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CCA Records bei Ebay
Artikel überarbeitet im April 2006
Dem
Sammler und Fan von Beatmusik aus deutschen Landen ist CCA Records sicher ein
Begriff. Einige der Singles, die Mitte der 60er Jahre auf dem Osnabrücker Label
erschienen, gehören seit Jahren zu den gesuchtesten und teuersten Artefakten
des German Beat. Das liegt vor allem daran, dass die Bands, die bei CCA
veröffentlichten, nicht unbedingt zu den bekanntesten und erfolgreichsten
gehörten. Und wenn sie – wie The Petards – im Lauf ihrer Karriere noch
leidlich erfolgreich wurden, dann waren ihre CCA Releases es jedenfalls noch
nicht. Aber genau das ist natürlich ein Grund dafür, dass ihre Platten heute
besonders gesucht sind. Sowohl Petards Fans möchten sie haben, wie auch Sammler
von deutschem Beat generell. Und seit die beiden ersten Petards Singles auch
auf Garage Beat Samplern und Compilations auftauchen, sind sogar Fans und
Sammler aus aller Welt hinter den Originalen her. Kein Wunder also, dass eine
„mint“ Copy der ersten Petards 7“ „Baby, Run Run Run“ /bw „Pretty Miss“ (CCA
5021) inzwischen mitunter dreistellige Beträge erzielt. Ab hier wird es nun
aber kompliziert. In den 70er und 80er Jahren tauchten auf Börsen oder im Oldie
Markt hin und wieder Exemplare auf. Soweit ich weiß waren das immer Singles mit
ockergelbem Etikett und Pic Sleeve, dieses auf 120g Papier gedruckt und einmal
gefaltet in Plastikhülle. Seit einigen Jahren tauchen aber vermehrt Exemplare
mit schwarzem Etikett (seltener auch mit violettem Etikett) auf. Nun ist es ja
zunächst nicht ungewöhnlich, dass nachgepresst wird, wenn eine Auflage verkauft
ist. Durchaus auch mit leicht verändertem Design.
2005 habe ich selbst eine solche Nachpressung direkt von
Hans Werner Kuntze, dem Inhaber von CCA Records, über Ebay erworben. Auf seiner
Homepage www.cca-records.de erklärt
Kuntze sehr wortreich und scheinbar plausibel, wie es zu den verschiedenen
Pressungen kam. Ich erspare mir hier die Einzelheiten. Man kann das dort
nachlesen. Was mich allerdings stutzig macht sind drei Dinge. Erstens wird in
dem 1979 erschienenen Buch „Rockmusik und Gruppenprozesse – Aufstieg und
Abstieg der Petards“ von Florian Tennstedt von einer Gesamtauflage der Single
von knapp 1300 Stück gesprochen. Ok, Tennstedt hat diese Information sicher von
der Band. Falls es beim Label noch mehr Lagerbestand gab, muss die Band das
nicht unbedingt gewusst haben. Zumindest lässt diese Zahl aber die vier
verschiedenen Auflagen, von denen Kuntze auf seiner Homepage spricht, etwas
rätselhaft erscheinen. Aber gut. Zweitens ist die Single (mit schwarzem
Etikett), die ich jetzt erworben habe, stereo. Das ist ungewöhnlich. Auch wenn
Stereo-Aufnahmen 1966 durchaus bereits möglich und auch üblich waren, stereo
Singles waren noch nicht die Norm. Und die erste Auflage der Petards 7“ war
jedenfalls definitiv in mono. Drittens ist die in die Auslaufrille der Single
eingeritzte Kennung „SST“ des Überspielstudios mir jedoch bestens bekannt.
Nämlich von den Twang! Singles, die ich selbst Anfang der 90er Jahre herstellen
ließ. Ich habe nachgeforscht und bislang nicht eine einzige Single mit dieser
Kennung gefunden, die älter als frühe 80er ist. Das legt zumindest den Verdacht
nahe, dass Herr Kuntze diese Pressung der gesuchten Petards Single erst
herstellen ließ, als der Markt dafür reif zu sein schien. Das wäre sein gutes
Recht als Label und Rechteinhaber. Herr Kuntze behauptet aber steif und fest,
dass die Singles Jahrzehnte lang auf dem Speicher vor sich hin staubten. Da
sich Kuntze über die Gesamtauflage ausschweigt, sollte man nur die erste
Auflage mit dem ocker Etikett als echte Sammler-Rarität ansehen. Eventuell auch
noch die mit dem violetten Etikett. Eine Single mit schwarzem Etikett ist
jedoch – auch wenn sie pressfrisch ist – zur Zeit kaum mehr als jede andere
aktuelle Vinylsingle wert. Also so um die 5 €.
