervolle ans Herz gehende Melodie, Adamos
tolle Stimme und der exotische Klang der französischen Sprache für diese
Aufnahme eingenommen. Inzwischen spreche ich zwar immer noch nicht Französisch,
aber den Text habe ich in einer Übersetzung gelesen. Adamo
hat ihn bereits 1966 anlässlich eines Israel Besuchs geschrieben, also noch vor
dem 6-Tage Krieg. In zum Teil sehr poetischen Worten beschreibt der Song die
Situation in Jerusalem, im Heiligen Land, wo nun schon seit Jahrzehnten Krieg
herrscht zwischen Menschen, die allesamt gute Gründe und Rechte haben, dort zu
leben, und sich doch bis auf’s Blut bekämpfen.
Der Song ist heute aktueller denn je. Musikalisch ist
sowohl die Melodieführung wie das Arrangement mit Streichern, die eine gewisse
Dramatik erzeugen, absolut beeindruckend und überzeugend. „Inch’ Allah“ ist übrigens Arabisch und bedeutet
in etwa „So Gott will“. Auf der Rückseite der Single dagegen ein
typischer leichtgewichtiger Schlager ohne Belang. Die Single ist weder
selten noch teuer.
The Youngbloods – Get Together / Beautiful (RCA,
1969)
Diese
Single war der einzige Hit den The Youngbloods in Deutschland hatten. Bei mir trafen die
Aufnahme und der Song einen Nerv, der durch Hippietum,
Flower Power und Anti-Vietnamkriegs-Demonstrationen
sensibilisiert war. Aber in erster Linie ist es natürlich ein toller Song, eine
wunderbare Melodie, was in der etwas süßlichen, zarten Popversion der Youngbloods besonders schön zur Geltung kommt. Der Song
selbst stammt aus der Feder von Chester Powers alias
Dino Valente, der ihn bereits in den frühen 60er Jahren in New York schrieb.
Eine Folk Hymne, die Liebe und Frieden der Menschen untereinander einfordert.
Ideal für den folgenden Hippie Traum. Es heißt, Valente hätte die Rechte an dem
Song verkauft, als er 1967 wegen Drogenvergehens in Kalifornien vor Gericht
stand und Geld für seine Verteidigung brauchte. Wie auch immer, Valente schloss
sich, nachdem er aus dem Knast kam, wieder seiner Band Quicksilver
Messenger Service an. „Get Together“
wurde aber bereits seit Jahren auf Love-Ins und Demos
gespielt und gesungen. Es gibt diverse auch veröffentlichte Aufnahmen des
Songs. Den Hit hatten nun – durch die Verwendung in einem Werbespot
– The Youngbloods,
die den Song übrigens – ebenso wie Jefferson Airplane
– bereits 1967 aufnahmen. Mit dem Re-Release
der Single im Sommer 1969, als Flower Power bereits
vollkommen kommerzialisiert war, erreichten sie die US Top 10. The Youngbloods waren eine Jugband aus New York, ähnlich den Lovin’
Spoonful, aber weit weniger erfolgreich.
Mittelmäßigen Erfolg hatte die Truppe um Jesse Colin Young aber dann mit
relativ leichtem später auch countryfiziertem
Folkrock in Kalifornien. Auch in den USA blieb „Get
Together“ ihr einziger Hit, obwohl sie noch ein
paar LPs danach rausbrachten. Die Single B-Seite
wurde von Jesse Colin Young geschrieben. „Beautiful“
ist eine zeittypische Westcoast Nummer, deren Blues
Einfluss deutlicher als der Folkrock zum Tragen kommt. „Get Together“ hörte ich
übrigens vor gut drei Jahren in einer tollen Live Version von Steve Earle
anlässlich seines Berlin Gastspiels während des Irak Krieges. Auch diese Single
hier ist weder besonders teuer noch schwer zu finden.
Alphaville –
Forever Young / Welcome To The Sun (WEA,
1984)
Diese
an sich fast kitschige Synthi Pop Ballade habe ich
von Anfang an geliebt. Die Melodie ist schlicht großartig! Auch noch in der
Coverversion „Forever Punk“ der Goldenen
Zitronen. Aber das Original bleibt natürlich das Original. Und die Zitronen
haben die Melodie ja auch nur für ihre eigene ganz andere Botschaft geliehen. Alphaville waren zu Beginn drei Teenager aus der Provinz,
die in Berlin Schöneberg in einer WG zusammen lebten und mit vergleichsweise
primitiven Synthesizern anfingen Musik zu machen. Was dabei herauskam war
relativ bald weltweit erfolgreicher Synthi Pop.
Etwas, das mich eigentlich nie besonders interessiert oder gar begeistert hat.
Diese Single ist die berühmte Ausnahme von der Regel. Hier stimmt alles. Die
Melodie wie gesagt, der Sound, das sich aufbauende dramatische Arrangement, das
zum Schluss fast schon bombastisch wird. Und der entwaffnend naive Text, der
jedoch ein Lebensgefühl in den frühen 80ern trifft, wie es nur solche Poptexte
so selbstverständlich können. „Let’s dance in style,
let’s dance for a while. Heaven can wait, we’re only watching the
skies, hoping for the best, but expecting the worst. Are they gonna drop the bomb or not…” Dieser
Fatalismus gepaart mit der romantischen Vorstellung ewiger Jugend ist es, der
mich auf seltsame Weise berührt bei diesem Song. Auf der B-Seite eine hübsche kleine
Piano Melodie zu einem Loblied auf den Sommer. Was Marian
Gold & Co. sonst noch veröffentlicht haben, ist in meinen Ohren alles nicht
so wichtig. Diese Single jedoch ist groß! Das Cover ist leider ziemlich
hässlich. Die Single ist weder selten noch sollte sie mehr als 2-3 Euro kosten.
