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Letztes Update: 13. Mai 2012


Die Langspieltonträger

Die Bewertungsskala:

* Materialverschwendung! - ** muss man nicht kennen - *** sollte man mal gehört haben - **** Anschaffung sehr zu empfehlen - ***** gehört in jede Plattensammlung!

Mein Album des Monats ist hier zu finden!

Alamaailman Vasarat – Valta (CD, Nordic Notes)

 

Das neue sechste Album der „Hämmer der Unterwelt“ – so die deutsche Übersetzung des Bandnamens – ist wieder eine reine Instrumentalplatte. Eine unglaubliche Mischung aus Klezmer Musik, New Orleans Jazz, Balkan Beats, finnischem Tango und Heavy Rock. Gegründet wurde die Band 1997 von Jarno Sarkula, der zuvor Bass in der finnischen Neo Prog Gruppe Höyry Kone gespielt hatte. Sarkula hatte sich gerade ein Sopransaxofon angeschafft und sah darin genug Grund, eine eigene Band zu gründen. In kurzer Zeit schlossen sich ihm weitere Musiker mit Blech- und Holzblasinstrumenten, ein Harmonium- und Melodicaspieler, zwei Cellisten und ein Schlagzeuger an. Inzwischen bedient Sarkula ein Kontrabass Saxofon, das eine durchaus dominante Stellung in der Musik seiner Kapelle einnimmt. Das und die musikalische Vergangenheit eines Teils der Musiker in der finnischen Prog und Metal Szene sorgen für eine gewisse Schwere, einen kräftigen Druck der Musik. Völlig unerwartete Arrangements, Tempowechsel und bizarre Melodiebögen machen diese Platte zu einer Tour de Force, einem ungeahnten Erlebnis. Nun, der Titel des Albums lautet nicht umsonst „Valta“ – Power bzw. Macht. Die Prog und Metal Vergangenheit wird am deutlichsten im letzten Track der Scheibe „Hirmuhallinto“ – Schreckensherrschaft. Übrigens auch einer der besten Tracks des Albums, der ganz ohne Worte die Vergänglichkeit und Angreifbarkeit solcher Gewaltherrschaft vermittelt. ***1/2

 

Burning Hearts – Extinctions (LP/CD, Bone Voyage, www.burningheartsmusic.com)

 

Burning HeartsHenry Ojala hat bei der finnischen Indie Pop Combo Cats On Fire getrommelt. Seine Partnerin hier heißt Jessika Rapo und ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Die Kapelle Le Futur Pompiste, in der sie bisher sang, sagt mir allerdings gar nichts. Macht aber auch nichts. Diese Platte hier kam Ende April 2012 in Deutschland raus. Es ist aber wohl nicht die erste Veröffentlichung des Duos aus Finnland. Bereits 2009 erschien ein Album der Beiden in den USA. Und 2010 folgten zwei Singles. Laut Info zogen sich die Jessika und Henry dann in die „ablenkungsarme Natur von Ostrobothnia zurück“, wo immer das ist. Gemeint ist vermutlich Pohjanmaa oder auf Schwedisch Österbotten, das Land an der finnischen Westküste zwischen Vaasa und Oulu, das in der Tat wenig Ablenkung bietet, vom Beeren oder Pilze Sammeln im Sommer, Elche Beobachten und Mücken Totschlagen mal abgesehen. Jedenfalls entstand dort die EP „Into The Wilderness“, die wieder beim US Label Shelflife erschien. Nun mit ihrem neuen zweiten Album haben die Beiden auch ein finnisches Label als Partner nämlich Solina Records. Bone Voyage, die Firma von 22 Pistepirkko, bringt die Scheibe in Kontinentaleuropa raus. Aber genug der Labelpolitik. Die Platte bietet eine sehr schöne, entspannte Sammlung von sehr melodiösen Popsongs. Keyboards, Synthesizer und elektronische Perkussion dominieren zwar, dennoch ist das kein moderner Electro Pop, wie man ihn zur Zeit an jeder Ecke bzw. in jedem Radio hören kann. Übrigens ist die Gruppe inzwischen zum Quartett angewachsen. Echte Drums sind genauso zu hören wie gelegentlich auch echte Gitarren, akustische wie elektrische. Die Tracks strahlen Ruhe, Schönheit, Gelassenheit aber auch Frische und Freude aus. Dreampop passt hier als Stichwort ebenso wie Twee Pop. Eine feine Platte. Neun Tracks in 35 Minuten, also eine absolut ausreichende Länge für ein grundsolides Album. Zu den Stereolab Vergleichen, die hier und da kommen, kann ich nichts sagen, weil ich Stereolab kaum kenne. Cocteau Twins als Referenz hört sich jedoch ok an, Saint Etienne oder Broadcast schon weniger, obwohl ich das nachvollziehen kann. Was mich letztlich überzeugt, das sind die wirklich tollen Songs, Jessikas Stimme und schlicht die ganze relaxte Atmosphäre der Platte. ****

 

Regina – Soita mulle (LP/CD, Pyramid / Johanna Records)

 

Soita mulleUnd da wir schon in Finnland sind, gleich noch eine LP hinterher, die allerdings schon letztes Jahr erschien. Aus der finnischen Hauptstadt Helsinki kommt das Trio Regina. „Soita mulle“ ist ihr zweites Album. Der Titel (auf deutsch: Ruf mich an!) sollte nicht auf falsche Fährten führen. Im Übrigen kann man „Soita mulle“ auch mit „Spiel für mich“ übersetzen. Das Finnische ist da vielseitig. Auch hier haben wir es mit verspieltem, zum Teil richtig verhuschtem Dreampop zu tun. Erstaunlich finde ich, dass die Scheibe, obwohl sie ausschließlich Finnisch gesungen ist, ein Label in den USA gefunden hat und dort auch zahlreiche begeisterte Reviews erntet, von Pitchfork bis MTV. Da werden Vergleiche zu französischem Yé Yé Pop der Sixties gezogen. Gar nicht so falsch übrigens. Und die finnische Sprache wirkt hier auch gar nicht fremd oder störend. Das klingt so, als wäre es ganz selbstverständlich. Die liebreizende Mädchenstimme der Sängerin Iisa Pykäri fügt sich wie ein Instrument ein in den Gesamtsound der Platte. Zarte Synthesizer, verhaltene Gitarrenakkorde, eine dezente rhythmische Grundlage, die neben herkömmlichen Bass und Drums auch mit Klanghölzchen und anderer exotischer Perkussion auskommt. Auch diese Platte ist mit rund 35 Minuten angenehm kurz. Die Vinylausgabe verteilt die neun Tracks auf vier LP Seiten, die mit 45 UpM abgespielt werden, damit es voller und wärmer klingt. Solche Musik wäre vor 25 Jahren auf Sarah oder 4AD erschienen. Heute erscheint sie außerhalb Finnlands auf Friendly Fire. Shoegaze Twee Pop, der ähnliche Veröffentlichungen von Beach House etwa oder Choir Of Young Believers souverän in den Schatten stellt. Ein leichter Frühlingstraum aus dem vergangenen Herbst. ****

 

The Flare-UpThe Flare-Up – Fire At Will (CD, TV Eye Records, www.theflareup.com)

 

Cock-Rock aus Schweden ist das. Den Begriff Cock-Rock kannte ich bisher nicht. Er passt aber wohl ganz gut auf diese Band und ihre Musik, die irgendwo zwischen Garage Rock, Glam Rock und Sleaze Rock changiert. Nicht so weit weg von den Klängen anderer skandinavischer Kapellen wie Gluecifer oder Hellacopters. „Fire At Will“ ist schon das zweite Album der Schweden. Ich kenne das erste nicht. Dieses hier ist jedenfalls recht gelungen. Abwechslungsreich, melodisch, mit gehörigem Punch und Druck. Natürlich bedienen sich die Jungs ausgiebig in der Rock’n’Roll Geschichte. Mal bei Queen oder Cockney Rebel, mal bei Richard Hell oder Johnny Thunders. Klar bedienen sie dabei jede Menge Klischees, aber sie tun das auf höchst unterhaltsame Weise. Da bleibt kein Auge trocken und keine Mähne ungeschüttelt. Hörenswert. ***1/2

 

Neo NoirNavel – Neo Noir (CD, Nois-O-Lution, www.myspace.com/navelofswitzerland)

 

In der Schweiz waren immer schon alle Richtungen zeitgenössischer Rock Musik vertreten. Und warum auch nicht. Das Punk und Noise Pop Trio Navel wurde 2003 in der Gegend von Basel gegründet. „Neo Noir“ ist das zweite Album der Band. Von Beginn an ist nur noch Jari Altermatt (git, keyb, vox) dabei. Er ist es wohl auch, der die meisten Songs schreibt und den Sound der Band mit Feedbackorgien und düsteren Keyboardpassagen bestimmt. Auch wenn die Band ganz eindeutig im Hier und Jetzt agiert und an einigermaßen aktuelle Indie und Emo Rock Klänge anknüpft, so merkt man andererseits deutlich, dass sie sich mit der Vorgeschichte in Form von Gothic, Psychedelia bis hin zu Folk und Blues Wurzeln beschäftigt hat. Das zeigen nicht zuletzt die Coverversionen von Neil Youngs „Rockin’ In The Free World“ und von Townes van Zandts „Hunger Child Blues“. Ersteres nah am Original und als Live Zugabe sicher willkommen, letzteres eine sinistre psychedelische Folk Blues Nummer, die ziemlich aus dem Rahmen fällt. Insgesamt ist das ein durchaus beeindruckendes Alternative Rock Werk, das mit 76 Minuten Spielzeit für meinen Geschmack etwas zu lang ausfällt. Ja, ich weiß, im letzten Track passiert gut zehn Minuten lang gar nichts. Wie auch immer, 45 Minuten wären ausreichend und würden auch auf eine Vinyl LP passen. Das Debüt der Band „Frozen Souls“ gab’s auf Vinyl. Das aktuelle Werk leider nicht. Dennoch lohnt es sich. ***1/2

 

MonomeetPandoras Box – Monomeet (CD, Nois-O-Lution, www.myspace.com/pandorasboxmusik)

 

Aufgenommen in einem Luftschutzbunker wurde dieses Album einer fünfköpfigen Band aus der süddeutschen Provinz. Keine Ahnung, ob das Auswirkungen auf Sound oder Produktion hatte. Die Burschen sind vergleichsweise jung (zwischen 20 und 26) klingen aber teilweise, als hätten sie schon alle Melancholie und Verzweiflung dieser Welt durchlebt. Das erinnert streckenweise and Blackmail aus Koblenz oder auch an eine heftigere Version von Radiohead aus Oxford. Letztlich ist es aber dann doch vor allem Pandoras Box aus Geisenhausen. Fünf Jungs aus Niederbayern besingen die böse Welt, wie sich ihnen auf CNN oder Spiegel TV darstellt. Ich weiß nicht genau, worin die Spacerock und Shoegazer Bezüge bestehen sollen, die von verschiedenen Rezensenten bemüht werden. Ob die Jungs beim Spielen auf ihre Schuhe starren, kann ich nicht beurteilen, weil ich nur die CD hier habe. Nach einer klassischen Shoegazer Band wie My Bloody Valentyne auf der einen oder Galaxie 500 auf der anderen Seite klingen sie jedenfalls nicht. Andererseits wüsste ich aber auch wirklich nicht so recht, in welche Schublade die Band passte. Düster, manchmal etwas verschwurbelt, streckenweise durchaus einfallsreich. Insgesamt aber zu lang und zu bedeutungsschwanger. ***

 

Sun And The WolfSun And The Wolf – White Buffalo (CD, TV Eye Records, www.sunandthewolf.bandcamp.com)

 

Produziert von Label Chef Frank Popp in Berlin wurde dieses Debütalbum der Psychedelic Rock Band Sun And The Wolf. Wahlberliner sind das, die ihre Heimat Neuseeland vor drei Jahren verließen. Dort hatten sie sich zu dreiviertel bereits als The Have einen Namen gemacht mit metallenem Garage Rock. Nun also hier in Berlin knüpfen sie eher bei The Black Rebel Motorcycle Club einerseits und bei Wolfmother andererseits an. Es gibt tolle Momente auf dieser Scheibe. Das atmosphärische „Gold Leaves“ zum Beispiel, oder das schamanische „Crocodile“. Insgesamt ist das alles zwar absolut stimmig in Sound und Attitüde, es fehlen jedoch ein paar wirklich herausragende Songs. Vielleicht muss man die Platte auch nur häufiger hören. Dann bleibt sicher noch mehr hängen. *** mit steigender Tendenz.

 

This Love Is DeadlyThis Love Is Deadly – This Love Is Deadly (CD, Nois-O-Lution, www.thisloveisdeadly.com)

 

Die beste der aktuellen Veröffentlichungen des Nois-O-Lution Labels aus Berlin kommt von einer Berliner Band. Es ist das Debüt dieses Trios bestehend aus Lisa (bass, vox, git), Louis (git, vox, bass) und Drummer H.D. Hier trifft die Beschreibung Shoegazer und reicht doch bei weitem nicht aus, die Vielseitigkeit, Spielfreude und den Einfallsreichtum dieser tollen Band zu beschreiben. Laut, leise, schnell, langsam, verträumt, überschäumend, zart, kraftvoll, melodisch, überraschend, vertraut, bizarr, phantastisch. Alles Adjektive, die zu dieser Musik passen. Ist das die Zukunft des Rock’n’Roll? Keine Ahnung. Ist auch nicht so wichtig. Diese Platte macht gute Laune, ist abwechslungsreich, überrascht mit jedem Track aufs Neue. Klar stehen die drei jungen Musiker in einer Postpunk Tradition mit Anleihen bei Lush, Sonic Youth, Garbage u.ä. Sie greifen aber auch ganz spielerisch auf weit ältere Traditionen zurück und transformieren das alles völlig unbedarft und selbstverständlich in neue Klangformen und Songstrukturen. Fast jeder Song ein Ohrwurm. Von dieser Band wird man hoffentlich noch viel mehr hören! ****1/2

  

The PeejaysThe Peejays – s/t (LP, Villa Bäh Rec., www.thepeejays.de)

 

Schon die Single „Fantasy Road“ klang äußerst vielversprechend. Und nun die LP hält das Versprechen durchaus. Eine unkomplizierte aus der Zeit gefallene Britpop Scheibe ist das. Gefällige Songs in einem Sound arrangiert, der irgendwo zwischen Oasis und US Rockpop changiert. Die Band besteht aus deutschen und britischen Musikern, die aber wohl alle noch einen „bürgerlichen“ Beruf ausüben. Ihre Musik ist ihr Hobby. Ein ausgesprochen ambitioniertes Hobby, muss man dazusagen. Stationiert in Heidelberg spielt die Band im weiteren Umkreis dieser Stadt auch regelmäßig live. Diverse Videos (bei YouTube zu besichtigen) legen Zeugnis davon ab. Wie gesagt, die Platte klingt durchaus ansprechend. Der Single Track „Fantasy Road“ ragt zwar heraus, doch auch „Going Nowhere“, „Lost Girl“ oder „Undress“ zeugen von einfallsreichem Songwriting. Mitunter sind mir Sound und Arrangement etwas zu gefällig, zu sauber. Etwas mehr Biss, etwas weniger Politur, die eine oder andere unerwartete Soundidee täte der Produktion meines Erachtens ganz gut. Das ließe die Platte dann auch abwechslungsreicher klingen. Alles in allem ist es jedoch ein solides Debüt. Hörenswert und zugleich ausbaufähig. ***

 

Stefan Saffer – From Rebellion To Redemption… And Then Back! (CD, www.myspace.com/stefansaffer)

 