CCA Records
zum Zweiten
Zu meinen Ausführungen die Debütsingle der Petards
betreffend (s.u.) muss ich doch noch ein paar Ergänzungen liefern. Inzwischen
habe ich mit Herrn Kuntze, dem Inhaber von CCA Records, ein paar E-mails
ausgetauscht. Und wir haben sogar miteinander telefoniert. Auch wenn die
Erklärungen auf der CCA Homepage umständlich sind und z.T. schwer
nachvollziehbar, sie geben wohl das wieder, was sich vor knapp 40 Jahren
wirklich zugetragen hat. Als die Petards ihre erste Single aufnahmen,
entstanden mehrere Takes der beiden Songs „Baby Run Run Run“ und „Pretty Miss“.
Und es wurden verschiedene Abmischungen davon gemacht. Für die erste Pressung
der Single (ocker Label, ca. 600 Stück, Bestellnummer in der Auslaufrille
gedruckt ohne Zusatz) wurde ein mono Mix verwendet. 500 Stück wurden an die
Band verkauft, die sie bei Gigs und im Freundeskreis absetzte. Da die Single
dann etwas später plötzlich häufiger im Radio gespielt wurde, entstand eine
Nachfrage, die zu einem Vertriebsdeal mit Metronome und der Notwendigkeit
schneller Nachpressung führte. Leider passierten dann wohl mehrere
Missgeschicke gleichzeitig. Die Pressmatrize der Erstauflage war verschwunden
oder kaputt. Also musste neu überspielt werden. Ausserdem wollte Metronome
zunächst lieber schwarze Labels, weil die dort Firmenstandard waren. Aus
Zeitgründen wurde das komplette Masterband mit den verschiedenen Mixen ins
Überspielstudio geschickt, mit dem Ergebnis, dass nun ein Stereo Mix mit
deutlicher Kanaltrennung verwendet wurde. Wenn ich Herrn Kuntze richtig verstanden
habe, gelangten die Singles mit diesem Mix und schwarzem Label, zu erkennen
auch an einer römischen Zwei nach der handgeschriebenen Katalognummer in der
Auslaufrille, damals dann aber doch nicht in den Handel. Sie verblieben im
Archiv von CCA Records. Undzwar alle ca. 500 Stück. Stattdessen wurde erneut
eine Überspielung vom ersten Mono Mix gemacht, die dann Grundlage einer
weiteren Pressung, nun wieder mit ocker Label, war. Da aber in der Druckerei
nicht genügend ocker Label vorrätig waren, wurde ein Teil der Auflage mit
violettem Label gedruckt. Die Singles dieser Auflage (insgesamt ca. 1300 Stück)
sind an der handgeschriebenen Katalognummer in der Auslaufrille mit dem Zusatz
III (Römisch Drei) zu erkennen. Es handelt sich hierbei also um die dritte Überspielung.
Bleibt zu fragen, wo ist Überspielung I? Die allererste Überspielung wurde
nämlich noch in einem ganz anderen Überspielstudio gemacht und zählt deshalb
nicht mit. Laut Herrn Kuntze gab es noch eine fehlerhafte Pressung, die
Knackgeräusche aufwies und folglich auch nicht in den Handel kam (Auflage
unbekannt). Sollte diese die erste Überspielung der zweiten Auflage der Single
gewesen sein? Der Zusatz „SST“ (das Erkennungszeichen des Überspielstudios)
findet sich nur auf der Stereo Single mit dem schwarzen Label. Ich kenne zwar
keine weitere Single mit dieser Kennung, die vor 1980 gepresst wurde, aber ein
Beleg für das tatsächliche Alter dieser einen Version der Petards Single ist
das natürlich auch nicht.
Könnt ihr noch folgen? – Festzuhalten bleibt, es gibt
mindestens 2000 Stück von „Baby Run Run Run“. Davon sind damals wahrscheinlich
nur gut die Hälfte wirklich verkauft worden bzw. als Promos in Umlauf gelangt.
Wer also unbedingt ein Exemplar der ersten Pressung mit ocker Label haben will,
sollte darauf achten, dass die Katalognummer in der Auslaufrille nicht
handgeschrieben ist und keinerlei Zusatz aufweist. Was das Cover betrifft, habe
ich mich in meinem ursprünglichen Artikel wohl geirrt. Herr Kuntze hat mir
glaubhaft versichert, dass es nur Falt-Cover in der PVC Hülle gab. Und auch bei
der Cover Rückseite muss ich die erste Single der Petards mit der zweiten
verwechselt haben. Das Cover mit dem Artikel aus dem Schwalmboten „Aus dem
Gerichtssaal tönte heiße Beatmusik!“ auf der Rückseite war das der zweiten
Petards Single „Right Time“ (CCA 5033), die ich leider nicht besitze. Zu der
Verwechslung kam es durch eine nicht eindeutig bezeichnete Abbildung in dem
oben erwähnten Buch von Florian Tennstedt. Übrigens: wenn man es ganz genau
nimmt, ist die Stereo Version der ersten Petards Single eigentlich die rarste.
Trotzdem wird sie wohl nie so teuer werden wie es die Erstauflage bisher war.
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