The
Dentists – Strawberries Are Growing In My Garden (And It’s Wintertime) / Burning The Thoughts From My Skin / Doreen (Spruck Records, 1985)
Jingle
Jangle Gitarrenpop, bezaubernde Harmonien,
glockenheller Gesang, eine schlichte aber wirkungsvolle Melodie, und ein fast
schon furioses Finale. Wer diese Single hört und nicht sofort von
Glückshormonen überwältigt wird, versäumt viel. Gute Popmusik kann so einfach
sein. The Dentists waren
eine Britpop Band aus der Medway
Gegend (Grafschaft Kent), gegründet Anfang der 80er Jahre, als noch niemand den
Begriff Britpop verwandte. Diese ihre Debüt Single
wurde von Allan Crockford produziert, der ansonsten
mit The Prisoners (aus der
gleichen Gegend) allerfeinsten Mod Beat spielte. Auch
das kurz darauf folgende Album entstand aus dieser Zusammenarbeit und erschien
ebenfalls auf dem bandeigenen Label Spruck Records. The Dentists gehörten zu den
aktivsten und langlebigsten Bands dieser britischen Indie
Pop / Mod Pop Szene der 80er Jahre. Sie brachten es
sogar zu Veröffentlichungen in den USA und wurden 1994 von Eastwest
Records unter Vertrag genommen. Allerdings waren sie den Major Deal aufgrund
geringen Erfolgs schnell wieder los. Fünf LPs und etliche Singles und EPs
erschienen bis 1995 auf diversen Labels. Da einen Überblick zu behalten, ist
gar nicht so leicht. Alle ihre Platten kenne ich nicht, aber obwohl sie weiter
durchaus hörenswerten charmanten Gitarrenpop produzierten, halte ich diese
Debüt Single für ihr Meisterwerk, das sie nie toppen
konnten. Ob die Single besonders teuer ist, kann ich nicht beurteilen. Leicht
zu finden ist sie vermutlich nicht.
The Chills
– Pink Frost / Purple Girl (Flying Nun Records, 1984)
Dunedin, Neuseeland, Anfang der 80er Jahre. In dieser südlichsten
Stadt dieses weitabgelegenen Landes entstand damals
eine eigene Musikszene mit einem ganz eigenen Sound. Eines der bekanntesten und
faszinierendsten Beispiele ist diese Single, dieser Song. Pink Frost ist ein
Song über das Sterben. Über die Angst davor. Aber sowohl die leicht
melancholische Melodie wie vor allem das Arrangement und die Produktion des
Tracks haben eine vage Luftigkeit, etwas einlullend Schwebendes. Wie in einem
Rausch fühlt man sich beim Hören. Als stünde man neben sich. Der Track ist
rhythmisch monoton, der Gesang entrückt, wie geflüstert und mit viel Hall
versehen. Der Sound erinnert ganz entfernt an britische Bands wie Joy Division oder The Cure. Der erste Drummer der Band, Martyn
Bull, starb kurz nach der Aufnahme dieser Single an Krebs. Obwohl der Song an
sich mit ihm gar nichts zu tun hat, widmete die Band ihm die Single. Martin
Phillips, Sänger und Gitarrist, war und blieb die Konstante bei The Chills bis zu ihrer Auflösung
1993. Allerdings gab es spätere Re-Unions. Diverse
Singles und EPs sowie drei reguläre LPs erschienen von The
Chills. Pink Frost war die zweite Single und ihr
erster Charterfolg in Neuseeland. In Europa war die Band zumindest in so
genannten Indie Kreisen relativ bekannt und beliebt.
Die B-Seite dieser Single ist ein Instrumentalstück mit Saxophon und kräftiger
im Sound als die A-Seite. Auch hier kann ich zum Preis nichts genaues sagen. Aber die Single taucht wohl nicht oft auf und
ist auch nicht wirklich günstig zu haben.
Eddie Cochran – Summertime
Blues / Let’s Get Together (Liberty Records, 1958/1968)
Kennen gelernt habe ich den “Summertime Blues” 1968 in der Version von Blue Cheer. Aber dankenswerterweise wurde das Original ob des
Cover Erfolgs wiederveröffentlicht. Auch wenn ich die
Blue Cheer Aufnahme des Songs nicht rundweg ablehne
(in ihrer brachialen Brutalität hat sie durchaus was), Eddie Cochrans Original aus dem Jahr 1958 ist so viel
angemessener und einfach brillant in dieser Schlichtheit. Eine Minute und 55
Sekunden akustischer Rock’n’Roll!
