Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! – Das Flyer-Zine - seit 1999

Die Kurzen (Singles, EP) Longplay (LP, CD) Re-Issues Live Gigs Fanzines Unsigned Talent Album des Monats News Links

zurück zu Twang!

Letztes Update: 01. Dezember 2011


Die Kurzen

Die Bewertungsskala:

* Materialverschwendung! - ** muss man nicht kennen - *** sollte man mal gehört haben - **** Anschaffung sehr zu empfehlen - ***** gehört in jede Plattensammlung!

By The SeaBy The Sea – Waltz Away / Stay Where The Sun Is (7”, The Great Pop Supplement)

Ja ich weiß, mein Review kommt auch hier schon zu spät. Die Single dieser neuen englischen Dream Pop Band ist bereits ausverkauft. Dabei kann man Band und Label imgrunde keinen Vorwurf machen. Vinylsingles sind nun mal eine sehr spezielle Sache, weil sie von einer begrenzten Zahl von Sammlern und Liebhabern gekauft werden. Erst recht wenn wie hier die Band noch gänzlich unbekannt ist. Da wird die Auflage so kalkuliert, dass man weder auf den Platten noch auf den Kosten sitzen bleibt. Musikalisch haben wir es hier mit verträumtem Folk Pop und Folk Rock zu tun. Den mit der Band befreundeten The See See nicht unähnlich. Jangle Gitarren, die Hawaii beschwören. Betörende Melodien, sanft und beschwingt. Verhaltene Drums stützen das Ganze. Geschmackvolles Artwork wie immer bei dem Londoner Label. ****1/2

The Nashville Ramblers – The Trains / Fragile Child (7”, Ugly Things, www.myspace.com/thenashvilleramblers)The Nashville Ramblers

Erst kürzlich schrieb ich an dieser Stelle, falls nicht noch ein Wunder geschieht, wird „Video Games“ von Lana Del Rey Single des Jahres. Nun, hier ist das Wunder. Es hat allerdings einen klitzekleinen Schönheitsfehler. Diese 7“45 erschien zwar 2011, doch der Track auf der A-Seite ist 25 Jahre alt und wurde schon mal 1986 auf einer obskuren Compilation LP veröffentlicht. Damit ist das hier eigentlich keine wirklich aktuelle Single des Jahres 2011. Meine heimliche Nummer Eins ist sie trotzdem. Die Musik? Folk Rock, Paisley Pop wie ihn The Byrds, The Beau Brummels, Rain Parade oder The Three O’Clock nicht schöner hätten spielen können. Eine absolut unwiderstehliche, Gänsehaut verursachende Ohrwurm Melodie. Phantastische Dynamik, tolle Breaks und wunderbare Harmoniegesänge. Dieses Trio aus San Francisco hat kaum mehr aufgenommen, als diese beiden Tracks (die B-Seite ist ein Cover der Golliwogs) und auch nur knapp zwei Jahre existiert, aber die Jungs haben sich damit einen Platz in meinen ewigen Top 100 gesichert! *****

The PeejaysThe Peejays – Fantasy Road / Flipside (7”, Villa Bäh Records, www.thepeejays.de)

Und noch eine Überraschung. Diese Debütsingle einer Band aus Südwestdeutschland – Heidelberg oder in der Nähe, wenn ich mich nicht irre – ist absolut gelungen! Feiner leicht psychedelischer Gitarrenpop mit hübschen Soundeffekten und einer verträumt sehnsuchtsvollen Melodie. Britische Popmusik im Spannungsfeld zwischen Oasis, Suede und Paul Weller hat hier einerseits Pate gestanden. Andererseits hat amerikanischer Pop Rock Mainstream auch seine Spuren hinterlassen. Deutlicher noch zu hören auf der „Flipside“. Eine LP der Band erscheint in Kürze. In einer besseren Welt würde die Single im Radio auf Heavy Rotation laufen. ****

Element Of Crime – Motorcycle Song / The Perc Meets The Hidden Gentleman – Man-I-Toba (7”, Sireena)

