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In Memoriam Syd Barrett †

Syd BarrettAm Freitag, dem 7. Juli 2006, ist der Gründer und erste Bandleader von Pink Floyd im Alter von 60 Jahren im Kreise seiner Familie friedlich eingeschlafen. Er erlag einem Krebsleiden, meldete der Londoner Guardian. Andere Quellen sprachen von Komplikationen infolge seiner langjährigen Diabetes.

Syd – eigentlich Roger Keith – Barrett kam am 6. Januar 1946 in Cambridge zur Welt. Ab 1962 spielte er Gitarre mit der Band Geoff Mott & The Mottoes. Zu den Übungssessions im Hause Barrett stieß auch Syds älterer Schulfreund Roger Waters. Im September 1965 gründen die beiden, inzwischen in London an der Camberwell Art School immatrikuliert, mit zwei weiteren Freunden, Nick Mason und Richard Wright, eine Rhythm & Blues Band, die sie Pink Floyd nennen, nach den Blues Musikern Pink Anderson und Floyd Council. Syds Einfluss auf die Entwicklung und musikalische Ausrichtung der Band ist enorm. Er beginnt eigene Songs zu schreiben und bleibt bis zu seinem Ausscheiden aus der Band deren Hauptsongschreiber. Seine Songs sind kleine skurille Anekdoten oft Kinderliedern ähnlich. Der Mann hat eine blühende Phantasie und ein begnadetes Talent, seine Einfälle in zugleich eingängige wie ungewöhnliche Popmusik umzusetzen. Die ersten beiden Pink Floyd Singles sowie die LP „Piper At The Gates Of Dawn“ gehören zum Außergewöhnlichsten und Großartigsten, was die Sechziger Jahre hervorgebracht haben. Für nicht Wenige – mich eingeschlossen – gehören sie sogar zu den besten Platten in der Geschichte der modernen Popmusik. Eine labile Psyche und der heftige Konsum psychedelischer Drogen, allen voran LSD, sorgen leider schon bald dafür, dass Syd Barrett immer unzuverlässiger als Live Musiker wird. Ein weiteren alter Kumpel aus Cambridge Tagen, David Gilmour, wird in die Band geholt, um Syd zu entlasten. Doch der ist bereits jenseits von Gut und Böse, und im März 1968 verlässt Syd mehr oder weniger freiwillig die Band. Nachdem er sich ein bisschen berappelt hat nimmt er um 1969/70 mit Hilfe und unter der produktionstechnischen Leitung von David Gilmour und Roger Waters kurz hintereinander zwei Solo LPs auf,  „The Madcap Laughs“ und „Barrett“. Seine Songs sind nach wie vor hinreißend verspielt und von einem naiven Charme, doch zeigen sie auch seine psychische Gespaltenheit und eine gewisse Verlorenheit. Nach einer erfolgreichen Peel Session und sporadischen Live Auftritten mit wechselnden Musikern, scheitert Syds Versuch, mit dem ex-Pink Fairies Drummer Twink eine neue Band Stars zu gründen. Auch aus weiteren Studio Sessions wird nichts Rechtes mehr. 1974 zieht sich Syd Barrett endgültig ins Privatleben und in die Obhut seiner Familie zurück.

1975 tauchte Barrett noch einmal überraschend auf. Als Pink Floyd gerade bei den Aufnahmen zu „Shine On You Crazy Diamond“ für das Album „Wish You Were Here“ waren, zeigte sich ein korpulenter glatzköpfiger Syd Barrett im Kontrollraum der Abbey Road Studios. Roger Waters sagte später, ihm sei lange nicht klar gewesen, wer das war. Im Sommer 1978 veröffentlichte der NME ein Foto von Barrett hinter seinem Gartenzaun in Cambridge. Dem Reporter sagte er auf die Frage nach seinem Namen: „ich bin der Gärtner.“. Die Band The Television Personalities nahm daraufhin die sehr schöne Tributsingle „I Know Where Syd Barrett Lives“ auf. Über die Jahre wurde es ruhiger um Syd und alle Hoffnungen seiner Fans, er würde noch einmal in ein Studio gehen oder live auftreten, zerschlugen sich vollends. Roger Barrett lebte seit über drei Jahrzehnten zurückgezogen in Cambridgeshire. Er litt an Magengeschwüren und Diabetes. Seine Schwester Rosemary stellte praktisch seinen einzigen Kontakt zur Außenwelt dar. Es heißt, er habe sich gern und intensiv mit Gartenarbeit beschäftigt und auch wieder – wie schon als Jugendlicher – Bilder gemalt, abstrakte ausschließlich. Eine BBC TV Dokumentation über sich und die frühen Pink Floyd habe er mit gewissem Interesse verfolgt und sich gefreut, „See Emily Play“ mal wieder zu hören.

