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Letztes Update: 07. März 2010


Kicks on 45 ! – Die besten Singles aller Zeiten! – Teil 5

Angeregt durch ähnliche Aktivitäten im Leserforum des deutschen Rolling Stone habe ich mich entschlossen, hier nach und nach meine liebsten 7“45s vorzustellen. Mit Coverabbildung (soweit möglich) und mit einer meist kurzen Erläuterung zu der jeweiligen Single. Daraus wird eine All-time Top 100 Liste entstehen. Denn jedes Mal wenn ich hier neue Singles einstelle, werde ich sie auch in meine Bestenliste aufnehmen. Diese Liste wird wachsen und sich verändern. Und es werden, wenn 100 erreicht sind, auch wieder einzelne Singles rausfliegen.

Das hier ist die fünfte Seite mit meinen 7“45 Favoriten. Los geht’s auf dieser Seite.

MC5 – Kick Out The Jams / Motor City Is Burning (Metronome, 1969)

Kick Out The Jams1969 war das Jahr des internationalen Vietnam Kongress in Berlin. Es war das Jahr, in dem der Traum der Blumenkinder von Frieden und Gleichheit unter allen Menschen endgültig begraben wurde. Spätestens in Altamont. Aber natürlich hatte die Politisierung der Popmusik schon viel früher begonnen. 1968 war eigentlich das Jahr des großen Umbruchs. Nicht umsonst spricht man ja auch heute noch von den „68-ern“. Im Jahr 1969 wurde für die, die es sehen wollten, dann schon klar, dass die Revolution kein Kindergeburtstag und kein großes alternatives Happening werden würde. Im Frühjahr 69 war ich das erste Mal auf politischen Demonstrationen. Da ging es um die verschiedensten Sachen, von der sexuellen Befreiung über die Raucherecke auf dem Schulhof meines Gymnasiums bis hin zu aktuellen Kürzungen im Bildungsetat des Berliner Senats. Mit roten Fahnen fuhren wir im offenen VW Cabriolet über den Ku-Damm. Und aus der Lautsprecherbox des tragbaren „Uher Report“ dröhnte „Kick Out The Jams“ – unter anderem. Die MC5 waren wohl nur vordergründig eine Politrockband. Wichtig war ihnen der pure Adrenalinstoß. Gepusht von lauten, schnörkellosen Gitarrenriffs und donnernden Rhythmen. Live müssen sie eine enorme Power gehabt haben. Obwohl sie damals auch in Berlin waren, hab’ ich sie leider nicht gesehen. Ihre erste Platte wurde live in Detroit aufgenommen. Und die beiden Tracks dieser Single stammen aus jener Session. „Kick Out The Jams“ wurde schnell zum Schlachtruf und Signature Tune von Demonstrationen weltweit. Den fünf Musikern ging es aber wohl vor allem um ihren Spaß und um den wahren Rock’n’Roll. Dies hier ist übrigens die entschärfte Fassung, bei der es zu Beginn heißt: „Kick out the jams, brothers and sisters!“ Die Rückseite ist eine schon fast traditionelle Bluesrock Nummer aus der Feder von Fred „Sonic“ Smith. Ich habe diese Single erst sehr viel später gekauft. Auch die LPs der MC5 entdeckte ich erst richtig 7-8 Jahre später, als sie von den 77er Punks als Inspiration und Vorbild genannt wurden. Zum Preis der Single kann ich nichts genaues sagen. Leicht zu finden ist sie aber als deutsche Pressung wohl nicht.

Ton Steine Scherben – Macht kaputt was euch kaputt macht / Wir streiken (TP 1001, 1970)

Ton Steine ScherbenEin Jahr später war es wie gesagt vorbei mit der Unschuld der Revolte. Es gab die RAF, es gab Tote, und es gab die zum Teil kopflose Überreaktion des Staates. Ich lebte allerdings in meiner behüteten kleinbürgerlichen Hippie Welt in Berlin Steglitz, wo die Probleme mit dem anderen Geschlecht für einen 16-jährigen Oberschüler weit existenzieller waren als die Weltrevolution. Dennoch hat diese Single schon damals den Weg in meine Plattensammlung gefunden. Es war eben auch eine Zeit des Ausprobierens und der Neugier auf Neues. Und diese Platte war die erste Eigenproduktion, von der wir in unserer Clique was mitbekamen. Später hab’ ich die Scherben dann auch ein paar Mal live gesehen, unter anderem bei 1. Mai Demos auf einem Lastwagen spielend. Seltsamerweise war mir der Text der beiden Songs fast egal damals. Links und revolutionär zu sein war „in“. Deshalb gehörten diese Lyrics einfach dazu, obwohl sie mit meiner eigenen Erfahrung eigentlich gar nicht korrespondierten. Musikalisch fand ich beide Tracks – und ich bin eigentlich noch immer dieser Meinung – ziemlich bedeutend. Diese schweren Gitarrenriffs, die eindringliche hypnotisierende Basslinie. Fast so etwas wie Proto Metal. Bedrohlich dräuend auch der heisere rausgeschriene „Gesang“. Die Single Version von „Macht kaputt“ ist übrigens viel besser gespielt und produziert als die Live Version auf der ersten LP der Band. Die 1000er Startauflage der Single war im Frühsommer 1970 innerhalb weniger Wochen vergriffen. Ganz ohne Vertrieb. Die Musiker haben die Platte selbst in die wenigen Platten- und Buchläden getragen, die so etwas verkaufen wollten. Danach gab es aber noch viele Nachpressungen, die leider nicht zu unterscheiden sind. Wie selten und teuer die Single ist, kann ich nicht sagen. 