Stefan SafferStefan Saffer, der seit Jahren in Leipzig lebende Franke, ist ja ein alter Bekannter. Sein letztes Album mit The Jukes war sehr traditionell an Folk und Bluegrass orientiert. Diese neue Scheibe ist zumindest nominell eine Solo Platte. Ein Singer/ Songwriter Album, sagt das Info. Natürlich sind auch dies Mal wieder einige gute Musikerfreundinnen und –freunde mit dabei. Die Platte wurde zum Teil im Studio, zum Teil aber auch bei Stefan zuhause oder in Backstageräumen von Clubs aufgenommen, in denen Saffer auftrat. Die Atmosphäre des Albums ist sehr intim. Überwiegend akustisch und sparsam arrangiert sind die Songs, die vordergründig nach Americana und amerikanischen Wurzeln klingen. Für die Musik trifft das sicherlich zu. Inhaltlich sind diese Songs, die allesamt Stefan selbst schrieb, jedoch viel stärker als seine früheren Werke von eigenem Erleben und dem Alltäglichen in Deutschland mit allen Hochs und Tiefs geprägt. Vom Boss, der ihm lange Vorbild war, hat sich Saffer längst emanzipiert. Nur bei „These Days“ blitzt der Springsteen Bezug noch mal kurz auf. Bluegrass Einflüsse sind wieder beim Opener „White Line Fever“ auszumachen. „Muddy Water, Heavy Rain And Dirty Ground“ ist eine Country Nummer, die eigentlich dann doch nicht sehr nach Country klingt. Hier wie verschiedentlich sonst noch auf der Platte kommt eine feine Pedal Steel Gitarre zum Einsatz. „Gonna Be Some Trouble Tonite“ ist eine sarkastische akustische Rock’n’Roll Nummer. Beim großen Finale in „Berlin City Serenade“ sind dann wirklich fast alle Gastmusiker und ihre Instrumente dabei, von Drehleier bis Trompete. Ziemlich vielschichtig ist sie geworden, die neue Platte von Stefan Saffer. Nicht einfach nebenher zu konsumieren. Man sollte sich schon darauf einlassen, sie mehrmals hören und vor allem gut zuhören. Dann wird man viele Aspekte und Facetten entdecken in jedem einzelnen der zehn Tracks. Und man wird Freude haben an dieser Platte, die erstaunlich tröstlich klingt letzten Endes. ***1/2

 

Opposite Sex – Opposite Sex (CD/LP, Fishrider Records, http://oppositesex.bandcamp.com/)

 

Opposite SexGerade las ich im aktuellen Record Collector die Story zum 30-jährigen Jubiläum von Flying Nun Records. Sehr zu empfehlen übrigens. Das aktuell führende Label in Neuseeland oder präziser in Dunedin, Neuseeland, ist Fishrider. Ganz im Süden der südlichen Insel an der Ostküste liegt die Universitätsstadt Dunedin. Das Klima ist rau wie im nördlichen Schottland, und den Studenten, die nicht nur ständig über ihren Büchern oder Laptops hängen wollen, bleibt nur die Beschäftigung mit Musik. Das Trio Opposite Sex stammt allerdings aus der nordöstlichen Ecke der Nordinsel Neuseelands. Offenbar spielt man auch dort lieber schrägen Postpunk Pop, statt im Pazifik zu surfen. Zu Fishrider und nach Dunedin kamen die drei auf Vermittlung von The Puddle, der schon legendären Psych Pop Band aus Dunedin, als deren Support sie in ihrer Heimatstadt Gisborne auftreten durften. Im Gegensatz zu den anderen Fishrider Bands, und auch im Gegensatz zu den meisten Flying Nun Bands, klingt die Musik von Opposite Sex ziemlich europäisch und dabei nicht mal explizit britisch. D.h. so ein bisschen Gang Of Four oder The Fall haben sie vielleicht gehört. Bestimmt auch Musik von Jad Fair bzw. Half Japanese. Zu den hyperaktiven Post-punk Sounds und bizarren Walzerrhythmen in einem angenehmen Gegensatz klingt die mädchenhafte Stimme von Lucy Hunter, die auch Bass und noch andere Instrumente spielt. In dieser stets überraschenden und extrovertierten Mischung ist das dann wohl doch wieder ein echtes Fishrider und Neuseeland Album. Herausragende Tracks sind „Sea Shanties“, „Panther Fight“ und „Vague Notion“. ***

 

Tol-Puddle Martyrs – Flying In The Dark (CD, Secretdeals, www.myspace.com/tolpuddlemartyrs)

 

Flying In The DarkDiese Band ist meiner Aufmerksamkeit bisher fast völlig entgangen. Deshalb muss ich jetzt etwas weiter ausholen. Mitte der 1960er Jahre gab es in Bendigo, Australien, eine Band Peter & The Silhouettes, die mit „Claudette Jones“ einen typischen Garage Beat Track auf einer Compilation LP veröffentlichte. 1967 waren dann aus Peter & The Silhouettes The Tol-Puddle Martyrs geworden, benannt nach einer Gruppe englischer Landarbeiter, die 1834 wegen gewerkschaftlicher Umtriebe nach Australien deportiert wurden. Diese Band veröffentlichte mit „Time Will Come“ eine großartige Psych Beat Single und ein Jahr später eine weitere Single „Love Your Life“, die glatt aus der Feder von Ray Davies hätte stammen können. Beide Singles kannte ich bisher nicht, aber eine Reissue EP mit allen vier Sixties Aufnahmen der Tol-Puddle Martyrs ist bereits auf dem Weg zu mir. Peter Rechter, Keyboarder und Sänger der Band, machte dann später mit einer Band The Secrets weiter. Aber vor einigen Jahren reaktivierte er den Namen Tol-Puddle Martyrs, brachte eine Compilation mit alten und neuen Aufnahmen als CD raus, und schließlich erschien 2009 ein brandneues Album der Band unter dem Titel „A Celebrated Man“. Diese CD hatte ich bereits im Player vor zwei Jahren. Aber jetzt finde ich sie nicht mehr wieder. Norb Payr aus Wien war so freundlich, mir eine Kopie zuzusenden zusammen mit dem aktuellen Album „Flying In The Dark“. Übrigens wurde der Vorgänger „A Celebrated Man“ von Mike McDowell (Blitz Magazine) zum Album des Jahres 2009 erklärt. Nun soweit würde ich nicht gehen, doch ist es eine durchaus hörenswerte Scheibe mit insgesamt 12 Tracks. Stilistisch deutlich im Sixties Beat Pop verwurzelt, auch wenn man der Produktion die Entstehung in jüngerer Zeit anhört. Eingängige, gefällige Songs sind da überwiegend zu hören. Sehr hübsch das Ganze und deutlich von The Kinks und The Hollies Ende der 1960er Jahre inspiriert. Mir fehlen allerdings ein paar Ecken und Kanten, wie man so sagt. Zwar trifft das auf das aktuelle Album eigentlich auch zu, doch stört es mich hier gar nicht mehr. Peter Rechter hat hier seine ihm gemäße Ausdrucksweise gefunden. Die Produktion ist noch verfeinert worden. Sachte klingt hier wieder der Psych Pop der späten Sixties an. Neben The Kinks und The Hollies höre ich jetzt auch die englischen Kaleidoscope zum Beispiel. Überhaupt klingt diese Platte dermaßen britisch und Sixties orientiert, dass eigentlich nur die Texte hin und wieder einen Hinweis auf die recht aktuelle Entstehung der Songs und Aufnahmen liefern. Um nostalgisches Schwelgen in Erinnerungen geht es hier jedoch eben nicht. Die Band transportiert bewährte und vertraute Sounds aus einer vergangenen Dekade in die Gegenwart. Einzelne Titel herauszuheben, ist gar nicht notwendig. Das komplette Album mit seinen 16 Tracks ist durchweg gelungen, und man drückt am Ende gern die Repeat Taste. Nur wenn ich mich entscheiden muss, welchen Track ich stellvertretend in einer Radio Show spiele, dann fällt die Wahl auf „Just Waiting“. Mit seiner betörenden Melodie und dem unwiderstehlichen prägnanten Orgelriff ist es so etwas wie ein „instant hit“. Peter Rechter muss das geahnt haben, denn er hat den Track als Instrumentalnummer noch einmal ans Ende des Albums gesetzt. ****

 

Skint & DemoralisedSkint & Demoralised – Love, And Other Catastrophes (LP, Firestation / Destination Pop, www.myspace.com/skintanddemoralised)

 

Diese Platte entstand bereits 2008/9 in Sheffield, London und New York. Die Band stammt aus Wakefield, Yorkshire. Nachdem ein Major Deal jedoch geplatzt war und die Band sich aufgelöst hatte, lag das Album auf Eis. Allerdings waren einige Singles daraus bereits erschienen und es kursierten auch Promo Exemplare des Albums im Internet. 2010 fand die Band um den Sänger Matt Abbott jedoch wieder zusammen und begann mit der Produktion eines zweiten Albums. Im Zuge dessen wurde nun das Debüt auch endlich offiziell veröffentlicht. Im Netz findet man erstaunlicherweise fast nur Hinweise auf das Promoalbum von 2009. Diese Vinylversion des Albums hat jedenfalls drei zusätzliche Tracks, also insgesamt 15. Die Musik ist wirklich hörenswert. Streckenweise erinnert das an Mike Skinner (The Streets), vor allem auch wegen des Sprechgesangs im gleichen oder doch sehr ähnlichen Idiom. Blur zu Parklife Zeiten fallen mir auch dazu ein. Und dann ist da diese Affinität zu Soul Music. Nicht zuletzt die Mitwirkung der Dap-Kings aus New York als Backing Band bei einigen Tracks unterstreicht das natürlich. Die Lyrics sind zum Teil ausgesprochen politisch. Abbott ist engagiert in anti-rassistischen Initiativen und aktives Mitglied der Labour Party. Aber keine Bange, eine Agitprop Platte ist das hier mitnichten. Es geht auch um die Liebe oder schlichte Banalitäten des Alltags. Insgesamt macht die Platte  einen angenehmen Eindruck. Musikalisch vielfältig und modern, ohne übertrieben hip zu wirken. ***1/2

 

Mirel Wagner – s/t (L/CD, Svart Records / Bone Voyage / Kioski, www.myspace.com/mirelwagner)Mirel Wagner

 

Ich muss zugeben, ich hatte anfangs meine Probleme mit dieser Platte. Aber je öfter ich sie höre, desto vertrauter und zugleich hörenswerter wird sie. Mirel Wagner ist 23 Jahre alt. In Äthopien wurde sie geboren, in der Nähe von Helsinki wuchs sie auf. Dunkel und auf subtile Weise schaurig sind ihre Lieder. Nur ihre spröde Mädchenstimme und eine akustische Gitarre, die sie schlicht, songdienlich und doch ungewöhnlich spielt. Im Internet in einem „Polar Blog“ schrieb eine Rezensentin über Mirel, sie ist „die Enkelin von Leonard Cohen, die finnische Kusine von Mazzy Star“. Das trifft es sehr gut. Ohne jede Larmoyanz erzählt Mirel Wagner böse Schauergeschichten. Noch nie habe ich eine so junge Frau derart lakonisch die schlimmsten Dinge berichten  hören. Mit Blues, wie im Info der Plattenfirma behauptet, hat das höchstens mittelbar zu tun. Woher sie ihre schwarzen Geschichten, diese zum Teil garstigen Anekdoten hat, bleibt ein Rätsel. Sie erzählt sie einfach. Und wie sie das tut, das klingt verstörend und tröstlich zugleich. Eine Platte für dunkle Novemberabende ist das. ***1/2

 

Norb Payr – Sunday Mornings (LP/CD, Dornbach Records / Pumpkin Records, www.myspace.com/norbpayr)

 

Sunday MorningsDas ist nun schon sein zweites Soloalbum. Und Norb Payr klingt bereits wie ein alter Bekannter. Ein Singer / Songwriter  mit erstaunlichem Background. Geboren in Malawi (Südost-Afrika), aufgewachsen in Kärtnen, lebt er seit Jahren schon in Wien. In verschiedenen Bands spielte er Gitarre. Am längsten wohl bei The Jaybirds, Österreichs führender Neo-Sixties Band. Norbs Songwriting ist noch ausgereifter, selbstverständlicher als auf seinem ersten Soloalbum vor zwei Jahren. Die Songs tragen seine Handschrift. Arrangiert wurde dies Mal etwas aufwändiger. Viele Gastmusiker sind mit von der Partie. Freunde und Mitstreiter aus der Wiener Musikszene aber auch aus Italien. Norb selbst spielt diverse elektrische und akustische Gitarren, Bass und Bluesharp und er singt die Hauptstimme. Von seinen Gästen werden Pedal Steel, Mandoline, Piano, Orgel, Akkordeon, Cello, Schlagzeug und noch mehr Gitarren beigesteuert. Gaststimmen gibt es auch. Herausgekommen ist ein ruhiges, freundliches Folk Rock Album. Hier und da ein paar dezente Country Anklänge. Zeitlos, oder besser aus der Zeit gefallen klingt diese Platte. Abgeklärt, laid back, entspannt, so gleiten die Tracks dieser Platte in einem konstanten Strom ins Ohr und damit ins Unterbewusstsein. Dort setzen sie sich fest. Und wenn man es gar nicht erwartet, nicht mehr daran denkt, dann tauchen sie wieder auf, treten ins Bewusstsein und erfreuen einen aufs Neue. Die Songs klingen so vertraut, weil sie in der Tradition großer Songwriter stehen. Von Ray Davies über Lennon/McCartney bis zu Neil Young oder Leonard Cohen. Es sind keine Plagiate, das ganz bestimmt nicht. Norb Payr hat lediglich seine Helden eingehend studiert. Und obwohl die Stones seine Lieblingsband sind, hört man deren Einfluss noch am wenigsten in Norbs eigener Musik. Norbs Songs erzählen Geschichten von Sonnenaufgängen, Zugfahrten, Bahnhofskneipen, Nachtcafés und vielem mehr so plastisch und einfühlsam, dass man meint dabei zu sein, wenn man sie hört. Zwölf Songs sind es insgesamt. Zwölf Songs, die man immer wieder hören möchte. ****

 

Church Of The Blue NunThe Church Of The Blue Nun – The Art Of Worshipping (CD, 9PM Records, www.myspace.com/churchofthebluenun)

 

Komischer Bandname. Laut Info stand ein Weißwein Pate und eine runtergekommene Methodisten Kirche, in der die Aufnahmen zu dieser Platte entstanden. Martti Mäkkelä kennen wir von Mäkkelä’s Trash Lounge. Robin van Velzen könnten wir als Bassisten von Robocop Kraus kennen. Der eine ist halber Finne, der andere ganzer Holländer. Beide leben überwiegend in Fürth (Franken), wenn sie nicht Tourkilometer runterreißen. Nun haben sie gemeinsam dieses Album aufgenommen. In der Methodistenkirche in Fürth wie gesagt. Musikalisch einzuordnen ist diese Scheibe gar nicht so leicht. Folk? – Ja, aber dann recht freakiger, alternativer Folk. Rock? – Nein, eigentlich nicht. Es gibt zwar elektrische Gitarren und ein schönen tiefen Kontrabass, aber es gibt kein Schlagzeug, höchstens so ein bisschen Percussion. Dafür gibt es Celli, Akkordeon und diverse akustische Gitarren, Mandoline. Diese Folk Music klingt manchmal traditionalistisch, aber auch internationalistisch. Trinklieder, Tanzlieder, Kammermusik, Tango, Pop. Alles irgendwie hier drin. Das Songwriting teilen sich der Halbfinne und der Holländer. Aber sie schreiben jeder seine Songs für sich. Arrangiert wird dann gemeinsam und mit den Gastmusikern. Zwei Cover gibt es auch. Da ist einmal „Another Day“ von Roy Harper, im Original zu finden auf seinem berühmten Album „Flat Baroque And Berserk“. Und dann ist da von Alex Chilton der wunderbare Song „September Gurls“. Der ist im Original natürlich von Big Star. Beide Songs werden hier respektvoll aber durchaus eigenständig interpretiert. Eine ruhige aber nie langweilige Platte ist „The Art Of Worshipping“ geworden. Ja, die beiden Musiker hier verstehen etwas von der Kunst der Verehrung. Diese Platte hat Würde, Gleichmut, Gelassenheit aber auch Spannung und Überraschung. Es ist eigentlich ein Singer / Songwriter Album, modern und altmodisch zugleich. Besinnlich aber auch ein bisschen schräg. Ach, es ist einfach eine schöne Platte, die man gern ein zweites und drittes Mal hört. ***1/2

 

Kamikaze QueensKamikaze Queens – Automatic Life (LP/CD, Sounds of Subterrania, www.myspace.com/kamikazequeens)

 

Unglaublich, diese Band ist mir bislang entgangen. Dabei ist das hier schon die zweite LP. Alle fünf Musiker/innen haben internationale Erfahrung, und ihre Mischung aus Rockabilly, Punk, Cabaret, Country, Psychobilly und Burlesque hat nicht nur internationales Format, sondern auch höchsten Unterhaltungswert. Tex Morton, den Gitarristen, kennt man schon lange. Wie heißt es so schön im Info: er spielt Gitarre seit Dinosaurier die Erde beherrschten. Die Sängerinnen Mad Kate und Trinity Sarratt stammen ursprünglich aus San Francisco. Beide sind in auch noch beim Tanztheater und anderen musikalischen Projekten aktiv. Und Nico Lippolis (drums) und Lloyd Clark II (bass) spiel(t)en ebenfalls in diversen Kapellen zwischen London, New York und Berlin. 14 Tracks auf der Platte, abwechslungsreich, locker und stilbewusst. The Cramps lassen grüßen. Und ein bisschen was von Rocky Horror Picture Show hat das Ganze auch. Allein beim Zuhören bekommt man eine Ahnung von der überdrehten Live Show der Band. Und wenn bei „Night Life“ noch eine singende Säge erklingt, fühlt man sich ins Berlin der „Golden Twenties“ zurück versetzt. Unglaublich, wie gesagt. ***1/2

