Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! – Das Flyer-Zine - seit 1999

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Konzertvorschau zurück zu Twang!

Letztes Update: 06. Dezember 2017


Was gibt es Neues?

Album des Monats September in Guitars Galore ist The Flamin‘ Groovies – Fantastic Plastic. Mehr dazu unter http://www.twang-tone.de/almonth.html

 

Ihr könnt den neuen Flyer Guitars Galore #267 als PDF-Datei hier lesen oder downloaden: GG267

Ältere Ausgaben hier: GG266 GG265 GG264 GG263 GG262 GG261 GG260 GG259 GG258 GG257 GG256 GG255 GG254 GG253 GG252 GG251 GG250 GG249 GG248

Der Jahresrückblick 2016 findet sich in GG261, ein aktuelles Jimmy Curtiss Special in  GG246

Guitars Galore im Radio

Die nächste Sendung bei www.alex-berlin.de ist am Donnerstag, 14. Dezember 2017 von 20 bis 21 Uhr auf der Berliner Frequenz 91,0 Mhz oder im Netz über die Webseite zu hören. Da gibt es neue Schallplatten aus aller Welt! Bei www.radiostonefm.de hört man mich wieder am Dienstag, 19. Dezember von 20 bis 21 Uhr mit Musik aus dem vergangenen Jahr! Die Playliste der letzten Sendung findet man hier. Aktuelle Konzert Tipps hier bitte. Wer die letzten beiden Sendungen verpasst hat und auch nicht aufzeichnen konnte wendet sich vertrauensvoll an mich.