 

Hotel RoomEdgar Broughton Band – Hotel Room / Call Me A Liar (Harvest, 1971)

Auch die Edgar Broughton Band aus England galt als Politrock Combo. Und auf ihren LPs finden sich ja auch immer wieder explizit politische Songs. „Hotel Room“ ist aber doch weit eher eine schöne relaxte Popsingle. Über einem ständig wiederholten stark verhallten Akustikgitarrenakkord setzt sogleich eine wunderschöne Slide-Gitarre ein. Auch der Gesang ist stark verhallt. Die Melodie eher schlicht aber deshalb nicht weniger beeindruckend. Nach der ersten Strophe setzt auch noch die Rhythmusgruppe ein. Und nach der zweiten Strophe erklingt im Hintergrund ein sphärischer Frauenchor. Einen richtigen Refrain gibt es gar nicht, es sein denn man bezeichnet die Schluss-Strophe als solchen. Es gibt drei unterschiedliche Melodieteile und ein paar Überleitungen. Die Atmosphäre des Tracks ist sehr entspannt und fast ein bisschen hymnisch. Alles ist sehr gekonnt arrangiert und durchproduziert. Bei den Lyrics bin ich mir nicht sicher, was sie eigentlich bedeuten sollen. So ein wenig pseudophilosophisch kommt mir der Text vor. Wie auch immer, zusammen mit „Back Street Luv“ von Curved Air (siehe weiter oben) war das die Single, die ich im Sommer 1971 in der Jukebox meiner Stammkneipe „Bazille“ am häufigsten gedrückt habe. Die B-Seite ist eine ziemlich unspektakuläre Status Quo mäßige Rocknummer, die nur durch einen angedeuteten Shuffle Rhythmus vor der völligen Unsäglichkeit bewahrt wird. Ich glaube nicht, dass diese Single sehr teuer oder schwer zu bekommen ist. 

 

That's EntertainmentThe Jam – That’s Entertainment / Down In The Tube Station at Midnight (live Version) (Metronome, 1980)

Paul Weller und The Jam haben eine ganze Reihe hervorragender Singles veröffentlicht. Die eine oder andere werde ich hier sicher noch vorstellen. Aber die beste von allen ist meiner Ansicht nach diese hier, die seinerzeit nur in Deutschland erschien. Der Song als solcher ist schon absolut großartig. So viel Abgeklärtheit und Weisheit liegt in diesen Lyrics eines gerade mal 22-jährigen. Das mag jetzt etwas pathetisch klingen, aber ich war und bin immer noch sehr beeindruckt und irgendwie mitgenommen von diesem Song. Aber auch die Interpretation, das Arrangement tragen viel zur Wirkung auf mich – und womöglich viele andere – bei. Diese Leichtigkeit der akustischen Gitarre, die den ganzen Track durchläuft. Die geniale tragende Basslinie, die clever gesetzten Snare Beats, Wellers wunderbar gefühlvoller Gesang, auch die Backing Vocals. Und dann natürlich der kleine Gimmick eines rückwärts laufenden Tapes, wahrscheinlich mit einer E-Gitarre. Die Singles von Paul Weller und The Jam waren für die Generation der um 1980 Jugendlichen mindestens so wichtig wie die von The Who, The Kinks oder The Rolling Stones für die Generation davor. Die enorm dynamische kraftvolle Live Version von „Down At The Tube Station At Midnight“ auf der B-Seite dieser Single legt davon beredt Zeugnis ab. Die vorliegende Single ist nicht sehr selten und sollte für 8-10 Euro zu bekommen sein.   

 

Direct Hits – Modesty Blaise / Sunny Honey Girl (Whaam!, 1982)

Modesty BlaiseEin weiteres Kleinod, das auf dem legendären und kurzlebigen Whaam! Label erschien. Whaam! Records wurde von Dan Treacy gegründet, der sich allerdings wenig um Vertrieb und Werbung scherte. Das Logo des Labels war ein Ausschnitt aus einem Gemälde von Roy Liechtenstein. Aber es war letztlich nicht der Pop Art Künstler, der Treacy verklagte, sondern die Popgruppe Wham, die Namensrechte geltend machte, obwohl Treacy eigentlich der erste war, der den Begriff im musikalischen Kontext benutze. Ihr wisst, wie solche Verfahren ausgehen. Die teureren Anwälte setzen sich durch. Dan Treacy nannte sein nächstes Label Dreamworld. Er hatte Glück, dass es den US Medienkonzern da noch nicht gab. Und als dieser auf den Plan trat, war Treacy wohl schon im Regelvollzug. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Direct Hits waren eine ganz famose Neo-Mod und Power Pop Band aus Großbritannien. Ein Trio, das nach dieser Single noch eine LP auf Whaam! und weitere EPs und Singles bei verschiedenen Labels veröffentlichte. „Modesty Blaise“ handelt von der aus dem gleichnamigen Comic und Film – hoffentlich – bekannten Agentin im Dienste der gerechten Sache (wobei sie selbst im Zweifel bestimmte, was gerecht ist). Eine faszinierende und auch ein bisschen geheimnisvolle Figur, natürlich auch eine sehr schöne Frau. Der Song über sie fängt das alles ganz wunderbar ein. Ein klassischer Modbeat Track, geführt von einem prägnanten Basslauf. Die Melodie steigt immer wieder wie in einem Kanon auf, kulminiert in einem Pete Townshend evozierenden Gitarrenbreak, um schließlich wieder zum Ausgangspunkt abzusteigen. Perfekt! Der wundervolle mehrstimmige Gesang unterstützt den tollen Gesamteindruck auf das Schönste. Auch die B-Seite ist überdurchschnittlich gut. Spontan denkt man an Paul Weller und The Jam. Aber der Song ist doch viel stärker noch im Sixties Mod Pop verwurzelt. Die rhythmischen Breaks und vor allem der leicht psychedelische Mittelteil rufen mir zumindest den Summer Of Love wieder herbei. Die A-Seite der Single ist letztlich aber um Längen besser. Perfekt eben! Wie alle Singles des Whaam! Labels ist auch diese selten und teuer.