 

Admiral BlackAdmiral Black – Phantasmagoric (CD/LP, Hazelwood Vinyl Plastics, www.myspace.com/admiralblackmusic)

 

Shaun Mulrooney ist Ire, aus Dublin. Früher spielte er in einer Band namens Humanzi, die zwei Platten rausbrachte und in Irland einen Preis gewann. Auf dem Umweg über New York landeten die Iren schließlich in Berlin. Shaun blieb und lernte im CCCP-Club in Mitte den Produzenten und Musiker Earl Harvin kennen. Die beiden nahmen das Album „Phantasmagoric“ auf, das ausschließlich Songs von Mulrooney enthält und unter Namen Admiral Black erscheint. Die Musik? – Blues Rock, Garage Rock, Psychedelic Rock. Solide und kompetent gespielt und arrangiert. Deutlich in den Seventies verwurzelt, ohne dass man das böse Wort „retro“ erwähnen müsste. Einzelne Tracks wie „Crystallised“, „The Fisherman And His Soul”, The Worm Of The Third Sting” und schließlich “Madman’s Blues” sind hervorzuheben. Insgesamt ist die Scheibe dann aber doch nur durchschnittlich. ***

 

Barbe-Q-BarbiesBarbe-Q-Barbies – All Over You (CD, Sound Of Finland, www.myspace.com/barbeqbarbies)

 

Schon letztes Jahr erschien dieses Debütalbum der All-Girl-Band aus Helsinki. Gegründet wurde die Combo bereits 2002, und es wurden auch zwei Singles und eine EP in eigener Regie veröffentlicht, die mir leider entgangen sind. Dieses 12-Track Album enthält jedoch alle bereits erschienen Stücke. Ob in neuen Versionen, entzieht sich meiner Kenntnis. Musikalisch stehen die Ladies in der Tradition solcher Bands wie The Runaways oder The Donnas. Schnörkelloser, straighter Rock wird hier geboten. Mit einem Schuss Punk und einer Prise Glam, wie nicht zuletzt ein Cover von „Wig-Wam Bam“ zeigt. Jürgen Hendlmeier hat die Platte aufgenommen und produziert. Die Songs sind bis auf die Sweet Nummer alles eigene Kompositionen. Naturgemäß bratzt und knallt das ganz schön aus den Lautsprechern. Frontfrau Niki hat ein kräftiges Organ, vermag aber durchaus auch fein abgestimmte Nuancen in ihre Stimme zu legen. Alles in allem ein solides Rockalbum, dem allerdings ein bisschen mehr Abwechslung ganz gut täte. Bester Track: „Escort“. ***

 

Walking WitnessHoney B & T-Bones – Walking Witness (CD, Sound Of Finland, www.myspace.com/honeybtbones)

 

Honey B. & The T-Bones gibt es inzwischen auch schon seit 30 Jahren. Trotz immer mal wieder wechselnder Besetzungen, die Kernzelle der Band bestand von Anfang an aus Aija Puurtinen (vocals, bass) und Esa Kuloniemi (guitar, vocals). Aktuell gehört der Drummer Jaska Lukkarinen zur traditionellen Trio Besetzung der Band. Blues, Rhythm & Blues, Rock’n’Roll sind die Koordinaten. Auf dem neuen zwölften Studioalbum klingt das immer noch aufregend, überzeugend und ein bisschen psychedelisch sogar. Man darf sich das durchaus ein bisschen wie die Black Keys vorstellen. Nur noch schwärzer vielleicht, souliger, mystischer. Swamp Blues, Voodoo Rhythm, wunderbar inszeniert! Kuloniemi ist ein Meister der Blues Gitarre. Und Aija Puurtinen (a.k.a. Honey B.) ist – so verrückt das klingt – eine Mischung aus Pippi Langstrumpf und Nina Simone. Alle Stücke haben die beiden geschrieben, bis auf ein sehr eindrucksvolles Cover von „I Walk The Line“, das die Platte würdevoll beschließt. ***1/2

 

NT's White TrashNT’s White Trash – Mourning Becomes Electric (CD, Stupido Records, www.myspace.com/ntswhitetrash)

 

NT’s White Trash ist Nick Trianis White Trash, und Nick Triani ist ein vor Jahren von England nach Finnland übergesiedelter Musiker. Mit der Band Treeball hat er zwei Alben in Finnland veröffentlicht. Indie Pop ist vermutlich die passendste Bezeichnung für Trianis Musik. Hier bei seiner neuen Band White Trash klingt das etwas rauer, ungehobelter als bisher. Auch seine finnischen Mitmusiker sind alle keine Novizen mehr. Der Drummer Heikki Tikka trommelte schon für Kauko Röyhkä und Hearthill. Und Janne Lehtinen (Bass) sowie Henrik Domingo (Guitar) hatten ihre eigenen Bands bevor sie sich Triani anschlossen. Der Beweist auch hier wieder, dass er ein wirklich guter Songwriter ist. Diese Platte klingt verdammt eindringlicher und überzeugender, als das meiste was so durch Indie Pop und Rock Gazetten des UK geschleust wird derzeit. Aber wie es so ist, außerhalb der finnischen Hauptstadt bekommt das kaum jemand mit. Elf tolle Tracks irgendwo zwischen My Bloody Valentine und Suede, ja Suede. Beste Tracks: „Trap“, „Everybody“ und „Does Anybody Know Your Name?“. ***1/2

 

Silent ScreamSilent Scream – In The Cinema (CD, Stupido Records, www.myspace.com/silentscrm)

 

Silent Scream ist hervorgegangen aus der finnischsprachigen Gothic Band Varjo (Schatten), die Ende der 1990er Jahre zu den besten ihres Genres in Finnland zählte. Zwei tragische Todesfälle machten es jedoch unmöglich für die Band, einfach so weiterzumachen wie bisher. Zu Beginn des neuen Jahrtausends nach ihrem dritten Album verschwand der Keyboardplayer der Band plötzlich. Nach anderthalb Jahren wurde er tot aufgefunden. Und kurz darauf kam Bandgründer Henry Waldén bei einem Brand ums Leben. Also beschlossen die verbliebenen Musiker einen Neustart unter neuem Namen und jetzt mit englischen Lyrics. Dies ist nun das Debütalbum des Trios. Thematisch an Klassikern des Stummfilm Horror und Gothic Genres orientiert, musikalisch härter als früher. Killing Joke, aber auch The Sisters Of Mercy sowie Post Punk bis hin zu Sonic Youth mögen als Referenz dienen. Und dann sind da noch The Cure, die sicher einen nicht unerheblichen Eindruck auf die drei Finnen, besonders den Gitarristen, gemacht haben. Beste Tracks: „Cinema“, „Vultures“ und „In The Sea“. ***1/2

 

Luke WhittenLuke Whitten – Comes And Goes (CD, Stupido Records, www.myspace.com/lukewhitten)

 

Luke Whitten ist, trotz seines eher angloamerikanischen Na-mens und obwohl er auf dieser, seiner dritten, Platte absolut amerikanisch klingt, ein waschechter Finne mit bürgerlichem Namen Timo Rautio aus Oulu. Springsteens Nebraska war für den jungen Mann aus Finnlands Norden ein Schlüsselerlebnis, wie er selbst sagt. Und so singt er hier auch über die kleinen Leute, über seine raue, dunkle nordische Heimat, über Sehnsucht und über gebrochene Herzen. Dabei hört er sich vollkommen amerikanisch an. Kein Akzent, keine traditionellen Anklänge wie bei anderen finnischen Musikern, die sich mit Americana beschäftigen. Mit der US Amerikanerin Kerri Powers hat er eine großartige Gastsängerin gewonnen, deren Stimme an Lucinda Williams oder Karen Dalton erinnert. Und mit Maija Vilkumaa hat eine der besten und erfolgreichsten finnischen Stimmen der letzten fünfzehn Jahre mit dabei. 15 Tracks sind hier versammelt. Von Singer / Songwriter Folk über Country bis zu rockigen Klängen reicht die Palette. Wie gesagt, diese Platte hätte ebenso in Oregon oder Connecticut entstehen können. Die Themen sind letztlich ja auch universell. Einzelne Tracks hervorzuheben, macht hier gar keinen Sinn. Das ganze Album ist absolut hörenswert. ****

 

Aunt Nelly – Aunt Nelly (LP, Time For Action Records, www.myspace.com/auntnelly2)

 

Für den interessierten Mod und Neo-Sixties Freund dürften Aunt Nelly alte Bekannte sein. Zumindest ein Teil der Musiker waren bereits Mitte der 1990er Jahre in der Band The Clique aktiv, die bei Detour Records ein sehr hörenswertes Album und etliche 7“45s veröffentlichte. Aunt Nelly knüpft im Prinzip dort an mit typischem Mod Soul Pop mit starker Hammond Orgel, R&B Einflüssen und einer souligen Sängerin, die leider nicht bei allen Tracks die Hauptstimme singt. Titel wie „Rescue Me“, „Get Off My Track“ oder „The Faker“ bieten alles, was der Fan des Genres gern hört. Und auch die Songs als solche wissen zu überzeugen. Mit „Waiting For Alex“ hat die Band eine wunderbar groovende Instrumentalnummer mit dabei. Und „Sunlight“ bringt sogar etwas Flair von der amerikanischen Westküste mit. „Smile“ wiederum ist eine fantastische Britpop Nummer alter Schule. Die ganze LP ist durchweg hörenswert und willkommene Ergänzung bei künftigen Mod und Beat Allnightern. ***1/2

 

The Valkyrians – Punkrocksteady (CD/LP, Pork Pie / Stupido Records, www.thevalkyrians.com)

 

The ValkyriansAuch in Finnland gibt es Ska Bands, und The Valkyrians sind zweifellos eine der besten. Nun gebe ich gern zu, dass ich nicht unbedingt ein großer Fan dieser Musik bin, wie wohl ich einige Singles solcher Bands wie The Special A.K.A. oder Madness zu schätzen weiß. Was The Valkyrians hier vorlegen, das ist aber nicht einfach irgendeine mehr oder weniger gelungene neue Ska LP. Diese Platte enthält ausschließlich Coverversionen von großartigen (na meistens jedenfalls) Songs der Punk und New Wave Ära Ende der 1970er Jahre. Das beginnt mit „Heart Of Glass“ (Blondie), ein Song, der in dieser Rock Steady Version sogar ziemlich vertraut klingt. Bei „Career Opportunities“ (The Clash) oder „Breakdown“ (Buzzcocks) ist das schon gewöhnungsbedürftiger. „Mongoloid“ (Devo) klingt dann wieder fast so, als wäre das Arrangement gar nicht anders möglich. Bei „Another Girl, Another Planet“ (The Only Ones) merkt man zwar, dass der Song als solcher einfach klasse ist, aber mir gefällt das Original dann doch um Längen besser. Ähnlich ergeht es mir bei „Disorder“ (Joy Division). Dagegen machen „Nasty Nasty“ (The Damned) oder „I Am The Fly“ (Wire) wirklich Spaß in diesen schluffigen, flockigen Versionen mit Tin Drums und den typischen Orgeltupfern des Ska Sounds. Bei „Riot Squad“ (Cock Sparrer) und „Astro Zombies“ (The Misfits) habe ich die Originale nicht mehr im Ohr. Sham 69s „Borstal Breakout“ funktioniert prima, und bis auf die groovende Orgel ist es nicht mal sehr weit vom Original entfernt. „Babylon’s Burning“ fehlt der aggressive Unterton, der kompromisslose Punch des Originals. „Gary Gilmore’s Eyes“ (The Adverts) dagegen hat diesen etwas morbiden Ton wie das Original, nicht zuletzt weil TV Smith höchstpersönlich die Hauptstimme singt. Und „Watching The Detectives“ (Elvis Costello) unterscheidet sich – wen wundert’s – fast gar nicht vom Original. Insgesamt macht diese Platte mit Versionen mehr oder weniger bekannter Songs aus großer Zeit viel Spaß. *** 

 

Sons Of StoneThe Peoples Temple – Sons Of Stone (LP, Hozac Records, www.myspace.com/thepeoplestemple10)

 

Eine Neo-Sixties Garage Rock Band aus Michigan. Warum sich die Jungs nach dieser Sekte benannt haben, die Ende der 1970er Jahre in Südamerika Massenmord beging, will mir nicht so ganz einleuchten. Ihr Debütalbum hier ist jedoch ganz großartig. Die Platte wirkt wie völlig aus der Zeit gefallen. D.h. sie klingt wie irgendeine bisher verborgen gebliebene Scheibe aus den Mid-Sixties. Und das meine ich in diesem Fall wirklich ganz wörtlich so. Als hätten The Electric Prunes oder The Seeds oder gar The 13th Floor Elevators eine ganze LP unter Verschluss gehalten all die Jahre und Jahrzehnte. Unglaublich, wie authentisch diese LP sich an-hört. Und es sind alles eigene Kompositionen diese 14 Tracks. Alles ganz allein aufgenommen und produziert, vollkommen analog. Die Band besteht aus zwei Bruderpaaren. Neben den klassischen Instrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug verwenden sie auch verschiedene elektrische Orgeln, Synthesizer und diverse Tape Loops bei ihren Aufnahmen. Der Gesang erinnert an Arthur Lee. Power und Unmittelbarkeit sind von MC5 inspiriert. Diese Platte ist schlicht phantastisch! Psychedelic Garage Punk mit Druck und Überzeugung! 14 Tracks in rund 40 Minuten. Jeder einzelne Track versetzt den Hörer durch Raum und Zeit. Höre ich Titel wie „Visions Of The Sun“ oder „Never Really“, laufen mir kalte Schauer über den Rücken. Diese Platte ist ein Garage Rock Klassiker, den es niemals gab. ****1/2

 

SnowtorchPhideaux – Snowtorch (LP/CD, Bloodfish Music, www.bloodfish.com)

 

Die Band um Xavier Phideaux ist mir bereits vor ein paar Jahren aufgefallen. Bisher erschienen ihre Alben ausschließlich auf CD. Aber dieses achte Album „Snowtorch“ ist nun auch als LP im Klappcover erhältlich. Phideaux spielen klassischen Progrock. Das klingt tatsächlich wie eine Mischung aus Genesis, Yes, Gentle Giant, Spring, um nur ein paar der offenkundigsten Referenzen zu nennen. In epischer Breite wird über insgesamt 45 Minuten ein fast schon symphonisch zu nennendes Werk gespielt. Auch wenn es zwischen den Tracks kurze Pausen gibt und Zwischentitel auf dem Cover stehen, es handelt sich hier um eine durchgehende Geschichte, die irgendwo im fernen Weltraum angesiedelt ist. Keyboard Passagen wechseln mit Streichern und leicht jazzigen Bläserparts. Es gibt auch immer wieder elegische Gesangsparts, die von drei Frauen mit kraftvollen Altstimmen abwechselnd gesungen werden. Überleitungen werden meist auf dem Piano gespielt. „Helix“ ist das zentrale Stück der Platte betitelt. Eher eine Ballade und nicht so rockig treibend wie andere Parts des Gesamtwerks. Auch wenn „Snowtorch“ nicht ganz die Klasse des bisher besten Albums der Band „Doomsday Afternoon“ erreicht, die beste Genre Veröffentlichung dieses Jahres ist es sicher. Bisher jedenfalls. Und ich wüsste nicht, was da noch kommen soll. ****

 

TV Smith – Coming In To Land (LP/CD, Drumming Monkey Records, www.tvsmith.com)

 