Motorcycle SongSireena Records, ein norddeutsches Reissue Label, hat vor einiger Zeit das 7“ Format wiederentdeckt. Feine Sache bis hierhin. Allerdings bringt man lieber Splitsingles mit zwei unterschiedlichen Bands raus, statt sich ganz einem Künstler pro Release zu widmen. Im vorliegenden Fall kann man zumindest konstatieren, dass die beiden Künstlerkollektive einigermaßen seelenverwandt sind bzw. es waren damals, als die Aufnahmen entstanden. Element Of Crimes Version des Motorcycle Song von Arlo Guthrie stammt aus einer Zeit, da sich Sven Regener noch mit der englischen Sprache beim Singen mühte. So wird bei ihm aus einem Motorrad eine Motorsichel. Im Übrigen hat dieses alte Demo von Element Of Crime aber durchaus einen gewissen spröden Charme, ebenso wie das ganz akustische und selbst verfasste „Man-I-Toba“ des schrulligen Duos Redecker / Winschetti. Ob dem Vinylsammler allerdings Tränen der Freude in die Augen schießen, ob dieses „Single-Juwels“ in weißem Vinyl, wie das Info von Sireena behauptet, das wage ich dann doch zu bezweifeln. **1/2

The Frowning Clouds – All Night Long / Dame A Dozen (7”, Saturno Records, www.myspace.com/thefrowningclouds)

Frowning CloudsThe Frowning Clouds sind eine Garage Beat Band aus Geelong, Australien. Ein Album gibt es von ihnen bereits und nun diese Single auf einem spanischen Label. Musikalisch orientieren sich die Jungs eher an den Garage Revival Bands der 1980er Jahre, als direkt an den Sixties. The Crimson Shadows oder The Wylde Mammoths aus Schweden fallen mir spontan als Referenz ein. Zumindest „All Night Long“ ist so ein typischer ruppiger Stomper, bei dem es mehr auf den richtigen Punch ankommt, als auf filigrane Melodien oder Harmonien. „Dame A Dozen“ dagegen ist fast schon eine Folk Punk Nummer ganz in der Tradition unzähliger „High In The Mid Sixties“ Sampler komplett mit „Aah-Uuhs“ im Hintergrund und durchgeschlagenem Schellenring. Die Band ist übrigens am 27. 11. 2011 im King Kong Klub, in der Brunnenstraße (Berlin Mitte), live zu erleben zusammen mit weiteren Genre Vertretern und DJ Johnny No-Count an den Turntables. ***

Lana Del Rey – Video Games / Blue Jeans (7“ Picture Disc, Stranger Records / Universal, www.lanadelrey.com)

Lana Del ReyMuss ich über diese Single noch viel sagen bzw. schreiben? Lana Del Rey ist eine junge Sängerin aus New York, deren erste Veröffentlichung vor gut zwei Jahren ziemlich unbeachtet blieb und übrigens nirgends mehr aufzutreiben ist, weil sie absichtlich vom Markt genommen wurde. Dann tauchte ein Video im Internet auf „Video Games“. Und lange bevor die Musik dazu als Tonträger erhältlich war, hatten schon eine Million Internetuser dieses Video gesehen. Filmschnipsel aus alten Wochenschauen und 60er Jahre Filmen. Und dazwischen immer die Sängerin, eine Mischung aus Liv Tyler und Lana Turner, eine Anti Lady Gaga in gewisser Weise. Ihre Musik bezieht den Zauber aus einer perfekten Mischung von Retro Charme, Torch Song und einem gewissen Lolita Image. Dabei sind die Songs aber auch absolut großartig, Video Games genauso wie Blue Jeans auf der Flipside. Falls nicht noch ein Wunder geschieht, ist das hier die Single des Jahres 2011! *****

Más Shake! – Break It All EP (7“EP, Rod Rec, www.masshake.com)

