Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! – Das Flyer-Zine - seit 1999

Die Kurzen (Singles, EP) Longplay (LP, CD) Re-Issues Live Gigs Fanzines Unsigned Talent Album des Monats News Links

Konzertvorschau zurück zu Twang!


CCA Records bei Ebay

Artikel überarbeitet im April 2006

Baby, Run Run RunDem Sammler und Fan von Beatmusik aus deutschen Landen ist CCA Records sicher ein Begriff. Einige der Singles, die Mitte der 60er Jahre auf dem Osnabrücker Label erschienen, gehören seit Jahren zu den gesuchtesten und teuersten Artefakten des German Beat. Das liegt vor allem daran, dass die Bands, die bei CCA veröffentlichten, nicht unbedingt zu den bekanntesten und erfolgreichsten gehörten. Und wenn sie – wie The Petards – im Lauf ihrer Karriere noch leidlich erfolgreich wurden, dann waren ihre CCA Releases es jedenfalls noch nicht. Aber genau das ist natürlich ein Grund dafür, dass ihre Platten heute besonders gesucht sind. Sowohl Petards Fans möchten sie haben, wie auch Sammler von deutschem Beat generell. Und seit die beiden ersten Petards Singles auch auf Garage Beat Samplern und Compilations auftauchen, sind sogar Fans und Sammler aus aller Welt hinter den Originalen her. Kein Wunder also, dass eine „mint“ Copy der ersten Petards 7“ „Baby, Run Run Run“ /bw „Pretty Miss“ (CCA 5021) inzwischen mitunter dreistellige Beträge erzielt. Ab hier wird es nun aber kompliziert. In den 70er und 80er Jahren tauchten auf Börsen oder im Oldie Markt hin und wieder Exemplare auf. Soweit ich weiß waren das immer Singles mit ockergelbem Etikett und Pic Sleeve, dieses auf 120g Papier gedruckt und einmal gefaltet in Plastikhülle. Seit einigen Jahren tauchen aber vermehrt Exemplare mit schwarzem Etikett (seltener auch mit violettem Etikett) auf. Nun ist es ja zunächst nicht ungewöhnlich, dass nachgepresst wird, wenn eine Auflage verkauft ist. Durchaus auch mit leicht verändertem Design.

2005 habe ich selbst eine solche Nachpressung direkt von Hans Werner Kuntze, dem Inhaber von CCA Records, über Ebay erworben. Auf seiner Homepage www.cca-records.de erklärt Kuntze sehr wortreich und scheinbar plausibel, wie es zu den verschiedenen Pressungen kam. Ich erspare mir hier die Einzelheiten. Man kann das dort nachlesen. Was mich allerdings stutzig macht sind drei Dinge. Erstens wird in dem 1979 erschienenen Buch „Rockmusik und Gruppenprozesse – Aufstieg und Abstieg der Petards“ von Florian Tennstedt von einer Gesamtauflage der Single von knapp 1300 Stück gesprochen. Ok, Tennstedt hat diese Information sicher von der Band. Falls es beim Label noch mehr Lagerbestand gab, muss die Band das nicht unbedingt gewusst haben. Zumindest lässt diese Zahl aber die vier verschiedenen Auflagen, von denen Kuntze auf seiner Homepage spricht, etwas rätselhaft erscheinen. Aber gut. Zweitens ist die Single (mit schwarzem Etikett), die ich jetzt erworben habe, stereo. Das ist ungewöhnlich. Auch wenn Stereo-Aufnahmen 1966 durchaus bereits möglich und auch üblich waren, stereo Singles waren noch nicht die Norm. Und die erste Auflage der Petards 7“ war jedenfalls definitiv in mono. Drittens ist die in die Auslaufrille der Single eingeritzte Kennung „SST“ des Überspielstudios mir jedoch bestens bekannt. Nämlich von den Twang! Singles, die ich selbst Anfang der 90er Jahre herstellen ließ. Ich habe nachgeforscht und bislang nicht eine einzige Single mit dieser Kennung gefunden, die älter als frühe 80er ist. Das legt zumindest den Verdacht nahe, dass Herr Kuntze diese Pressung der gesuchten Petards Single erst herstellen ließ, als der Markt dafür reif zu sein schien. Das wäre sein gutes Recht als Label und Rechteinhaber. Herr Kuntze behauptet aber steif und fest, dass die Singles Jahrzehnte lang auf dem Speicher vor sich hin staubten. Da sich Kuntze über die Gesamtauflage ausschweigt, sollte man nur die erste Auflage mit dem ocker Etikett als echte Sammler-Rarität ansehen. Eventuell auch noch die mit dem violetten Etikett. Eine Single mit schwarzem Etikett ist jedoch – auch wenn sie pressfrisch ist – zur Zeit kaum mehr als jede andere aktuelle Vinylsingle wert. Also so um die 5 €.