Großartig! D.h. es kann sein, dass da auch noch eine elektrisch verstärkte
Gitarre den Rhythmus unterstützt. Im Prinzip ist es aber nur Eddies
Akustikgitarre, die die Akkorde schrummt. Dazu kommen
Handclaps und Eddies prägnante Stimme ganz vorn. Die
durch enormen Hall entstellte zweite Stimme übernimmt den Part der ungeliebten
Autorität. Der Song selbst ist natürlich ein Klassiker, der die Nöte eines
Teenagers beschreibt, der in den Ferien jobbt und ständig irgendwo aneckt. Die
B-Seite hier ist eine kleine Abwandlung des Klassikers „C’mon Everybody“.
Eigentlich ist nur die Hookline „C’mon Everybody“
durch „Let’s Get
Together“ ersetzt. Und auch hier die typische
halbakustische Gretsch Gitarre, Schellenring und
Eddies Stimme. Eddie Cochran wurde am 3. Oktober 1938
in Oklahoma geboren. Er begann seine Karriere als Teil der Cochran
Brothers 1954. 1956 trennt sich das Duo, und Eddie feiert durch Auftritte in
Filmen wie „The Girl Can’t
Help It“ und „Untamed Youth“ erste große
Erfolge. 1960 stirbt er in Bath, in Großbritannien, an den Folgen eines
Autounfalls während einer UK Tournee. Er gehört neben Gene Vincent, Buddy Holly
und natürlich Elvis zu den ganz Großen des weißen amerikanischen Rock’n’Roll. Diese Single ist wahrscheinlich
nicht viel häufiger als das Original von 1958 zu finden. In Top Zustand findet
man beide nicht so leicht. Die Ausgabe von 1958 dürfte jedoch – auch ohne
Pic Sleeve – die
teurere sein.
Buddy
Holly – Peggy Sue / Rave On (Coral,
1957/58)
Auch
dies hier keine Originalsingle. Vermutlich erschien diese Hit-Kopplung aber
schon in den frühen Sixties. „Peggy Sue“
ist ebenfalls ein Beispiel für die spartanische Effektivität des frühen Rock’n’Roll. Eine halbakustische Gitarre, ein
treibender Trommelrhythmus, der mit nur zwei Toms auskommt. Dazu Buddys
typischer Hick-up Gesang, und dann ein heftiges ganz
nach vorn gemixtes Gitarrensolo, das diesen Namen eigentlich kaum verdient, und
doch unglaublich beeindruckt. „Rave On“
weist dagegen schon ein fast opulentes Arrangement auf mit zusätzlicher
bassähnlicher Rhythmusgitarre, Backup Vocals und
Piano Solo. Abgesehen vom großartigen Songwriting, es
ist erstaunlich, mit welch geringem aber effektivem Aufwand hier Dynamik
entsteht und absolut mitreissende Musik präsentiert
wird. Buddy Holly war der erste Rock’n’Roller,
der sich selbst produzierte. Geboren 1936 in Lubbock,
Texas, trat er bereits mit 13 bei Country Shows auf.
Sein Durchbruch zum Rock’n’Roll Sänger,
Komponist und schließlich Star kam 1956/57 noch mit The
Crickets, von denen er sich 1958 trennte. Er starb am
3. Februar 1959 bei einem Flugzeugabsturz in Iowa. Doch Buddy Hollys Platten
wurden immer wieder neu veröffentlicht und finden bis heute auch immer noch
neue Liebhaber. Zu Preis und Rarität dieser speziellen Single kann ich nicht
sehr viel sagen. Ich fand sie auf einer Börse vor einigen Jahren für relativ
kleines Geld. Aber Buddy Holly Originalsingles dürften generell eher weniger
günstig zu haben sein.
The Johnny Burnette
Trio – The Train Kept A-Rollin’ / Honey Hush (Coral,
1956)
Dies ist eine Replika, also eine
originalgetreue Nachpressung aus jüngerer Zeit, die ich erst vor wenigen
Monaten erwarb. Der Fifties Rock’n’Roll
und Rockabilly ist für mich noch immer weitgehend Terra Incognita. Bis auf die
ganz großen Hits der Zeit kenne ich wenig. Und so wurde mein Interesse für
Johnny Burnette und sein Rock’n’Roll
Trio auch erst durch Diskussionen in Internetforen und Sammlerkreisen geweckt.
Und dabei kenne ich die Version der Yardbirds von
„Train Kept A-Rollin““ schon seit Jahrzehnten. Doch seit
ich das Original endlich mal bewusst gehört habe, bin ich vollkommen begeistert
von dieser puren Energie, dieser Dynamik, dieser ungestümen rohen Brillanz!
Dieser Sound brennt! Buddy Holly und Eddie Cochran
wirken dagegen fast schon wie Mainstream Pop. –
Nee, Nee – keine Bange. Aber diese rohe ungeschliffene Kraft von Spiel
und Gesang hier, das ist eigentlich Punk. Oder doch ein früher Vorläufer. Das
hat Unmittelbarkeit und etwas absolut Zwingendes. Die Gitarre klingt so brutal
laut, auch bei „Honey Hush“, immer kurz
vorm Verzerren. Und der Gesang hat eine Unabdingbarkeit, eine Präsenz, die
keinen Widerspruch duldet. Unglaublich! – Johnny Burnette
und sein Bruder Dorsey, sowie ihr Kumpel Paul Burlison
waren eigentlich eher Hobbymusiker. Tagsüber arbeiteten sie als Elektriker. In
der gleichen Firma übrigens, bei der ein gewisser Elvis Presley als Kraftfahrer
beschäftigt war. 1956 gingen die drei nach New York und bekamen auch
tatsächlich einen Plattenvertrag. Ein paar Singles und eine 10“ LP
erschienen. Nichts davon brachte den großen Erfolg. Und 1957 löste sich das
Trio auf. Johnny sang später in den frühen Sixties
Pop Balladen mit einigem Erfolg. 1964 ertrank er beim Angeln. Der Begriff
Rockabilly wird allgemein auf den Sound des Johnny Burnette
Trios zurückgeführt. Heute gilt die Band als legendär und wegweisend. Ihre
Originalplatten sind sehr gesucht und entsprechend teuer. Eine deutsche
Original EP der Band erzielte kürzlich einen hohen dreistelligen Euro Betrag. Diese
Nachpressung dagegen kostete mich lediglich 12 US Dollar inklusive Porto.
