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Letztes Update: 24. Dezember 2006
Kicks
on 45 ! – Die besten Singles aller Zeiten! – Christmas Special
Angeregt
durch ähnliche Aktivitäten im Leserforum des deutschen Rolling Stone habe ich mich
entschlossen, hier nach und nach meine liebsten 7“45s vorzustellen. Mit
Coverabbildung (soweit möglich) und mit einer meist kurzen Erläuterung zu der
jeweiligen Single. Daraus wird eine All-time Top 100 Liste entstehen. Denn
jedes Mal wenn ich hier neue Singles einstelle, werde ich sie auch in meine
Bestenliste aufnehmen. Diese Liste wird wachsen und sich verändern. Und es
werden, wenn 100 erreicht sind, auch wieder einzelne Singles rausfliegen.
Das
hier ist eine Weihnachts-Sonderausgabe meiner 7“45 Favoriten. Die Auswahl der
folgenden 12 Singles ist lediglich repräsentativ für meine Singles Regale.
Keineswegs soll dies eine endgültige Auswahl der besten 7“45s zum Thema
Weihnachten sein. Ich gebe ferner zu bedenken, dass etliche großartige
Weihnachts-Tracks nie als Single erschienen. Also kann diese Rubrik hier
durchaus irgendwann ausgebaut werden. Ansonsten geht’s auf dieser Seite los.
The Royal Guardsmen – Snoopy’s
Christmas / It Kinda Looks Like Christmas (Laurie
Records, 1967)
Ganz sicher kennst du, liebe
Leserin, lieber Leser, den frechen kleinen Hund Snoopy aus der Cartoon Welt der
„Peanuts“ des im Februar 2000 verstorbenen Charles M. Schulz. Von einer
Nebenfigur entwickelte sich dieser gescheite Beagle zu einer selbstbewussten
und eigenständigen Stütze der Peanuts Welt. U.a. lieferte er sich mutige und
nervenaufreibende Duelle mit dem “Roten Baron”, einem beinahe legendären
deutschen Kampfflieger aus dem Ersten Weltkrieg. Snoopys Hundehütte mutierte
zum Doppeldecker „Sopwith Camel“. Mitte bis Ende der Sechziger Jahre waren die
Peanuts auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs in den USA. Da lag es nahe, diesen Erfolg
auch im Bereich der Popmusik zu nutzen. Die Garage Pop Band The Royal Guardsmen
aus Florida nahm gerade ihr erstes Album, hauptsächlich mit Coverversionen, für
Laurie Records im Herbst 1966 auf. Und weil noch ein bisschen Studiozeit übrig
war, spielten sie diesen Novelty Song „Snoopy Vs. The Red Baron“ mit ein. Der
Plattenfirma gefiel die Nummer so gut, dass sie kurzerhand die erste Single der
Band daraus machte. Airplay folgte recht bald und im Januar 1967 war die Single
auf Platz 2 der US-Charts. Es kam wie es kommen musste. Eine Nachfolgesingle
wurde flugs geschrieben und aufgenommen „The Return Of The Red Baron“, und im
Sommer 1967 waren The Royal Guardsmen beinahe weltweit in den Charts. Zu
Weihnachten 1967 gab es dann ein ganzes Album „Snoopy & His Friends“, auf
dessen einer Seite in der Art einer Kinderplatte Geschichten des lieben Hundes
Snoopy erzählt wurden, musikalisch begleitet von dem immer ähnlichen
Schrammelsound der Royal Guardsmen. „Snoopy’s Christmas“, die Single dazu,
führte die Weihnachtscharts in den USA im Dezember 1967 an. Der Track beginnt
mit entferntem Geschützfeuer und einem deutschen Männerchor, der „Oh
Tannenbaum“ anstimmt. Abgelöst wird er von dem typischen an eine alte
Militärkapelle erinnernden Schrammelbeat der Royal Guardsmen, der dieses Mal
durch ein paar Jingle Bells ergänzt wird. Die Geschichte endet damit, dass
Snoopy und der Rote Baron auf Weihnachten anstoßen und ihre Kampfhandlungen
einstellen. Das Ganze ist hübsch und clever gemacht aber ohne all zu großen
Tiefgang natürlich. Die Single erschien auch in Deutschland auf Ariola,
vermutlich mit einem entsprechenden Pic Sleeve. Diese US-Single hier ist weder
selten noch teuer.