Más ShakeMás Shake! sind keine der üblichen Neo-Sixties oder Revival Bands. Wenn man diese, ihre erste Veröffentlichung, anhört, denkt man zunächst, welcher Beatles Song ist das noch mal? Vor allem „Always You“ oder „I Think Of You“ klingen so, als wären es Out-Takes aus dem Album „A Hard Day’s Night“. Der Titelsong der EP „Break It All“ könnte dagegen aus der Rock’n’Roll Phase der Fab Four stammen. Aber genug gerätselt. Die Songs auf dieser EP sind im Original von verschiedenen südamerikanischen Sixties Bands, insbesondere Los Shakers aus Uruguay. Und die Band Más Shake! besteht aus Rodrigo Gonzalez, der in Chile geboren wurde und den man ja vielleicht als Bassisten der Ärzte kennt, sowie aus Katy und Michell (beide früher bei Petting) und an den Drums einem gewissen Tomás Fuentes, der aber sicher auch schon in anderen Berliner Bands mitwirkte. Auch die beiden Tracks auf der B-Seite der EP können den Beatles Einfluss nicht verhehlen. Hier auf der Platte klingt der mehrstimmige Gesang auch perfekt. Beim Record Release Gig im Lido neulich gelang das nicht immer, obwohl die Band sonst mit viel Aplomb und Spaß bei der Sache war. Bleibt zu hoffen, dass Rod bei der nächsten Platte auch mal auf Spanisch singt. Das klänge dann noch charmanter. ***1/2

Mike Bell Mike Bell & The Belltones – Scream & Holler EP (7”EP, Goofin’ Records, www.goofinrecords.com)

Eine traditionelle Rockabilly Band aus Finnland ist das hier. Gegründet 2008 sind sie bereits durch halb Europa getourt. Und die Aufnahmen zu dieser EP entstanden während so einer Tour hier in Berlin. Nur der Titelsong „Scream & Holler“ war auch schon auf ihrer gleichnamigen LP vor einem Jahr. Die anderen drei Titel – alles Eigenkompositionen – haben alles, was typischen Fifties Rockabilly ausmacht. Slap-Bass, melodische Gitarrenlicks, soliden Backbeat und den leichten Hiccup Gesang, den Buddy Holly einst berühmt machte. Alle Tracks sind so um die zwei Minuten lang. Mehr ist gar nicht nötig. ***1/2

Sound Of A RevolutionSound Of A Revolution – Radio EP (7“EP, Spizbite, www.soundofarevolution.com)

Noch eine EP aus Finnland. Spizbite ist ein neu gegründetes Sub-Label von Goofin’ Records. Hier geht es um klassischen Punk Rock. Die Band stammt aus Göteborg. Der Name des Sängers und Leadgitarristen deutet allerdings auf finnische Vorfahren hin. Musikalisch sind die Jungs stark an Social Distortion orientiert. Es gibt die Band seit 2003 und diese aktuelle EP ist ihre dritte Veröffentlichung. Die Songs der Band haben alle eine starke Melodie und werden mit viel Druck vorgetragen, wobei die Rhythmusgitarre konstant die Achtel vorgibt und die Leadgitarre hier und da zu einem angedeutetem Solo ausbricht. Alles Ohrwürmer jedenfalls. Sehr schön. ***1/2

SnailsSnails – She’d Like An Hour / Daylight Ends (7“, The Great Pop Supplement, www.greatpopsupplement.com)

Snails sind ein Psych Folk Duo aus Bristol. Die Melodie von „She’d Like An Hour“ erinnert mich kurioserweise an Debbie Harrys allererste Band Wind In The Willows. Aber auch britischer Folk der frühen Seventies klingt hier an. „Daylight Ends“ ist ganz ähnlich verträumt und leicht. So ein klein wenig Eighties Twee Pop (Stichwort Sarah Records) scheint da auch durch. Die Single ist grün und auf 300 Stück limitiert. Also schnell zugreifen. ***1/2

Is That ClearNick Waterhouse – Is That Clear / I Can Only Give You Everything (7“, IL Records, www.nickwaterhouse.com)