Nick Nicely – Hilly Fields 1892 / 49 Cigars (EMI, 1982)

Nick NicelyWenn ich mich recht erinnere, war diese Single eine Empfehlung von Ehres, dem langjährigen Vinyl Verkäufer, Berater und gutem Geist bei Zip Records in Berlin (den Laden gibt es schon seit Ende der 80er nicht mehr). Ehres ist heute ein Kollege von mir und ein guter Freund. Als ich die Single zum ersten Mal hörte, traute ich meinen Ohren nicht. Das sollte aktuell 1982 sein? – Nie und nimmer! Das ist doch Syd Barrett, Kaleidoscope (die englischen), Hole-In-My-Shoe-Traffic, „I’m The Walrus“ und alles, was sonst noch im Swinging London des Jahres 1967 neu und exaltiert war. Es ist einfach die perfekte Psych Pop Single! Erst wenn man genau hinhört, bemerkt man, dass da eine Rhythmusmaschine den Takt vorgibt. Und der eine oder andere Synthesizer neuerer Bauart kommt wohl auch zum Einsatz. Dennoch, es ist eine herrlich überspannte und in sich absolut stimmige Klangcollage mit rückwärts laufenden Tapeloops, verzerrten Stimmen, die plötzlich wie aus dem Hut gezaubert auftauchen und wieder verschwinden. Klanghölzchen, Geigen, Bratschen, ja sogar auch mal eine Gitarre kommen zum Einsatz. Natürlich gibt es eine sehr schöne durchaus Ohrwurm taugliche Melodie. Der Text ist eher geheimnisvoll, und im Grunde ist es auch egal, was ein gewisser C.G. Fields 1892 in den Hügeln angestellt hat. Schöner als dieser Track ist nur wenig Vergleichbares. Die B-Seite ist von genau dem gleichen Kaliber. Ich kann mich gar nicht entscheiden, welcher Track der stimmigere ist. „49 Cigars“ ist vielleicht sogar etwas zugänglicher mit seinem fast bis zum Ende durchlaufenden Groove. Heavy Flanging auf einem bis zur Unkenntlichkeit verzerrten Gitarrenriff. Unglaublich! Für die Tanzfläche ist dieser Track auf jeden Fall der geeignetere. Bekifft hebt man völlig ab bei dieser Musik. Aber auch ohne chemisch-biologische Hilfsmittel kann man dabei auf einen Trip geraten. Nick Nicely, der Schöpfer dieses Meisterwerks, ist ein eher unscheinbarer Eigenbrötler und Tüftler aus Südengland. Er hat das alles ganz alleine eingespielt und gemixt, bei sich zuhause. Dieses ist seine zweite von zwei Singles. Die erste ist noch etwas rudimentär und stärker am Elektropop jener Zeit orientiert. Vor ein paar Jahren erschien ein Album mit allem, was der Mann bislang aufgenommen hat. Aber diese Single, die dort auch enthalten ist, bleibt die Krönung seines recht übersichtlichen Gesamtwerks. Sie ist ziemlich selten und vermutlich auch nicht gerade preiswert zu haben.

The Monks – Love Can Tame The Wild / He Went Down To The Sea (Polydor, 1967)

Love Can Tame The WildIrgendwann im Herbst 1966 sah ich The Monks im Beat Club. Da war ich noch gar nicht so richtig infiziert von der Beatmusik. Aber diese Band – die da wohl ihre erste Single „Oh How To Do Now“ präsentierte – hinterließ bei mir einen starken Eindruck. Dass die mit ihren Mönchskutten und Tonsuren und dieser irgendwie schrägen Musik anders waren als die anderen Beat Gruppen, das merkte sogar ich als gerade mal 13-jähriger unbedarfter und zufälliger Augen- und Ohrenzeuge. Für lange Zeit blieb das mein einziger Kontakt mit der Band. Erst Jahre später wurde ich wieder auf die Monks aufmerksam. Und als 1979 ihre einzige LP wiederveröffentlicht wurde, kaufte ich die sofort. Die gesamte Bandstory werde ich hier jetzt nicht erzählen. Die müsst ihr anderswo nachlesen, im FanzineUgly Things“ z.B. oder in der Biographie des Monks Bassisten Eddie Shaw „Black Monk Time“ oder auf der Homepage der Band www.the-monks.com. Den Dokumentarfilm „The Transatlantic Feedback“ kann ich auch sehr empfehlen. Drei Singles gibt es von The Monks. Die erste ist auch auf der LP, die zweite und dritte sind es nicht. Diese hier ist die dritte und letzte. „Love Can Tame The Wild“ ist zwar schon von der Instrumentierung her eine typische Monks Nummer, aber der Track ist nicht so wild und kompromisslos wie etliche andere Aufnahmen der Band, die vor allem von den späteren und jüngeren Anhängern des Monks Sounds geschätzt werden. Der Track beginnt wie eine Vaudeville Nummer im 4/4 Takt und erinnert auch ein bisschen an zeitgleiche britische Pop Singles etwa der Kinks oder der Bonzo Dog Doo Dah Band. Das als quasi Refrain ständig wiederholte „Love Can Tame The Wild“ könnte als Zugeständnis der Monks an die Flower Power Bewegung verstanden werden. Das fast hymnisch vorgetragene Versprechen eines „Silver Moonlights“ wäre wohl mit der nie produzierten zweiten LP eingelöst worden, hätte sich die Band nicht schon 1967 aufgelöst. Gegen Ende der A-Seite hört man ein kurzes aber ziemlich abgefahrenes Solo auf dem Honky Tonk Piano. Dann fadet die Aufnahme nach 2 ½ Minuten aus. Die B-Seite „He Went Down To The Sea“ gefällt mir noch viel besser. Das ist das Monks Äquivalent eines Psych Pop Tracks. Mit einem ungewöhnlichen 6/8 Rhythmus, einer ständig wiederholten jangly Gitarrenfigur, Flöten und Triangeln im Hintergrund, einer Gesangsmelodie, die zwischen Kopf- und Bruststimme ständig pendelt, und schließlich einem Trompeten Solo kurz vor dem Ende. Insgesamt ist das eine der ungewöhnlichsten wie seltsamsten Singles des an Kuriositäten bestimmt nicht armen Jahres 1967. Die Originalsingle dürfte hoffnungslos rar sein. Das hier ist eine erst 2005 erschienene originalgetreue Nachpressung, die bei dem einem oder anderen Mail Order noch für 10 Euro erhältlich ist.