Die Nomenklatur im Zeitalter von Streaming

Nein, ich will hier jetzt keine grundsätzliche Diskussion über Formate vom Zaun brechen. Aber ein paar Dinge fallen mir in letzter Zeit immer wieder auf. Seit das Vinyl wieder auf dem Vormarsch ist, gehen die Verkaufszahlen von CDs zum Teil dramatisch zurück. Am wenigsten allerdings in Deutschland, wo die CD Käufer offenbar treuer sind als anderswo. Und die CD wird sicher auch nicht so schnell vom Markt verschwinden, wie das einige vehemente Vinylverfechter gerne hätten. Gerade aufwändig gestaltete CD Boxen und limitierte besondere Editionen werden die CD Käufer noch lange erfreuen und auch sicher den einen oder anderen undogmatischen Vinyl Liebhaber. Das Argument mit dem Klang greift ja inzwischen auch zu kurz. Man kann heute einen digitalen Tonträger so klingen lassen, dass der Unterschied zum Vinylklang für einen Normalsterblichen nicht wahrnehmbar ist. Die Käufer von Vinyl sind also einerseits Traditionalisten und andererseits Leute, denen das Haptische, das sinnliche Erfahren einer Schallplatte etwas bedeutet. Erfreulicherweise entdecken auch wieder jüngere Menschen die Vinylschallplatte für sich. Menschen, die mit CDs oder gar Streaming aufgewachsen sind. Es teilt sich der Markt für Musik in Zukunft also vor allem in zwei Kategorien von Konsumenten. Leute, denen der Besitz eines Tonträgers mit den dazu gehörenden Extras wie Cover, Booklet, Beilagen etwas bedeutet. Wobei sich da auf lange Sicht eher die Vinylschallplatte als das sinnvollere und vor allem auch wertbeständigere Format etablieren wird. Insgesamt gesehen bleibt es aber sicher eine Minderheit, die Tonträger weiterhin kaufen wird. Die meisten Musik Konsumenten weichen nach und nach zu Streaming Diensten aus oder kaufen allenfalls einzelne Tracks als Download. Das ist so wie früher der Unterschied zwischen Schallplattensammlern und Leuten, die einfach Musik im Radio hören oder von irgendeiner eher zufälligen Klangquelle. Man kann das beklagen, ändern wird es sich jedoch sicher nicht. Wer Musik nur als Klangtapete braucht, wer seine Lieblingssongs allenfalls auf sein Smartphone speichert oder sich Playlisten bei Spotify und Konsorten anlegt, der braucht keine physischen Tonträger mehr. Unnützer Ballast ist das. Das heißt übrigens nicht, dass man nicht auch zweigleisig fahren kann. Ich kenne inzwischen eine ganze Reihe von Schallplattenkäufern, die zusätzlich ein Abo bei Spotify o.a. haben, um immer und überall ihre Lieblingsmusik hören zu können. Ich brauche das nicht. Aber auch ich speichere inzwischen Musik auf eine Festplatte zur freien Verfügung für Radiosendungen oder für den Urlaub etc. Aber kommen wir zum eigentlichen Anlass dieses kleinen Beitrags. Mit fällt es in letzter Zeit immer häufiger auf, dass Leute von Vinyls reden, wenn sie Schallplatten meinen. Vinyl ist das Material, aus dem Schallplatten gefertigt wer-den. Die einzelne Platte sollte man nicht so nennen. Allen-falls wenn man allgemein vom Format spricht, ist die Bezeichnung „das Vinyl“ erlaubt. Alles andere ist Bullshit, auch wenn selbst Schallplattenhändler oder andere vermeintliche Fachleute inzwischen manchmal von Vinyls reden. Und eine andere Sache stört mich auch immer öfter. Im Internet, aber auch in gedruckten Publikationen, die sich mit neuer Musik beschäftigen ist öfters von der neuen Single von XY die Rede, obwohl es gar keinen physischen Tonträger gibt. Das ist Vorspiegelung falscher Tatsachen. Der Begriff Single bezeichnet eine Schallplatte mit 17 cm Durchmesser, die in der Regel zwei Tracks aufweist, einen auf jeder Seite. Es gibt auch 12“ Singles oder 10“ Singles. Und bei Einführung der CD wurde die Bezeichnung Single dann für CDs mit nur zwei oder drei Tracks übernommen. Nun könnte man ja von der Wortbedeutung her argumentieren, dass ein einzelner digitaler Track doch die ideale Single ist, ein Single Track eben. Ich fühle mich aber jedes Mal verarscht, wenn ich irgendwo von der neuen Single von Soundso höre oder lese, und dann nach längerer Suche rauskommt, es gibt nur einen Download, und der Titel ist dann auf dem nächsten Album auch als Vinyl erhältlich. Manchmal nicht mal das. Ich halte das für Augenwischerei. Warum kann man sich nicht angewöhnen, in solchen Fällen von Download Singles zu reden? Ohne den Zusatz „Download“ ist das Vorspiegelung falscher Tatsachen. Manchmal wird das sogar so weit getrieben, dass tatsächlich zwei Promo Tracks verbreitet werden, wovon der eine dann die B-Seite der Single sein soll. So ein Schwachsinn! Ok, das musste mal gesagt werden.

Nachrufe

Ich hatte es ja schon in meinen Betrachtungen zum Jahreswechsel vermutet, das Sterben uns vertrauter und auf die eine oder andere Art lieb gewordener Menschen, in diesem Fall Musiker, hört nicht auf. Zu zwei Todesfällen aus jüngster Zeit, die mir persönlich nahegehen, hier nun ein paar Worte der Erinnerung.