Coming In To LandTim TV Smith ist seit rund 35 Jahren im Geschäft, wie man so sagt. Seine Band The Adverts war eine der besten britischen Punk Bands um 1977/78. Mit TV Smith’s Eplorers versuchte er 1980/81 Anschluss zu finden an die New Wave Pop Szene im UK. Als der kommerzielle Erfolg ausblieb, löste er die Band auf. Seither ist Tim meist solo unterwegs. Unermüdlich spielt er in besetzten Häusern, auf alternativen Festivals, für die Rechte der Unterdrückten und Benachteiligten zu Hause im UK aber auch anderswo. Er ist bis heute ein bescheidener sympathischer Zeitgenosse geblieben, der mit seinen mitunter recht zynischen aber nie hoffnungslosen Liedern gegen die Ungerechtigkeiten der Welt, gegen Gleichgültigkeit und gegen die oberen Zehntausend  ansingt. Auf dieser neuen, seiner neunten Studio LP, wird er u.a. unterstützt von Tim Cross (Mitstreiter aus alten Adverts Zeiten) und vom Toten Hosen Drummer Vom, der auch schon auf anderen TV Smith Platten dabei war. Tims Songwriting ist nach wie vor exzellent. Auch hat er einen sofort wieder erkennbaren ganz eigenen Stil. Was bei dieser neuen Platte zunächst irritiert, das ist ihr Sound. Arrangements und Produktion sind weit weg von Tims Punk Wurzeln. Ich weiß nicht genau, was er damit erreichen will. Diese Scheibe klingt zum Teil sehr glatt. Es fehlt der Biss – manchmal jedenfalls. Aber vielleicht ist das ja auch Teil eines Masterplans, so wie das Cover, das den Garten Eden zeigt, obwohl doch die Songs immer noch von falschen Hoffnungen und von den Auswüchsen des Turbokapitalismus erzählen. Dazu kommt die LP dann noch in weinrotem Vinyl. ***1/2

 

Slime The Boogie – Echopark (CD, Slime The Boogie, www.myspace.com/slimetheboogie)

 

EchoparkDer etwas seltsame Bandname Slime The Boogie geht vermutlich auf den New Yorker Graffiti und Underground Künst-ler Dash Snow zurück. Ein Neffe von Uma Thurman, der 2009 im Alter von 28 Jahren an einer Überdosis Heroin starb. Einer seiner Collagenbände trug den Titel „Slime The Boogie“. Die Berliner Band Slime The Boogie steht in der Tradition US-amerikanischer Punk und Garage Rock Bands. The Stooges aber auch die Ramones klingen an. Lehua Lii Ludlow singt mit kräftiger, prägnanter Stimme. Irgendwo zwischen Patti Smith und Shirley Manson. Mitunter muss ich sogar an Siouxsie Sioux denken. Knackige Garage Rock Melodien druckvoll vorgetragen. Von treibenden Bassläufen und quirligen Gitarrenriffs begleitet über soliden Drums, die meist sparsam mitunter mit sachdienlichen Fills und Breaks gespielt werden. Auch Gitarrensoli werden zielgerichtet und absolut songdienlich eingesetzt. Alles in allem lliefert die Band eine hohe Spannung und beste Unterhaltung ohne jede Ermüdung. Hinter US Bands wie The Ettes, The Donnas oder The Fondas muss sich dieses Quartet aus zwei Frauen und zwei Männern nicht verstecken. Letztes Jahr erschien ihre Debüt 7“45. Und nun das Debütalbum, leider nur als CD, und die beiden Tracks der Single sind auch dabei. Zwölf Tracks insgesamt. Beim nächsten Gig muss ich mir das endlich mal live geben! ****

 

Chapel ClubChapel Club – Palace incl. The Wintering EP (DoLP, Loog, www.chapelclub.com)

 

Gegründet in London Ende 2007 gehört die fünfköpfige Band Chapel Club zu den viel versprechenden neuen britischen Acts. Diese Vinylversion ihres Debütalbums „Palace“ liefert gleich noch die 12“EP „The Wintering“ mit, die bereits im vergangenen Jahr als CD erschien. Um die erste Single der Band „Surfacing“, die schon 2009 erstmals veröffentlicht wurde, gab es ein paar Urheberechtsstreitigkeiten. Kein Wunder, schließlich wird da ziemlich unverändert „Dream A Little Dream Of Me“ zitiert, ein Song, der vor allem in der Version von Mama Cass weltberühmt wurde. Inzwischen ist das geklärt, und die Autoren des Originals bekommen ihren Credit. Die Musik des Chapel Club ist im Übrigen ziemlich britisch. Zwischen würdevoller Theatralik, die Einflüsse von Scott Walker bis Suede erkennen lässt, und kraftvollen, fast brachialen Ausbrüchen, deren Vorbilder man bei Sonic Youth oder My Bloody Valentine finden kann, reicht die Palette der Gefühlsregungen. Wobei dann doch die kontrollierten melancholisch gefälligen Klänge überwiegen. Diese Debüt LP reiht sich ein in die Liste solch formidabler Debüts wie die der White Lies oder Glasvegas. Bleibt zu hoffen, dass Chapel Club das hohe Niveau halten können und nicht wie jene mittelmäßige bis langweilige Nachfolger abliefern. Die zusätzliche EP hier gibt allerdings Anlass zu solcher Hoffnung. Zwar erschien sie ursprünglich vor der LP, wurde aber erst danach aufgenommen und enthält somit das aktuellste Material der Band. Ruhiger als die LP, aber auch eindringlicher und wirklich überzeugend wirken die vier Tracks, deren längster „Widows“ mit acht Minuten zugleich der beeindruckendste ist wegen seiner kontrollierten reduzierten Vielseitigkeit. ****

 

The FleshtonesThe Fleshtones – Brooklyn Sound Solution (LP/CD, Yep Roc Records, www.myspace.com/fleshtones)

 

The Fleshtones sind eine der dienstältesten Garage Rock Bands New Yorks. Gegründet 1976 debütierten sie im legendären CBGB noch im selben Jahr. Nach ihrer Debüt 7“ „American Beat“ (1979) und den LP Klassikern „Roman Gods“ (1982) und „Hexbreaker“ (1983) folgten noch viele weitere Veröffentlichungen sowie gelegentliche Personalwechsel. Aus den Anfangstagen sind heute noch Keith Streng (g, voc) und Peter Zaremba (lead voc, harmonica, organ) dabei. Aber auch Bill Milhizer an den Drums und Ken Fox am Bass gehören inzwischen schon eine kleine Ewigkeit zur Band. Für ihr aktuelles Album auf Yep Roc haben sie Lenny Kaye an der Gitarre gewinnen können. Ja, der Lenny Kaye, der vor 40 Jahren die erste Nuggets Doppel LP für Elektra zusammenstellte, und der die Patti Smith Group mitbegründete. Nur vier der zwölf Titel auf „Brooklyn Sound Solution“ sind eigene Kompositionen der beteiligten Musiker. Dazu gehört zum Beispiel das auch als 7“ erschienene manisch exaltierte „Bite Of My Soul“ oder Lenny Kayes düster psychotisches Instrumental „Lost On Xandu“. Die Lennon / McCartney Komposition „Day Tripper“ wird ebenfalls rein instrumental dargeboten in einer rauen Garage Version, die allerdings m.E. nicht wirklich Sinn macht. Ken Parkers „I Can’t Hide“ wird zum Garage Punk Stomper. „Solution #1“ erinnert entfernt an den Memphis Soul Stew von Booker T. Und Sleepy John Estes’ „Rats In My Kitchen“ wird hier zu einer räudigen Boogie Nummer. Manches auf dieser LP lässt an The Cramps denken, mit denen The Fleshtones übrigens vor gut 30 Jahren mal den Übungsraum teilten. Von einer Comeback LP zu reden, wäre ich bisschen albern, denn The Fleshtones waren eigentlich nie weg. Etwas ruhiger war es die letzten Jahre und Jahrzehnte um sie. Und auch diese Platte wird sie wohl nicht mehr ins Rampenlicht katapultieren, so schön das Wiederhören für alte Fans und Garage Rock Freunde auch ist. ***1/2

 

PintandwefallPintandwefall – Time Is Right For Romans, Baby (LP, Gaea Records, www.myspace.com/pawf)

 

Das ist nun bereits die dritte LP dieser Garage Girl Group aus Vanta, einem Vorort von Helsinki. Seit 2006 machen die vier Mädels gemeinsam Musik. Sie kostümieren sich gern, und sie treten meist mit Zorro Masken auf. Musikalisch bewegen sie sich zwischen Punk und 70er Jahre New Wave – X-Ray Spex aber auch The B-52s lassen grüßen – und aktuellen musikalischen Strömungen der schrägeren Art. Von ihren Landsleuten 22 Pistepirkko bis zu den Yeah Yeah Yeahs reicht die Kette der Assoziationen. Die LP ist mit 31 Minuten recht kurz, so kurz wie eine Langspielplatte vernünftigerweise sein sollte. Für die Girls mit den Nicknames Crazy, Cute, Dumb und Tough Pint ist die ganze Sache offenbar vor allem ein großer Spaß. Das hört man auf jeden Fall auch. Die Songs handeln vom richtigen Moment für Romantik „Time Is Right For Romance“, von Dingen die Mädchen so auf dem Klo machen „Riff Raff“, und von Erdbeereis mit Bier „“Drunkberries“. Und übrigens der Bandname entsprang der selbstironischen Erkenntnis, dass alle vier nach einem Pint Bier schon umkippen. So viel zur Trinkfestigkeit der Finnen. ***1/2

 

The QThe Q – Sonically Sound (LP, Time For Action Records, www.timeforaction.de)

 

Aus Gloucester kommen The Q. Seit 2006 sind sie zusammen aktiv. Gleich der Opener ihres Debütalbums verrät worum es hier geht. „Growing up at 45 rpm, take your time and play it over again” Und dann werden einige ihrer Lieblings-45s aufgezählt: „The Eton Rifles”, “The Bitterest Pill”, „This Charming Man“, „A New England”. Logischerweise bewegen sich die vier Burschen auch in genau dieser musikalischen Tradition. Eine klassischere Mod Band ist nur schwer vorstellbar. Und nach ihrer 10“ „Issues“ vor zwei Jahren ist diese LP nun die konsequente Fortsetzung dieses Stils, der vor allem von The Jam und der 1979er Mod Bewegung im UK inspiriert ist. Beim Hören der LP erlebt man sicher das eine oder andere Deja Vu. The Q scheinen so ein bisschen Spätzünder zu sein. Auch wenn sie das auf dem Cover der Platte geschickter Weise Im Unklaren lassen, sie sind schon lange keine 20 mehr. Das macht aber natürlich nichts. Ihre Mod Hymnen und Power Pop Perlen kommen vom Herzen und klingen absolut frisch und überzeugend. Elf Tracks sind hier versammelt. Vom treibenden Stomper über die wehmütige Ballade bis zu den typischen mit Hooks und Power Chords versehenen zeitlosen Mod Hymnen. Alles aus eigener Feder. Manchmal vielleicht eine Idee zu wenig eigenes Profil, und mitunter sind die Tracks etwas zu lang. Ein Chorus weniger hätte es auch getan. Aber insgesamt ist das die ideale Ergänzung und Bereicherung für jede Mod Party und jede Mod Plattensammlung. Die ersten 100 LPs sind in weinrotes Vinyl gepresst. ***1/2

 

Rubik – Solar (LP/CD, Fullsteam, www.rubikband.net)Rubik

 

Vor zwei oder drei Jahren sah ich diese Band im Rahmen der Popkomm live im NBI Club in der Kulturbrauerei. Damals war ich eher genervt. Und die seinerzeit aktuelle Platte der Jungs fand ich auch nicht doll. Jetzt also zweiter Versuch. Woran es liegt, keine Ahnung, aber mit dieser aktuellen Platte der Band kann ich schon viel eher was anfangen. Womöglich haben sich die Jungs entwickelt, sind lockerer geworden. Vielleicht bin ich auch offener heute als vor drei Jahren. Egal. Dieser luftige, verspielte Artpop hat eine Menge Charme. Referenzen, Vergleiche sind ganz schwierig. Umso erstaunlicher was die Kollegen bei Plattentests.de da so alles als Referenz aufzählen. Radiohead, Arcade Fire, Modest Mouse? Nie im Leben! King Crimson, Pink Floyd, Coldplay, Keane? Das ist nicht wahr! Animal Collective, Neutral Milk Hotel, Broken Social Scene? – na ja, mit viel Phantasie und Abstraktionsvermögen kann man aus diesen drei Vorschlägen zu der Musik gelangen, die hier zu hören ist. „Laws Of Gravity“ ist ein richtiger Ohrwurm. Bei „Not A Hero“ und dann „Towers Upon Towers“ wird’s allerdings doch sehr ätherisch, um nicht zu sagen esoterisch. So richtig oft werde ich die LP dann wohl doch nicht auflegen. Aber in Dosierungen genossen macht sie schon Spaß. ***1/2

 

HoneyheadsHoneyheads – Trivia About (LP, Marsh Marigold Records, www.myspace.com/honeyheads)

 

Geschätzter Herr Korbik, nach ewig scheinendem Kampf gegen das Erwachsenentum haben die Honeyheads den lang erträumten Longplayer in die Welt gesetzt. Auf dem erwürdigen Marsh Marigold Label – auch das war Teil des Traumes. Man bittet höflich um Beachtung. Honey to whom honey is due. Mit diesem Begleitschreiben erreichte mich die LP der Hamburger Band. Ich hatte dis dato noch nie von ihnen gehört. Vielleicht weil ich auch fetten Gitarren und zur Schau getragener Männlichkeit nicht abhold bin. Vermutlich aber eher, weil die Combo bisher über Hamburgs Grenzen kaum hinaus kam, weil sie trotz einer – mit Unterbrechungen – 12-jährigen Bandgeschichte bis auf eine 3-Track CD beim winzigen US Label Cloudberry noch keinen Tonträger veröf-fentlicht hatte. Und nun lese ich, dass selbst Edwyn Collins die Band kennt. Womöglich deshalb, weil besagte CD ihn im Titel erwähnt. Wie auch immer. Honeyheads sind aktuell zwei Hamburger Jungs und eine Deern, die durch C86 und das Postcard Label einerseits sowie auf Soul Allnightern andererseits musikalisch sozialisiert wurden. Ihrem Debüt hört man vor allem Ersteres deutlich an. Ohrwurm Melodien, schrammelnde Gitarren, purer Pop! Alle drei schreiben Songs, alle drei singen. Mal auf Deutsch, meist auf Englisch. Und bei „Linda, Linda“, einem Cover der japanischen Band The Blue Hearts, versuchen sie es sogar auf Japanisch. Die Platte der Honeyheads ist hochgradig sympathisch, auch wenn sie mitunter mal etwas holpert und der Gesang nicht immer über Amateurstatus hinaus reicht. Dennoch gilt: honey to whom honey is due. ***1/2

 

The CherrypopsThe Cherrypops – Wolken Zucker Himmel (CD, New Life Shark, www.thecherrypops.com)

 

Punk, Powerpop, ndW – das sind die Eckpfeiler dieser fünfköpfigen Band aus Essen. Spontan fallen mir dazu Die Profis  oder Stunde X ein, aber auch Nichts, Extrabreit oder Nena. Die von damals natürlich. Musikalisch ist das alles sehr eingängig und immer straight nach vorne. Diesen Bass getriebenen Groove, die kräftigen Gitarrenakkorde, die akzentuierten Licks hier und da, alles sehr schön. Nicht neu, aber schön. Und mit der deutschen Sprache wird sehr selbstverständlich und ungeniert umgegangen. Manchmal holpert es dann ein bisschen. Aber das war damals bei den Profis auch so, und die sind und bleiben trotzdem die großartigste deutschsprachige Powerpop Band, die es je gab. Die Cherrypops gibt es wohl schon seit ein paar Jahren. Da kann man nicht wirklich von Nachwuchsband sprechen. Und vieles an dieser Platte hier klingt auch eher abgeklärt und erfahren, nicht nur musikalisch. Trotzdem ist es ihr Debütalbum. Die Songs wurden zum größten Teil von der Gitarristin Veronika geschrieben. Am Mikrofon hören wir auch eine Frau, Miss V (a.k.a. Mo Lensing). Die Rhythmussektion ist männlich. Wie soll ich sagen? Das ist guter, bodenständiger deutscher Poprock! So etwas gehört ins Radio, und nicht diese Casting Clones oder die glatt produzierten Julis und Silbermonde. 13 Tracks sind auf der CD, kein Ausfall dabei. ***1/2

 

Meet Redondo BeatRedondo Beat – Meet Redondo Beat (LP/CD, Dionysus Records, www.redondobeat.de)

 