I'm Allergic To FlowersThe Jefferson Handkerchief – I’m Allergic To Flowers / The Little Matador (Challenge, 1967)

Noch so eine Kuriosität aus dem Summer Of Love. Zum ersten Mal hörte ich diesen Song, diese Aufnahme auf einem der ersten „PebblesSampler, die seit 1979 erschienen und die bis dahin weitgehend unbekannte Geschichte von Psychedelic Punk und Garage Pop der Sixties aufarbeiteten. Wie ich dann in den Liner Notes der in Deutschland veröffentlichten „Mindrocker“ Reihe nachlesen konnte, handelt es sich hierbei um einen Gag, den sich Studiomusiker in Kalifornien im Sommer 1967 erlaubten. Eine Band Jefferson Handkerchief existierte also nie wirklich. Dennoch ist die A-Seite dieser Single musikalisch absolut authentischer Westcoast Psych Pop, wie ihn Jefferson Airplane oder Strawberry Alarm Clock kaum besser hinbekommen hätten. Der Text nimmt natürlich die Blumenkinder ordentlich auf die Schippe. Tja, mit einer Allergie gegen Blumen jeglicher Art musste man im San Francisco des Sommers 1967 zwangsläufig ununterbrochen niesen. Die B-Seite lässt dann aber doch deutlich erkennen, dass es sich hier um einen Fake handelt. Eine pseudo-lateinamerikanische Instrumentalnummer ist „The Little Matador“; sauber gespielt aber nur mäßig originell. Die Single war kein Hit (wahrscheinlich nicht mal ein regionaler) und ist wohl ziemlich selten. Ich habe dieses Promo-Exemplar erst kürzlich bei eBay für 30 US Dollar gekauft. Ich sah die Single aber auch schon für den dreifachen Preis weggehen.

 

Neil McArthur – She’s Not There / World Of Glass (Deram, 1968)

She's Not ThereDiese Single bekam ich von einem DJ im Pop Inn (einem Jugendclub in Berlin Steglitz) Anfang des Jahres 1969 geschenkt, als der seine Diskothek aufräumte. Ich möchte betonen, dass ich lange Zeit nicht wusste, wer Neil McArthur ist, und dass es eine Originalversion dieses Songs bereits vier Jahre zuvor gab. In diese Version von „She’s Not There“ habe ich mich jedenfalls sofort verliebt. Dieses etwas überspannte, mild psychedelische, typische Spät-Sixties Arrangement ist einfach wunderbar. Es verleiht dem Song eine zusätzliche Dramatik, die den Verlust der Angebeteten noch unüberwindlicher erscheinen lässt. Dieses Geigen Crescendo zu Beginn, dann die softe Akustikgitarre, die wundervolle Stimme Colin Blunstones, die sacht einsetzende Fuzzgitarre, der knackige E-Bass, später die Geigen und die aufrührenden Drumfills. Im Zwischenteil dann Flöte und erneute Streicher Ekstase. Die Dynamik des Ganzen ist unglaublich! Eine absolut perfekte Pop Produktion, wie ich sie so sehr liebe! Für mich bleibt das immer die ultimative Version des Songs. Auch wenn ich die ursprüngliche Aufnahme der Zombies natürlich inzwischen längst kenne und ebenfalls schätze. Ja, Neil McArthur ist Colin Blunstone, der ehemalige Leadsänger der Zombies. Nach dem Ende der Band versuchte er unter diesem Pseudonym eine Solo Karriere zu starten. Unter dem Namen Neil McArthur erschienen drei Singles, von denen diese hier mit Abstand die beste ist. Dann machte Colin unter seinem richtigen Namen weiter. Mit etwas mehr Erfolg wohl, wenn auch die großen Hits ausblieben. Aber zurück zur vorliegenden Single. Die B-Seite ist eine sehr ruhige, verträumt melancholische Folk Pop Nummer. Sehr schön, wie ich finde, auch wenn sie natürlich lange nicht die Klasse der A-Seite erreicht. In England kam die Single sogar in die unteren Regionen der Charts. Hier in Deutschland war sie ein totaler Flop. Es gibt sie auch als holländische und belgische Pressung mit nahezu identischem Pic Sleeve. Relativ selten ist sie in allen drei Versionen. Nur die englische Pressung ohne Bildhülle taucht häufiger auf. Die deutsche Pressung dürfte so um die 30-40 € kosten in Top Zustand.