Gerrit Meijer (12.03.1947 – 17.02.2017) war vor allem als Gitarrist und Chronist der Berliner Band PVC bekannt, der ersten Punk Band Deutschlands, auf jeden Fall der ersten Punk Band Berlins. Erst im vergangenen Herbst erschien seine Autobiographie „Berlin, Punk, PVC“ im Verlag Neues Leben. Die Lektüre dieses Buchs hatte ich gerade beendet, als mich die Nachricht von Gerrits plötzlichem Tod durch Herzinfarkt erreichte. Gerrit Meijer wurde als Sohn einer Deutschen und eines Holländers im Berlin der Nachkriegszeit geboren. Er wuchs in Neukölln auf, im Kiez um die Mainzer, Flughafen- und Boddinstraße. Und so lesen sich die ersten Kapitel seines Buches wie eine typische Geschichte des Nachkriegs-Berlin aus der Sicht des kleinen Mannes, des Arbeiters. So Manches habe ich da wiedererkannt. Auch ich bin in Berlin (West) aufgewachsen, allerdings gut sechs Jahre später und in einem eher kleinbürgerlichen Umfeld. Besonders Gerrits Schilderungen seiner Begegnungen mit Rock’n’Roll und später Beat Musik, seine Ausflüge in die Westberliner Subkultur der späten 60er Jahre fand ich ungemein spannend. Mitte der 60er hatte Gerrit bereits in einer Band gespielt. The Voodoos hieß die und trat wohl auch immer mal live auf bei Bandwettbewerben oder in Jugendheimen, aber Aufnahmen der Voodoos oder gar Tonträger sind nicht überliefert. Auch die typischen Probleme, die Jugendliche, und erst recht langhaarige Beatjünger, mit ihren Lehrern, Ausbildern und generell Älteren damals hatten, schildert Gerrit sehr anschaulich. Mitte der 70er Jahre, genauer 1976, kommt dann eine einschneidende Wende, die erste LP der Ramones! Auch diesen Moment beschreibt Gerrit sehr schön. Wie er die LP innerhalb weniger Wochen so runter spielt, dass er ein neues Exemplar kaufen muss. Und wie er sich dabei denkt, ohne Soli und mit drei Akkorden, das kann ich auch noch. Nach dem ersten Berlin Gig der Vibrators aus London im Februar 1977 im Kant Kino, trifft Gerrit auf Gleichgesinnte. Knut ist ebenfalls schon um die Dreißig und eigentlich Mode-Designer und Betreiber einer Pullover Manufaktur. Aber ebenso wie der Heiratsvermittler Jürgen, der Oberschüler Raymond und eben der gelernte Betriebsschlosser und Gelegenheitsarbeiter Gerrit ist er Fan von unkonventioneller neuer Musik, Punk Rock in diesem Fall. Man beschließt gemeinsam eine Band zu gründen. Nur wenige Monate später sind PVC die Hausband im Punkhouse am Ku-Damm, und beim nächsten Berlin Gig der Vibrators sind PVC im Vorprogramm. Auch zur Eröffnung des SO 36 in Kreuzberg am 17. Geburtstag der Berliner Mauer stehen PVC auf der Bühne. Und mit einem ihrer bekanntesten Songs ist dann auch der Moniker Wall City Rock geboren. Mit anderen Westberliner Bands, auch wenn die nicht unbedingt die gleiche Musik spielen, tauscht man sich aus, arbeitet man zusammen. Die Bands aus Düsseldorf, die ebenfalls zur SO 36 Eröffnung angereist sind, hält man sich dagegen eher auf Abstand. Die benehmen sich wie ne Horde Oberschüler auf Klassenfahrt, schreibt Gerrit in seiner Bio-graphie. Zu einer Platte von PVC kommt es lange Zeit nicht, obwohl jede Menge Aufnahmen im Übungsraum und auch in verschiedenen Studios entstehen. In Kreuzberg entsteht inzwischen eine eigene Anarcho Punk Szene, von der Gerrit jedoch nicht sehr viel hält. In einem Radiointerview damals sagt er auf den Unterschied zwischen PVC und diesen Kreuzbergern angesprochen: „Wir sprühen keene „A“s uff Wände. Und außerdem stimmen wir unsere Gitarren, bevor wa uff de Bühne jeh’n.