The
Ravers – (It’s Gonna Be A) Punk Rock Christmas!, Mono / Stereo
(Zombie Records, 1977)
Das
ist inzwischen fast so eine Art heimlicher Klassiker. Immer wieder taucht der
Track auf Compilations und Samplern zum Thema Punk und Weihnachten auf. Punk
Rock im engeren Sinne ist das übrigens nicht. Eher schon Pubrock mit einem
Schuss Powerpop. Ein schlichtes aber eingängiges Riff. Eine sehr einprägsame
Melodie. Ein Sänger, der gekonnt britischen Dartford Akzent imitiert. Schöne
Flanging Effekte auf der Leadgitarre. Dahinter steckt vermutlich eine
Studioband aus Hollywood, Kalifornien. Geschrieben und produziert wurde die
Nummer jedenfalls vom Musikjournalisten Harold Bronson, der kurze Zeit später
bei Rhino Records einstieg, sowie Daddy Maxfield, der bis heute als Comedian
und Musiker in Kalifornien bekannt ist. Wenn man sich übrigens mal die
Coverzeichnung genauer anschaut, bemerkt man gewisse Ähnlichkeiten mit schon
damals legendären Musikern, die eher nicht als Punk Rocker bekannt wurden. Ich
weiß gar nicht, ob die Single überhaupt je regulär als 7“ veröffentlicht wurde.
Mein Exemplar trägt den Aufdruck „promotional copy not for sale“. Ich kenne
allerdings nur solche. Ob die Single selten oder teuer ist, weiß ich leider
auch nicht.
Keith
Richards – Run Rudolph Run / The Harder They Come (Rolling
Stones Records, 1979)
Chuck
Berry war wohl von Anfang an einer der wichtigsten Einflüsse auf Keith Richards
als Gitarrist. Da wundert es nicht, wenn Keef für seine erste Solosingle diese
Chuck Berry Nummer wählt. Ok, geschrieben wurde der Song laut Credits von
Marvin Brodie und Johnny Marks. Letzterer zeichnete schon für andere Rentier
Geschichten verantwortlich. Aber das Gitarrenriff und die Songstruktur tragen
deutlich Berrys Handschrift. Sehr schön lässig kommt Keefs Gitarre hier zur
Geltung. Mit Ronnie Wood sowie Ian McLagan (Keyboards), Stanley Clarke (Bass) und
Ziggy Modeliste (Drums) war Richards damals als New Barbarians auch live
unterwegs. Ob diese Besetzung auch die Single einspielte, kann ich nicht mit
Sicherheit sagen. Es ist aber zu vermuten. Auf der B-Seite hören wir Jimmy
Cliffs „The Harder They Come“, ebenfalls in einer Richards typischen Version.
Keith widerstand seinerzeit den Versuchungen, mehr und ausgiebiger außerhalb
der Stones zu spielen. Einerseits hatte die Band sich mit „Some Girls“ gerade
wieder eine Menge bereits verloren geglaubte Reputation zurückerspielt, zum
anderen durchlebte Richards eine schwierige persönliche Phase (Drogenprozess in
Toronto, Kanada, sei hier nur ein Stichwort). Das Erscheinungsjahr der Single
wird sowohl mit 1978 wie 1979 angegeben. Aber mein UK Exemplar wie auch die
hier abgebildete deutsche Pressung zeigen den Labelaufdruck „P 1979“. Die
Single ist vergleichsweise selten und nicht ganz billig. 20-30 Euro muss man
wohl für ein „mint“ Exemplar anlegen.