Ruhe in Frieden, Roger Syd Barrett. Wir treffen uns dereinst auf Wolke Neun.

† John Peel

John PeelDie Nachricht vom Tode John Peels war ein Schock. Und es dauerte einige Tage, bis ich das richtig begriffen hatte. Der Mann, der Informationsquelle, Halt, Inspiration und nicht zuletzt Vorbild war über Jahrzehnte, dieser Mann ist tot. Gestorben an einem Herzinfarkt während eines Urlaubs in Peru am 26. Oktober 2004 im Alter von 65 Jahren.

Als John Ravenscroft wurde er am 30. August 1939 in der Nähe von Liverpool geboren. Seine Radio Karriere begann in den frühen 60er Jahren in den USA. Mit der „British Invasion“ galt dort alles aus good old England als aufregend und cool. Und so fand John schnell Arbeit als DJ erst in Texas und später in Kalifornien bei verschiedenen Radio Stationen. Sein typischer Liverpool Akzent wurde bald zum Markenzeichen. Schon damals betätigte er sich als Entdecker und Förderer von ungewöhnlichen Bands und Sounds. Die südkalifornische High School Combo The Misunderstood  wurde von ihm protegiert. Und die Jungs machten sich auf Johns Empfehlung hin 1966 auf eine abenteuerliche Reise nach London, um dort ihren musikalischen Traum zu verwirklichen. Aber das ist eine andere, lange Geschichte. John selbst kehrte etwa zur gleichen Zeit nach England zurück und heuerte – nun als John Peel – beim Piratensender Radio London an. In seiner Show „Perfumed Garden“ spielte er die ersten Aufnahmen von Pink Floyd ebenso wie damals noch Unbekanntes von Jefferson Airplane, Frank Zappa oder alte Blues Platten. Im September 1967 startete die BBC als Reaktion auf die Pirate Radios ihr Jugendprogramm Radio One. John Peel wurde abgeworben und setzte bald mit Sendungen wie Top Gear u.a. neue Maßstäbe. Bei der BBC sendete John bis in die unmittelbare Gegenwart. Die nach ihm benannten John Peel Sessions sind legendär. Das Besondere an Peel war seine ewig währende Neugierde, seine Geschmack-Sicherheit, seine Unbeirrbarkeit. Ständig auf der Suche nach Neuem, Ungehörtem. Und immer einen oder zwei Schritte weiter als der allgemeine Trend. Peel spielte Marc Bolan schon bevor der unter Tyrannosaurus Rex firmierte. Er schob Punk und New Wave mit an, um dann, als die anderen darauf einstiegen, Dub, Hip Hop und Rap 12“ Singles zu spielen. In seinen Sendungen war alles möglich. Techno folgte auf Hillbilly, finnische Humppa auf Delta Blues. Auf dem von ihm mitbetriebenen Label Dandelion erschienen Anfang der 70er Jahre so feine und unterschiedliche Künstler wie Stackwaddy, Kevin Coyne oder Gene Vincent. David Bowie, Joy Division, The Smiths, aber auch deutsche Bands wie Can, Kraftwerk, FSK und Die Toten Hosen erfuhren früh seine Unterstützung.

Ich hörte John Peel zum ersten Mal irgendwann Mitte der 70er auf BFBS. „John Peel’s Music“ war über Jahre und Jahrzehnte erst auf BFBS und später dann – nach dem Abzug des britischen Soldatensenders aus Deutschland – auf Radio 4U, Fritz und radio eins ein nie versiegender Quell neuer, aufregender, krasser Musik. Auch wenn ich nicht alles mochte, was er da spielte, Abschalten war unmöglich. Der nächste Track konnte die Offenbarung sein. John erzählte nicht viel. Titel, Band, vielleicht noch Label und Herkunftsland. Ganz selten mal eine längere Anekdote. Als er vor ein paar Jahren aus Anlass seiner Jubiläumssendung bei radio eins zu Besuch war, lernte ich ihn persönlich kennen. Ein freundlicher, zurückhaltender aber beim Nachmittagstee bereitwillig auftauender Gesprächspartner. Sein Gedächtnis und seine Repertoire Kenntnis waren schlicht phänomenal. Ende 2003 stellte er die meisten seiner öffentlichen Aktivitäten ein, um seine Memoiren zu schreiben, wie es hieß. Die hat er nun nicht mehr beenden können. Und seine Frau Sheila sowie seine vier – erwachsenen – Kinder haben nun auch nichts mehr von Johns verdientem Ruhestand.