“ 1979 trennt sich Gerrit von PVC. Für ihn ist die Luft irgendwie raus. Aber schon Ende des Jahres steht er mit einer neuen Band auf der Bühne des Quartier Latin, White Russia. Live kommt diese Band immer ziemlich kompromisslos rüber. Gerrits stakkato artige Gitarrenriffs, der meist schnelle, hastige Grundrhythmus, sowie die ziemlich unpersönliche Performance und der quasi Nichtgesang von Trevor Watkins sind eher dazu angetan, das Publikum zu verstören, als es zu gewinnen. Trotzdem haben die Auftritte der Band auf mich eine Wirkung, der ich mich nicht entziehen kann. Die erste LP „Eastside Story“ erscheint 1981 auf dem Label Aladin, das dem Schlagersänger Peter Orloff gehört. Und die Platte klingt erstaunlich eingängig, fast poppig. Dazu kommt, dass die Songs vertraut sind und eben-falls mehrheitlich recht eingängig. Die Band selbst, insbesondere auch Gerrit, ist mit der Produktion nicht wirklich zufrieden. Für mich gehört „Eastside Story“ jedoch zu den Platten des Jahres und zu den besten Platten, die je aus Berlin kamen. Später erschien eine zweite LP von White Russia auf dem Berliner Label Good Noise. Ich besitze sie nicht mehr und hab‘ nur noch wenig Erinnerungen daran. Gerrit war aber mit dieser LP deutlich zufriedener. 1982 erscheint dann auch endlich eine LP von PVC bei RCA. Von der Ur-Besetzung sind nur noch Knut und Raymond dabei. Die LP versammelt jedoch alle bewährten Songs der Band inklusive des heimlichen Hits „Berlin By Night“ und ist ordentlich produziert. Keine Punk Platte, eher so etwas zwischen Wave und Hard Rock. Auch von dieser PVC Formation erscheint eine zweite LP, die man jedoch eher vergessen kann. 1983 erscheint übrigens auch ein Doppelalbum mit allen Übungsraum Aufnahmen von PVC aus den frühen Jahren in ganz kleiner Auflage und quasi inoffiziell. Gerrit verkaufte mir ein Exemplar davon etwas später, als ich schon die Twang-Tone Vinylwarenhandlung in Schöneberg hatte. 1989 dann wird Gerrit von Bela B. angesprochen, ob man nicht zusammen ein paar Aufnahmen machen könnte. Und so wird PVC in Originalbesetzung reformiert und mit Bela am Mikrofon wird eine Single für das Weserlabel aufgenommen, „Motorbikin“ /bw „Wall City Rock“. Conny Konzack, früher Betreiber des Kant Kinos und dann Manager von Die Ärzte, übernimmt auch das Management von PVC. Unter seiner Ägide entsteht eine 10“ mit neuen Aufnahmen der Band, die jedoch Niemanden richtig froh machen. Außerdem zieht sich der an Aids erkrankte Knut zurück aus der Band. Er stirbt schließlich 1990 an den Folgen seiner Erkrankung. Gerrit gesteht in seinem Buch, dass die Band, Knut eingeschlossen, damit nie so richtig umgehen konnte. In den 90ern ist Gerrit weiterhin musikalisch aktiv. Er formiert eine Rock’n’ Roll Band, mit der er eine Art Rockabilly LP aufnimmt. Diese LP kenne ich allerdings nicht. Mit Marianne Rosenberg tritt er gemeinsam auf und mit seiner Frau Romy spielt er selbst gemachte Schlager u.a. bei Hochzeiten. Bis in die jüngste Vergangenheit ist Gerrit auch noch immer mit dem alten und neuen PVC Repertoire live unterwegs, mit neuen jüngeren Mitmusikern allerdings. Zuletzt war Gerrit öfter dabei zu erleben, wie er aus seiner Autobiographie liest. Zu so einer Lesung wollte ich eigentlich auch noch gehen. Und die eine oder andere Frage hätte ich dann auch noch stellen wollen. Hat nun leider nicht mehr geklappt. Am 12. März wäre Gerrit Meijer Siebzig geworden. Er war solange ich ihn kannte ein wortkarger Eigenbrötler, ein schräger Querdenker, aber immer ehrlich und irgendwie dann doch auch liebenswert. Schade, dass man seinen Geburtstag nun ohne ihn feiern muss. Eine Radiosendung in Erinnerung an Gerrit kann man hier hören.  