Schon im November erschien das dritte Album von Redondo Beat (alias Roman Aul) diesmal in den USA bei Dionysus Records, wo auch schon The Satelliters aus Darmstadt eine Label-Heimat fanden. Romans Musik war schon immer eher Garage Pop als Garage Punk. Auf dieser neuen Platte hört man aber nun ganz deutlich den Einfluss solch wunderbarer Pop Ikonen der frühen Sixties wie The Everly Brothers, The Shangri-Las oder Del Shannon. Roman Aul arbeitet im Studio mehr oder weniger allein. Er hat es da inzwischen zu einer gewissen Perfektion gebracht, so dass die Ergebnisse seiner Arbeit sehr authentisch und zugleich kraftvoll und unbeschwert klingen. Natürlich verwendet Roman dabei überwiegend Vintage Equipment. Auch das Songwriting ist ebenso wie das Arrangement stark an den Vorbildern aus den frühen Sixties orientiert. Und mit „Shoop Shoop“ (im Original von Maurice Williams & The Zodiacs) hat Roman auch eine Coverversion aus der Doo Wop Ära mit dabei. Trotz alledem ist das hier nicht einfach so eine Retro-Sache, die älteren Herrschaften wie mir das Gefühl eines dritten Frühlings vermitteln will. Roman und seinen Mitstreitern (zwei sind auf dem Cover abgebildet) nimmt man die Begeisterung und das Leben für diese Musik völlig ab. Feine Sache! ***1/2

 

No Harm DoneLord Litter – No Harm Done (CD, Trash Tone Records, www.LordLitter.de)

 

Seit mehr als zwei Jahren schon präsentiert Lord Litter die „Shared Night“ Konzert- und Veranstaltungsreihe im B-Flat in Berlin Mitte. Regelmäßig bekomme ich Einladungen dazu per Mail. Dort war ich noch nicht. Aber auch ohne meine Teilnahme scheint die Reihe ganz erfolgreich zu sein. Irgendwann gehe ich mal hin. In schöner Regelmäßigkeit erreichen mich auch neue Aufnahmen aus dem Trash Tone Studio. Die letzte CD „Litter & Leech“ kam vor knapp zwei Jahren. Nun kurz vor Weihnachten 2010 fand ich eine neue CD in meinem Postfach. 15 Tracks sind darauf zu hören. Alle bis auf einen selbst komponiert. Alle von Lord Litter ganz allein eingespielt dies Mal. Wird der Lord schrulliger? So kommt es mir wenigstens vor. „Time Is Mine“ oder „Slip Away From Fright“ sind so schön schräg und verschroben. Was man mit akustischen Gitarren und ein paar Perkussionsideen alles anstellen kann! D.h. ein wenig Elektrizität ist schon auch dabei. Die Stimme des Lords hab’ ich rauer in Erinnerung. Er klingt hier ja manchmal fast wie Elvis in einem Alter, das er nicht mehr erlebte. „Call Me Joe“ ist klasse! Nicht Freak Folk, nicht Weird Folk, das ist Weird Country, oder? Aber was ist das mit Bert Kaempfert? „A Moment in Silence“ erinnert mich eigentlich eher an eine ganz frohgemute Version von „Rosemary’s Baby“. Sehr fein auch die beiden „Pebble“ Stückchen. Absonderliche Vignetten mit Pfiff, Klapper und Computer. Ja, der Lord wird sehr schrullig. “Coco” ist der beste Beweis. Nicht, dass er diese Nummer von The Sweet covert, sondern wie er das tut. Man sagt ja, bei älteren Menschen kommt das kindliche Gemüt wieder zum Vorschein. Beim Lord Litter war es wohl nie ganz weg, denke ich. Und so wie er bei diesen Aufnahmen eine ganz ursprüngliche Freude empfunden haben muss, so kann ich als Hörer genau die gleiche Freude spüren. „Break Free“ mag als Beispiel dafür stehen. Eine andere Realität erschaffen, das ist es. Diese leicht anarchistische Nonchalance zieht sich durch das ganze Album. „Do you really know what is going on?“ – Nö, macht auch nichts! “Paint it White” ist ein fröhlicher Seitenhieb gegen Messrs. Jagger und Richards. Und “Ray Told Me” ist eine Hommage an gleich drei Rays, Davies, Dorset & Mason. Sehr schön, Lord Litter! ****

 

The Pick UpsThe Pick Ups – Finally (CD, Christchurch Records, www.myspace.com/thepickupsnz)

 

Seit ich vor ein paar Jahren eine Scheibe der Dark Beaks aus Dunedin, Neuseeland, zum Album des Monats kürte, bekomme ich immer mal wieder Post von Down Under. Und fast immer sind es hier in Europa völlig unbekannte, aber nichtsdestotrotz meist recht hörenswerte Bands, die mir ihre Musik auf CD schicken. So auch The Pick Ups aus Christchurch, der angeblich britischsten Stadt Neuseelands. Inzwischen leben die Bandmitglieder aber wohl überwiegend in Wellington wo auch dieses Album aufgenommen und zusammengestellt wurde. In klassischer Trio Besetzung spielt die Band eine Art folkigen Beat, rockigen Folk, jangligen Pop. Inspiration lieferten erklärtermaßen The Beatles, The Byrds und The Velvet Underground. Ich weiß nicht, ob es tatsächlich einen typischen Neuseeland Sound gibt. Den Bands des Flying Nun Labels sagte man in den 1980er Jahren einen irgendwie gearteten gemeinsamen Sound nach. Und das stimmt insofern, dass alle diese Bands ein wenig anders klingen als der übliche Indie Pop damals. Immer ein bisschen schräger, eigenwilliger. Auch auf The Pick Ups trifft das wohl zu. Zwischen 2004 und 2007 traten sie regelmäßig live auf in ihrer Heimat. Zu einer Veröffentlichung ist es aber nie gekommen. Bis Heute. Nun gibt es diese CD mit 23 Tracks, von denen ca. die Hälfte ungeschliffene Demos und Out-takes sind. Deutlich wird jedenfalls eine große Spielfreude und ein ungestümer Ideenreichtum. Dabei erinnert die Musik tatsächlich an eine krude Mischung aus Velvet Underground, The Clean, The Chills und modernem Indie Pop aus dem UK. Eingespielt wurde alles in wenigen Stunden quasi live im Studio. Das hat was. Auf jeden Fall eine Menge Charme! ***

 

Tribute to TV PersonalitiesV./A. – All Those Times We Spent Together, a Tribute to the Television Personalities, Vol. 3 (CD, The Beautiful Music, www.thebeautifulmusic.com)

 

The Beautiful Music ist ein Indie Pop Label in Ottawa, Kana-da. Eines der langfristigen Projekte des Labels ist diese Tribute Reihe für Dan Treacy und seine TV Personalities. Nun erscheint bereits der dritte Teil der Reihe, wieder mit 23 Songs aus der Feder von Dan Treacy, interpretiert von Indie Pop Bands und Künstlern aus aller Welt. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie kaum jemand kennt. Das macht nichts. Ich versichere euch, liebe Leserinnen und Leser, die Musik lohnt sich. Denn Dan Treacy ist ein großartiger Songwriter, der wunderbar wahre, traurige, melancholische, unglaubliche, schräge, fröhliche, verträumte Geschichten erzählt und mit den passenden Akkorden versieht. Und die hier versammelten Kapellen verstehen es sehr schön, diese Songs auf die ihnen gemäße Art mit viel Aplomb und Understatement zu interpretieren. Und selbst wenn es hier und da Wiederholungen gibt, was bei einer auf 10 Folgen konzipierten Tribute Reihe unausweichlich sein wird, so stört das nicht im Geringsten. Jede Band, jeder Künstler bringt seine eigene Sicht, seine spezielle Interpretation mit ein. Das ist immer wieder spannend und hörenswert. Feine Sache! ***1/2

 

The Ghost Who WalksKaren Elson – The Ghost Who Walks (LP, Third Man Records, www.myspace.com/karenelsonmusic)

 

Karen Elson stammt aus Manchester, England. Sie ist Model, und sie ist auch Singer/Songwriter. Und schließlich ist sie die Ehefrau von Jack White, der dieses Album, ihr Debüt, in Nashville, wo die Familie inzwischen auch lebt, produzierte. Die Platte klingt im Großen und Ganzen wie eine Mischung aus britischem Folk und traditioneller amerikanischer Folkmusic, enthält aber auch Elemente, die an Music Hall und an Kleinkunst Bühnen erinnern. Sogar die Songthemen scheinen bei den Vorbildern aus den 1920er bis 40er Jahren abgeschaut. Eigentlich ganz schön und stimmungsvoll, auch wenn es mitunter ein bisschen künstlich wirkt. Auf der zweiten LP Seite wird es dann in gewisser Weise moderner. Da beziehen die Songs und Arrangements ihre Inspiration aus den späten Sixties von Lee Hazlewood etwa oder den mild psychedelischen Eskapaden so mancher Folkrock Combo jener Zeit. Herausragender Track bleibt das auch als 7“ erschienene Titelstück. Aber auch „100 Years From Now“, „Garden“ und „The Birds They Circle“ wissen zu gefallen. “A Thief At My Door” hat eine seltsame Atmosphäre, die nicht zuletzt auf der Pedal Steel Guitar des My Morning Jacket Gitarristen Carl Broemel beruht. ***1/2

 

IndicaIndica – A Way Away (DoLP/CD, Nuclear Blast, www.myspace.com/theindicaband)

 

Indica sind eine Girl Group, d.h. besser gesagt eine Frauenband. Indica kommen aus Finnland, aus Helsinki. Gegründet von Schulfreundinnen, die sich im Jugendorchester kennenlernten, im Jahr 2001, wurden sie binnen weniger Jahre zu einer der er-folgreichsten finnischen Rock/Pop Bands mit einem Platin und drei Gold Alben in finnischer Sprache. Das hier ist nun ihr erstes englischsprachiges Album. Musikalisch ist das natürlich auch an Nightwish, der Band ihres Produzenten Tuomas Holopainen, orientiert. Zum Glück sind die Songs aus der Feder von Sängerin / Violinistin Jonsu weit weniger theatralisch. Und auch die Produktion fällt längst nicht so bombastisch aus wie bei Nightwish und ähnlichen Gothic Kapellen. Bisweilen hat die Musik hier etwas mystisch Verträumtes, so ein wenig an Kate Bush erinnernd. Und wenn dann doch der Gothic Rock durchbricht, dann erfreulich locker und poppig. Überhaupt ist das große Plus dieser Platte ein wirklich gutes Songwriting, das es bisweilen sogar mit Größen wie Abba aufnehmen kann. Die Arrangements und die Produktion sind meist sachdienlich und nicht überladen. Und so ist „A Way Away“ eine erstaunlich gute Mainstream Poprock Platte geworden. ***1/2

 

Bambi MolestersThe Bambi Molesters – As The Dark Wave Swells (LP/CD, Glitterhouse, www.myspace.com/thebambimolesters)

 

Eine klassische Surfplatte aus Kroatien. Die Band The Bambi Molesters gibt es schon seit 1995. Dennoch ist das hier erst ihre vierte reguläre LP. Ich muss gestehen, dass mir die Band zwar bekannt war, ich aber bis auf ein paar Sampler Beiträge bislang nichts von ihr gehört hatte. Wenn alle ihre Platten so gut sind wie diese hier – wovon ich ausgehe - , dann muss ich mich dringend darum kümmern. Rein instrumental und sehr vielschichtig ist die Musik. An Dick Dale oder The Ventures aber mehr noch an The Shadows orientiert sind Sound und Arrangements. Zu den twanging guitars gesellen sich Orgel und mitunter auch Trompete und Saxophon. Der Sound ist glasklar, schneidend und kraftvoll. Fast alles eigene Kompositionen. Produziert wurde die LP von Chris Eckman. Chris Cacavas ist als Gastmusiker dabei. Neben den typischen kräftigen Surf Tunes gibt es auch filigranere, fast verträumte Stücke, die auch mal von Streichern untermalt werden. ****

 

Trembling BellsTrembling Bells – Abandoned Love (LP/CD, Honest Jon’s, www.myspace.com/tremblingbells)

 

Schon das Debüt der Band aus Schottland, im vergangenen Jahr erschienen, ließ aufhorchen. Lavinia Blackwells wundervoller Sopran lässt sogleich an so großartige Folksängerinnen wie Maddy Prior oder gar Sandy Denny denken. Während jedoch das Album „Carbeth“ noch etwas verhalten und auch relativ traditionell folky daherkam, machen die vier jungen Leute mit dieser Platte hier einen Quantensprung in Richtung Vielschichtigkeit und Qualität sowohl des Songwritings wie vor allem auch der Umsetzung in Arrangement und Performance. Pentangle aber auch Steeleye Span fallen mir als Vergleich ein. Gleichsam majestätischer, opulenter Folkrock mit aufwändigen Arrangements, die sich an klassischem Pop ebenso orientieren wie an milder Psychedelia. Kein Wunder, dass Joe Boyd die Band und die Platte in den höchsten Tönen lobt. ****

 

The Long Way HomeDonots – The Long Way Home (LP/CD, Solitary Man Records, www.myspace.com/donots)

 

Über 15 Jahre gibt es die Donots nun schon. Aus Ibbenbüren stammt die Band. Das liegt nördlich von Münster ziemlich im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Aber eigentlich spielt das gar keine Rolle. Die Musik der Donots hat mit Ibbenbüren so wenig zu tun wie mit irgendeiner anderen deutschen Kleinstadt. Sie selbst nennen es Alternative Rock, was sie spielen. Das ist so zutreffend wie nichts sagend. Ihre Musik ist sicher von US Punk und Rock Bands der frühen 90er beeinflusst, Green Day z.B. Aber auch 80er Jahre Britrock der ehrlichen Sorte ist da zu hören. New Model Army fällt mir dabei ein. Die Donots haben sich längst etabliert in der deutschen Rockszene. Sie können von ihrer Musik leben. Ihre Konzerte finden in mittelgroßen Hallen statt und sind oft ausverkauft. Ihre Singles und LPs tauchen meist in den unteren und mittleren Regionen der Media Control Charts auf. Dies ist nun ihre neunte LP und die zweite auf ihrem eigenen Label, das sie vollkommen unabhängig managen. Alles im Lot also. Und die Musik der Jungs ist auch ganz ok. Doch irgendwas fehlt mir. Es gab immer mal einzelne Singles der Band, die catchy genug, einprägsam genug waren, um sich auch in meinen Ohren festzusetzen. Die aktuelle Single „Forever Ends Today“ schafft das nicht. Der Rest des Albums ist solide, durchaus abwechslungsreich im Rahmen der stilistischen Bandbreite, die den Jungs zur Verfügung steht. ***

 

My Cassette PlayerLena – My Cassette Player (CD, Universal Domestic Pop, www.lena-meyer-landrut.de)

 

Das Debüt Album unseres Stars für Oslo wird mit Sicherheit an die Spitze der Charts schießen in dieser Woche. Dass es danach dann aber von den vielen Käuferinnen und Käufern  noch lange und oft gehört werden wird, das darf wohl bezweifelt werden. Ok, die jüngeren und ganz jungen Lena Fans werden noch eine Weile ihren Spaß damit haben. Alle anderen, die in Lena eine deutsche Kate Nash oder etwas Ähnliches sehen und ein intelligentes, abwechslungsreiches und vor allem unkonventionelles und spannendes Pop Album erwartet haben, werden enttäuscht sein. Acht von 13 Songs hat Stefan Raab komponiert. Bei wiederum sieben davon ist Lena als Co-Texterin genannt. Produziert hat Stefan Raab. Nun ist Herr Raab zwar als quasi Pate und Supervisor sicher weniger katastrophal als Herr Bohlen, aber im Ergebnis spielt das keine große Rolle. Die Platte ist ein Schnellschuss. Viel zu glatt und nach Schema „F“ produziert, die meisten Songs mittelmäßig ohne großen Wiedererkennungswert. Langweilig halt. Am besten sind tatsächlich die Coverversionen bzw. die Fremdkompositionen wie „Satellite“, „Bee“, aber auch „My Same“ (Adele), „Mr. Curiosity“ (Jason Mraz), „Not Following“ (Ellie Goulding) und „New Shoes“ (Paolo Nutini) auf der Special Edition. „Love Me“ ist noch der beste Raab Song. Der wurde nicht grundlos fürs Finale von USFO ausgewählt, auch wenn er dann aus ebenfalls guten Gründen vom Publikum abgewählt wurde. Gut möglich, dass Lena die Songs des Albums live besser präsentiert, sie wirklich zu den ihren macht. Wie auch immer. Jetzt bleibt erstmal abzuwarten, wie es in Oslo ausgeht. Ich kann mir alles Mögliche vorstellen. Vielleicht macht Lena im nächsten oder übernächsten Jahr das Album, auf das wir eigentlich gewartet hatten. Vielleicht macht sie dann aber auch was ganz anderes, wird Schauspielerin oder TV Moderatorin oder… **1/2

 

Loveless UnbelieverThe School – Loveless Unbeliever (LP, Elefant Records, www.myspace.com/theschoolband)