Cupid’s
Inspiration – Yesterday Has Gone / Dream (CBS, 1968)
1968
reichte mein musikalischer Horizont noch kaum über die regelmäßigen in Berlin
empfangbaren Radiosendungen mit Beatmusik und den monatlichen Beat Club von
Radio Bremen hinaus. Und im Beat Club sah und hörte ich denn auch diese Band
zum ersten Mal im August 1968. Sofort eingenommen war ich von der klagenden
Melodie, mehr aber noch von dem theatralischen Arrangement mit Geigen, Bläsern,
dem ganzen großen Orchester eben. Diese Arrangements waren für eine bestimmte
Sorte britischer Popmusik zu jener Zeit ganz typisch. The
Love Affair oder Barry Ryan sind andere bekannte
Beispiele. Barocke Beatmusik möchte ich es nennen. Denn für mich und
meinesgleichen war auch das immer noch Beat. Im Gegensatz zu Schlager etwa. Die
Band war ganz zeitgemäß in Rüschenhemden, Kaftans und andere exotische Kleidung
gewandet. Die Haare zwar lang, aber wohl frisiert. Backenbärte waren schwer im
Kommen. Dies war quasi der Mainstream Pop damals im
UK. Die Band spielte wohl noch mehr Singles und sogar ein Album ein, blieb aber
das typische One-Hit-Wonder.
Die B-Seite der Single „Dream“ ist etwas
R&B orientierter und sogar ziemlich gut. Der Sänger hat eine kräftige
Bariton Stimme, die er bei beiden Songs trefflich einzusetzen versteht. Und er
ist ein weiteres Beispiel dafür, dass man auch mit einem Pferdegesicht Popstar
werden kann. Selten oder teuer ist diese Single wohl nicht.
Richard Harris – Mac Arthur
Park / Didn’t We (RCA Victor, 1968)
So.
„Hey Jude“ ist also die längste Single der Welt? Oder zumindest die
erste über 7 Minuten? – Stimmt nicht. „MacArthur
Park“, die Single, erschien bereits im Frühjahr 1968 und ist 7:20 lang.
Aber abgesehen von solch eher albernen Rekorden, das hier ist ein ganz
wunderbares und eigentümliches Stück Musik. Das sei Mädchenmusik, hieß es
damals (und auch heute noch bisweilen). Mich hat’s nicht gestört. Ich
habe mich sofort in diesen Song und vor allem diese Aufnahme, diese mini-Oper verliebt. Die Geschichte, der Song ist eigentlich
ziemlich absurd. Überspannt könnte man sagen. Ich meine, was sollen uns solche Lyrics bedeuten? „Someone left the cake out in the rain. I
don’t think that I can take it, ‘cause it
took so long to bake it…” Ok, inzwischen weiß ich auch, wie man
den Song interpretieren kann. Damals war mir das egal. Er war einfach groß,
geheimnisvoll, melancholisch, bombastisch ohne kitschig zu sein. Der Sänger
Richard Harris war im übrigen ein ziemlich guter
Schauspieler von internationalem Format. Im Oktober 2002 starb er, nachdem er
gerade den zweiten Teil von Harry Potter abgedreht hatte, im Alter von 72
Jahren an Krebs. Der Komponist Jim Webb hat „MacArthur
Park“ auch arrangiert und produziert. Er ist einer der großen
amerikanischen Komponisten der Gegenwart. Auch wenn ihm Manches vielleicht zu
süßlich und glatt geriet. Die B-Seite der Single ist hübsch, aber imgrunde mehr Füller als alles andere. „MacArthur Park“ erreichte in den US Charts Platz 2,
und auch im UK und in Deutschland wurde die Single ein Hit. Sie ist weder
besonders selten noch teuer, nehme ich an.
J.J.Light – Heya / On The Road Now (
Bis
zum Ende des Jahres 1969 habe ich jede Woche meine persönlichen Charts in ein
Schulheft notiert. Wenn man diese Charts für das Jahr 69 auswertet, dann ist
das hier meine Nummer Eins gewesen damals. Erstaunlich, muss ich heute dazu
sagen. Aber schlecht ist diese Single nicht. Bewahre! Amerikanischer R&B
mit einem gewissen Exoten-Faktor und der Ahnung kommender Hardrock Banalitäten.
