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Album des Monats

Die Bewertungsskala:

* Materialverschwendung! -   ** muss man nicht kennen -   *** sollte man mal gehört haben -   **** Anschaffung sehr zu empfehlen -   ***** gehört in jede Plattensammlung!


Album des Monats November 2017

Noel Gallagher’s High Flying Birds – Who Built The Moon? (LP, Sour Mash)

 

Besetzung: LPWhoBuilt.jpg

 

Noel Gallagher – guitars, vocals

Jason Falkner – bass

Jeremy Stacey – drums

Keefus Cianda – keyboards 

 

Trackliste:

 

A1        Fort Knox         3:58

A2        Holy Mountain  3:54

A3        Keep On Reaching        3:24

A4        It's A Beautiful World    5:17

A5        She Taught Me How To Fly       5:02

B1        Be Careful What You Wish For  5:40

B2        Black & White Sunshine            3:41

B3        Interlude (Wednesday Part 1)    2:10

B4        If Love Is The Law         3:25

B5        The Man Who Built The Moon    4:28

B6        End Credits (Wednesday Part 2)           2:27

 

Beide Gallagher Brüder haben in diesem Herbst kurz nacheinander neue LPs rausgebracht. Liam, der jüngere, knüpft mit seinem ersten Album unter eigenem Namen deutlich bei Oasis an. Und seine Songs sind mindestens so gut wie die letzten von Oasis veröffentlichten vor neun Jahren. Noel, der ältere, bringt nun schon das dritte Album mit seiner neuen Band The High Flying Birds raus. Und Noel entwickelt sich weiter. Oder besser gesagt, er schlägt auch mal andere Wege ein. So erinnert der Opener „Fort Knox“ deutlich an Primal Scream und Madchester Rave in den frühen Neunzigern. „Holy Mountain“, auch als 12“ Single erschienen, evoziert Plastic Bertrands „Ca plane pour moi“. Und „Keep On Reaching“ mit seinen Bläsersätzen und dem treibenden Rhythmus lässt an Northern Soul Nächte denken. Der straighte Beatles infizierte Britpop von einst ist einer durchaus modernen, ansprechenden Mischung aus Glam Rock, Psychedelia und Art Pop gewichen. Wirklich neu ist das alles natürlich auch nicht, aber es macht richtig Spaß. Etwa bei dem die späten Siebziger und Disco Rock antäuschenden „She Taught Me How To Fly“. Und dann doch wieder Lennon und Beatles bei „Be Careful What You Wish For“, einem der schönsten und atmosphärischsten Tracks dieses Albums. „Magical Mystery Tour“ anyone? Noels Songwriting wirkt hier wieder deutlich ambitionierter. Mit diesem Album beweist er, dass eine Oasis Reunion gar nicht mehr unbedingt nötig ist. Ok, Liam als Leadsänger wäre noch das Sahnehäubchen. Aber wenn der nicht will, es geht auch so. „Who Built The Moon?“ ist ein wunderbar abwechslungsreiches und entspanntes Album. Voller positiver Energie, und im Titelsong „The Man Who Built The Moon“ dann wieder zurück zum Anfang von Oasis, zu „Wonderwall“ oder „Live Forever“. Liams Soloalbum ist gut. Das Album hier ist besser! ****1/2

Album des Monats Oktober 2017

Smart Patrol – Overage Underachievers (LP, Screaming Apple)

 

Besetzung: LPSmart.jpg

 

Christoph Strohmeyer – drums

Michi Müller – guitar, vocals

Harry Vogel – vocals, guitar, keyboards

Carsten Knappe – bass, vocals 

 

Trackliste:

 

A1        Suburb Sunday

A2        I Won't Go Back To Work        

A3        Lies     

A4        Don't You Wanna Break My Heart        

A5        Far Away         

A6        Would You Like To Be A Popstar         

B1        Wrap Up The Rockets  

B2        Tear This World In Two 

B3        World Of The Lonely People    

B4        Atomic

B5        Ugly    

B6        Miss Shattered Dreams 2017

 