 

Vor zwei Jahren überraschte uns diese Band aus Cardiff mit der wundervollen Single „All I Wanna Do“. Klassischer Girl-pop im Phil Spector Sound. Nun endlich ist die erste LP der Band um die platinblonde Sängerin Liz Hunt erschienen, bei Elefant Records in Madrid und auf rotem Vinyl. Die Platte wäre durchaus auch ein Album des Monats geworden, wären da nicht noch plötzlich die Italiener in meinem Briefkasten aufgetaucht. Was die Single vor zwei Jahren auch versprach, dieses Album hält das Versprechen. Wunderbare eingängige Popsongs, vorgetragen mit viel Aplomb und mit durchaus einfalls- und abwechslungsreichen Arrangements. Geige und Trompeten vervollständigen das sonst klassische Band Line-Up von Gitarre, Keyboards, Bass und Schlagzeug. Die Songs wurden alle von Liz Hunt geschrieben. Wie es scheint hat die junge Frau den klassischen Girl Pop der Sixties komplett verinnerlicht. Und das ist auch das Einzige, das man dieser Platte vorwerfen könnte, wenn man unbedingt will. Sie klingt manchmal ein bisschen wie eine Kopie. Aber wenn man das Intro zum dramatischen „The One Who Left Me“ oder den Motown evozierenden Beat von „Summer’s Here“ hört, wer würde da widerstehen? „I Don’t Believe In Love“? – Liz, you must be kidding. ****

 

Social IconsThe Social Icons – I’m There… You’re Here (CD, Beautiful Music, www.myspace.com/thesocialicons)

 

Ein Power Pop Trio aus Ottawa, Kanada. Und das hier ist das Debüt der Band, wenn man von einer 4-Track EP absieht, die bereits letztes Jahr, als Teaser sozusagen, erschien. Elvis Costello wird als Einfluss ebenso genannt wie The Clash und Television Personalities. Wo man in der Musik der Social Icons die beiden Letztgenannten hört, ist mir nicht ganz klar. Costello dagegen ist im Songwriting zumindest hier und da erkennbar. Die drei Kanadier beherrschen die zu Theatralik neigende Pophymne genauso, wie schnelle, kraftvolle Gitarren getriebene Punk Pop Nummern. Wenn das der Clash Einfluss sein soll? – Ich höre da eher Cheap Trick oder The Shoes, denen ja auch beiden eine kleines Schweinerock Klischee hier und da nicht fremd war. 13 Tracks sind auf dem Album zu hören plus ein kurzes Intro, das kein richtiger Song ist. Ein paar tolle Ohrwürmer sind dabei. Schön. Wenn ich die Reihe „Power Pop aus meinem CD Regal“ irgendwann mal fortsetzen sollte, die Social Icons wären schon mal fest gebucht. ***1/2

 

WimmeWimme – Mun (CD, Westpark Music, www.wimme.info)

 

Wimme Saari ist ein samischer Joik Sänger. D.h. er singt im traditionellen Stil der Bewohner Lapplands und in deren Sprache. Allerdings wird er dabei von Musikern der Band RinneRadio unterstützt, die ihrerseits traditionelle finnische Volksmusik mit moderner Elektronik und Rockmusik verbindet. Klingt nicht so spannend? Nun ja, gewöhnungsbedürftig ist das schon. Mich erinnert das mitunter an die Musik von Ismo Alanko, der allerdings ja auch nicht wirklich einzuordnen ist. Neben dem schamanischen Gesang, der bisweilen auch an die Inuit oder nordamerikanische Indianer Riten denken lässt, erklingen Akkordeon, Saxophon, Klarinette, Gitarren, Harmonium, Bass, verschiedene Percussion Instrumente und weitere exotische Klangerzeuger. Immerhin weiß ich jetzt, woher die Jolly Jumpers ihre zum Teil recht archaischen Melodien und Sounds hatten. Auf eine bestimmte Art ist diese Platte ziemlich faszinierend. Man kann beim Zuhören in einen Rausch ähnlichen Trance Zustand geraten, ganz ohne chemische Hilfsmittel oder Drogen. Die Frage ist, will man das? ***

 

WolfmenWolfmen – Boothill Express (CD, Hiljaiset Levyt, www.myspace.com/wolfmenband)

 

Wolfmen ist eine finnische Rockband, die seit den frühen 1980er Jahren aktiv ist. Dies hier ist ihr viertes Album, das nun nach einer mehr als 10-jährigen Pause erschien. Definitiv vom Punk aber auch von frühen britischen Hardrock und Metal Bands beeinflusst spielt die sechsköpfige Band einen sehr druckvollen, schnörkellosen Rock’n’Roll. Mitunter fast hymnische Songs wechseln sich ab mit schlichten Rockern. Das erinnert manchmal an Motörhead (bis auf den Gesang), dann wieder an New Model Army und bisweilen sogar The Ramones. Live – wie die meisten finnischen Bands – ein wirklich schweißtreibendes Erlebnis. Ohne den optischen Eindruck und die Club Atmosphäre droht das Ganze ein bisschen in Beliebigkeit abzudriften. Doch Fans von ehrlicher riffbetonter und zum Mitstampfen und Haare Schütteln einladender Rockmusik ficht das nicht an. Und die guten und einprägsamen Hooks überwiegen hier eindeutig. ***

 

Long Tall Shorty – The Sound Of Giffer City (LP, Time For Action, www.myspace.com/longtallshortyuk)Long Tall Shorty

 

Long Tall Shorty ist eine der legendären britischen Neo-Mod Bands der 70er/80er Jahre. Ich kenne nicht viele Platten der Band, aber in einschlägigen Kreisen wird ihr Name nur ehrfürchtig genannt, und ihre Liveauftritte seien energiegeladen und spektakulär, heißt es. Seit 2002 ist die Band wieder aktiv, und von ihrer an Punk geschulten Energie scheint nichts verloren gegangen zu sein, wie diese soeben erschienene LP mit 15 klassischen und neuen Mod Punk Tracks beweist. Ich kenne wie gesagt nur wenige Singles der Band aus ihrer Frühphase, aber diese Platte hier rückt den Sound des Trios eher in die Nähe von so schnörkel- und kompromisslosen Kapellen wie Jimmy Purseys Sham 69 oder der Heartbreakers von Johnny Thunders, dessen „Born To Lose“ sie hier übrigens auch zum Besten geben. Sie selbst nennen ihren Sound Giffer Punk. Ein Begriff der von Gary Bushell in den Liner Notes zur Platte erklärt wird. Dabei wird allerdings auch nur deutlich, dass dies der Sound von Gestern, Heute und Morgen ist. Na dann ist ja alles klar! ***

 

The Low Frequency In Stereo – Futuro (LP/CD, Rune Grammofon, www.myspace.com/lowfrequencyinstereo)

 

Haugesund, Norwegen, ist der Heimatort dieser Combo. Hört man jetzt nicht unbedingt raus. Aber die norwegische Herkunft hört man bei Motorpsycho oder der Brimstone Solar Radiation Band auch nicht. Seit knapp neun Jahren musiziert dieses Kollektiv hier gemeinsam. „Futuro“ ist ihr viertes Album. Ich kenne die ersten drei nicht. Das hier ist jedenfalls sehr schön abwechslungsreich und musikalisch nicht so einfach in eine Schublade zu stecken. Der Gitarrensound ist mitunter recht twangy und lässt ans Surfen denken. Die Länge der Tracks, ihr Aufbau und die anderen Instrumente und Soundscapes evozieren jedoch viel eher Krautrock, Post Rock, Trips und Träume. Meistens singt eine Frau. Und die Songs, die sie singt, beschwören mitunter eine Leichtigkeit, die Kinderliedern und luftigen Popmelodien zu eigen ist, und nicht Prog Ungetümen, mit denen manche Rezensenten dieses Musikerkollektiv in Verbindung bringen wollen. Eine meiner Entdeckungen dieses Jahr. Mir gefällt diese LP so gut, ich traue mich gar, die älteren anzuhören. Muss ich ja auch nicht. ****

 

The PikesThe Pikes – No-Name Street (12” EP, Dirty Faces / Time For Action, www.myspace.com/thepikesfromberlin)

 

Gegründet 2007 in einem Schallplattenladen in Berlin Kreuzberg spielt dieses Quartett straighten Mod-Beat-Punk-Pop, der The Who, The Jam und The Clash völlig zu recht als Vorbilder nennt. Sechs Songs mit viel Aplomb und Energie vorgetragen. Alles up-tempo, rotzig und mit der richtigen Attitüde. Dabei gibt es genügend Wiedererkennungswert, Hooks und Mitsingmelodien, die nötig sind, um sich ein treues Publikum zu erspielen. Ein viel versprechendes Debüt. Selbstverständlich auf Vinyl und mit 45 RPM. ***1/2

 

Saffer & The Jukes – Nothing In Our Bellies But A Fire Down Below (CD, Rockwerk, www.myspace.com/stefansaffer)

 

Saffer & The JukesStefan Saffer, Singer/Songwriter aus Oberfranken, der in Leipzig gestrandet ist, taucht mit seiner neuen Band und diesem neuen Album noch tiefer ein in die amerikanische Roots Musik. Schon das erste Soloalbum Saffers „The Dark Frontier“ orientierte sich musikalisch wie thematisch sehr an Americana und Roots Rock. Hier nun wird eine noch breitere Palette amerikanischer Roots Musik adaptiert. Vor allem wird nun überwiegend akustisch musiziert mit den Instrumenten, die auch die europäischen Einwanderer in den USA zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zur Verfügung hatten, Banjo, Fiddle, Akkordeon, Gitarre. Neben traditionell überlieferten Kompositionen finden sich Songs von Stefan Saffer sowie ein Stück von Woody Guthrie, das von Saffer und seinen Jukes wirklich sehr einfühlsam interpretiert wird. Meist ist Saffers raspelige aber gefühlvolle Stimme zu hören, die sich inzwischen vom großen Vorbild des Boss emanzipiert hat und ihren eigenen einprägsamen Charakter offenbart. Ein Glanzlicht ist die Neuinterpretation des „Kentucky Girl“, das schon immer zu Saffers besten Songs gehörte. Ein weiteres Highlight der Platte, die im Übrigen keine Ausfälle enthält, ist die eher dunkle, melancholische Interpretation des Standards „You Are My Sunshine“. Hier von Angela Hofmann verhalten  vorgetragen zu einem Arrangement in Molltönen. Recht flott und mit Schmackes geht es bei „Everyday“ zur Sache. Dagegen wird „Mary’s Garden“ mit viel Gefühl im Duett vorgetragen. Wie gesagt, eine Platte, die vollkommen in der Tradition US amerikanischer Volksmusik steht. Es gibt nicht viele deutsche Musiker, die in dieser Szene überzeugen können. Aber Saffer & The Jukes gehören eindeutig dazu. ***  

 

Baby Woodrose – s/t (LP/CD, Bad Afro, www.badafro.dk, www.myspace.com/babywoodrose)Baby Woodrose

 

Auch schon im September erschien die neue LP der dänischen Garage Rocker. Wieder etwas straighter und nicht so verspielt psychedelisch wie die letzte Scheibe ist diese 12-Track Sammlung, die von Lorenzo Woodrose beinahe im Alleingang eingespielt wurde. Mit „Emily“ hat er den poppigsten, Radio freundlichsten Titel seiner Karriere aufgenommen. Nicht, dass dies viel nützen wird, was deutsche Radiosender betrifft. Insgesamt ist der Sound dieser LP wieder ganz an US Garage der Sixties aber auch Neo-Sixties aus den 80ern orientiert. Dafür sorgen neben Fuzzgitarre und hypnotischen Basslinien auch allerlei Effekte auf Lorenzos Stimme, die allerdings auch so schon den typischen Snarl hat. Akustische Gitarren und Background Chöre liefern den Pop Appeal. Und hier und da wird auch wieder in die Trickkiste des professionellen Psychedelikers gegriffen mit backwards Loops und so. Die Songs als solche sind meist relativ schlicht aber sehr eingängig. Wäre diese Platte 1968 oder 1982 erschienen, wäre sie vielleicht wegweisend gewesen. So ist es immer noch eine gelungene Garage Pop Platte, an der kein Liebhaber des Genres vorbeikommt. ***1/2

 

The Micragirls – Wild Girl Walk (LP/CD, Bone Voyage, www.myspace.com/micragirls)

 

Wild Girl WalkVermutlich sind sie immer noch ein Geheimtipp, die drei Mädels aus Kuopio, Finnland. Dabei waren sie doch schon etliche Male hier in Deutschland, um ihren Garage Trash Pop live zu präsentieren. Allerdings nicht mehr mit ihrem Nissan Micra Bus, der für den Bandnamen Pate stand. Dafür haben sie letztens als Support für Jon Spencers Heavy Trash gespielt. Und bei der Gelegenheit konnten sie Jon Spencer persönlich in’s Studio lotsen, damit er bei ein paar Tracks ihres neuen Albums Backing Vocals singt. Produziert hat die Scheibe wieder Asko Keränen von 22 Pistepirkko, der so eine Art Mentor der Girls ist. In Finnland erschien die Platte bereits im September, und die Single „Summer’s Gone“ lief dort ständig im Radio. Die Songs und der Sound sind wieder ganz typisch Micragirls. Also wild, unbekümmert, aber auch ein bisschen schräg psychedelisch. Im Vergleich zu früheren Aufnahmen klingt das hier nun eher durchdacht und ausgetüftelt. Aber keine Bange, es macht nach wie vor großen Spaß. Neben elf eigenen Songs gibt es eine sehr schöne Version von Wanda Jacksons „Funnel Of Love“. In zumeist höllischem Tempo und mit viel Aplomb spielen sich die drei Mädels durch ihr Repertoire. Wer die Micragirls immer noch nicht kennt, sollte das nun endlich ändern. ***1/2

 

HarukoHaruko – Wild Geese (LP/CD, Bracken Records, www.myspace.com/harukomyspace)

 

Susanne Stanglow ist eine junge Frau aus Bremen, die leise, zerbrechlich wirkende, filigrane Folksongs schreibt und aufführt. Nur mit einer akustischen Gitarre, ihrer klaren mädchenhaften Stimme und hier und da von ein paar zusätzlichen Klängen von Glockenspiel unterstützt trägt sie ihre Lieder vor. Lieder von goldenen Herbstblättern, von morgendlichen Träumen, von einem Mann im Mond, von Liebe und zarten Gefühlen, von einem einsamen und traurigen Drachen, vom Winter und vom Frühling. Märchenhafte Lieder zumeist. Bei romantischen jungen Männern (und wohl nicht nur jungen) kann das leicht eine Art Beschützerinstinkt auslösen. Und tatsächlich möchte man unwillkürlich eine kuschelige Ecke auf dem Sofa für das Mädel bereiten. Für manche Stimmungen an schummerigen Herbstabenden in der molligen Stube im Schein einer Kerze ist diese Platte hervorragend geeignet. Unter anderen Bedingungen könnte man die Scheibe auch für etwas naiv und auf die Dauer langweilig halten. Mal so und mal so. ***1/2

 

Malakoff Kowalski – Neue deutsche Reiselieder (LP, Das Kowalski Komitee, www.myspace.com/malakoffkowalski)

 

Neue deutsche ReiseliederGeboren 1979 als Aram Pirmoradi in Boston (USA), Sohn persischer Eltern, aufgewachsen in Hamburg, in den 90ern  bei der Hamburger Band Kinski, später eine Hälfte von Jansen & Kowalski mit Majorvertrag. Inzwischen lebt der Junge in Berlin und macht nun seine eigene Musik. Irgendwo zwischen Krautrock, NDW, Chanson, Postrock und schräger Exzentrik. Inga Humpe (2Raumwohnung) und Danny Dziuk (er selbst) finden ihn gut. Danny spielt auch Klavier auf dieser LP hier. Herr Dziuk hat auch zwei Songs beigesteuert. Die meisten Titel schrieb Kowalski allerdings selbst. „Auf einem anderen Stern“ gefällt mir. Das hat so etwas Sci-Fi Retrohaftes. „Barfuß oder Lackschuh“, bei dem ein gewisser Gregor Rottschalk (kennt den noch jemand?) als Co-Autor genannt wird, nervt mich dagegen mit seiner Aufdringlichkeit. Andere Tracks vermitteln durchaus intime, angenehme Stimmung. Überhaupt ist da eine große Dynamik, ein Auf und Ab, laut und leise, einschmeichelnd und abstoßend. Die gesamte LP hat was. Letztlich ist sie mir jedoch zu anstrengend. Ich weiß nicht, wie ich das anders ausdrücken soll. Es ist nicht mal die deutsche Sprache, die mich ja bei anderen Platten mitunter abtörnt. Musikalisch ist das hier zu unausgewogen und teilweise zu unruhig. „Das Herz eines Seemanns“ zum Beispiel verursacht mir Unbehagen, obwohl es in einem anderen Arrangement vermutlich ziemlich ok wäre. Eine zwiespältige Platte also. ***