Nick Waterhouse ist ein junger Sänger und Gitarrist aus San Francisco, der bereits mit seiner Debütsingle im vorigen Jahr für Begeisterung in Kreisen von Liebhabern des Vintage Rock’n’Roll und R&B gesorgt hat. Nick sieht aus wie ein Bankangestellter aus den Fifties. Aber seine Musik lässt eher an wilde Allnighter in verr(a)uchten Vorstadt-Clubs denken. Unglaublich mit welcher Stilsicherheit und welchem Drive der Junge hier zur Sache geht. „Is That Clear“ ist fast noch besser als sein Debüt „Some Place“. Und das Cover von Thems „I Can Only Give You Everything“ klingt so authentisch nach frühem R&B, dass man denken könnte, das hier wäre das Original.****1/2

DC Fontana – Meshkalina / It Don’t Worry Me (7”, Heavy Soul, www.dcfontana.com)

DC FontanaDC Fontana sind eine siebenköpfige Modband aus dem UK. „Meshkalina“ ist eine Psych Pop Soul Nummer, die mit karibischen Rhythmen, tollen Bläsersätzen und der kraftvollen und klaren Stimme der Leadsängerin Karla Milton zu überzeugen versteht. „It Don’t Worry Me“ dagegen bezaubert mit einer wundervoll einprägsamen Melodie in bester Britpop Tradition. Ein bittersüßer Track, den man gar nicht aus dem Kopf bekommt. Gefällt mir sogar besser als die zugegeben ebenfalls äußerst ansprechende A-Seite der Single. So lange es derart stilbewusste und hörenswerte Singles gibt im UK, ist noch nichts verloren. ****1/2

Erleen NadaErleen Nada – Peachy Keen / Cowbell Song (7“, Destination Pop, www.myspace.com/erleenmusic)

Streng limitiert auf nur 200 Stück ist diese neue 7“ des Labels Destination Pop. Erleen Nada lebt in San Diego, Kalifornien. Ihr selbst produzierter Electro Pop klingt äußerst charmant und erinnert mich unwillkürlich an die ersten britischen Electro Pop Singles der späten Seventies und frühen Eighties. Nur dass Erleen heute auf eine viel weiter entwickelte Computertechnik zurückgreifen kann als ihre Vorgängerinnen vor rund 30 Jahren. „Peachy Keen“ ist eine Abrechnung mit jemandem, der Miss Erleen wohl enttäuscht hat. Ihr sarkastischer Sprechgesang legt das zumindest nahe. Ein Song im klassischen Sinn ist das nicht, aber eingängig genug, um wiedergehört zu werden. „Der „Cowbell Song“ ist trotz des Titels auch so recht keiner, sondern eine hübsche repetitive Electro Spielerei, die in dem einen oder anderen Club Freunde finden dürfte. ***

Still Corners / New LinesStill Corners – History Of Love / The New Lines – Off Axis (7”, Great Pop Supplement, www.myspace.com/thenewlines)

Die Still Corners aus London sind hier wieder mit ruhigem und sehr schönem Dreampop zu hören. Und The New Lines aus Brooklyn, New York, machen eigentlich recht ähnliche Musik. Auch bei ihnen singt eine Frau mit zarter, ätherischer Stimme. „Off Axis“ klingt dennoch etwas aufregender, spannender als „History Of Love“. Das liegt zum einen am Tempo, aber auch an der ungewöhnlicheren Instrumentierung und Produktion. Auffällige Percussion, altmodische Keyboards, verschiedene Blasinstrumente und über allem der gleichsam schwebende Gesang. Ein feines Stückchen Popmusik. ****

CaucusCaucus – Wandering Ones / I Love You Like The Way That I Used To Do (7”, Cloudberry, www.caucus.jp)

Caucus ist eine japanische Indie Pop Band. Ich vermute, die Mädels und Jungs stammen aus Tokyo. Auf ihrer Webseite ist fast alles auf Japanisch. Das macht es etwas schwierig, die richtigen Infos zu finden. Diese Single hier ist ihre vierte Veröffentlichung seit 2007 und die erste auf Vinyl. Wie wir wissen ergeben sich Japaner ihren musikalischen Leidenschaften meist völlig kompromisslos und mit unglaublicher Akribie. Da machen diese fünf jungen Menschen keine Ausnahme. „Wandering Ones“ ist eine fröhliche Uptempo Gitarrenpop Nummer mit viel Aplomb vorgetragen. Erinnert musikalisch sehr an britische C86 Zeiten. Auf der Flipside hören wir ein Cover der kalifornischen Indie Pop Band Rocketship. Auch sehr hübsch mit treibender Basslinie und schwirrenden Orgel-Loops. ***1/2