Aus München stammt diese Band, und das hier ist ihr Debütalbum. Aber schon der ironisch gewählte Albumtitel deutet an, dass wir es nicht wirklich mit einer jungen Nachwuchskapelle zu tun haben. Alle vier Musiker sind schon lange Veteranen der deutschen Sixties, Mod und Power Pop Szene. The Merricks, The Royal Flares, The Chocolate Factory, The Heartbeats – wem bei diesen Bandnamen ein Licht aufgeht, der hat mit Sicherheit schon eine Vorstellung davon, was ihn hier erwartet. Wobei der Schwerpunkt recht eindeutig auf Mod Pop und Power Pop liegt. Und der Sound der gesamten Platte erinnert sehr an die späten Siebziger und frühen Achtziger. Kein Wunder, war das doch die Sturm und Drang Zeit der beteiligten Musiker. Die Songs stammen zum großen Teil von Harry Vogel, der auch meist die Lead Vocals übernimmt und Gitarre spielt. Harry spielte übrigens nicht nur bei The Heartbeats aus München, sondern auch bei den legendären Swinging London. Und aus dieser Zeit kennen sich Harry und Carsten Knappe auch schon. Knappe spielte damals bei The Chocolate Factory, einer sehr stilbewussten Neo-Sixties und Mod Band aus Hamburg. Und in der Szene kannte man sich damals einfach auch über hunderte Kilometer hinweg, ganz abgesehen davon, dass die Bands oft bei denselben Allnightern spielten. Von Carsten Knappe stammt übrigens der Song „World Of The Lonely People“, den schon The Chocolate Factory damals im Repertoire hatten. Und auch der Song „Popstar“ von Harry wurde schon vor rund 30 Jahren von Swinging London aufgeführt. Dazu sind auch zwei Cover obskurer Power Pop Songs von The Freshies aus England respektive The Explosives aus Austin, Texas, im Angebot. Insgesamt zwölf Tracks sind auf der LP. Allesamt wunderbare Power Pop Perlen. Mitreißende Gitarrenriffs und –licks, zündende Melodien, treibende und druckvolle Rhythmen, hier und da kommen sogar Bläser zum Einsatz. Aufgenommen wurde die LP im Telstar Studio in München und produziert hat Harry mit sachkundiger Unterstützung seines alten Kumpels aus Heartbeats Tagen Christian Höck, dem das Studio gehört. Mit „Atomic“ widmet die Band einen Song dem Ende 2014 geschlossenen legendären Münchener Szene Club. Alles in allem also eine tolle absolut gelungene Platte. Wie ich der Band Webseite entnehme gehört eigentlich auch die Sängerin Jani zum Line-Up, die wie Carsten ursprünglich aus Hamburg stammt und damals Frontfrau der wunderbaren Daisy Chain war. Im Moment pausiert Jani wegen familiärer Verpflichtungen. Doch ich freue mich schon auf ein Smart Patrol Konzert mit ihr am Mikrofon in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft. Auf der Platte sind „nur“ die vier Herren zu hören, was den Spaß und den Hörgenuss jedoch keineswegs schmälert. ****

Album des Monats September 2017

The FlaminGroovies – Fantastic Plastic (LP, Premium Otis Recordings)

 

Besetzung: LPFlaminG.jpg

 

Chris Wilson – guitar, vocals

Cyril Jordan – guitar, vocals

George Alexander – bass

Victor Penalosa – drums 

 

Trackliste:

 

A1        What The Hell's Goin' On                      4:45

A2        End Of The World                                3:54

A3        Don't Talk To Strangers                        3:04

A4        Let Me Rock                                        3:55

A5        She Loves Me                                      2:35

A6        I Want You Bad                                    2:55

B1        Crazy Mama                                         3:01

B2        Lonely Hearts                                       2:59

B3        Just Like A Hurricane                            3:04

B4        Fallen Star                                           3:10

B5        I'd Rather Spend My Time With You      2:23

B6        Cryin' Shame                                       4:02

 

„What The Hell’s Going On?“ Das könnte man auch fragen, wenn man diese LP so hört. Ungläubiges Staunen und dann sehr schnell überschwängliche Begeisterung erfasst mich beim Hören der Platte. Der Opener der LP bringt es auf den Punkt. Was man vielleicht nicht mehr für möglich hielt, nach der letztjährigen Single „Crazy Macy“ und den vereinzelten Gigs u.a. in London und in Hamburg dann aber doch zu hoffen wagte, das ist nun eingetreten. The Flamin‘ Groovies, diese legendäre vor einem halben Jahrhundert in Kalifornien gegründete großartige Power Pop und Rock’n’Roll Band, eine der besten aller Zeiten, hat sich in annährend originaler Besetzung wieder zusammen gefunden und eine neue Platte aufgenommen. Cyril Jordan und Chris Wilson spielen wieder zusammen. Und sie haben auch die meisten der Songs auf dieser Platte gemeinsam geschrieben. Vor 37 Jahren hatte Wilson die Band verlassen. Das letzte reguläre Album der Groovies erschien 1993. Doch nun sind nicht nur Jordan und Wilson wieder vereint, auch der langjährige Bassist George Alexander ist mit von der Partie. Als Schlagzeuger konnte Victor Penalosa gewonnen werden, der in den 90ern bei kalifornischen Power Pop und Surf Bands seine Sporen verdiente. Und gelegentlich hilft Alec Palao am Bass aus. Ein Mann den man vor allem als Archivar und gründlichen Forscher in Sachen Garage Rock und Pop aber auch weit darüber hinaus kennt. Die beiden einzigen Coverversionen hier sind mit bedacht gewählt. Da ist zunächst „Don’t Talk To Strangers“ (The Beau Brummels), das hier mit typischen Rickenbacker Jangle vorgetragen wird. „I Want You Bad“ (NRBQ) wird hier als Power Pop Hymne interpretiert. Das eher Rockabilly orientierte „Crazy Macy“ von der 7“ ist hier auch dabei. Alle anderen Tracks bewegen sich stilistisch zwischen den Polen „Teenage Head“ und „Shake Some Action“. D.h. der R&B und Rock’n’Roll liebende Groovies Fan wird genauso bedient wie der mehr an Byrds und Beatles Pop interessierte Anhänger der Band. Sicher, die eben ge-nannten Album Klassiker werden hier nicht übertroffen, doch gibt es dennoch allen Grund zur Freude, und diese aktuelle LP hat durchaus das Zeug dazu, zu den Klassikern aufzuschließen. Die Produktion der Platte orientiert sich natürlich auch am klassischen Groovies Sound mit warmen vollen Bass Klängen und den typischen ebenso warmen Jangle Gitarren. Hier und da gibt es ein sachte angezerrte Gitarre oder auch mal einen verhalten psychedelischen Sound. Die Songs sind allesamt absolut eingängig und Ohrwurm verdächtig. Eine der Platten des Jahres ohne Zweifel! ****1/2