 

Litter & Leech – Augmented Reality (CD, Trash Tone, www.LordLitter.de)

 

Schön wieder mal neue Songs von Lord Litter zu hören. Unverkennbar sind Stil und Atmosphäre, und diese sonore mitunter etwas raspelnde und doch warme Stimme ist eh einmalig. Mit Lefty Leech, seinem alten Kumpel, hat der Lord hier zehn neue Tracks produziert. Songs, die von den beiden schon das eine oder andere Mal live aufgeführt wurden. Ich muss mir das endlich auch mal in echt anschauen und anhören. Hauptsächlich akustische Instrumente, also Gitarren und ein bisschen Perkussion, kommen zum Einsatz. Dazu ein paar Keyboardtupfer zur Untermalung. Und den einen oder anderen Soundeffekt, das eine oder andere Sample zaubert der Lord aus seinem Computer zur Erzeugung bzw. Verstärkung von Stimmungen. Eine ganz eigene Nische ist es, in der sich Lord Litter da eingerichtet hat. Letztlich ist er ein Singer / Songwriter, wie man so sagt. Mit einer Art Gothic Background, leicht verschrobenen Songideen und großer Gelassenheit, um nicht zu sagen Weisheit. Augmented Reality? Ist das jetzt Sarkasmus? Oder stehe ich auf der Leitung? Neue Helden brauchen wir? Ich denke „Season Of The Doomed“ trifft’s eher. Und was haben Paul (McCartney) und John (Lennon) damit zu tun? Fragen über Fragen. Ich fürchte, diese zehn verschrobenen aber auch anheimelnden, kurzweiligen und doch nachdenklichen Lieder geben auch keine schlüssigen Antworten. Oder allenfalls eskapistische. Das macht aber nichts. Ich fühle mich gut unterhalten in diesen rund 38 Minuten, die vergehen während die CD läuft. „Dancing At The Gates Of Hell“, der Schlusstrack fast es treffend zusammen. Ein Moralist ist er also, der Lord Litter. Keine Ahnung wie viele Leute diese Platte kennen und hören. Viel zu wenige, fürchte ich. Es sollten mehr werden. ****

 

ArmstrongArmstrong – Songs About The Weather (CD, Beautiful Music, www.myspace.com/armstrongwales)

 

Julian Pitt aus Südwales hat die 12 Songs auf dieser Scheibe geschrieben, arrangiert und fast komplett alleine aufgenommen. Lieblicher Jangle Pop erklingt hier. Wimpy Pop kann man auch sagen. Sehr hübsch und fast ein bisschen zu lieblich für meinen Geschmack. Manche der Songs sind jedoch wirklich gut. Der Albumtitel ist übrigens durchaus wörtlich zu verstehen. Sonnenschein und Regen, Wolken und Wind wechseln sich auf das Schönste ab. Wer die Musik der Pearlfishers aus Schottland und Bands wie The Dream Academy oder The Pale Fountains mochte, dem wird auch gefallen, was hier zu hören ist. Erschienen ist die CD beim Indie Pop Label Beautiful Music in Kanada. ***

 

Black Night CrashBlack Night Crash – The Late Reply (CD, Fuego, www.myspace.com/blacknightcrashbremen)

 

Aus Bremen kommt diese Band. Nach eigener Aussage spielen sie lauten dreckigen Gitarrenrock. Ja, kann man so stehen lassen. Erinnern mich ein bisschen an die Donots aus Ibbenbüren. Allerdings haben die vier Bremer wohl noch mehr Pubrock und Blues Rock aus den 70er Jahren gehört. Drei bärtige Jungs und ein Mädel am Schlagzeug. Eine immer noch ungewöhnliche Konstellation. Pamela stammt ursprünglich aus Süddeutschland und hat früher in einer Punkband getrommelt. Die Jungs dagegen waren schon immer darauf aus, so wie Hendrix oder Clapton zu klingen. Die Gitarren müssen zerren und rückkoppeln. Die 13 Tracks auf dieser Debüt Scheibe sind denn auch in dieser Tradition entstanden. Eine Mundharmonika tritt öfters hinzu. Und der Gesang ist ebenfalls schön bluesig dreckig. Gar nicht mal schlecht also das Ganze. ***

 

Kensington RoadKensington Road – A Story From Somewhere In Between (CD, E-lane Rec., www.myspace.com/kensingtonroadmusic)

 

Diese Band aus Berlin hab’ ich, wenn ich mich recht erinnere, schon vor mehr als zehn Jahren live im Wild At Heart gesehen. Schon damals war ihr Auftreten sehr professionell und ihre Musik an klassischem Mainstream Rock orientiert. Sie bemühen sich dabei, immer so ein Quentchen Indie und College Rock Authentizität vorzugaukeln. Ich will den Jungs nicht unrecht tun. Sie können spielen. Ihre Songs sind ok, die Arrangements ausgefeilt und radiokompatibel, die Produktion wirklich professionell. Dass bei mir trotzdem kein Funke überspringt, liegt wohl daran, dass ich solche Musik schon von so vielen US Rockbands gehört habe, die alle auch noch professioneller und noch massenkompatibler sind. Und dabei fehlt mir hier eben genau das Unberechenbare, das Rotzige und das wirklich Eigenständige. Aber wer Gefallen an der letzten U2 Scheibe findet und selbst Journey oder Toto nicht verachtet, der sollte sich Kensington Road ruhig mal anhören. **

 

Kosmos – Vieraan Taivaan Alla (LP, Eigenvertrieb, www.nic.fi/~ovaltone/kosmos)

 

Kosmos 3Auf diese Band aus Finnland bin ich nicht etwa in Finnland gestoßen, sondern durch das Leserforum des deutschen Rolling Stone. „Vieraan Taivaan Alla“ (Unter einem fremden Himmel) ist bereits ihr drittes Album. Es hätte durchaus auch mein Album des Monats werden können. Aber Päivi, meine Frau, findet die Platte langweilig. Hier wird halt nicht gerockt. Die Band aus Turku steht viel mehr in einer Folk Rock und Prog Folk Tradition der frühen 70er Jahre. Bands wie Trader Horne aber auch Mellow Candle oder Emtidi aus Berlin fallen mir dazu ein. Akustische Gitarren, Flöten, Faggot, Zimbeln, Mellotron, Glockenspiel und die wundervolle Altstimme von Päivi Kylmänen. Mit dem finnischen Freak Folk jüngerer Zeit hat die Band eher nichts gemeinsam. Während die erste LP Seite sehr ruhig und verträumt klingt, wird es bei dem dreiteiligen über zwölf Minuten langen „Vieraat“ (Die Fremden) auf Seite 2 dann schon recht heftig. Hier gibt es Schlagzeug und verzerrte elektrische Gitarren. Die ganze Platte vermittelt eine etwas unwirkliche, außerirdische Atmosphäre. Neben der psychedelischen Musik liegt das natürlich auch ein bisschen am Gesang und an der finnischen Sprache, die wie ein zusätzliches fremdartiges Instrument klingt, gerade wenn man nichts versteht. Vielleicht bekomme ich die Band ja auch mal live zu sehen. Ich bin gespannt, ob sie das auf der Bühne umsetzen kann. ***1/2

 

The Magnificent Brotherhood – Live Ammunition (CD, Herzberg Verlag, www.MagHood.com)

 

Live Ammunition
Der zweite Longplayer der Berliner Psychedelic Garage Combo ist also eine Live Scheibe. Eigentlich mag ich ja live Platten nicht so sehr. Wenn man selbst live dabei war, ok. Meistens bieten jedoch Studio LPs besseren Sound, ausgefeiltere Arrangements und präzisere Produktion. Aber natürlich gibt es Bands, die muss man einfach live hören – und sehen. Ob diese Bruderschaft unbedingt dazu gehört, da bin ich mir nicht wirklich sicher. Ich hab’ sie ja schon live gesehen. Und meistens sind ihre Auftritte auch kurzweilig und sehenswert. Es ist aber keineswegs so, dass diese Konzerte der Studio LP der Band unbedingt vorzuziehen sind. Zwei Seiten einer Medaille sind es. Das hier ist nun der Mitschnitt ihres Auftritts beim Burg Herzberg Festival letztes Jahr. Oder ein Teil davon jedenfalls. Für Leute die dabei waren bestimmt eine schöne Erinnerung. Und ein paar neue Songs der Band sowie vier Coverversionen eher unbekannter Sixties Garage Titel sind auch zu hören. Der Sound – direkt aus dem Mischpult vermutlich – ist mir aber ein bisschen zu blechern und dünn. Lediglich das 18-minütige „The Drifter“ überzeugt durch seine Einmaligkeit in Bezug auf Improvisation und Klangexperimente. Ansonsten warte ich auf die nächste Studio LP der Jungs. Oder wie wär’s mal mit ner 7“ 45? **1/2

 

Sutcliffe – s/t (CD, Beste Unterhaltung / Broken Silence, www.sutcliffe.de)

 

Liegt hier schon einige Wochen rum diese CD der Kapelle aus Nürnberg. Warum haben die sich eigentlich nach Stuart Sutcliffe benannt? Der leider viel zu früh an einem Hirntumor verstorbene erste Beatles Bassist sollte wohl vor allem dem Vergessen entrissen werden. War halt ein cooler Typ mit Existenzialisten Rolli, Sonnenbrille und einem gewissen James Dean Flair. Die Musik der Band Sutcliffe dagegen hat mit Großbritannien und Liverpool nur sehr mittelbar zu tun. Allenfalls der Gitarrensound erinnert entfernt an den der Shadows. Ist übrigens auch alles instrumental hier bei Sutcliffe. Das sollte man auf jeden Fall erwähnen. Ansonsten sind das so Soundscapes wie bei Filmmusiken. Tarantino, you know? Oder Morricone. Wobei letzterer ja Komponist ist und viele Musiken für klassische Western geschrieben hat, während der erste eher tolle Musik für seine Filme entdeckt. Tito & Tarantula zum Beispiel. Sutcliffe greifen das auf. Ihre Musik erinnert an Wüsten, Texas, Saloons, Mexiko, lange Ritte über die Prärie – oder die Autobahn. Wenn zu den verschiedenen Gitarren dann noch Slide und schließlich Akkordeon dazu kommt, dann ist auch Kaurismäki mit von der Partie. Feine Sache. ***

 

The Horrors – Primary Colours (DoLP, XL Recordings, www.myspace.com/thehorrors)

 

Primary ColoursEntstanden ist die Band The Horrors im Süden Englands aus einer Clique von Schallplattenfans und Sixties Garage Freaks zu Beginn des neuen Jahrtausends. Die ersten Songs in ihrem Repertoire waren dann auch Cover von The Sonics, Screaming Lord Sutch oder The Syndicats. Das Horror und Garage Punk Image wurde auch bei ihren Auftritten sowie den ersten Plattenveröffentlichungen eifrig gepflegt. Während das live noch einigermaßen unterhaltsam rüber kam, waren die erste LP und auch die meisten Singles eher enttäuschend. Zu unausgegoren, zu klischeehaft, eine bizarre Comic Version von Horror Punk mehr als echter Garage Rock. Den Majorvertrag sind sie inzwischen wieder los. Und auf ihrer neuen beim Label der White Stripes erschienenen Platte spielen sie jetzt eine Art Gothic Underground Garage Rock, der erstaunlich stimmig und überzeugend klingt. Nichts Neues natürlich, aber die Versatzstücke sind klug gewählt und clever zusammengefügt. Ein wenig The Jesus And Mary Chain, eine Prise Joy Division, etwas Killing Joke oder The Cure. Aber auch eine ganze Menge eigener Songwriting Ideen und ein überzeugender Gesamtsound. Etwas verhangen bis matschig mitunter, doch auch dies gehört zu ihrer Art von Authentizität. Geoff Barrow von Portishead hat produziert. Ob er für diese ganzen Eighties Reminiszenzen verantwortlich ist? Wahrscheinlich eher nicht. Aber sicher hat er den Jungs geholfen, ihre Vorstellungen so umzusetzen, dass es nach was Eigenem klingt. Und das Album evoziert die spannenderen, besseren Seiten der oft gescholtenen 80er Jahre. Schon deshalb macht es Spaß zu hören und zu überlegen, woher haben sie jetzt dieses Riff, woher jenen Basslauf? Und dann merkt man eben, so direkt klauen sie gar nicht. Sie empfinden lediglich sehr geschickt nach. Wem das nicht langt, der soll halt seine alten Platten von Echo & The Bunnymen bis zu The Cult vorholen und auflegen. Mach ich auch hin und wieder. Im Moment gefällt mir dieser unterhaltsame Mix aus allen ziemlich gut. ***1/2

 

Art Brut – Art Brut vs. Satan (LP/CD, Cooking Vinyl, www.myspace.com/artbrut)

 

Art BrutDie dritte LP der Punk Combo um Eddie Argos klingt nicht viel anders als die ersten beiden. Aber während sie mit dem Debütalbum und vor allem mit den ersten Singles noch überraschen konnten und für kurze Zeit als die Sex Pistols des neuen Jahrtausends oder so was in der Art gehandelt wurden, interessierte sich für die zweite LP schon kein Schwein mehr. Nun beim dritten Album haben sie Frank Black, der ein Fan der Band von Beginn an war, als Produzenten gewinnen können. Am Sound hat sich dadurch wie gesagt kaum etwas geändert. Die Songs sind immer noch kurz, knackig, hingerotzt. Sehr britisch, nicht nur wegen des deutlichen Cockney Akzents. Zwischen Jimmy Pursey und Patrick Fitzgerald bewegen sich Stil und Attitüde der Band. Zwischen Sarkasmus und Songs für’s Fußball Stadion. Nicht besonders abwechslungsreich, aber mit einer sympathischen Ausstrahlung. Elf Tracks in erstaunlichen 40 Minuten. „Mysterious Bruises“, der letzte Track, ist mit über sieben Minuten auch deutlich zu lang. Insgesamt wohlwollende ***

 

The Gilligans – My Name Is Willy (CD, Ear Theory Records, www.myspace.com/thegilliganspop)

 

The Gilligans sind ein Quartett aus Princeton, Illinois, USA. Dies ist ihr zweiter Longplayer. Die Cd erreichte mich via Jam Records und Jeremy Morris, der seit Jahren unermüdlich obskursten aber lohnenden Power Pop Kapellen ein Outlet bietet über sein Label und seinen Mail Order. Die Musik der Band hier verbindet leichte Sixties Orientierung, eine Prise Bubble Gum Pop und eben aktuellen Power Pop. Die Riffs und Chords sind reichlich vorhanden. Der Sound stimmt. Aber obwohl eigentlich alles passt, wirkt die Scheibe ein wenig beliebig. Ein echter Ohrwurm fehlt. So ein Track, der schon beim zweiten Hören sofort Aha-Effekte auslöst. „Fireflies In A Jar“ könnte so eine Nummer sein. Und auch „Feels Alright To Me“ hat eigentlich alles, was man zum Hit braucht, eingängiges Riff, einen ordentlichen Hook, schicke Uuaah-Chöre. Und doch zündet es nicht so richtig. Das Songwriting ist wohl ein Schwachpunkt. Den Melodien fehlt das gewisse Etwas, das Zwingende. Im besten Fall sind sie geklaut wie bei „Look“, das verdächtig nach „Hang On Sloopy“ klingt, was ja nun schon im Original zumindest vom Song her keine Offenbarung ist. Schade eigentlich. **1/2

 

Glowfriends – To Have & To Hold (CD, Jam Records, www.myspace.com/glowfriends)

 