Cloud ControlCloud Control – This Is What I Said / Island (7“, Ivy League, www.cloudcontrolband.com)

Cloud Control sind eine junge Popgruppe aus einem Vorort von Sydney, Australien. Diese Single erschien in Australien bereits im vorigen Jahr. Auch ihre Musik ist wohl am besten mit Indie Pop beschrieben. Ja, ich weiß, das ist kein Musikstil. Aber trotzdem weiß man inzwischen meistens ganz gut, wie eine Band klingt, die so einsortiert wird. Cloud Control haben einen sehr klaren transparenten Sound. Die Gitarren klingen folky und jangeln auch mal ganz hübsch. Flower Power Sommer Pop könnte man sagen. „Island“ ist etwas verhaltener aber ähnlich bezaubernd. ****

FüxaFüxa – Marty Suicide / Martin Rev – Coyote (7”, The Great Pop Supplement, www.thegreatpopsupplement.com)

Das ist die erste von zwei gerade bei The Great Pop Supplement erschienenen Split-Singles. Füxa ist ein Space Pop, Space Rock Duo aus Detroit, Michigan. Rein instrumental vorgetragen klingt ihr Track hier wie eine Mischung aus Kraftwerk und Suicide. Na und Martin Rev von Suicide hören wir dann auf der anderen Seite dieser geschmackvoll in braun und orange gesprenkelten Single. Sein „Coyote“ schwillt auf und ab, vor und zurück. Keine einzige Gitarre zu hören, nur irgendwelche Keyboards und Computer. Ich weiß nicht, Suicide mochte ich vor 34 Jahren lieber als dies jetzt. Füxa ***, Martin Rev *1/2

Persian RugsPersian Rugs – Always All / I Have Been Assured (7”, Cloudberry, www.persianrugsmusic.com)

Noch eine Single auf Cloudberry Records aus Florida. Dies hier ist das Debüt einer kanadischen Pop Band, einer Indie Pop Band par excellence. In dem der Single beiliegenden Flyer erklärt der Cloudberry Label Chef warum er davon überzeugt ist, dass Indie Pop inzwischen als Genre zu verstehen ist. Und zugleich erklärt er uns, dass Indie Pop noch viel mehr ist als nur Musik. Sehr sympathisch der Typ. Ich denke mal es ist ein Typ. Ob männlich oder weiblich ist nirgends so genau ersichtlich. Aber zurück zu den Perserteppichen. Ein Mädel und drei Jungs machen sehr beschwingte und elegante Pop Musik zwischen The Cardigans und Lucky Soul. Das Mädel singt und spielt eine Vox Continental Orgel, die Jungs spielen Bass, Gitarre, Schlagzeug. ****

AutomobileThe See See – Automobile / By The Sea – Old Coasts (7”, The Great Pop Supplement)

Das ist die zweite Split-Single. Und auch diese ist beim Label restlos vergriffen, wie alle Platten von The See See – fast alle – bei den jeweiligen Labels vergriffen sind. „Automobile“ ist der bislang schwächste Single Track von The See See. Aber natürlich ist auch diese Nummer immer noch richtig gut. Sehr atmosphärisch, sehr eingängig, irgendwie Westcoast Rock mäßig. By The Sea auf der Flipside erinnern sehr an The Coral. Auch sie stammen übrigens von der Merseyside, also aus der Gegend südwestlich von Liverpool. Sehr locker und leicht kommt ihr Song daher. Beide Tracks knapp ****

Sweater GirlsSweater Girls – Pretty When You Smile / Return Address / Summer Girls (7”, Happy Happy Birthday To Me Records, www.myspace.com/sweatergirls)