Album des Monats August 2017

The Pink Moon – Let The Devil Take Tomorrow (LP, Crispin Glover)

 

Besetzung: LPPinkMoon.jpg

 

Morten Kristiansen – vocals, guitar

Øyvind Holm – bass, guitar, vocals

Mathias Nylenna – guitar

Even Granås – drums 

Organ Morgan – keyboards

 

Trackliste:

 

A1        Ball And Chain 

A2        Baby Let Me Follow You Down

A3        Bloodline         

A4        Heartbreaker    

A5        Rag Out          

B1        Last Mistake    

B2        Temptation      

B3        Where You Gonna Go  

B4        Parrotpunk      

B5        C'mon

 

Es ist schon erstaunlich wie viele wirklich gute Bands es in Norwegen gibt, einem Land, das ähnlich wie Finnland nur wenig mehr als fünf Millionen Einwohner hat. Aus der schier unerschöpflichen Musikszene Trondheims stammt diese Band hier. Aus dem Umfeld von Motorpsycho und Sugarfoot kommen die fünf Musiker. Und für keinen von ihnen ist diese Band die erste musikalische Erfahrung. Seit 2013 machen die Jungs schon gemeinsame Sache. 2014 erschien eine EP mit sechs Stücken. Nun gibt es das Debütalbum. Ob das letzte Album von Nick Drake bei der Namenswahl Pate stand, ist nicht so ganz klar. Zwar spielt das Info der Plattenfirma darauf an, aber ein musikalische Nähe zu dem eher introvertierten und leisen Songwriter aus England, der leider viel zu früh verstarb, ist nicht zu erkennen. Eher schon zu englischen Bands wie The Who oder The Yardbirds, als die noch kurze Haare hatten. Auch US Garage Rock der mittleren Sixties ist hier deutlich zu hören. Fuzzgitarren wechseln sich ab mit psychedelischen Wah Wah Klängen. Und auch eine gelegentlich an die Doors erinnernde Orgel kommt zum Zuge. Bei aller Sixties Affinität sowohl im Songwriting wie in den gewählten Klangfarben haben wir es hier aber keineswegs mit einer typischen Retro Band zu tun. Insgesamt ist der Sound erfreulich frisch und kraftvoll. Die Songs schreibt überwiegend Sänger und Gitarrist Morten. Eine gelungene Interpretation von Bob Dylans „Baby Let Me Follow You Down“ ist jedoch auch im Angebot. Das wohl psychedelischste Stück auf der Platte ist „Heartbreaker“ mit rückwärts laufenden Gitarrenlicks und hypnotischen Chören sowie exzentrischen Drum Patterns. Auch „Rag Out“ ist ziemlich spaced out. Besonders die verschiedenen verzerrten Gitarren sorgen immer wieder für Gänsehaut. Und die meisten Songs gehen schnell ins Ohr und dann gar nicht mehr raus. Ein wirklich feine LP, die den Bogen spannt vom Nordwesten der USA anno 1964 bis nach London und New York 1966/67. Und doch absolut zeitgemäß, ja modern. ****

Album des Monats Juli 2017

Waxahatchee – Out In The Storm (LP, Merge)LPWax.jpg

 

Besetzung:

 

Katie Crutchfield – lead vocals, guitar, bass, keyboards

Allison Crutchfield – keyboards, percussion

Katie Harkin – guitar, keyboards, vocals

Katherine Simonetti – bass 

Ashley Amwine – drums

 

Trackliste:

 

A1        Never Been Wrong        3:12

A2        8 Ball                           2:49

A3        Silver                           3:24

A4        Recite Remorse            4:38

A5        Sparks Fly                   3:06

B1        Brass Beam                 2:41

B2        Hear You                      3:00

B3        A Little More                 2:32

B4        No Question                 3:38

B5        Fade                            3:47

 

