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Was ist eigentlich Freakbeat ?

Wer sich häufig bei Ebay rumtreibt, ist bestimmt schon mal über den Begriff gestolpert. Auch sonst taucht er seit einigen Jahren immer wieder und immer häufiger in Musikzeitschriften wie Mojo oder Record Collector, auf Plattenbörsen und bei Auktionen auf. Aber was ist das nun wirklich, Freakbeat? Die amerikanische Plattensammler Postille Discoveries widmete dem Phänomen neulich gar eine Titelstory. Eine ziemlich oberflächliche und nicht wirklich ergiebige Story, wie ich fand. Als Einstieg wohl ganz ok. Aber z.T. auch regelrecht widersprüchlich.

The Smoke - My Friend JackDas mag daran liegen, dass es keine verbindliche Definition für Freakbeat gibt. Was ja übrigens auch für die meisten Spielarten und Sub-Genres von Rock und Pop gilt. Der Begriff Freakbeat wurde entweder von Greg Shaw oder Phil Smee geprägt. Greg ist Amerikaner und war Herausgeber des legendären Fanzines Who Put The Bomb, später dann Boss von Bomp Records und Voxx Records. Vor allem aber ist er der Mann hinter den Pebbles Samplern und hinter der Reihe „English Freakbeat“. Phil ist Engländer und ein akribischer Sammler und Archivar von allem was mit Sixties Beat, Pop, Psychedelic besonders in Großbritannien zu tun hat. Er war der Mann hinter der legendären Rubble Sampler Reihe und Herausgeber des großartigen, leider viel zu kurzlebigen Fanzines „Strange Things Are Happening“. Heute ist er für die Austattung und Gestaltung fast aller wichtigen Re-Issues in England verantwortlich. Beide Männer haben schon sehr früh in den 80er Jahren den Ausdruck Freakbeat benutzt, wenn sie eine bestimmte Art von Sixties Beat aus dem UK, aber nicht nur von dort, bezeichnen wollten.

Oberflächlich betrachtet ist Freakbeat das Europäische Pendant zum US Garage Rock der Sixties. Die unzähligen Highschool Bands, die in den Garagen der amerikanischen Provinz ihre Version des via British Invasion adaptierten R&B spielten, erfanden dabei aufgrund von technischen Unzulänglichkeiten aber auch eigener ungewöhnlicher Kreativität den typischen Garage Rock Sound, wie wir ihn von Nuggets und Pebbles Compilations kennen. Wer diese Platten hört, wird mir zustimmen, dass sie weit entfernt von stilistischer Einheit und Einfalt sind. Trotzdem sprechen wir von Garage Rock, Beat, Punk und Pop. Die Gemeinsamkeit ist der raue und ungeschliffene Sound. Eine gewisse Uniformität trotz aller Originalität und Unmittelbarkeit.

The Craig - I Must Be MadIm UK gab es Anfang der 60er Pop und dann den relativ sauberen Beat der Beatles und anderer Merseybeat Bands. Die Stones dagegen und auch die Pretty Things, die Yardbirds u.a. waren R&B Bands, die sich am Blues orientierten. Bevor dann 1967 der Pop psychedelisch wurde und zum Popsike, dieser ganz typisch britischen Variante von verspielter, leicht ausgeflippter Popmusik, gab es einen Moment, da R&B, Merseybeat und prä-psychedelische Exaltiertheit sich zu was aufregend Neuem verbanden. Etwas das es so noch nicht gab und das sich auch vom zeitgleichen US Garage Sound unterschied. Freakbeat ist demnach ausgeflippter R&B mit einem gewissen Pop Appeal. Obwohl es sicher Ausnahmen gibt, dürfte das Gros der als Freakbeat zu bezeichnenden Singles zwischen Mitte 1965 und Anfang 1967 erschienen sein. Auch hier ist es vor allem der Sound, schräg, nicht zu glatt oder poppig, aber trotzdem eingängig. Freaky eben. Viele Happenings Ten Years Time AgoNovelty Songs sind dabei, die einen bestimmten Gimmick oder Sound Effekt featuren. Bekannte Beispiele sind etwa „My Friend Jack“ von The Smoke oder „Midway Down“ von The Creation. Für meine Begriffe typische Freakbeat Nummern sind „Happenings Ten Years Time Ago“ von The Yardbirds, „Mystic Eyes” von Them, „I Must Be Mad“ von The Craig, oder „Please Please Me“ von The Score. Aber auch der eine oder andere Beatles oder Stones Song fällt darunter, oder viele Titel von The Troggs. Und um auch ein deutsches Beispiel zu nennen, „Gaby“ von The Boots ist eine typische Freakbeat Single. Aber sicher gibt es Grenzfälle, bei denen die Zuordnung nicht so einfach ist.

Festhalten können wir auf jeden Fall, dass der Begriff inzwischen inflationär gebraucht wird. Vor allem bei Ebay. Freakbeat Singles sind halt oft selten und sehr gesucht. Und ent-sprechend teuer. Da wird dann schon mal irgendeine obskure Sixties Pop oder Beat Scheibe als Freakbeat deklariert, um Bieter anzulocken. Aber auch aktuelle oder 80er Neo-Sixties Platten werden so bezeichnet, was ja im Einzelfall sogar eine gewisse Berechtigung haben mag, wenn sie denn „klassische“ Freakbeat Sounds adaptieren. Wer ganz sicher sein will, ob eine Platte so klingt, wie er sich eine Freakbeat Platte vorstellt, muss sie hören, wenn er sie nicht kennt.

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