 

jockel1.jpgJörg „Jockel“ Schulte-Eckel (18.12.1945 – 19.02.2017) war der Gitarrist der Berliner Beat Legende The Boots. Am gleichen Tag wie Keith Richards hat er Geburtstag, wenn das kein Omen ist. Im Berliner Arbeiterbezirk Wedding wird die Band 1964 gegründet. Heinz Hoff am Schlagzeug, Jockel an der Gitarre, die beiden sind der Gründungskern. Werner Krabbe und der Gitarrist Uli Grün sind zunächst bei den Hound Dogs, die sich relativ zeitgleich im Wedding formieren. Beide wechseln jedoch bald zu The Boots, und Uli spielt fortan die Orgel. Bob Bresser stammt aus Holland und ist mit einer Indo Band in Westdeutschland unterwegs. Man trifft sich eher zufällig in Hamburg und Bob kommt als Bassist mit den Boots mit nach Berlin. Die ganze Bandgeschichte werde ich hier jetzt nicht erzählen, die kann man auf der Homepage der Band unter www.theboots.de nachlesen. Ich hatte damals leider keine Gelegenheit The Boots live zu erleben. In dem Jugendheim bei mir um die Ecke, wo ich schon 1966/67 die ersten Beat Konzerte erlebte, haben The Boots nie gespielt. Und bis nach Rudow, Neukölln oder Hermsdorf bin ich damals nicht gekommen abends. Mein erster Kontakt mit ihnen war die Kompilation LP „Beat bis zum Wecken“. Diese Platte hatten wir im Jugendheim als Weißmuster ohne Cover. Darauf war der Titel „Aber ich blieb kühl“ von The Boots. Nur wusste ich da noch nicht, dass das The Boots waren. Es gab ja kein Cover, keine Titelliste. Im Übrigen war der Track auch nicht unbedingt mein Favorit auf der LP. Erst Jahre später erfuhr ich von einem ebenfalls musikbegeisterten Kommilitonen an der Uni, dass es eine LP namens „Here Are The Boots“ gibt, die ziemlich verschärfte Beat und R&B Musik enthält. Und mein guter Freund Didi, der mir schon so manche musikalische Empfehlung gegeben hatte, gestand auf Nachfrage, dass er die Boots LP irgendwann so Ende der 60er als Frisbee Scheibe zweckentfremdet hatte, weil sein Musikgeschmack inzwischen mehr auf King Crimson und anderen Prog Rock gerichtet war. Die Boots Platte wurde für mich zur Obsession. Ich begann sogar davon zu träumen. Dann endlich 1975 fand ich sie auf dem ersten Berliner Flohmarkt am Klausener Platz in Charlottenburg für 5,- DM in Top Zustand. Später erwarb ich nach und nach alle Veröffentlichungen der Band, sogar die LP Box und die EP von Merseyside’s Greatest, einem der ersten Re-Issue Labels in Deutschland. Zu Jockels 50. Geburtstag 1995 gab es eine erste Re-Union der Boots in Fürth, wo der größte Teil der Band inzwischen lebte. Bei diesem einmaligen Konzert war ich leider nicht. Ich hatte zu spät davon erfahren. Auch Werner Krabbe war nicht dabei. Man hatte ihn wohl nicht eingeladen, hatte er doch damals 1966 die Band ziemlich plötzlich während einer Tournee einfach so verlassen, weil ihn das Heimweh plagte und der Tour Stress. 1997 kam Heinz Hoff, der Drummer, bei einem Badeunfall in Kroatien ums Leben. Und 2004 starb Uli Grün, der Organist. Bei seiner Beerdigung  in Berlin beschlossen die verbliebenen Boots, doch noch mal ein Re-Union Konzert in Angriff zu nehmen. Günther Schmidt, Boots Fan der ersten Stunde, bezog mich damals in die Planung mit ein. Wir trafen uns mit Bob und Jockel einige Male, und ich stellte den Kontakt zu möglichen Mitmusikern her. Am 24. September 2005 war es dann soweit. Das Quasimodo in der Kantstraße platzte aus allen Nähten. Ausverkauft! Das Konzert war wirklich groß-artig, besonders dann als schließlich auch Werner Krabbe im letzten Drittel auf die Bühne kam und die Klassiker der Band sang. Leider wurde der Mitschnitt und das Videomaterial nie veröffentlicht. Aber eine Single gibt es, deren Aufnahmen im Vorfeld des Gigs in den Katakomben unter dem Flughafen Tempelhof entstanden. Jockels Gitarrenspiel war schon sehr eigen und speziell. Das hört man auf den alten Platten genauso wie auf den Live Tapes vom Quasimodo Gig, die ich zum Glück hier habe. Es waren eigentlich noch weitere Gigs der Boots geplant. Aber wie das so ist, keiner fühlte sich recht verantwortlich und niemand ergriff die Initiative. Und so versandete das alles wieder. Und nun ist nur noch Bob übrig. Am Sonntag, 19. Februar 2017 erlitt Jockel während einer Radtour einen Herzinfarkt, an dem kurze Zeit später verstarb. So wie Werner Krabbe, der vor vier Jahren verstarb, wurde er gerade mal 71 Jahre alt. Eine Guitars Galore Sendung in Erinnerung an Jockel hört man hier.    