Schon das vierte Album der Band um Katie Crutchfield aus Alabama. Für mich ist es das erste der Gruppe. Aber dafür gefällt es mir auch gleich ziemlich gut. Angeblich ist dieses Album das am ehesten von Gitarren dominierte der vier. Nachgeprüft habe ich das nicht, aber wenn es so sein sollte, dann ist alles ok. Für mich ist das ein typisches Singer, Songwriter Album von einer jungen Frau, die mit Dinosaur Jr., Grunge und Riot Grrl Sounds aufgewachsen ist. Ich meine, die Gitarren klingen recht bratzig und heftig bisweilen, aber die Songs bleiben trotzdem erkennbar, die Melodien ragen heraus. So hab‘ ich mir ein modernes Gitarrenpop Album immer vorgestellt. Auch die markante und etwas belegte Stimme von Katie trägt dazu bei, genauso wie die verhalten moderne Produktion, die auch Keyboards und akustische Gitarren integriert. Die Songs haben oft fast sowas Hymnisches. Positive Stimmung verbreitet die Musik, obwohl es in den Texten durchaus auch mal dramatisch zugeht. Der Wechsel von ruhigen, fast folkigen Tracks zu härteren fast punkigen Nummern macht einen großen Reiz des Albums aus. Der wohl schönste, überzeugendste Titel auf dem Album ist „Sparks Fly“, in dem Katie einen Abend, eine Nacht in Berlin mit ihrer Zwillingsschwester und Mitmusikerin Allison rekapituliert. Wie ich lese ist „Out In The Storm“ auch ein Trennungsalbum. Das Ende einer Beziehung wird in den Songs verarbeitet, heißt es in einigen Reviews. Nun, aus den Songs selbst ist das nicht unbedingt ersichtlich. Wie schon gesagt, ist die Grundstimmung hier positiv, vorwärts gerichtet. Und wenn es das ist, was eine Trennung verursacht hat, dann muss man dankbar sein, dass diese junge Sängerin und Musikerin, daraus so wunderbare Melodien geschaffen hat. Eingespielt haben diese Platte lauter Frauen. Neben Katies Schwester Allison ist auch Katie Harkin (Sleater-Kinney) dabei sowie zwei weitere Musikerinnen. Produziert hat John Agnello, der schon für Sonic Youth und Dinosaur Jr. tätig war. Man hört das der Platte hier durchaus auch an. Wie gesagt, ich kenne die ersten drei Waxahatchee LPs nicht. Diese Platte hier ist jedoch toll! Mein Singer / Songwriter Album des Jahres bislang. ****

Album des Monats Juni 2017

Peter Perrett – How The West Was Won (LP, Domino)LPPeterP.jpg

 

Besetzung:

 

Peter Perrett – lead vocals, guitar

Peter Perrett Jr. – bass, vocals

Jamie Perrett – guitar, keyboards, vocals

Jake Woodward – drums 

John Carin – keyboards

 

Trackliste:

 

A1        How The West Was Won           4:33

A2        An Epic Story                          3:20

A3        Hard To Say No                       3:28

A4        Troika                                      3:44

A5        Living In My Head                     6:31

B1        Man Of Extremes                     2:42

B2        Sweet Endeavour                     3:25

B3        C Voyeurger                             5:47

B4        Something In My Brain              4:53

B5        Take Me Home             4:21

 

65 ist er im April geworden. Man hört es ihm aber nicht an. Seine Stimme klingt noch immer so wie damals, als ich ihn mit „Lovers Of Today“, der ersten Single von The Only Ones, im Jahr 1977 kennenlernte. Und da hatte er bereits eine musikalische Karriere hinter sich. Seine Aufnahmen mit der Band England’s Glory aus dem Jahr 1973 kannte damals allerdings kaum jemand. Ich auch nicht. Sein Gesangsstil hat viel von Lou Reed. Sein Songwriting mitunter auch. Peter Perrett hat die ganzen Jahre überlebt. Nicht immer schien es, als würde ihm das gelingen. Aber inzwischen ist er wohl seit langem clean, auch wenn die vielen Jahre mit den Drogen seiner Gesundheit durchaus geschadet haben. Er lebt noch immer mit derselben Frau zusammen, mit der er als 16-Jähriger von zuhause abgehauen ist. Fast 50 Jahre also. Respekt. Angeblich ist „How The West Was Won“ sein Solo Debüt. Das stimmt nicht so ganz. 1996 bzw. 1998 erschienen zwei LPs unter dem Namen Peter Perrett & The One, die beide im Grunde bereits solo Platten sind. Aber am bekanntesten sind natürlich Perretts Veröffentlichungen mit The Only Ones zwischen 1977 und 1980. Mit dieser neuen Platte knüpft Peter Perrett was das Songwriting betrifft an seine beste Zeit mit den Only Ones an. Neben Lou Reed war Bob Dylan auch immer ein Vorbild und Einfluss für Peter Perrett. Wahrlich keine schlechten Voraussetzungen. Im Titelsong des Albums erklärt Perrett seine Liebe zu Amerika und zu Kim Kardashians Hinterteil. Beides durchaus ok. Aber auch im weiteren Verlauf der Platte kommen ein paar Wahr- und Weisheiten zur Sprache, die nur jemand mit dieser Lebenserfahrung und diesem Lebenswillen vermitteln kann. Und so klingt hier aus jedem Song aus jeder Aufnahme eine trotzige Abgeklärtheit, für die ich Peter Perrett eigentlich schon immer sehr gemocht habe. Und auch musikalisch ist das hier eine so reife und ausgebuffte Mischung aus Pub Rock, Psychedelia und Americana, wie man sie wirklich selten hört. Die Leadgitarre spielt Peters Sohn Jamie und sein anderer Sohn Peter Jr. spielt Bass. Beide spielten bereits mit Peter Doherty bei den Babyshambles, das nur nebenbei. Eigentlich ist das ganze Album eine Hommage an Perretts Frau und Lebensgefährtin Zena. Und besonders der Song „An Epic Story“ ist ganz eindeutig ihr gewidmet. Diese ganze LP ist so wunderbar voll von zu Herzen gehenden Geschichten und Melodien, man muss sie immer wieder auflegen und von Anfang bis Ende hören. Dass Peter Perrett mit so einem großartigen Alterswerk reüssiert, hätte ich nicht für möglich gehalten. *****