The Svensk – Dream Magazine / Getting Old (Hansa Records, 1967)

The SvenskZuerst gehört habe ich diese Single im SF-Beat, der Jugendsendung des SFB, im Winter 1967/68. Ein Song, eine Aufnahme wie geschaffen für lange Winterabende bei Kerzenlicht und wärmendem Tee oder Glühwein. Eingeleitet wird der Track von einer Art Kirchenorgel, die im Hintergrund dann auch weiterspielt und im Mittelteil zu erneuter Dominanz mit einem Solo gelangt. Das Arrangement ist ansonsten schon eher Beat typisch mit prägnanter Schlagzeugbegleitung und einer elektrisch abgenommenen 12-saitigen akustischen Schlaggitarre. Hat ein bisschen was von einem Donovan Track. Das Tempo ist gebremst, die Melodie schlicht aber schön. Die B-Seite ist eine ebenso ruhige, ebenso verträumte Folk Rock Nummer. Mit den gedoppelten und stark verhallten Backing Vocals erinnert die Aufnahme ganz entfernt an „Still I’m Sad“ der Yardbirds. Der Song als solcher ist schlicht und unscheinbar. Vom Feeling her passt die Single wunderbar in die psychedelischen Spätsechziger in England. Und von dort kommt auch das Duo The Svensk. Wer sich dahinter verbirgt ist nicht mehr zu ermitteln. Die Single wurde von Larry Page produziert und erschien in England auf seinem Page One Label. Vermutlich blieb sie die einzige Veröffentlichung der beiden Briten, denn Erfolg war der Aufnahme weder dort noch hier beschieden, sieht man von den drei oder vier Einsätzen im SF-Beat damals ab. Gekauft worden ist die Single aber wohl doch vereinzelt. Mein Exemplar erbte ich von einem zwei Jahre älteren Jugendfreund, der sich Anfang der Siebziger Jahre von fast allen seinen Singles trennte. Heute ist die deutsche Pressung zwar recht rar, aber wohl nicht sonderlich begehrt. Um die 30-40 € für eine Top Copy muss man dennoch veranschlagen, denke ich.

 

Lemon Tree – William Chalker’s Time Machine / I Can Touch A Rainbow (Parlophone, 1968)

Lemon TreeAuf meinen Streifzügen durch die Plattenläden Berlins landete ich Mitte der Siebziger Jahre auch hinterm Schloss Charlottenburg im Tegeler Weg bei Platten-Pedro. Pedro hatte damals einen extra Laden nur mit Singles. Da gab es auch einen kleinen tragbaren Plattenspieler, in den man die schwarzen Scheiben seitlich hineinsteckte, um sie abzuspielen. Pedro ließ einen da so lange man wollte Singles anhören. Ich verbrachte also ganze Nachmittage damit, die ungeordneten Kästen und Waschkörbe zu durchforsten und vom Cover oder Titel her vielversprechende Singles anzutesten. So kam ich auch zu „William Chalker’s Time Machine“, der deutschen Pressung auf Odeon. Die habe ich dann allerdings später in meinem Laden in Schöneberg wieder verkauft. Doch vor einigen Monaten fand ich diese holländische Pressung, die ich schon wegen des wundervollen Pic Sleeves sofort kaufte. Die Band Lemon Tree stammt aus Birmingham wie The Move und The Idle Race. Und zum Umfeld dieser Gruppen gehörte sie auch. Diese Single wurde vom ehemaligen Move Bassisten Ace Kefford geschrieben und von Andy Fairweather-Low und Trevor Burton produziert. A- und B-Seite klingen auch wie eine typische Move Single, wobei die „Time Machine“ eher catchy und fetzig ist, die „Rainbow“ Seite eine Spur verhaltener. Vor allem bei „Time Machine“ wird alles an Studiotechnik und Gimmicks aufgefahren, was seinerzeit angesagt war. Entstanden ist so eine klasse Pop Single zwischen Freakbeat und frühem Power Pop. Zu einem Hit hat es dann aber nicht gelangt. Ob nun diese holländische oder die deutsche Pressung mit ebenfalls ansehnlicher Bildhülle, die Single ist eher rar. Unter 50 € wird man sie in Top Zustand wohl nicht bekommen. Die englische ohne Pic Sleeve dürfte etwas günstiger sein.

Jimmy Curtiss – Johnny Get Your Gun / For What I Am (Perception, 1969)

Johnny Get Your GunNach dieser Single habe ich ungefähr 20 Jahre lang gesucht, praktisch seit ich von ihrer Existenz erfuhr. Zu Jimmy Curtiss habe ich an anderer Stelle schon so Einiges geschrieben. Und der Mann wird uns auch hier noch mindestens ein weiteres Mal begegnen. Diese Single ist seine letzte Solo Veröffentlichung. Sie erschien 1969 als Auskopplung aus seinem einzigen Solo Album „Life“. Curtiss betrieb damals in New York mit anderen eine eigene Produktionsfirma und ein eigenes Label, Perception Records. „Life“ ist eine Singer/Songwriter Platte im Stil von Leuten wie Emmitt Rhodes oder auch James Taylor. „Johnny Get Your Gun“ ist ein typischer Antikriegssong, der an Folk Traditionen ebenso anknüpft wie an den Folk Pop von P.F. Sloan u.a. Melodie, Text und Arrangement bilden eine perfekte Einheit, die absolut überzeugend wirkt. Warum der Aufnahme und dem Song kein Erfolg beschieden war, ist mir nicht so leicht erklärlich. Vielleicht war der Text schon zu radikal, vielleicht reichte die Promotion der kleinen Firma Perception nicht aus. Ich finde den Song großartig, und ich bekomme nach wie vor eine Gänsehaut, wenn ich ihn höre. Die B-Seite „For What I Am“ ist ebenfalls ein folkiger Pop Song, in dem es ganz schlicht und ergreifend um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Abgesehen von einer hübschen und ungewöhnlichen melodischen Wendung im Refrain, ist dieser Track aber eher unscheinbar. Er ist übrigens nicht auf der LP und auch sonst nirgends veröffentlicht. Ich weiß nicht genau, ob die Single überhaupt offiziell je veröffentlicht wurde. Mein Exemplar ist eine Promo Copy. Ich habe wie gesagt in 20 Jahren auch nur dieses eine Exemplar gefunden. Die LP dagegen taucht immer mal wieder bei eBay oder bei US Händlern auf, zu einem normalen Preis von ca. 15-20 € meist. Diese Single hat mich 10 US Dollar gekostet. 