Hassisen Kone – On Joulu Yö, Nyt
Laulaa Saa / Jouluvappujuhannus (Poko Rekords, 1981)
Eine
finnische Weihnachtssingle darf natürlich nicht fehlen. Die Band Hassisen Kone
aus dem ostfinnischen Joensuu war von 1979 bis 82 eine der erfolgreichsten und
wichtigsten Bands der finnischen Punk und New Wave Szene. Ihr Sänger und
Songschreiber Ismo Alanko gehört bis Heute zu den eigenwilligsten und zugleich
besten Musikern des Landes. Die A-Seite der Single „Es ist Weihnacht, nun darf
man singen“ kommt sehr feierlich daher. Ismos tiefe sonore Leadstimme wird nur
von einer Kirchenorgel begleitet. Die Bandmitglieder singen dann allerdings im
Chor dazu. Die Melodie erinnert an einen Kirchenchoral. Der Text erweckt einen
feierlich religiösen Eindruck, wenn er auch selbst für Finnisch Versteher nicht
leicht zu fassen ist. Auf der B-Seite hört man eine funky Rocknummer, die sogar
ein paar Dubsounds aufweist. Der Text hier ist vollends unverständlich.
Anscheinend geht es darum, dass exzessiv gefeiert wird – an Weihnachten wie am
ersten Mai und am Mittsommerfest. Die Single hatte keine sehr große Auflage und
ist vor allem bei finnischen Vinylsammlern und bei Ismo Alanko Fans sehr
gefragt. Dementsprechend ist sie relativ schwer zu bekommen und nicht ganz
billig.
Pretenders – 2000 Miles / Fast Or
Slow The Law’s The Law (Real Records, 1983)
Eine
der schönsten Weihnachtssingles, die ich kenne! Überhaupt ein ganz wundervolles
Stückchen Musik. Chrissie Hynde, die den Song natürlich schrieb, war damals mit
Ray Davies liiert. Eine gemeinsame Tochter wurde im Januar 1983 geboren. Die
Beziehung war nicht unproblematisch und Ray war oft aus beruflichen Gründen
weit weg von Zuhause. Diese Tatsache und die damit verbundenen Gefühle von
Trennung und Sehnsucht lieferten Stoff und Inspiration für den Song. Die
Melodie ist einfach großartig. Und das Arrangement ist sehr einfühlsam und
feierlich, ohne vordergründig weihnachtlich zu sein. Chrissies Stimme ist
sowieso unvergleichlich! Und eine 12-saitige Rickenbacker Gitarre jingelt und
jangelt wunderbar! Auf der B-Seite hört man eine eher durchschnittliche Pubrock
Nummer aus der Feder des Schlagzeugers Martin Chambers. Von den Pretenders gibt
es übrigens noch eine Reihe ganz vorzüglicher Singles, die uns hier später
irgendwann begegnen werden. Diese hier hat ein sehr schönes Klappcover. Im UK
kletterte die Single bis auf Platz 15 der Charts. Dementsprechend wird sie
nicht so selten sein. In Topzustand aber wohl auch nicht ganz leicht zu finden.
The Untamed
Youth – Santa’s Gonna Shut 'em Down! / Santa’s Midnight Run (Norton
Records, 1989)
The
Untamed Youth, benannt nach dem 1957er Film mit Mamie van Doren und Eddie
Cochran, sind Deke Dickersons Rock’n’Roll, Hot Rod, Surf-Band. Der Song über
einen Hot Rod verliebten und Rennen fahrenden Weihnachtsmann stammt von Deke
persönlich. Klasse Twang Gitarre, treibender Rhythmus, eine Farfisa Orgel im
Hintergrund und ein paar Jingle Bells als Zutaten. Eine richtige Party Single!
Auf der B-Seite die klassische Surf Nummer mit super Federhall auf den
Stahlsaiten, im Original von Gary Usher und The Super Stocks. The Untamed Youth
existieren als Band wohl noch immer, auch wenn alle Bandmitglieder noch in
anderen Zusammenhängen musikalisch und sonstwie beschäftigt sind. Die Zahl
ihrer Veröffentlichungen auf diversen Independent Labels ist unüberschaubar.