Album des Monats Mai 2017

Sugarfoot – The Santa Ana (2LP, Crispin Glover Records)

 

Besetzung: LPSantaAna.jpg

 

Øyvind Holm - vocals, guitar

Bent Sæther - bass, guitar, vocals

Even Granås - drums, vocals

Thomas Henriksen - keyboards, vocals

Hogne Galåen - guitar, vocals

Roar Øien - pedal steel guitar, banjo, dobro, vocals

 

Trackliste:

 

The Nightingale

All Dried Up

A Repossesed Blues

Hungry Men

 

Schmogne

My Buzzing Telephone

Blisters On My Mind

Already Counting

 

Coastal Postcard

Snakes And Ladders

A Cog In Your Wheel

Mighty Pharaoh

 

Santa Ana (Hats Off To Shakey)

 

Bereits das vierte Album der Band aus Norwegen, genau ein Jahr nach dem letzten tollen Album „Different Stars“ erschienen. Die ersten beiden LPs dieses Motorpsycho Ablegers kenne ich gar nicht, muss ich zugeben. Das vorige hatte mich aber vor einem Jahr sehr positiv überrascht. Na ja, Ableger von Motorpsycho ist vielleicht etwas übertrieben. Es ist ja nur der Bassist Bent Saether, der in beiden Bands spielt, singt und komponiert. Als Americana wird die Platte verschiedentlich annonciert. Das ist nicht völlig falsch, greift aber viel zu kurz, finde ich. Die Band aus Trondheim bedient sich auf vielfältige Weise in der Geschichte der Pop und Rock Musik. Natürlich kommt da viel Amerikanisches vor. Westcoast Rock mit einer Unbeschwertheit und Leichtigkeit gespielt, die man sonst nur von The Grateful Dead oder The Eagles zu hören bekommt. Klar sind da auch mal Banjo oder Slide Gitarre dabei, aber auch so quecksilbrige Gitarrenläufe, die Jerry Garcia oder John Cippolina kaum besser hinbekommen hätten. Und möglicherweise hat es sich ja auch positiv auf den Spirit und den Klang der Platte ausgewirkt, dass sie wie schon der Vorgänger in Kalifornien entstand. Aufgenommen im Rancho De La Luna Studio in Joshua Tree und gemixt im White Buffalo Studio in L.A. Doch bei aller Affinität zu Kalifornien und den guten Traditionen Amerikas, hört man im Songwriting und in den Melodien zuweilen auch den Einfluss britischer Musik der Siebzigerjahre etwa. So ein bisschen Marc Bolan oder David Bowie haben sich unter all der Americana versteckt. Und in dem einen oder anderen Song wird eine verschrobene, ja exzentrische Geschichte erzählt, ganz nach britischem Vorbild. Wie schon die vorige Platte ist auch diese hier wieder sehr eingängig und gefällig produziert, ohne deshalb in den Mainstream abzugleiten. Während das Rhodes Piano mitunter gar die Doors evoziert, lassen ungewöhnliche melodische Brechungen sogar für kurze Momente an eine Art Prog Pop denken. Ein vielschichtiges Album ohne Zweifel. Der Titeltrack „Santa Ana“ ist mit seinen mehr als 15 Minuten Länge eine sehr entspannte und auch beeindruckende Hymne an das südkalifornische Lebensgefühl wie es der typische Nordeuropäer wohl empfindet. Am Strand liegen und träumen, oder aber auf einem flirrenden Highway im heißen Wind dahingleiten. Beides geht bei dieser Musik.****

Album des Monats April 2017

The Black Angels – Death Song (LP, Partisan)

 

Besetzung: LPDeathSong.jpg

 