To Have & To HoldBereits das vierte Album der Band aus Michigan. April und Mark Morris sind Geschwister; die Kids von Jeremy Morris übrigens, der ihre Platten auf seinem Label rausbringt. Marks Ehefrau Holly gehört ebenso zur Band wie das Paar Jenn & J.W. Hendrix. Eine große Familie also. Die Damen singen zumeist, bedienen aber auch Glockenspiel, Vibraphone und Bassgitarre. Die Herren singen nur wenig und spielen dafür Gitarren und Schlagzeug. Die Liste der Einflüsse, die von der Band selbst erstellt wurde, ist beeindruckend. Aber Mazzy Star, Luna, Galaxy 500 sowie generell britischer Shoegazer Pop der frühen 90er ist schon recht deutlich zu hören. Die Songs sind zwar überwiegend recht verträumt ätherisch angelegt, aber durch kraftvolle Riffs und gelegentliches Akustikgitarren Geschrammel entsteht ein reizvoller Gegensatz. Ob das jetzt ihr bestes Album bisher ist, wie sie im Interview sagen, ich weiß es nicht. Ich müsste ihre anderen Scheiben wieder mal anhören. Das habe ich schon lange nicht mehr gemacht. Dieses neue Album ist mir fast ein wenig zu lang. Und auch bisschen zu sauber, zu ordentlich. So schön die Harmonien klingen, so sehr dieser Klang auch zum Träumen verleitet, mir fehlt da manchmal irgendwas Unerwartetes. Ok, vielleicht sollte ich die Platte nächstes Mal morgens nach dem Aufstehen hören, dann besteht nicht so sehr die Gefahr, dass ich dabei einschlafe. ***1/2

 

Eff Jott Krüger – Fast Cars, Slow Guitars (LP, Privatpressung)

 

Eff Jott KrügerVor zwei Jahren starb Frank Jürgen Krüger im Alter von 59 Jahren nach langem Krebsleiden. Als Gitarrist von Ideal wurde er bekannt. Sein Oldtimer Verleih brachte ihm sogar kleine Nebenrollen beim Film ein. Und bis weit in die 90er Jahre war er ein gefragter Session und Studio Gitarrist. Mit den Lassie Singers war Krüger 1994/95 auch live unterwegs. Die Aufnahmen zu dieser LP hier entstanden kurz vor seinem Tod in Berlin unter Mitwirkung alter Weggefährten und Freunde von Ernst Deuker und Thomas Wydler über Ralf Goldkind bis zu Ulrich Tukur, Emilio Winschetti und Annika Trost. Geschrieben hat Eff Jott die Songs wohl weitgehend allein. Herausgekommen ist nicht nur eine manchmal anrührende, fast beklemmende Erinnerung, sondern auch eine großartige Platte. Der einleitende Titelsong gibt quasi das Motto seines Lebens vor. Einige Instrumentalstücke sind stark an Stil der Shadows und anderer berühmter Gitarrenbands orientiert. Richtige Gänsehaut vermittelt der „Chemo Blues“ am Ende der ersten LP Seite. Aber Krüger hatte seinen Humor auch bis zum Schluss nicht verloren. Das beweisen Stücke wie „Dirty Old Men’s Club“. Ein besonders guter Sänger war Eff Jott ja nie, aber sein halber Sprechgesang ist so eine Art Trademark. Und die sonore Stimme, dieser beiläufige Snarl hat schon was. Herausragend sind jedoch die Gitarren, von der Fender Stratocaster über die Telecaster bis zur Jaguar. Dazu Gretsch, Gibson Les Paul und Flying V. Die konnte der Mann spielen wie nur wenige. Sehr effizient und ökonomisch und mit viel Gefühl. Je öfter ich diese Platte höre, desto sicherer bin ich mir. Wenn man nichts von Eff Jott Krüger braucht, keine Ideal Platten, keine Lassie Singers oder irgendeine der Scheiben, bei denen er als Gast dabei war, diese LP muss man haben. ****

 

Cecilia & die SauerkrautsCecilia und die Sauerkrauts – Sauerkraut, Wurst und Other Delights (LP/CD, Soundflat Records / Broken Silence, www.myspace.com/ccsauerkrauts)

 

Aus Würzburg stammt diese Kapelle. Das liegt in Franken und gehört zu Bayern. Die Sängerin nennt sich Cecilia, heißt aber eigentlich Gertrude und singt auf Französisch. Musikalisch orientieren sich die Dame und ihre begleitenden Herren an Sixties Beat mit viel Fuzzgitarre und schön quäkiger Orgel.  Cecilia / Gertrude kommt ursprünglich wohl tatsächlich von jenseits des Rheins. Und die Herren haben ihre Jugend und Lehrjahre in der Mehrzahl in den USA verbracht und dort in Combos mit Namen The Mummies, The Bobbyteens oder The Expoxies Erfahrungen gesammelt. Auch ein ehemaliger Mitstreiter des wilden King Khan ist hier mit von der Partie. So viel zum Stammbaum. Die Musik ist wie gesagt dem frankophilen Beat und Garage Pop entliehen. Dabei wurden zumeist originale Sixties Songs wie etwa „Midnight To Six Men“ von The Pretty Things mit neuem französischem Text versehen und ein bisschen auf Yé Yé Pop getrimmt. Dazu passende eigene Kompositionen kommen ebenfalls zur Aufführung. Und den Höhepunkt und Abschluss der Platte markiert Nino Ferrers „Alexander“ hier zur Abwechslung mal in deutscher Sprache vorgetragen. Das Cover greift zum wiederholten Male das Motiv von Herb Alperts „Whipped Cream & Other Delights“ auf. Mademoiselle Cecilia präsentiert sich hier statt in Schlagsahne in Unmengen von Sauerkraut. Na dann: Prost Mahlzeit! ***

 

The Gaslight AnthemThe Gaslight Anthem – The 59 Sound (LP/CD, Side One Dummy / Cargo, www.myspace.com/thegaslightanthem)

 

Diese Platte kam schon letztes Jahr im August raus. Aber erst jetzt bin ich darüber gestolpert. Ist schon das zweite Album dieser sympathischen, bodenständigen Band aus New Jersey. Wie soll ich diese Musik bezeichnen? Die Wurzeln liegen gleichermaßen im Punk wie im klassischen Singer/ Songwriter Rock ihres großen Kollegen Bruce Springsteen, der ja ebenfalls aus New Jersey stammt. Überhaupt erinnert diese Platte erstaunlich an den Springsteen von „Born To Run“. Das beginnt beim Gesang von Brian Fallon, der ähnlich rau und inbrünstig intoniert, und es endet noch nicht beim ebenso hymnischen und gerne mal Clichés bedienenden Charakter der Songs. Andererseits ist da eben auch diese lockere Punk Attitüde, die eher The Replacements heraufbeschwört oder sogar an Social Distortion erinnert. Je öfter ich The Gaslight Anthem höre, desto mehr überzeugen mich diese Jungs. Soul Punk? Könnte das eine passende Bezeichnung sein für diese Musik? – Eher nicht. Aber wozu Schubladen? Die Platte ist gut und macht Freude. Und wer mit den oben genannten Künstlern was anfangen kann, der wird auch The Gaslight Anthem nicht verachten. ***1/2

 

MokeMoke – Shorland (CD, Island, www.mokemusic.com)

 

Noch älter ist das Album der Holländer namens Moke aus Amsterdam. Ihr Debüt erschien in ihrer Heimat bereits vor zwei Jahren. Aber nun ist Paul Weller irgendwie auf die Jungs aufmerksam geworden und hat sie mit auf Tournee genommen. Und inzwischen haben sie sich auch bei uns einen Namen gemacht. Daher wird das Album „Shorland“ nun auch hier ganz offiziell veröffentlicht. Sänger und Gitarrist Felix Maginn sieht nicht nur Liam Gallagher verdammt ähnlich, die Musik, die er mit seinen Mitstreitern macht, klingt auch noch wenn schon nicht nach Oasis so doch sehr britisch. Kein Wunder, der Bandleader stammt wohl auch ursprünglich aus Britannien, genauer gesagt aus Nordirland. Die ganze Bande der jüngeren Britpop Generation fällt einem ein, bei diesen Songs und diesem Sound. Allerdings kommen die Holländer zum Glück weder so glatt und langweilig wie Keane oder Coldplay noch so verschwurbelt schwülstig wie Snow Patrol rüber. Aber auf der anderen Seite erreichen ihre Songs auch nicht die Qualität von Fran Healys. Am überzeugendsten sind hier tatsächlich die Uptempo Nummern, die mit satten Gitarrenriffs und einprägsamen Hooks aufwarten. Die eine oder andere Ballade ist dann vielleicht doch zu sehr auf Nummer sicher produziert oder klingt gar nach Reamonn. Live werden die Jungs überzeugen, denke ich. ***

 

The NorvinsThe Norvins – Time Machine (LP/CD, Soundflat Records, www.myspace.com/thenorvins)

 

Auch wenn man Franzosen in punkto Rock’n’Roll im Allgemeinen mit größter Vorsicht begegnen sollte, hier haben wir es mit einer der wenigen löblichen Ausnahmen zu tun. Diese Burschen aus Paris haben den originalen Garage Beat und Pop ganz offensichtlich sehr akribisch studiert und verinnerlicht. Keiner ihrer Tracks ist länger als drei Minuten. Oft sind sie sogar unter zwei Minuten. Und so hat auch das komplette 14 Track Album nur 28 Minuten Spielzeit. Gitarren von Mosrite und Fender, Bässe von Vox und Rickenbacker, Orgel Marke Farfisa, nur bei den Drums ist die Marke nicht ersichtlich. Die eigenen Songs der Boys kommen durchaus stilecht und hinreichend originell daher, jedoch die eindeutig besten Tracks sind die beiden Coverversionen „Nothin’“ (Ugly Ducklings) und „Abba“ (The Paragons). Insgesamt macht die Platte aber viel Spaß. Auch optisch legen die Herren Wert auf Authentizität. Schmale schwarze Krawatten, weißes Hemd bzw. dezentes Punkt oder Karo Design, dunkles Sakko oder Jacket, Chelsea Boots und enge schwarze Jeans. Bei der Haartracht ist eher Freestyle angesagt. Zwei der Musiker tragen ihr nur spärlich vorhandenes Haupthaar sehr kurz, zwei tragen ihre Wuschel in Existenzialisten Manier bis knapp über die Ohren, nur einer lässt die Loden lang und lockig hängen bis auf die Schultern. Am Freitag, dem 13. Februar 2009, spielen The Norvins übrigens im Bassy, im Prenzlauer Berg. Da kann man sich dann persönlich von ihren Qualitäten ein Bild machen. ***1/2

 

FreeshineFreeshine – All Blood Is Royal (LP/CD, Osito Records, www.myspace.com/freeshine)

 

Aus Oslo, Norwegen, kommt diese Band. „All Blood Is Royal“ ist bereits ihr zweites Album. Musikalisch zwischen allen Stühlen rocken die vier in einem Spannungsfeld zwischen Postpunk, Progrock, Psychedelia und Folk. Bisweilen erinnert das an ihre Landsmänner Motorpsycho. „To Kill A Child“ ist die beklemmende Vertonung einer Verkehrsunfalls. „Soothe Us“ dagegen ist eine beschaulich besinnliche Ballade, die Nirvanas unplugged Album evoziert. Und „End Of Sister Ray“ hat nichts mit dem Stück der Velvet Underground zu tun. Insgesamt sechs Tracks sind zu hören auf dieser LP. Keine leichte Kost alles in allem. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Platte nun genial oder einfach nur anstrengend finden soll. Einstweilen gebe ich unentschlossene ***

 

The French SemesterThe French Semester – Open Letter To The Disappointed (CD, Beyond Your Mind Records/Cargo, www.myspace.com/thefrenchsemester)

 

Diese Scheibe liegt hier schon eine ganze Weile rum. Das ist so ein typischer Fall von unspektakulärer doch durchaus hörenswerter Popmusik in einer Sixties und Anorak Pop Tradition. Die Band stammt aus Los Angeles. Nicht unbedingt ein typischer Ort für derartige Musik. Die einzelnem Bandmitglieder stammen denn auch aus Indien, Mexiko, Vietnam und Europa. Diese Platte hier klingt ausgesprochen abwechslungsreich. Das liegt nicht an der ethnischen Vielfalt der Musiker. Die scheinen alle mit einer ganz normalen College Radio Gitarrenpop Kost aufgewachsen zu sein. Doch das Songwriting ist erfreulich vielfältig. Und wenn man das vom Arrangement und der Produktion des Albums auch nicht unbedingt sagen kann, so klingt das alles letztlich doch sehr frisch und es macht richtig Spaß. Was die Kritiker da alles an Einflüssen und Ähnlichkeiten raushören. Pavement, Vampire Weekend, Stone Roses, Big Star und noch alles Mögliche. Kann man sicher heranziehen zum Vergleich. Zwingend ist das aber mitnichten. Ich höre da vor allem eine recht eigenständige Band. Und dabei belassen wir’s nun auch. Ne Single wäre mal ganz schön. ***1/2

 

NevermorePaul Roland – Nevermore (CD, Syborg Music / Nova Media, www.paulroland.de)

 

Paul Roland gilt als einer der Gründer der englischen Dark Romantic Szene in den 80ern. Seine Platten aus jener Zeit gehören zu meinen liebsten aus den 1980er Jahren. „The Werewolf Of London“, „Burnt Orchid“ oder „Danse Macabre”, aber auch Singles wie „Alice’s House“ oder „In The Opium Den“ vermitteln eine großartige Atmosphäre von Mystizismus und typisch britischer Romantik des 19. Jahrhunderts. Gothic Folkrock im besten Sinne ist da zu hören. Zu Beginn der 90er Jahre wurde die Musik Rolands dann rockiger und auch klischeehafter. Bald darauf hörte er ganz auf Musik zu machen, da sich vor allem in seiner englischen Heimat absolut niemand dafür interessierte. Paul Roland schrieb fortan Bücher, vornehmlich über esoterische und okkulte Themen. Erst 2004 ließ er sich von Fans aus Italien und Deutschland dazu überreden, wieder Songs zu schreiben und aufzunehmen. Seine erste Veröffentlichung nach langer Pause war allerdings zunächst ein Album mit Coverversionen von Syd Barrett über Led Zeppelin bis hin zu „Gary Gilmore’s Eyes“ von The Adverts. Einige dieser Cover hatte er wohl schon sehr viel früher aufgenommen. Manche waren auch schon mal veröffentlicht worden. Mit „Pavane“ folgte ein Album mit eigenem neuen Material, das zwar an seinen bekannten Stil anknüpfte, aber doch nicht vollends überzeugte. Mit „Re-Animator“ widmete er 2007 eine ganze LP dem amerikanischen Horrorschriftsteller H.P. Lovecraft, obwohl er diesen nach eigener Aussage für einen Betrüger hält, der seine Monstren nie beschreibt und den Leser mit umständlichen Wiederholungen und Andeutungen hinhält. Und so sind denn auch Rolands Texte auf dieser Platte voller ironischer Anspielungen ihrerseits. Musikalisch ist jedoch auf jeden Fall dieses neue Album hier eine Rückkehr zu alter Klasse und Vielseitigkeit. Der Albumtitel „Nevermore“ ist aus Edgar Allan Poes „The Raven“ entlehnt. Und gleich der erste Track ist Poe gewidmet bzw. rechnet er mit ihm ab, denn auch diesen Amerikaner mag Paul Roland nicht wirklich. Absolut großartig ist Rolands Bearbeitung von Jules Vernes Roman um Captain Nemo und die Nautilus hier in einer Trilogie von fast symphonischen Ausmaßen. Aufgenommen wurde die Musik übrigens bereits im vergangenen Herbst in England, kurz bevor Roland mit seiner Familie nach Südwestdeutschland übersiedelte, wo er dauerhaft zu bleiben gedenkt. Zu den Gründen seines Umzugs hat er sich in einem Interview mit der Webseite Nonpop.de ausführlich geäußert. Diese neue Platte Rolands ist imgrunde so etwas wie ein Best of Paul Roland, obwohl alle Titel neu sind und bisher unveröffentlicht. Auch seine eher rockige Seite kommt hier zum Zuge auf eine vollkommen neue und diesmal sehr gelungene Weise. „Leatherface“ ist eine Art von Folkpunk, den The Pogues auch nicht besser hinbekommen hätten. Und in „Great Deceiver“ werden Gitarrenlicks und –riffs geboten, die Jimi Page alle Ehre gemacht hätten. Ganz zu schweigen von Jon Lord inspirierten Orgel Breitseiten. Doch auch der akustische leicht verschrobene Folkpop, für den Roland so geschätzt wurde und wird, ist hier vertreten mit „Eight Little Whores“ etwa, einer recht eigenwilligen Erzählung um die Figur des Jack The Ripper. Und in „Tell-Tale Heart“ wird noch mal Edgar Allan Poe auf das Schönste vorgeführt. Die Platte schließt mit zwei gelungenen Adaptionen originaler englischer Folksongs „Sam Hall“ und „Foggy Dew“, wobei Paul Roland beweist, dass er ganz bodenständig traditionell zu musizieren und zu singen versteht. Hoffen wir, dass Black Widow bald die Vinylversion nachliefert. ****

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