ClearlakeClearlake – Winterlight / Jumble Sailing (Dusty Company, 2000)

“I can’t explain in words, at least none that I’ve heard, and even if I could, who cares? There’s something slightly strange, you really can’t explain the quality of light around this time of year.” – Mit diesen Worten, gesprochen von einer verloren klingenden, traurigen Stimme über einem an- und abschwellenden Synthi-Cluster, beginnt einer der schönsten Tracks der letzten zehn Jahre. Dann setzt die Band relativ kraftvoll, fast heftig ein. Die nun folgende Performance, die Melodie, der Song sind so unglaublich schön und erhaben, man muss das hören. Beschreiben lässt es sich kaum. Der ganze Vortrag badet in einer Art trotziger Melancholie. Trauer, Verlust, aber auch eine gewisse Larmoyanz werden in eine wunderbare Popsingle transponiert, die trotz aller Melancholie auch etwas Stürmisches und Hoffnungsvolles hat. Die Band aus Brighton hat weder davor noch seither wieder so eine großartige Single hinbekommen. Seit 1995 existiert die Gruppe. Im Jahr 2006 konnte sie mit „It’s Getting Light Outside“ wenigstens ein bisschen an den Glanz dieser Ausnahmesingle hier anknüpfen. Die B-Seite der vorliegenden 7“45 „Jumble Sailing“ ist hübsch und fast ein wenig kitschig. Im Vergleich zur A-Seite verblasst der Track natürlich etwas. Klingt einfach nur freundlich und erholsam. „Winterlight“ war kein Hit und doch die beste Single des Jahres 2000. Man bekommt sie bei einschlägigen Händlern im UK für ca. 6-8 € noch immer.

 

EphemeraEphemera – Happy, Grateful, Aware / Oh Yeah (Vinyl Japan, 2002)

Aus Bergen in Norwegen stammt diese Girlgroup, die mit „Happy, Grateful, Aware“ ebenfalls ein Ausnahmewerk veröffentlicht hat. Drei Frauen machen alles selbst. Sie schreiben die Songs, spielen die Instrumente, singen natürlich, und sie veröffentlichen ihre Platten selbst. Diese Single erschien allerdings in Lizenz bei Vinyl Japan in London. Die beiden Tracks kamen zunächst auf dem Debütalbum respektive dem zweiten Album der Band in Norwegen heraus. Die Single steht ganz in der Tradition eines leichten, locker luftigen Girlpops eher britischer und europäischer Prägung. Dieser Sound und die damit einhergehende Stilistik sind imgrunde zeitlos. Die von Captain Sensible in den frühen Achtziger Jahren produzierten Dolly Mixture fallen mir als Vergleich ein. Jangly Guitars, sparsam eingesetzte Keyboards, ein sehr weicher, transparenter und warmer Sound, wunderschöne Harmonien, glockenhelle Stimmen. Perfekter Pop eben! Die Flipside ist ebenfalls sehr schön. Nicht ganz so zwingend bezaubernd indes. Fast schon gewöhnlich im Vergleich. Ende 2003 fanden die Mädels auch in Deutschland ein Label, das ihre Platten lizenzierte leider jedoch nicht auf Vinyl veröffentlichte. Bei ihren Gigs in Deutschland spielten die drei Musikerinnen (von zwei Musikern verstärkt) die großartige Single dann nicht mal. Frauen haben eben ihren eigenen Kopf und eigene Vorstellungen ihre Popkarriere betreffend. Die Single – die beste des Jahres 2002 – ist hier und da noch regulär erhältlich für um die 6 €.

 

What A WasterThe Libertines – What A Waster / I Get Along (Rough Trade UK, 2002)

Die beste Debütsingle in 20 Jahren, schrieb ich seinerzeit. Jetzt, da die Ephemera 7“ direkt darüber steht, muss ich einschränken: die zweitbeste. Denn Ephemeras 7“ 45 ist ebenfalls eine Debütsingle (ihre einzige auf Vinyl sogar). Stilistisch vergleichen kann man die beiden Bands natürlich nicht. Allenfalls die Ausgelassenheit und Unbekümmertheit, die hier zutage tritt, ist bei beiden Gruppen ähnlich. Aber The Libertines gehen natürlich mit viel größerem Lärmpegel und Adrenalinausstoß zu Werke. In punkto Pop Appeal kann man dann doch wieder Vergleiche ziehen. Denn auch bei The Libertines ist der Trash, das Feedback kontrolliert. Vom ersten Gitarrenintro bis zum letzten „Klack“, wenn der Verstärker im ausklingenden Feedback abgeschaltet wird, ist dieses kleine Monster von Garage Pop überlegt und spontan zugleich. Diese Anspannung, diese kaum zu haltende Balance, die den Sound und die Präsenz der Band hier ausmacht, ist förmlich aus jeder Note zu spüren. Das gilt ebenso für die Flipside, die sogar noch ungestümer daherkommt. Beide Songs sind große Klasse. „What A Waster“ hat einfach noch das gewisse Etwas, das diesen Track richtig genial macht. Selbst als Pete und Carl den Song während eines Radio Interviews im Herbst 2002 kurz mit der akustischen Gitarre anspielten und ansangen, bekam ich sofort Gänsehaut. Obwohl Pete damals völlig bekifft war und sonst kaum ein sinnvolles Wort rausbrachte. 2000 Stück wurden gepresst, soweit ich weiß. Viel zu wenig, wenn man bedenkt, dass gerade ein Exemplar im Zustand EX/EX bei Vinyl Tap für 75 englische Pfund angeboten wird.