Alex Maas – lead vocals, bass, harmonium

Christian Bland – guitar, mellotron, bass, organ, vocals

Jake Garcia – guitar, bass, vocals

Stephanie Bailey – drums, percussion, organ

Kyle Hunt – bass, guitar, organ, synthesizer

 

Trackliste:

 

Currency

I’d Kill For Her

Half Believing

 

Comanche Moon

Hunt Me Down

Grab As Much (As You Can)

 

Estimate

I Dreamt

Medicine

 

Death March

Life Song

 

Als sich im Jahr 2004 in Austin, Texas, eine Handvoll junger Musiker zusammen fanden, um ihrer gemeinsamen Vorliebe für den Psychedelic Rock der späten Sixties Ausdruck zu verleihen, nannten sie sich The Black Angels inspiriert vom „Black Angel‘s Death Song“ auf dem Album „The Velvet Underground & Nico“ aus dem Jahr 1967. Und nun nennen sie ihr fünftes Studioalbum „Death Song“. Mehr Hommage geht kaum noch. Allerdings sollte man sich nicht täuschen. Die Musik der Texaner erinnert nur entfernt an die legendäre Band aus New York, die damals ja weitgehend unbemerkt vom großen Publikum im wahrsten Sinn des Wortes Underground war. Später dann gründete fast jeder junge Musiker, der sie entdeckte, selbst eine Band. Aber das ist eine andere Geschichte. Auch The Black Angels machen keineswegs Musik für das breite Mainstream Publikum. Dabei ist ihre Musik weder sperrig noch anstrengend. Im Gegenteil, man kann sich darin verlieren, tief eintauchen in Soundscapes und phantasievolle Klanglandschaften. Man braucht bei dieser Musik keine psychedelischen Drogen, um vollkommen abzufahren. Mit Roky Erickson haben The Black Angels eine Zeit lang gemeinsam musiziert. Und von dessen 13th Floor Elevators hat sicher das Eine oder Andere abgefärbt. Auch die frühen Pink Floyd dürfen durchaus als Referenz dienen. Aber im Grunde spielen die Jungs und das Mädel an den Drums ihre ganz eigene Musik. Manchmal von schweren Fuzzgitarrenriffs getragen, dann wieder von hypnotisch wippenden Bassrhythmen getrieben. Hier und da Orgelriffs, melodische zum Teil mehrstimmige Gesänge, psychedelische Soundeffekte und reichlich Echo und Hall. Man kann wie gesagt eintauchen in die Musik, sich fallen lassen. Aber auch genaues Zuhören bringt Gewinn. Nicht nur der Opener „Currency“ enthält ein politisches Statement zur Lage der US Nation, wenn man so will. In „Comanche Moon“ nimmt der Sänger die Perspektive der amerikanischen Ureinwohner ein, die noch immer vielfach um ihre Rechte kämpfen müssen. Auch andere Texte enthalten zum Teil nicht immer ganz offene Botschaften. Die Vaterlandsliebe der jungen Texaner hat offenbar einen Knacks bekommen durch die jüngeren politischen Ereignisse. Aber völlig unabhängig von Botschaften und lyrischen Ergüssen, diese Platte ist nichts weniger als ein Meisterwerk des psychedelischen Rock. Die beste Platte der Band bislang und ein Anwärter auf eine Spitzenposition in diesem Jahr. ****1/2

Album des Monats März 2017

Lynx Lynx – 7 (LP, Off Label)

 

Besetzung: LPLynxLynx.jpg

 

Diddi – guitars, vocals

Dan – bass, organ

Jan – guitars, lead vocals

JW – drums

 

Trackliste:

 

Get Straight

99 Things

Everybody Is In Love With You

It’s Fun

Black Feather

See That Girl

 

Who Shot The Druggies

Ways To Get Along With You

Coast Of Wasted Youth

Swörds, Part II

All These Times

 

Die 10“EP „Trailer Park“ feierte Wolfgang Doebeling im Rolling Stone vor drei Jahren als beste deutsche Veröffentlichung seit Äonen. Keine Ahnung wie lang bei ihm ein Äon ist. Aber eine positive Überraschung in der deutschen Musiklandschaft der letzten ungefähr zehn bis 15 Jahre war die EP schon. 2010 erschien übrigens bereits eine LP von Lynx Lynx bei Nasoni Records hier in Berlin. Die kenne ich leider nicht, und der Kollege Doebeling anscheinend auch nicht. Und nun legt die Band aus Dortmund nach mit ihrer zweiten LP, die sie „Sieben“ nennt, oder besser „Seven“. Frischer Wind in einer Musikszene, die neben den mehr oder weniger etablierten Garage und Psychedelic Bands The Satelliters oder Vibravoid kaum noch hörenswertes Neues hervorbringt. Dabei knüpfen die Dortmunder an einer in erster Linie amerikanischen Garage Rock Tradition an, die zuletzt von Bands wie The Gun Club oder Tav Falco & Panther Burns gepflegt wurde. Also nicht so sehr psychedelisch aber auch nicht so typischer Bubblegum Garage Beat. Eine fiese Schweineorgel kommt trotzdem vor und auch ordentlich verzerrte Gitarren. Aber eben auch ein paar düsterere Klänge. Kollege Doebeling ist dies Mal nicht restlos überzeugt, obwohl er auch wieder wohlwollende Worte findet. Und auch ich muss zugeben, dass die 10“ mehr aus einem Guss ist. Am Wechsel der Organistin zu einem Organisten kann es nicht liegen. An den Beats aus dem Drum Computer bei einem Track eigentlich auch nicht, obwohl echte Drums schöner klingen. Lynx Lynx schlagen eine Brücke von den Flaming Stars zu Jack White, erreichen die Klasse dieser Vorbilder allerdings doch nicht ganz. Die bisher beste LP aus Deutschland in diesem noch jungen Jahr haben wir hier aber schon. ****