Jimmy Curtiss schon wieder

Neulich erst gab es ein aktuelles Interview mit Jimmy Curtiss bei einem Radiosender in New Jersey. Und nun ist ein Tape aufgetaucht, eine richtige alte Chromdioxyd Kassette, mit dreizehn „neuen“ Songs von Jimmy Curtiss. Man darf dabei mit Fug und Recht von Jimmys Country Album sprechen. Die Aufnahmen entstanden wohl Anfang der 1970er Jahre. Mehr als schlichte Demos sind das auf jeden Fall, auch wenn sie damals nicht veröffentlicht wurden. Mir liegt hier die Kopie eines privaten Bandes von Mister Curtiss vor in erstaunlich guter Soundqualität. Das Songwriting und der Gesang sind typisch Jimmy Curtiss. Doch bei den Kompositionen und Arrangements hat er sich eindeutig an den damals ja zum Teil recht erfolgreichen Country Rock Platten orientiert. Titel wie „Cajun Heart“, „You Fill Me Up“ oder „Island Life“ hätten das Zeug zu Hits gehabt, denke ich. Ich fürchte jedoch, diese Aufnahmen werden in absehbarer Zeit kaum regulär veröffentlicht werden. Wer sollte das Risiko denn eingehen? Wer würde so eine LP denn kaufen? Aber ich kenne mich in dem Genre und seinen Gepflogenheiten auch viel zu wenig aus, um da irgendeine Aussage treffen zu können. Um bei Country Mainstream Hörern Erfolg zu haben, müssten die Songs vermutlich nochmal überarbeitet und neu aufgenommen werden. Für Freunde von Americana und Alternative Country klingen sie andererseits vermutlich schon zu sehr nach Mainstream. Schade eigentlich.