Diese Single ist soweit ich weiß bei Norton Records nach wie vor erhältlich.
The
Barnshakers – Desperate Santa / Santa’s Got A Brand New Pedal Steel (Goofin
Records, 1996)
Eine
waschechte Rockabilly Band aus Helsinki, Finnland. Erstaunlicherweise gibt es
in Finnland eine relativ große Rockabilly Szene und auch einige wirklich gute
Bands. The Barnshakers sind eine der bekanntesten und zugleich stilsichersten.
Die Jungs benutzen Vintage Equipment und orientieren sich an Vintage Country,
Western Swing, Rhythm & Blues und Jazz. Sie tourten schon durch halb Europa
und zweimal ausgiebig im Westen und Süden der USA zusammen mit der texanischen
Sängerin Marti Brom. Die Band existiert seit 1992 und hat im Lauf der Zeit
einige 10“ LPs und 7“ Singles veröffentlicht. In diesem wirklich authentischen
Rockabilly Track geht es um einen verzweifelten Santa Claus, dem am
Weihnachtsabend Rentiere, Schlitten und Geschenke abhanden gekommen sind. Diese
Ausnahmesituation wird mit der nötigen Hingabe musikalisch umgesetzt. Ziemlich wild
und – ja, irgendwie verzweifelt, diese Aufnahme. Auf der Rückseite geht es
weniger wild sondern vergleichsweise ordentlich zu. Musikalisch ist das eine
Mischung aus Western Swing und gepflegtem Country mit einer Prise Jazz. Die
Single ist wie es aussieht über die Webseite des Labels www.goofinrecords.com noch zu
beziehen.
Fountains Of Wayne – I Want An Alien
For Christmas / The Man In The Santa Suit (Atlantic
Records, 1997)
Aus
New Jersey stammen die Fountains Of Wayne. Hauptsongschreiber Adam Schlesinger lieferte u.a. die Musik
zu dem wunderbaren Film „That Thing You Do“ über die kurze und typische
Erfolgsgeschichte einer Sixties Garage Band. Ihr erinnert euch vielleicht?! Tom
Hanks führte Regie und spielte den etwas zweifelhaften Major Company A&R,
der „The Wonders“ unter Vertrag nahm. Wie auch immer, die Fountains Of Wayne
wurden von Adam Schlesinger und Chris Collingwood als College Band gegründet.
Seit 1995 sind sie mehr oder weniger professionell aktiv. Die ersten beiden
Alben erschienen bei Atlantic, waren aber trotz großartiger Kritiken wohl nicht
so kommerziell erfolgreich, dass die Firma bei der Stange blieb. Nach einer
Schaffenspause erschien 2003 wieder ein Album, diesmal bei Virgin. Das letzte Lebenszeichen
der Band war eine Compilation mit Rarities und B-Sides 2005. Natürlich brachte
die Combo auch eine Reihe ganz vorzüglicher 7“45s raus. Musikalisch im Power
Pop und „sophisticated guitar pop“ beheimatet, lassen sich die Songs und Sounds
der Band wohl irgendwo in einer Bandbreite zwischen Big Star und XTC
einsortieren. Auch das „Alien“ ist ein unglaublich leicht ins Ohr gehender
Popsong mit einer wunderbar unbekümmert schnodderigen Attitüde. Fast schon ein
bisschen Punk Pop. Und selbst die B-Seite ist noch von einer Qualität und
Klasse für die so mancher Möchtegern-Popstar töten würden. Nicht nur die Musik
hier ist von erster Güte, auch die Texte sind höchst intelligent, vergnüglich
und voller Hintersinn. Zu Preis und Verfügbarkeit der Single kann ich relativ
wenig sagen. Ich vermute aber, dass sie zumindest nicht sehr teuer zu
beschaffen sein wird.