J.J.Light war (ist) ein Indianer. Und „Heya“ ist eine Art Tribal Hymn, ein Stammesgesang. Das Arrangement, der Sound der
Aufnahme bewegt sich irgendwo zwischen Hendrix informiertem Acid
Rock und wie gesagt simplem Proto-Hardrock. Obwohl der Song, die Aufnahme aus
den USA stammt, war die Single nur in Deutschland und Italien (vielleicht auch
noch anderswo in Mitteleuropa) ein kleiner Hit. Vor allem in den
Ende der 60er aufkommenden Diskotheken wurde die Single rauf und runter
gespielt. Das Cover vermeldet groß und breit „Originalaufnahme“,
und das nicht ohne Grund. Es gab nämlich sowohl von der deutschen Band Geronimo
als auch von Adriano Celentano Aufnahmen des Songs,
die dem Original chartmäßig durchaus Paroli boten.
Während der Italiener wenigstens stimmlich mit dem Indianer mithielt, lieferten
die Pseudo-Rothäute Geronimo eine dumpfe Krautrock Version, die dennoch die
insgesamt erfolgreichste wurde. Leider. Die Rückseite dieser Single hier ist
quasi eine Fortsetzung der A-Seite, ohne deren Intensität, aber immer noch ganz
passabel. Wie selten oder teuer die Single ist, kann ich nicht sagen. Allzu doll wird
es aber nicht
sein.
The Ones – Lady Greengrass / Love Of Mine (Star Club,
1967)
Das hier ist wohl die schönste, die
beste psychedelische Beat Single aus Deutschland. Die Band aus Berlin hat ihre
Lektion des „Summer of Love“ sehr sehr
schnell gelernt. „Lady Greengrass“ ist
britischen oder amerikanischen Popsike Singles des
Jahres 1967 absolut ebenbürtig. Verträumt, verspielt mit den passenden Effekten
auf Gitarren und Gesang. Ein leichter Sommer Song über eine Lady, die alles das
tut, was der unbedarfte Beatfan von einem Hippie Mädchen erwartet. „She
lifts her dress and floats to dreamland… she lets her hair hang down, as
the weeds go around… pop, the trees turn tangerine! The sky is suddenly
green! Her eyes reveal her state of mind, she’s beginning to fly!” Bloß gut, dass die Verantwortlichen
des öffentlich rechtlichen Rundfunks den Text gar nicht verstanden haben.
Genützt hat es allerdings nicht. Die Single ging vollkommen unter. Heute ist
sie eine der rarsten und gesuchtesten aus
Deutschland. Unter anderem auch deshalb, weil der Gitarrist der Band, Edgar Froese, schon im folgenden Jahr selbst tangerine
turnte, Tangerine Dream.
Die B-Seite ist eine eher der Mod Kultur nahestehende R&B Nummer. Auch sehr gut und weit über
dem Durchschnitt dessen, was sonst in Deutschland möglich und üblich war. Es
blieb die einzige Veröffentlichung der Band, die übrigens im zweiten Halbjahr
1967 als Hausband auf dem Anwesen Salvador Dalis in Spanien engagiert war. Das
Cover Foto der Single entstand vor dem Schloss Charlottenburg. Den Slogan
„Music for Hippies“ hat wohl die
Plattenfirma ausgesucht. Ich selbst kannte damals weder die Band noch die
Single. Erst im Zuge meiner Forschungen zur deutschen Beat Musik stieß ich so
um 1976 auf The Ones. Die
Single ist wie gesagt eine der rarsten und leider auch teuersten des Genres und
der Zeit. Man muss schon einen dreistelligen Betrag kalkulieren.
The Syn
– Flowerman / 14th Hour
Technicolour Dream (Deram,
1967)
Eigentlich
war “14th Hour Technicolour
Dream” die heimliche A-Seite. In Deutschland
erschien die Single mit einem anderen „blumigeren“ Pic Sleeve. Das hier ist eine
französische Single. Eine Rarität schon für sich genommen, denn meist
erschienen in den Sixties in Frankreich nur EPs mit
vier Tracks. The Syn waren
eine der vielen tollen jungen innovativen Beat Bands, die im Zuge der
musikalischen Entwicklungen – nicht zuletzt durch die Veröffentlichung
von Revolver der Beatles ausgelöst – in Swinging
London wöchentlich neu ins Radio oder in die Clubs kamen. „Flowerman“ ist eine noch relativ konventionelle
Beatnummer. Sehr poppig, mit einem gewissen Mitschunkel
Charakter. Aber bereits mit ein paar neuen Soundeffekten. Das Thema ist im
Sommer von Flower Power logisch, oder? Der zweite
Song ist eine Hommage an ein Festival, ein Event, das im Frühjahr 1967 in
London stattfand. Und es ist eindeutig der viel schönere und psychedelischere
Track. Klasse Gitarrensounds, fetter treibender Bass, tolle Dynamik und diverse
Breaks und rhythmische Finessen. Dazu eine wunderschöne Melodie mit
überragenden Vokalharmonien, die den Beach Boys alle Ehre gemacht hätten. Im UK
erschien noch eine weitere Single der Band. Ein Hit war wohl keine der beiden.
Kennen gelernt habe ich The Syn
erst in den frühen 80ern durch das damals einsetzende weltweite Sixties Revival. Die Band hat
sich vor zwei Jahren in London weitgehend in Originalbesetzung reformiert und
tritt gelegentlich in England auf. Es gibt wohl auch neue Aufnahmen sowie eine Compilation mit ihrem Gesamtwerk. Ob sich das lohnt, kann
ich nicht beurteilen. Diese oder die deutsche Single kosten mit Sicherheit
inzwischen einen dreistelligen Betrag.