Album des Monats Februar 2017

King Gizzard & The Lizard Wizard – Flying Microtonal Banana (LP, Heavenly)

 

Besetzung: LPFlyingM.jpg

 

Stu Mackenzie – vocals, guitar, flute

Ambrose Kenny Smith – vocals, synths, harmonica

Joey Walker – guitar

Cook Craig – guitar

Lucas Skinner – bass

Eric Moore – drums

Michael Cavanagh – drums 

 

Trackliste:

 

Rattlesnake

Melting

Open Water

Sleep Drifter

 

Billabong Valley

Anoxia

Doom City

Nuclear Fusion

Flying Microtonal Banana

 

Seit rund sieben Jahren machen diese Jungs nun schon gemeinsam Musik. In Melbourne, Australien, haben sie sich bereits in der Schule kennen gelernt und den Grundstein der Band gelegt. Sie waren von Anfang an sehr produktiv. Und von Anfang an haben sie Wert auf schön gestaltete Vinylplatten gelegt, die sie in den ersten Jahren noch selbst herausbrachten. Die Musik der Lizards ist schwer einzuordnen. Zu Beginn spielten sie archaischen Garage Rock, der durchaus schon krautige Einflüsse aufwies. Bald wurde es psychedelischer aber nichtsdestotrotz auch noch Krautrock-lastiger, wobei, wie der Bandname bereits nahelegt, ein gewisser Einfluss des Lizard King nicht zu verhehlen ist. Seit 2015 ist die Band im UK bei Heavenly unter Vertrag. Und seitdem ist sie noch produktiver als zuvor schon. Allein für dieses Jahr sind bereits zwei weitere LPs angekündigt. Aber bleiben wir beim vorliegenden Werk. Schon auf der vorletzten Platte war eine Erweiterung des Klangspektrums in Richtung leicht und locker gespielten Popsikes zu bemerken. Dagegen wies die vorige LP eher eine gewisse Affinität zum Grunge auf. „Flying Microtonal Banana“ ist nun das neunte Album der Band. Es entstand im bandeigenen Studio in Melbourne. Die Band läutet damit einen Zyklus von insgesamt fünf LPs ein, die unter der Überschrift „Explorations Into Microtonal Tuning“ erscheinen. Der geneigte Leser möge sich selbst aus geeigneten Quellen (von mir aus z.B. Wikipedia) über mikrotonale Musik informieren. Da meine Kenntnisse der Notierung von Musik und von Musiktheorie nur rudimentär sind, kann ich dazu wenig sagen. Jedenfalls klingt es für mich so, als würde die Band verstärkt exotische Einflüsse aus orientalischer und zum Teil auch fernöstlicher Musik verarbeiten und einbeziehen. Dennoch haben wir es hier in erster Linie mit einem Rockalbum zu tun. Mikrotonal hin oder her, ich höre da eher Krautrock zwischen Amon Düül II und Neu! und zum Beispiel auch den typischen Gitarrensound der New Yorker Band Television. Andererseits ist da noch so viel mehr. Diese Platte ist tatsächlich sehr abwechslungsreich und birgt so manche kleine Überraschung oder unerwartete Wendung. Es macht großen Spaß hier zuzuhören, und es wird keine Sekunde langweilig. Und das ist nur die Musik. Auch die Songtexte strotzen nur so von surrealen Einfällen und absurden Bildern. Letztlich haben wir es halt mit einer Psychedelic Rock Band zu tun. ****1/2

 

Album des Monats Januar 2017

The Molochs – America’s Velvet Glory (LP, Innovative Leisure)

 

LPMolochs.jpgBesetzung:

 

Lucas Fitzsimons – vocals, guitar, harmonica

Ryan Foster – guitar, bass, organ

Cameron Gartung – drums

 

Trackliste:

 

Ten Thousand

No Control

Charlie’s Lips

That’s The Trouble With You

The One I Love

Little Stars

 

No More Cryin

You And Me

New York

I Don’t Love You

You Never Learn

 