Badly
Drawn Boy – Donna And Blitzen (XL Recordings, 2001)
Ich
glaube Damon Gough (a.k.a. Badly Drawn Boy) muss ich nicht in aller
Ausführlichkeit vorstellen. Spätestens seit der Sänger / Songschreiber aus
Manchester den Titelsong zum gleichnamigen Film „About A Boy“ (2003) lieferte,
dürfte er kein Geheimtipp mehr sein. Damon Gough hat in Leeds Musik studiert
und seine erste EP – damals noch privat gepresst und finanziert – 1997 mehr
oder weniger nur für Freunde und Bekannte veröffentlicht. Aufgrund größeren
Interesses auch der Medien kam es zu einer längerfristigen Zusammenarbeit mit
XL Recordings. Damons Songwriting ist recht britisch, und er gehört in eine Liga
mit Leuten wie Jarvis Cocker, Neil Hannon oder Stuart Murdoch. Dieser Christmas
Song ist musikalisch an klassischem Pop Songwriting orientiert. Getragen,
besinnlich aber mit dem nötigen typisch weihnachtlichen „Bombast“ unterfüttert.
Eine wunderschöne Melodie, die übrigens durchaus Damons eigene Handschrift
trägt, sowie ein gefühlvoller, fast schon kitschiger Text. Aber zu Weihnachten
ist das ja erlaubt, wenn nicht sogar erwünscht. Inzwischen ist Damon bei EMI
unter Vertrag. Sein aktuelles Album gehört sicher zu den hörenswerteren
Veröffentlichungen des Jahres 2006. Das hier ist eine one-sided Single, die in
nur 500er Auflage erschien und dementsprechend selten sein dürfte. Zum aktuellen
Preis kann ich dennoch nichts sagen. Bei Erscheinen kostete sie mich 4 DM.
The
White Stripes – Merry Christmas From The White Stripes (Third
Man Records / V2, 2002)
Auch
Jack und Meg White haben natürlich ihre eigene Christmas Single aufgenommen und
veröffentlicht. „Candy Cane Children“ ist eine wirklich typische Jack White
Komposition, sehr sparsam arrangiert, mit einem nachdenklichen Text und ganz
lakonisch live eingespielt. Wikipedia behauptet, dass die Fans der White
Stripes ebenfalls Candy Cane Children genannt werden, was dem Song noch eine
besondere Wendung bzw. Bedeutung verleihen würde. Auf der Rückseite der Single
hört man einen Radio Mitschnitt, in welchem Jack zunächst aus der
Weihnachtsgeschichte nach Matthäus vorliest. danach singt Meg „Silent Night“
acapella, wobei Jack ihr mit dem Text aushelfen muss und die Beiden dann über
die richtigen Worte streiten. Das Ganze wirkt – nicht zuletzt wegen der
authentisch technisch fehlerhaften Rundfunkübertragung – recht charmant aber
auch irgendwie bizarr. Es gibt die Single in zwei Versionen. In schwarzem Vinyl
auf XL Recordings und in weißem Vinyl auf V2, welche mir hier vorliegt. Über
Rarität und Preis habe ich keine zuverlässigen Angaben gefunden.
Holly Golightly & The
Greenhornes – Little Stars / I Don’t Hear You (Damaged
Goods, 2002)
Dieser
Song, den Holly Golightly selbst geschrieben hat, klingt wirklich wie ein altes
Kinderlied zu Weihnachten. Und so ist es wahrscheinlich auch gemeint. Schlicht
aber eindrucksvoll und ans Herz gehend. Mit The Greenhornes hat Miss Golightly
auch für deren Album „Dual Mono“ in den Staaten zusammen gearbeitet. Und „There
Is An End“ aus jenem Album fand den Weg in den Film „Broken Flowers“. Holly
Golightly hat sich ja über die Jahre immer weiter von ihrem ursprünglichen
Garage Beat Girl Image bei Thee Headcoatees emanzipiert, wenn man so will.