Tomorrow – Revolution / Three
Jolly Little Dwarfs (Odeon, 1967)
Und es gibt noch eine Steigerung.
Mühelos sogar! Das ist eine meiner Top Singles des Jahres 1967! In der
Rückschau jedenfalls. Tomorrow waren eine der live angesagtesten und hippesten Bands
im Summer of Love in London. Ihre Bühnenshow muss phantastisch gewesen sein,
traut man den Augen- und Ohrenzeugen Berichten in einschlägigen Fan- und
Sammlermagazinen. Nun, wenn ich mir ihre Tondokumente – gerade auch die
Live Aufnahmen, die es gibt – anhöre, will ich das gerne glauben. Zur Band gehörten
John „Twink“ Alder
(drums), John „Junior“ Wood (bass), Steve Howe (guitar) und Keith
West (vocals). Sie
kamen allesamt aus der britischen Beat und R&B Szene und hatten z.T. bereits in anderen Bands gespielt.
„Revolution“ war ihre zweite Single. Ihre erste „My White Bicycle“ war ein kleiner Hit, vor allem durch
häufiges Airplay der Pirate
Radios. Schon die erste Single war klasse! Unbekümmerter britischer PsychPop. Aber „Revolution“ ist ihr Meisterstück!
Eine richtige kleine Psych Pop Oper! D.h. der Begriff
„Oper“ trifft es nicht wirklich. Es ist wie ein Theaterstück in
mehreren Akten – in drei Minuten und 48 Sekunden. Die Revolution, die da
gefordert wird, ist in erster Linie eine kulturelle. Und sie wird bei der
Aufnahme bereits verwirklicht. Der Track beginnt mit heftigem Phasing auf verzerrtem Sprechgesang. Break. Revolution Now! Break. Vorwärts stürmende Pop Melodie. Break.
Zwischenspiel mit Geigen und Bläsern. Break. Revolution Now!
Und rückwärts das Ganze. Die Produktion, das Arrangement sind phantastisch! Was
die Beatles bei Sergeant Pepper oft allzu überspannt
bis bräsig gestalteten, das wird hier zu wahrhaft
subversiv anarchistischer Revolution geführt. Revolution Now!
Im wahrsten Sinne des Wortes! Die Aufnahme hat Drive, Dynamik, Power und zeugt
von unbändiger Kreativität! Ein Jammer, dass die Öffentlichkeit so wenig Notiz
nahm. Aber die Karriere von Tomorrow wurde
überschattet von Keith Wests Solo Erfolg, der mit „Excerpt
From A Teenage Opera“
einen Riesenhit hatte im Sommer 1967. Und als sich die EMI endlich entschloss,
die längst fertige LP zu veröffentlichen, war die Karawane der Blumenkinder
bereits weiter gezogen und die Band quasi aufgelöst. Steve Howe
wurde später Gitarrist von Yes. Twink
trommelte u.a. bei den Pink Fairies.
Und Keith West versuchte noch ein bisschen, seine Solo Karriere voranzutreiben.
Die B-Seite der Single „Three Jolly Little Dwarfs“ könnte
übrigens ohne weiteres ein Syd Barrett
Song sein. Text und Melodie tragen überdeutlich seine Handschrift. Ich stieß
auf Tomorrow und diese Single so Mitte der 70er Jahre
auf einer der ersten Berliner Plattenbörsen. Heute ist das hier auch ein
dreistellige Euro Angelegenheit.
The Rolling Stones – Jumpin’
Jack Flash / Child Of The
Moon (Decca, 1968)
Wo fang ich an? – Am besten am
Anfang. Dieses Gitarrenriff ist so unglaublich! Eine akustische Gitarre und
diese Power! Diese Bestimmtheit. Diese Dynamik. Die Wärme im Klang. Dieses
leichte Nachschwingen der Saiten. So und nicht anders muss es klingen. Dann
setzt der Gesang ein: „One Two!“
kommandiert Mick und leitet damit die eigentliche Rhythmuslinie, das Grundmotiv
ein. „I was born in a crossfire hurricane.” Und
dann im Refrain: “But
it’s alright, in fact it’s a gas!” Das kommt so locker, so
selbstverständlich. Vollkommen laid back. So nebenher
fast. Und doch mit einer Intensität, der man sich nicht entziehen kann.
Lediglich die Gitarre zieht etwas an. Später dann so eine Art Solo, ein
Zwischenteil. Das Tempo bleibt immer gleich, aber die Intensität nimmt zu.
Gegen Ende klingt es, als spielten da zehn akustische Gitarren. Stromgitarren
sind aber auch dabei. Eine auf jeden Fall. Ich habe den Film im Beat Club
damals auch gesehen, mit dem diese Single präsentiert wurde. Gleich gekauft und
20x hintereinander gehört. Trotzdem hielt das Feuer bei mir zunächst nicht an.