The Raconteurs – Steady, As She Goes / Store Bought Bones (XL Recordings, 2006)

Steady, As She GoesMeine Single des Jahres 2006. Die A-Seite vereint vieles, was ich an moderner Pop/Rockmusik liebe. Da ist zunächst die sehr einprägsame, fast ohrwurmartige Melodie. Die Songstruktur ist alles andere als klassisch, und doch gibt es Strophe, Refrain sowie andere vertraute immer wiederkehrende Elemente. Die Instrumentierung ist in der Tat die ganz klassische: Bass, Schlagzeug, zwei elektrische Gitarren, Gesang und Hintergrundgesang bzw. Haupt- und Nebenstimmen. Das Arrangement vereint genau die Elemente, die ich besonders mag. Ein poppiger nicht zu überladener Rocksound, ein paar Aufmerksamkeit heischende Tempowechsel bzw. Breaks, klangliche Gimmicks von der Hauptgitarre, eine ganz leicht angedeutete Stimmung von Garage Psychedelia, die Keyboards bringen Atmosphäre, ohne irgendwie aufzufallen. Die verschiedenen Gesangsstimmen sorgen geschickt für zusätzliche Spannung. Alles in allem eine unspektakuläre aber dennoch großartige Aufnahme. Die B-Seite kommt dann schon wesentlich psychedelischer daher und erinnert stark an den Blues informierten Underground Rock der frühen Siebziger Jahre. Led Purple oder Deep Zeppelin, könnte man meinen. Das Single Cover greift übrigens diese Stilelemente in ebenso typischer Weise auf. Zur Band muss ich wohl nicht viel sagen. Hier verbinden sich die Eigenschaften und Vorlieben der beteiligten Musiker auf geradezu perfekte Art und Weise. Jack White: Blues und Seventies Rock, Brendan Benson: Indie Pop, Jack Lawrence und Patrick Keeler: Folk Rock und Garage Pop. Die Single erschien ursprünglich in einer limitierten Version „A“, die inzwischen um die 30 € kosten dürfte. Dieses hier ist die nicht limitierte Version „B“ (zu erkennen am entsprechenden Coveraufdruck), die man noch überall für kleines Geld bekommt. Eine Version „C“ mit anderem Cover bietet eine Akustikaufnahme von „Steady, As She Goes“, die auch ihren Reiz hat, aber m.E. die Magie der rockigen Fassung nicht erreicht. Die B-Seite dort ist „Call It A Day“, leider ebenso wie „Store Bought Bones“ vom Album der Band.

Charlotte GainsbourgCharlotte Gainsbourg – The Songs That We Sing / Jamais (Because / Atlantic, 2006)

Ebenfalls eine sehr schöne und einprägsame Melodie. Leicht, luftig, träumerisch schwebt der Song getragen von einem etwas verspielten sehr hübschen Arrangement mit Streichern, verschiedenen Keyboards und noch anderen wahrscheinlich elektronischen Instrumenten. Die Musik wurde von Nicolas Godin und Jean-Benoit Dunckel geschrieben. Ein Gespann, das man wohl eher unter dem Namen Air kennt. Mit deren Musik, wie wohl sie nicht unangenehm klingt, konnte ich bislang eigentlich nicht sehr viel anfangen. Aber hier passen Komposition und Arrangement wunderbar zu der Stimme von Charlotte Gainsbourg, der Tochter von Serge Gainsbourg und Jane Birkin. Ebenso wie ihre Mutter hat sie nicht unbedingt eine kräftige volle Stimme. Sie haucht und säuselt mehr. Aber genau das macht den Reiz dieser Single aus. Und das Arrangement ist wie gesagt wunderbar darauf abgestimmt. Im Prinzip gilt das auch für die B-Seite der Single, wie wohl der Song „Jamais“ nicht ganz so reizvoll ist. Nicht dass ich besonders auf die Lyrics geachtet hätte, aber allein die Tatsache, dass Jarvis Cocker und bei „The Songs That We Sing“ auch noch Neil Hannon hier der Autorenschaft bezichtigt werden, adelt die Songs, finde ich. Aber im Ernst, der Text hat es in sich. Immerhin stellt er die Bedeutung von Pop Lyrics generell infrage. Und so ganz nebenbei wird die schrille oberflächliche Scheinwelt des Pop mit infrage gestellt. Die Single dürfte noch relativ leicht zum ganz normalen Preis von 4-6 € zu haben sein.

 

ViolenceRose Kemp – Violence / Fire In The Garden (One Little Indian, 2006)

Ebenfalls eine Tochter berühmter Leute ist Rose Kemp. Ihre Eltern sind Rick Kemp (Schlagzeuger) und Maddy Prior (Sängerin), beide lange Jahre Mitglieder der Folkrock Band Steeleye Span. Rose wurde 1984 geboren. Ihre ersten Gesangs- und Bühnenerfahrungen sammelte sie im Gefolge der Band ihrer Eltern. Seit ein paar Jahren macht sie jedoch allein oder mit Freunden aus einer eher alternativen und kompromisslosen Underground Szene Musik. Sie spielt in verschiedenen independent Rockgruppen mit, veröffentlicht aber auch unter ihrem eigenen Namen Platten, so wie diese hier. Ihre Attitüde, ihr Gesangsstil erinnert ein wenig an Patti Smith oder auch an PJ Harvey. „Violence“ lässt sich am besten als Alternative Rock Ballade beschreiben. Der Track beginnt verhalten, sparsam instrumentiert, mit einer eindringlich vorgetragenen Gesangslinie. Dann bricht ein wahres Gewitter von gewaltigem Lärm über den Zuhörer herein, bricht wieder ab, macht einer weiteren eher klagenden Strophe Platz, um erneut hereinzubrechen. Und so fort. Der Track lebt vor allem von diesem Gegensatz und der Eindringlichkeit, mit der beide Komponenten vorgetragen werden. Auch die Flipside bietet einen sehr gefühlsbetonten, ausdrucksstarken Track, der fast ohne Instrumente auskommt. Nur Roses Stimme in allen Variationen und mit sich selbst gedoppelt trägt den Song, der ab der Mitte ca. dann noch mit einem anschwellenden Orgelton unterlegt ist. Da die Single erst im November erschien und nicht gerade zum Hit avancierte, sollte sie relativ problemlos für wenig Geld zu haben sein.   