CCA Records zum Zweiten

Zu meinen Ausführungen die Debütsingle der Petards betreffend (s.u.) muss ich doch noch ein paar Ergänzungen liefern. Inzwischen habe ich mit Herrn Kuntze, dem Inhaber von CCA Records, ein paar E-mails ausgetauscht. Und wir haben sogar miteinander telefoniert. Auch wenn die Erklärungen auf der CCA Homepage umständlich sind und z.T. schwer nachvollziehbar, sie geben wohl das wieder, was sich vor knapp 40 Jahren wirklich zugetragen hat. Als die Petards ihre erste Single aufnahmen, entstanden mehrere Takes der beiden Songs „Baby Run Run Run“ und „Pretty Miss“. Und es wurden verschiedene Abmischungen davon gemacht. Für die erste Pressung der Single (ocker Label, ca. 600 Stück, Bestellnummer in der Auslaufrille gedruckt ohne Zusatz) wurde ein mono Mix verwendet. 500 Stück wurden an die Band verkauft, die sie bei Gigs und im Freundeskreis absetzte. Da die Single dann etwas später plötzlich häufiger im Radio gespielt wurde, entstand eine Nachfrage, die zu einem Vertriebsdeal mit Metronome und der Notwendigkeit schneller Nachpressung führte. Leider passierten dann wohl mehrere Missgeschicke gleichzeitig. Die Pressmatrize der Erstauflage war verschwunden oder kaputt. Also musste neu überspielt werden. Ausserdem wollte Metronome zunächst lieber schwarze Labels, weil die dort Firmenstandard waren. Aus Zeitgründen wurde das komplette Masterband mit den verschiedenen Mixen ins Überspielstudio geschickt, mit dem Ergebnis, dass nun ein Stereo Mix mit deutlicher Kanaltrennung verwendet wurde. Wenn ich Herrn Kuntze richtig verstanden habe, gelangten die Singles mit diesem Mix und schwarzem Label, zu erkennen auch an einer römischen Zwei nach der handgeschriebenen Katalognummer in der Auslaufrille, damals dann aber doch nicht in den Handel. Sie verblieben im Archiv von CCA Records. Undzwar alle ca. 500 Stück. Stattdessen wurde erneut eine Überspielung vom ersten Mono Mix gemacht, die dann Grundlage einer weiteren Pressung, nun wieder mit ocker Label, war. Da aber in der Druckerei nicht genügend ocker Label vorrätig waren, wurde ein Teil der Auflage mit violettem Label gedruckt. Die Singles dieser Auflage (insgesamt ca. 1300 Stück) sind an der handgeschriebenen Katalognummer in der Auslaufrille mit dem Zusatz III (Römisch Drei) zu erkennen. Es handelt sich hierbei also um die dritte Überspielung. Bleibt zu fragen, wo ist Überspielung I? Die allererste Überspielung wurde nämlich noch in einem ganz anderen Überspielstudio gemacht und zählt deshalb nicht mit. Laut Herrn Kuntze gab es noch eine fehlerhafte Pressung, die Knackgeräusche aufwies und folglich auch nicht in den Handel kam (Auflage unbekannt). Sollte diese die erste Überspielung der zweiten Auflage der Single gewesen sein? Der Zusatz „SST“ (das Erkennungszeichen des Überspielstudios) findet sich nur auf der Stereo Single mit dem schwarzen Label. Ich kenne zwar keine weitere Single mit dieser Kennung, die vor 1980 gepresst wurde, aber ein Beleg für das tatsächliche Alter dieser einen Version der Petards Single ist das natürlich auch nicht.

Könnt ihr noch folgen? – Festzuhalten bleibt, es gibt mindestens 2000 Stück von „Baby Run Run Run“. Davon sind damals wahrscheinlich nur gut die Hälfte wirklich verkauft worden bzw. als Promos in Umlauf gelangt. Wer also unbedingt ein Exemplar der ersten Pressung mit ocker Label haben will, sollte darauf achten, dass die Katalognummer in der Auslaufrille nicht handgeschrieben ist und keinerlei Zusatz aufweist. Was das Cover betrifft, habe ich mich in meinem ursprünglichen Artikel wohl geirrt. Herr Kuntze hat mir glaubhaft versichert, dass es nur Falt-Cover in der PVC Hülle gab. Und auch bei der Cover Rückseite muss ich die erste Single der Petards mit der zweiten verwechselt haben. Das Cover mit dem Artikel aus dem Schwalmboten „Aus dem Gerichtssaal tönte heiße Beatmusik!“ auf der Rückseite war das der zweiten Petards Single „Right Time“ (CCA 5033), die ich leider nicht besitze. Zu der Verwechslung kam es durch eine nicht eindeutig bezeichnete Abbildung in dem oben erwähnten Buch von Florian Tennstedt. Übrigens: wenn man es ganz genau nimmt, ist die Stereo Version der ersten Petards Single eigentlich die rarste. Trotzdem wird sie wohl nie so teuer werden wie es die Erstauflage bisher war.

Zurück zu Twang! News Singles Longplayer Re-Issues Konzertrückschau Fanzine Reviews Unsigned Talent Links Album des Monats