Zu viele andere neue und tolle Eindrücke, auch Platten, gab es damals. „Child Of The Moon“ passte
dann viel besser zu meinem Lebensgefühl Ende der Sechziger und Anfang der
Siebziger. Zauberer und Elfen, Hippie Mädchen und Räucherstäbchen standen im
Zentrum meines Interesses. Diese verträumte Langsamkeit des Seins wurde von der
Aufnahme mit exotisch klingenden Gitarren und schwebender Orgel und der
gleichsam betörenden Melodie sowie Micks gedehntem Gesang auf wunderbare Weise
gespiegelt. Erst Jahre später rückte die A-Seite der Single wieder in meinen
Fokus. Zusammen mit dem Album, das zur gleichen Zeit wie die Single entstand.
Heute weiß ich, das hier ist eine der besten Singles der Stones, ja eine der
besten Singles überhaupt! Selten oder besonders teuer ist sie wohl nicht, da
sie zigtausendfach verkauft wurde damals.
Creedence
Clearwater Revival – Fortunate Son / Down On The
Corner (
Auch hier ein großartiges, einmaliges
Gitarrenriff. Ich habe diese Band damals zwar wahrgenommen – wie auch
nicht, sie wurde überall im Radio gespielt und hatte Hit auf Hit – aber
zunächst ihre schlichte Genialität gar nicht zu schätzen gewusst. Ich war halt
auf dem Hippie Trip. Die meisten CCR Singles habe ich aber gekauft. Nur um sie
bald wieder zu verkaufen wie fast alle meine anderen Singles, weil ich ja nun
LPs kaufen wollte. Aber das gehört nicht hierher. Richtig großer John Fogerty
und CCR Fan wurde ich erst durch meine Bekanntschaft mit der finnischen
Rockmusik. In Finnland werden CCR nämlich beinahe stärker verehrt als die
Stones. Dieser vergleichsweise einfache, Blues und Country
informierte Rock’n’Roll findet bei jeder
zweiten finnischen Rock Band der vergangenen 30 Jahre seinen Widerhall. „Fortunate Son“ war bereits
die fünfte Single der Band. D.h. eigentlich war „Down On The Corner“ die A-Seite und natürlich auch der Hit.
Und mit seinem Shuffle Rhythmus, der eingängigen
Melodie und den zweifellos vorhandenen Ohrwurm Qualitäten, war es vollkommen zu
recht ein Hit. Aber mir gefiel schon damals instinktiv die andere Seite viel
besser. Auf den Text hatte ich gar nicht geachtet. Der hat jedoch eine Brisanz
– zu Zeiten des Vietnamkriegs ganz besonders – die den Song bis heute
aktuell erscheinen lassen. Während sich die Söhne der Reichen und
Einflussreichen vom Militärdienst loskaufen konnten und immer noch können (auch
wenn es heute keine Wehrpflicht mehr gibt in den USA), wurden und werden die
Jungs aus den unteren Gesellschaftsschichten in Vietnam oder heute im Irak
verheizt. Musikalisch ist das trefflich umgesetzt mit kraftvollen, fast
aggressiven Gitarrenakkorden und einem treibenden, stürmischen Rhythmus.
Insgesamt wie gesagt relativ schlicht, aber voller Power und Dynamik. Großartig
auch der Break in der Mitte. Kräftig geschlagene einfache Akkorde können so
viel ausdrücken. Die Single hier ist aus Frankreich, wo CCR auch Riesenerfolg
hatten. In Deutschland erschienen ihre Platten auf Bellaphon, unter Vertrag
(einem ziemlichen Abzockervertrag übrigens) waren sie jedoch in den USA bei Fantasy Records. CCR Singles sind meist nicht teuer und
relativ häufig.
Humble Pie
– Natural Born Bugie
/ Wrist Job (Immediate, 1969)
Als
sich The Small Faces zum
Jahreswechsel 1968/69 auflösten bzw. Steve Marriott
die Band verließ, bekam ich das zunächst gar nicht mit. Ich las damals noch
keine englischen Musikzeitungen, und hiesige Medien meldeten derartige
„Banalitäten“ mit erheblicher Verspätung, meist jedoch gar nicht.
Also erfuhr ich davon erst durch diese Single, die spätestens im Sommer 1969
auch hier zu Lande oft im Radio gespielt wurde. Peter Frampton
(ex The Herd) hatte die Band mit dem Drummer Jerry
Shirley gegründet, Steve Marriott und Greg Ridley (ex
Spooky Tooth) stießen bald
dazu. Back to the Roots,
war ihre Devise. Keine psychedelischen Eskapaden, nicht ausufernde Soli oder
mäandernde Klangteppiche waren das Ziel. Schlichten Blues infizierten erdigen
Rock wollten sie spielen. Ein paar folkloristische Elemente inklusive. Mit
„Natural Born Bugie“,
das Dank Steves Songwriting Talent auch ein echter
Popsong ist, ist das vortrefflich gelungen. Bei „Wrist
Job“, der B-Seite, ist dann allerdings auch ein wenig vom zeittypischen Hammond dominierten progressive Rock
zu hören. Progressive hier im positiven Sinn verstanden, wie in Spooky Tooth oder Procol Harum. Humble
Pie wurde damals als eine Art Supergroup
gesehen. Hatten doch alle Bandmitglieder bereits erfolgreiche
Pop Karrieren hinter sich. Nach der Pleite von Andrew Loog
Oldhams Immediate Records wechselte die Band zu
A&M in den USA. Dort hatte Humble Pie in den frühen Siebzigern den größten Erfolg mit Soul
infiziertem Blues Rock, besonders auch live. Die Single, eigentlich ihr
einziger richtiger Singlehit, ist wohl weder besonders selten noch teuer.