Aus Los Angeles stammt diese Band. Das hier ist ihr zweites Album. Das erste kenne ich nicht. Hier klingen sie jedenfalls sehr nach den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das ist zumindest der erste Eindruck. Hört man genauer hin, dann merkt man, da ist auch jede Menge Achtziger Paisley Pop. Und so eine gewisse Lässigkeit und Schlichtheit kommt aus den Siebzigern von solchen Bands wie The Modern Lovers. Überhaupt erinnert die Stimmung bei dieser Platte hier sehr an das Debüt von Jonathan Richmans Modern Lovers. Dieser Fatalismus, so eine leichte Melancholie, die dann doch gleich wieder in Unbekümmertheit und sogar Begeisterung umschlägt. Lucas Fitzsimmons ist ein toller Songschreiber. Von Dylan über Donovan, Jonathan Richman bis zu Lou Reed reichen die Vergleiche. Nun, wir wollen es nicht übertreiben. Jedenfalls sind das alles sehr gelungene, sehr eingängige Songs, die von der Band ganz passend und einfühlsam präsentiert werden. Die jangelnden Gitarren sind überall präsent. Dazu kommt hier und da ein knappes prägnantes Solo. Und eine wimmernde Orgel gesellt sich mitunter auch dazu. Wie nennt man die Musik? Garage Pop? Am besten passt vielleicht Folk Rock, Folk Rock mit so einem kleinen Schuss Garage Punk und ein paar Spritzern Psychedelia. Eine wirklich tolle Platte! Man möchte sie am liebsten in Dauer Rotation hören. Immer wieder von vorne, bis man jeden Song mitsingt! ****

Album des Monats Dezember 2016

She Keeps Bees – Nests (LP, BB Island)

 

Besetzung: LPNests.jpg

 

Jessica Larrabee – vocals, guitar

Andy LaPlant – drums

 

Trackliste:

 

Ribbon

Wear Red

Release

Gimmie

Get Gone

My Last Nerve

 

Bones Are Tired

Focus

You Can Tell

Strike

Cold Eye

 

Aus Brooklyn, New York, stammt dieses Duo, das bereits seit zehn Jahren gemeinsam musiziert und mit „Nests“ nun endlich sein Debütalbum von 2009 auch auf Vinyl rausbringt. Insofern kann man natürlich darüber streiten, ob das hier eine neue Veröffentlichung ist. Aber auch ob es sich tatsächlich 2009 um das Debüt handelte, ist nicht eindeutig. Schließlich veröffentlichten die Beiden bereits 2006 eine Sammlung von Aufnahmen unter dem Titel „Minisink Hotel“ rein digital als Download. Für mich gilt „Nests“ als aktuelles drittes Album des Duos. Schließlich habe ich für mich beschlossen, jetzt wieder ausschließlich Vinyl Veröffentlichungen als reguläre Veröffentlichungen zu rechnen. Soweit die Vorrede. Die Musik von She Keeps Bees drängt natürlich Vergleiche mit ähnlichen Duos auf wie The White Stripes oder The Kills. Aber obwohl auch Jessica und Andy recht roh und ungeschliffen musizieren, man könnte auch sagen minimalistisch, wird hier in aller Regel kaum richtig gerockt. Jessicas Gesang erinnert gelegentlich an Karen O (Yeah Yeah Yeahs), andererseits auch manchmal an PJ Harvey. Diese Unmittelbarkeit und Unbedingtheit, die ihr Gesang ausdrückt, imponiert sehr. Musikalisch ist das alles wie gesagt sehr abgespeckt. Ein paar Akkorde auf der Gitarre, meist elektrisch, mitunter nur akustisch. Dazu sparsame Drums oder Percussion. Was die beiden hier bieten ist ein sehr eindringlicher und überhaupt nicht extrovertierter Rock’n’Roll. Eine Art Lo-Fi Garage Punk sozusagen. Wobei das Wort Punk hier eher für eine Haltung steht, nicht für die Musik. Ich kann mir vorstellen, dass diese Musik live noch viel mehr mit-nimmt, überzeugt, als sie es so von der Platte schon tut. Ich bin gewiss kein Experte für Blues, schon gar nicht für den alten, den die Stones gerade wiederbeleben mit ihrer hochgelobten neuen Scheibe. Aber wenn ich diese LP von Jessica und Andy so höre, dann denke ich, was ist das denn anderes als Blues? – Moderner Blues! Nur fehlt hier die Mundharmonika. Und ein klassisches Blues Schema sieht auch anders aus, so viel weiß ich noch. Und doch, ich finde, She Keeps Bees spielen modernen Blues. Auf ihre Art genauso überzeugend, wie die alten Männer, die mal locker ihre Jugend nachempfinden und dabei wohl wirklich Spaß haben. Naja, vergleichen kann man das letztlich eh nicht. Ich wollte damit nur sagen, auch die Stones LP „Blue & Lonesome“ hätte Album des Monats sein können. Ich hab mich für She Keeps Bees entschieden, weil die Stones eh genug Presse kriegen. Und übrigens wirkt „Nests“ auf gewisse Weise dann doch zwingender, kompromissloser, weil auswegloser. ****

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