Mit John Peel ist eine Radio Legende gestorben. Und man ist schnell versucht zu sagen, dass dies das Ende von Radio, wie er es verstand und machte, ist. John Peel war „The Last DJ”, den Tom Petty vor zwei Jahren besang, aber er war doch nicht der einzige. Auch wenn John Peel einmalig und unersetzlich ist, es gibt sie noch irgendwo da draussen, seine Schüler und Nachfolger. Bei College und Uniradios, im Internet und sogar in mancher Nische des öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben sie überlebt. Sie alle werden die Erinnerung an John und seine Einstellung zum Radio auf die eine oder andere Art hochhalten.

Auf Johns Grabstein wird seinem Willen nach eine Zeile aus seinem Lieblingssong stehen: „Teenage dreams so hard to beat“. Und ich werde den Song Teenage Kicks von den Undertones lange, lange Zeit nicht mehr ohne Tränen in den Augen hören können. R.I.P. John.

† Greg Shaw

Greg ShawBereits am 19. Oktober 2004 starb Greg Shaw im Alter von 55 Jahren in einem Krankenhaus in Los Angeles an Herzversagen. Möglicherweise die Spätfolge einer vor fünf Jahren erfolgten Bauchspeicheldrüsentransplantation. Er hinterlässt seine Frau Phoebe sowie einen 12-jährigen Sohn Tristan.

Greg war Zeit seines Lebens ein wichtiger Dokumentar, Trendsetter, Kritiker und Macher vor allem im Untergrund der US Pop- und Rockmusik. Geboren 1949 in San Francisco war er Mitte der 60er einer der ersten Aktivisten der Hippie und Underground Szene in Haight Ashbury. Er gab zunächst ein J.R.R. Tolkien gewidmetes Fantasy Fanzine Entmoot heraus, um dann mit dem Mojo Navigator die Blaupause für den wenig später gegründeten Rolling Stone zu liefern. Im Jahr 1970 startete Shaw dann ein Magazin, dass sich sowohl den Ursprüngen der zeitgenössischen Popmusik widmete wie vor allem auch ihrem Untergrund und ihren Geheimtipps. Who Put The Bomp bzw. bald nur Bomp hieß dieses Magazin. 1974 erschien als Beilage zum Bomp Magazin eine 7“45 der kalifornischen Band The Flamin’ Groovies. „You Tore Me Down“ war damit die erste Veröffentlichung des bis in die jüngste Vergangenheit aktiven Bomp Labels. Ob Punk, New Wave und Power Pop in der zweiten Hälfte der 70er, ob Paisley Underground und Neo-Sixties in den 80ern, bis hin zu jungen Garage Bands in jüngster Zeit, Greg Shaw war immer dabei. Als Entdecker, Förderer, Mentor und Chronist. Als Forscher und Archivar widmete sich Shaw vor allem dem Garage Punk der Sixties. Nicht nur dem der USA. In der von ihm herausgegebenen Pebbles Compilation Reihe erschienen auch etliche Folgen, die europäischem Garage Beat gewidmet waren. Shaw gilt sogar als Erfinder des Begriffes Garage Punk. Darüber mag man streiten, aber Begriffe wie Power Pop und später Freakbeat wurden ganz sicher von ihm mit definiert.

1989 nahm Shaw an den Berlin Independence Days teil. Bei dieser Gelegenheit lernte ich einen aufgeschlossenen, zu-vorkommenden Greg Shaw kennen, der mit seiner Modfrisur und einem an Roger McGuinn oder David Crosby so um 1966 erinnernden Outfit wie ein großer Junge wirkte. Ein kalifornischer Sunny Boy wie er im Buche steht. Seine Artikel im Bomp Magazin, die Veröffentlichungen seiner Labels Bomp und Voxx Records haben mich über drei Jahrzehnte begleitet. So manche Anregung, Erkenntnis, so manche großartige Platte verdanke ich letztlich ihm. Vielen Dank dafür Greg. R.I.P.

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