       

Mehr Singles auf der ersten Seite, auf der zweiten Seite, auf der dritten Seite, auf der vierten Seite, auf der sechsten Seite und auf der siebten Seite. Die folgenden Charts sind aktualisiert auf Grundlage aller bislang besprochenen 7“45s.

Die Charts

01.   The Rolling Stones – Jumpin’ Jack Flash

02.   The Only Ones – Another Girl, Another Planet

03.   Pink Floyd – See Emily Play

04.   The Beach Boys – Good Vibrations

05.   The Byrds – Mr. Tambourine Man

06.   The FlaminGroovies – Shake Some Action

07.   The Rolling Stones – The Last Time

08.   Jefferson Airplane – White Rabbit

09.   The Beatles – Strawberry Fields Forever / Penny Lane

10.   The Rolling Stones – Satisfaction

11.   Tomorrow – Revolution

12.   Neil McArthur – She’s Not There 

13.   Joy Division – Love Will Tear Us Apart

14.   The Shadows – Apache

15.   Wah! Heat – Better Scream

16.   The Beatles – Paperback Writer

17.   The Vogue – The Frozen Seas Of Io

18.   The Move – I Can Hear The Grass Grow

19.   The Adult Net – Edie

20.   Wire – Outdoor Miner

21.   The Times – Red With Purple Flashes

22.   The Squires – Going All The Way

23.   Small Faces – Itchycoo Park

24.   The Rolling Stones – Let’s Spend The Night Together

25.   The Yardbirds – Evil Hearted You

26.   Jimi Hendrix Experience – The Burning Of The Midnight Lamp

27.   Spencer Davis Group – Time Seller

28.   Simon Dupree and the Big Sound – Kites 

29.   The Tornados – Telstar

30.   Bob Dylan – Like A Rolling Stone

31.   Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son

32.   The Who – Pictures Of Lily

33.   Nick Nicely – Hilly Fields 1892 / 49 Cigars

34.   Sonic’s Rendezvous Band – City Slang

35.   The Monkees – I’m A Believer

36.   The Johnny Burnette Trio – The Train Kept A-Rollin’

37.   Dolly Mixture – Everything And More

38.   The Misunderstood – Children Of The Sun

39.   Eddie Cochran – Summertime Blues

40.   The Jam – That’s Entertainment

41.   Shocking Blue – Send Me A Postcard

42.   The Church – Unguarded Moment

43.   The Nights Of Iguana – Dry Nancy

44.   Pretenders – Kid

45.   Curved Air – Back Street Luv

46.   Clearlake – Winterlight

47.   The Droogs – Only Game In Town

48.   The FlaminGroovies – You Tore Me Down

49.   Oasis – Don’t Look Back In Anger

50.   The Jam – Going Underground

51.   The Chills – Pink Frost

52.   Ephemera – Happy, Grateful, Aware

53.   The Seers – Lightning Strikes

54.   Judy Clay & William Bell – Private Number

55.   Buddy Holly – Peggy Sue

56.   The Libertines – What A Waster

57.   Nurses – D.Y.F.

58.   Wipers – Romeo

59.   Richard Harris – Mac Arthur Park

60.   Droogs – Collector’s Item

61.   Nirvana – Smells Like Teen Spirit

62.   Bangles – Hero Takes A Fall

63.   Echo and the Bunnymen – The Pictures On My Wall

64.   The Youngbloods – Get Together

65.   Jimmy Curtiss – Johnny Get Your Gun

66.   The Raconteurs . Steady, As She Goes

67.   The Kinks – Sunny Afternoon

68.   The Stems – At First Sight

69.   The Cowsills – The Rain, The Park & Other Things

70.   Direct Hits – Modesty Blaise

71.   The Smoke – My Friend Jack

72.   The Supremes – Love Is Here, And Now You’re Gone

73.   The Beach Boys – Wendy

74.   The Smiths – Heaven Knows I’m Miserable Now

75.   The Ones – Lady Greengrass

76.   The Bongos – Bulrushes

77.   The Boots – Gloria

78.   The Dentists – Strawberries Are Growing In My Garden (And It’s Wintertime)

79.   Squire – My Mind Goes Round In Circles

80.   The Slickee Boys – Here To Stay

81.   The Syn – 14th Hour Technicolour Dream

82.   Melrose – Gang War

83.   The Grass Roots – Midnight Confessions

84.   Virna Lindt – Attention Stockholm

85.   The Monks – Love Can Tame The Wild / He Went Down To The Sea

86.   Edgar Broughton Band – Hotel Room

87.   Smokey Robinson & The Miracles – The Tears Of A Clown

88.   Joey Dee & The StarlitersYa Ya

89.   The Svensk – Dream Magazine

90.   Eppu NormaaliPuhtoinen lähiöni 

91.   The Names – Why Can’t It Be

92.   Adamo – Inch Allah

93.   Lemon Tree – William Chalker’s Time Machine

94.   Kursaal Flyers – Little Does She Know

95.   MC5 – Kick Out The Jams

96.   The Creation – Painter Man

97.   The Adverts – No Time To Be 21

98.   Cosmic Rough Riders – Baby, You’re So Free

99.   The Herd – From The Underworld

100.                       The Teardrop Explodes – Treason

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