Mehr
Singles auf der ersten Seite,
auf der zweiten Seite, der dritten Seite, auf der fünften Seite, auf der sechsten Seite und auf der siebten Seite. Die folgenden
Charts sind aktualisiert auf Grundlage aller bislang besprochenen 7“45s.
Die Charts
01. The
Rolling Stones – Jumpin’ Jack Flash
02. The
Only Ones – Another Girl, Another Planet
03. Pink
Floyd – See Emily Play
04. The
Beach Boys – Good Vibrations
05. The
Byrds – Mr. Tambourine Man
06. The
Flamin’ Groovies
– Shake Some Action
07. The
Rolling Stones – The Last Time
08.
09. The
Beatles – Strawberry Fields Forever /
10. The
Rolling Stones – Satisfaction
11. Tomorrow
– Revolution
12. Neil
McArthur – She’s Not There
13. Joy Division – Love Will Tear Us Apart
14. The
Shadows – Apache
15. Wah! Heat – Better Scream
16. The
Beatles – Paperback Writer
17. The
Vogue – The Frozen Seas Of Io
18. The
Move – I Can Hear The Grass Grow
19. The
Adult Net – Edie
20. Wire
– Outdoor Miner
21. The
Times – Red With Purple Flashes
22. The
Squires – Going All The Way
23. Small
Faces –
24. The
Rolling Stones – Let’s Spend The Night Together
25. The
Yardbirds – Evil Hearted You
26. Jimi Hendrix Experience –
The Burning Of The Midnight Lamp
27. Spencer
Davis Group – Time Seller
28. Simon
Dupree and the Big Sound – Kites
29. The
Tornados – Telstar
30. Bob
Dylan – Like A Rolling Stone
31. Creedence Clearwater
Revival – Fortunate Son
32. The
Who – Pictures Of Lily
33. Nick
Nicely – Hilly Fields 1892 / 49 Cigars
34. Sonic’s Rendezvous
Band – City Slang
35. The
Monkees – I’m A Believer
36. The
Johnny Burnette Trio – The Train Kept
A-Rollin’
37. Dolly
Mixture – Everything And More
38. The
Misunderstood – Children Of The Sun
39. Eddie
Cochran – Summertime Blues
40. The
Jam – That’s Entertainment
41. Shocking
Blue – Send Me A Postcard
42. The
Church – Unguarded Moment
43. The Nights Of Iguana – Dry
44. Pretenders – Kid
45. Curved
Air – Back Street Luv
46. Clearlake
– Winterlight
47. The
Droogs – Only Game In Town
48. The
Flamin’ Groovies
– You Tore Me Down
49. Oasis
– Don’t Look Back In Anger
50. The Jam – Going Underground
51. The
Chills – Pink Frost
52. Ephemera
– Happy, Grateful, Aware
53. The
Seers – Lightning Strikes
54. Judy
Clay & William Bell – Private Number
55. Buddy
Holly – Peggy Sue
56. The
Libertines – What A Waster
57. Nurses
– D.Y.F.
58. Wipers
– Romeo
59. Richard
Harris – Mac Arthur Park
60. Droogs – Collector’s
Item
61. Nirvana
– Smells Like Teen Spirit
62. Bangles
– Hero Takes A Fall
63. Echo
and the Bunnymen – The Pictures On My Wall
64. The
Youngbloods – Get Together
65. Jimmy
Curtiss – Johnny Get Your Gun
66. The
Raconteurs . Steady, As She Goes
67. The
Kinks – Sunny Afternoon
68. The
Stems – At First Sight
69. The
Cowsills – The Rain, The Park & Other
Things
70. Direct
Hits – Modesty Blaise
71. The
Smoke – My Friend Jack
72. The
Supremes – Love Is Here, And Now You’re Gone
73. The
Beach Boys – Wendy
74. The
Smiths – Heaven Knows I’m Miserable Now
75. The
Ones – Lady Greengrass
76. The
Bongos – Bulrushes
77. The
Boots – Gloria
78. The
Dentists – Strawberries Are Growing In My Garden (And It’s
Wintertime)
79. Squire
– My Mind Goes Round In Circles
80. The
Slickee Boys – Here To Stay
81. The
Syn – 14th Hour Technicolour
Dream
82.
83. The
Grass Roots – Midnight Confessions
84. Virna Lindt
– Attention
85. The
Monks – Love Can Tame The Wild / He Went Down To The Sea
86. Edgar
Broughton Band – Hotel Room
87. Smokey
Robinson & The Miracles – The Tears Of A Clown
88. Joey
Dee & The Starliters – Ya
Ya
89. The
Svensk – Dream Magazine
90. Eppu Normaali
– Puhtoinen lähiöni
91. The
Names – Why Can’t It Be
92. Adamo – Inch Allah
93. Lemon
Tree – William Chalker’s Time Machine
94. Kursaal Flyers
– Little Does She Know
95. MC5
– Kick Out The Jams
96. The
Creation – Painter Man
97. The
Adverts – No Time To Be 21
98. Cosmic
Rough Riders – Baby, You’re So Free
99. The
Herd – From The Underworld
100.
The Teardrop Explodes – Treason
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