Jedenfalls ist sie inzwischen eine durchaus ernst zu nehmende Sängerin und
Songschreiberin, deren Platten immer mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung
finden. Die B-Seite der vorliegenden Single knüpft dann allerdings doch
stringent an Miss Golightlys Garage Rock Vergangenheit an. Ganz anders zwar als
die A-Seite, aber nicht weniger charmant. Aufgenommen wurde die Single von Liam
Watson in seinem Londoner Toe Rag Studio, der ersten Adresse für Vintage Sound.
Die Single kommt in weihnachtlich grün-weiß gesprenkeltem Vinyl. Hier und da
dürfte sie noch im Handel zu finden sein.
Reigning Sound – If Christmas Can’t
Bring You Home / That’s All I Want / Jingle Bell Rock (Norton
Records, 2004)
Seit sein Name von Leuten wie Jack White oder Steven
Van Zandt wiederholt in Interviews und im Radio erwähnt wurde, erfreut sich
Greg Cartwright und mit ihm seine Musik zunehmenden Interesses, zumindest in
den USA. Ursprünglich stammt Cartwright wohl aus Memphis, Tennessee, wo er in
den Achtziger und frühen Neunziger Jahren in Bands wie The Compulsive Gamblers
oder The Oblivians spielte. Musikalisch beeinflusst haben ihn damals vor allem
The Misfits, deren Verbindung von Fifties Rock’n’Roll mit der seinerzeit
angesagten Hardcore Punk Attittüde ihm imponierte. Bis vor wenigen Jahren noch
betrieb er einen Plattenladen in Memphis. Inzwischen lebt Cartwright mit Frau
und Kind in Ashville, North Carolina, abseits vom Rock’nRoll Lifestyle in
ländlicher Idylle. The Reigning Sound wurden aber noch in Memphis gegründet,
und man trifft sich nun halt immer dann, wenn es das Business und das
gemeinsame Musizieren erfordern. Der Sound der „neuen“ Band ist stärker am
Sixties Garage Sound orientiert. Mit Detroit verbinden Cartwright familiäre und
freundschaftliche Beziehungen. Daher wohl auch der hohe Stellenwert, der ihm
und seiner Musik in der aktuellen Detroiter Rock Szene eingeräumt wird. Immerhin
wird Cartwright dort häufig als prägender Einfluss genannt, und kürzlich erst
widmeten ihm The Fondas und The Ettes eine Splitsingle. Die vorliegende Single
nun ist ein merkwürdiger Zwitter aus Garage Punk, Südstaaten Rock und Christmas
Pop. Der Grundtenor ist ein melancholisch verlorener. Schließlich muss der
Protagonist auf die Verflossene verzichten. Wohl zum ersten Mal zu Weihnachten.
Trennungs- und Weltschmerz ergießen sich so in eine feine Garage Pop Ballade.
Auf der B-Seite setzt sich das musikalisch fort mit einem rotzigen Uptempo Rocker,
der alle Weihnachtswünsche noch mal auf den Punkt bringt. Den Jingle Bell Rock
gibt’s in einer Farfisa dominierten Trash Version als Zugabe. Die Single in
rotem Vinyl dürfte noch überall zu bekommen sein.
Die Christmas Single Charts
1. Pretenders
– 2000 Miles
2. Fountains
Of Wayne – I Want An Alien For Christmas
3. Keith
Richards – Run Rudolph Run
4. The
Ravers – Punk Rock Christmas
5. Hassisen
Kone – On Joulu Yö, Nyt Laulaa Saa
6. Reigning Sound – If Christmas Can’t
Bring You Home
7. Badly
Drawn Boy – Donna & Blitzen
8. The
White Stripes – Candy Cane Children
9. Holly
Golightly & The Greenhornes – Little Stars
10. The
Untamed Youth – Santa’s Gonna Shut ‘em Down!
11. The
Royal Guardsmen – Snoopy’s Christmas
12. The
Barnshakers – Desperate Santa
Das
hier ist wie gesagt nur eine Auswahl an hörenswerten Christmas Singles.
Vielleicht wird sie ja in kommenden Jahren noch ergänzt. Meine anderen
Lieblingssingles findet man hier.
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