Am 2. April 2016 Jahres wurde bei dem Radiosender WFMU Radio in New Jersey ein knapp halbstündiges Inter-view mit Jimmy Curtiss gesendet im Rahmen einer Show, die von dem Musikjournalisten Michael Shelley dort regelmäßig gemacht wird. Shelley spielte auch viele rare Platten von Jimmy Curtiss bzw. solche, an denen Curtiss in irgendeiner Form beteiligt war. Das Interview kann man bei YouTube nachhören. Curtiss erzählt da bereitwillig über seine gesamte musikalische Karriere von den Anfängen mit einer High School DooWop Gruppe Ende der 1950er Jahre bis hin zu seiner Arbeit als Vizepräsident von Perception Records, wo er letztlich mitverantwortlich war für den Bereich Artist & Repertoire. Interessant fand ich die Tatsache, dass er 1967, als er „Psychedelic Situation“ aufnahm, bereits verheiratet war und Vater eines dreijährigen Sohnes. Mein Eindruck, dass Curtiss die Musik in erster Linie als Mittel zur Einkommenssicherung betrachtete, wurde ebenfalls bestätigt. Dass er sich dann 1973/74 aus dem Musik Business zurückzog und sich wieder ganz der Werbeindustrie widmete, ist da nur folgerichtig. Viele seiner Kompositionen hat er dann auch in der Werbung zweitverwertet, so sagt er. Und er hat dort dann vermutlich auch mehr Geld verdient als zuvor. Dass er weit mehr Songs geschrieben hat, als je veröffentlicht wurden, und dass er sich längst nicht mehr an alle erinnert, das war mir auch neu. Wie auch immer, die Musik, die ich von ihm kenne, ist nach wie vor sehr hörenswert.

Im Sommer 2015 wurde die erste inoffizielle Jimmy Curtiss Fanpage im Internet freigeschaltet. Ein langjähriger Fan des weitgehend unbekannten Musikers und Musikproduzenten Jimmy Curtiss hat die Seite initiiert und gestaltet. Dabei hat er sich meiner Unterstützung und meiner langjährigen Recherchen versichert. Die Seite ist komplett auf Englisch und zu finden unter www.jimmycurtiss.com. Aus diesem Anlass gibt es auch eine Guitars Galore Sonderausgabe.

 

Plattenläden Empfehlungen

In unregelmäßiger Folge werde ich künftig Empfehlungen für Plattenläden schreiben. Los geht’s mit einer Tour durch Helsinki. Hier entlang bitte.

LPs für die Insel

Auf meiner Homepage gibt es nun noch eine zweite Rubrik, die ich nur online präsentiere. Neben den Kicks on 45, die meine Lieblingssingles vorstellen (108 Stück sind es inzwischen), gibt es nun auch meine Lieblings-LPs in loser Folge zu bewundern. Mit ausführlicher Besprechung vorgestellt habe ich bislang „Revolver“ von The Beatles, aus relativ aktuellem Anlass. Die LP erschien am 5. August 1966, also vor ziemlich genau 40 Jahren. Es werden weitere LPs folgen, so dass auch in dieser Rubrik irgendwann meine persönlichen Charts zu erkennen sein werden. Die LP Rubrik findet man unter www.twang-tone.de/33UpM.html und die Singles unter www.twang-tone.de/45kicks.html.

Dies & Jenes

Folgende Artikel, die zunächst hier auf der News Seite standen, sind nun auf eigenen Seiten zu finden: eine kurze Begriffsbestimmung von Freakbeat, und die Nachrufe auf die unvergessenen Werner Krabbe, Syd Barrett, John Peel und Greg Shaw.

Meinen Artikel über CCA Records und die erste Single von The Petards habe ich etwas korrigiert und aktualisiert. Mehr unter www.twang-tone.de/cca.html

Auf meiner Mail Order Seite findet man ab sofort tatsächlich ein paar Angebote! Und meine Linkseite ist nun auch mit Inhalten gefüllt! Ich biete nach wie vor regelmäßig Platten und CDs (und hin und wieder auch was zum Lesen) bei eBay an. Meine eBay Angebote findet ihr unter dem Verkäufer twang-tone – wer hätte das gedacht. Die meisten Angebote können sofort gekauft werden. Auktionen mache ich nur bei Platten, die wirklich rar und gesucht sind.

Habt ihr Neuigkeiten, die hier bekannt gemacht werden sollten? Dann her damit: mail@twang-tone.de

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