Die Sweater Girls sind eine fünfköpfige Indie Pop Band aus L.A. Ihre 7“ erschien bereits im November 2010 bei einem Label in Athens, Georgia. Musikalisch erinnern sie an eine Mischung aus TV Personalities und The Pastels, in ihrer Unbeschwertheit gar an Dolly Mixture. Twee Pop von der herzallerliebsten Sorte ist das. Ihre erste 7“ erschien etwas früher und ist bereits ausverkauft. Und diese hier dürfte auch bald vergriffen sein. ****

The Crimson ShadowsThe Crimson Shadows – Nightmares / It’s Too Late (7”, Screaming Apple, www.myspace.com/thecrimsonshadows)

The Crimson Shadows aus Schweden waren Mitte der 1980er Jahre eine der vielen Neo-Sixties Garage Punk Bands, die damals überall auf der Welt wie Pilze aus dem Boden schossen. Zwei Singles und ein paar Sampler Beiträge erschienen von ihnen, und dann löste sich die Band wieder auf. Aber Måns Månson und Jens Lindberg tauchten in den 90er und Nuller Jahren immer wieder in diversen schwedischen Garage Bands auf von The Maharajas bis zu The Flight Reaction. 2008 spielten The Crimson Shadows dann einen Re-Union Gig auf einem italienischen Festival, und dabei haben sie offenbar Lust bekommen weiter zu machen. Diese Single hier knüpft nahtlos da an, wo sie vor 25 Jahren aufgehört haben. Roher Garage Punk mit Farfisa Orgel, inspiriert von The Cramps, DMZ oder The Lyres. ***1/2

Huelyn Duvall with Mike Bell & The Belltones – Baby, Make A Move EP (7“EP, Goofin’, www.goofinrecords.com)

Huelyn Duvall with Mike & The BelltonesHuelyn Duvall ist ein Texas Rockabilly Veteran von 72 Jahren. Dass ich seinen Namen bisher nicht kannte, muss nichts heißen. Ich kenne bei Fifties Rockabilly bisher nur die Spitze des Eisbergs. Aber Goofin’ Records in Helsinki kenne ich schon lange. Dieses verdienstvolle Rockabilly Label bietet nicht nur dem finnischen Rockabilly Nachwuchs eine Heimstatt, Labelboss Pete Hakonen ist auch ständig bemüht, alte Helden nach Finnland zu holen und für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. So auch hier. Mike Bell & The Belltones sind eine kompetente finnische Neo-Rockabilly Combo. Sie begleiten hier Huelyn Duvall, der drei eigene offenbar neue Songs darbietet sowie eine Nummer aus der Feder des Bandleaders Miikka Siira (alias Mike Bell). Das klingt alles sehr authentisch und geht direkt ins Ohr und in die Beine. ***1/2

FriendsFriends – Friend Crush / Feelin Dank (7”, Lucky Number, www.luckynumbermusic.com)

Friends sind eine Band aus Brooklyn, New York. Es gibt sie erst seit einem guten halben Jahr. Mastermind ist die Sängerin Samantha Urbani, die letzten Sommer für zwei Monate in Berlin lebte und studierte, und die seit ihrer Kindheit Songs schreibt und Musik macht. Kennen gelernt hat sie den Rest der Band in der Küche eines veganen Restaurants im New Yorker East Village. Zwei Frauen, drei Männer, alle mehr oder weniger Multininstrumentalisten. Seit sie letzten Oktober auf dem College Music Journal Festival spielten, haben sich die Ereignisse überschlagen. Und die Single hier zeigt, dass dieser kleine „Hype“ nicht unberechtigt ist. Eine wunderbar eingängige kleine Popmelodie, klug arrangiert und mit einem ungewöhnlich hypnotischen Rhythmus unterlegt. Weird Pop nennen sie es, aber so weird ist es gar nicht. Es ist sogar ganz phantastisch! Und tanzen kann man auch dazu. ****1/2

PubertyPuberty – Invitations / Parties (7“, Telephone Explosion, www.telephoneexplosion.com)

Lars Finberg und Susanna Welbourne von der Seattle Post-Punk Lo-Fi Band The Intelligence stecken hinter dieser Single und diesen Songs. Mit dabei sind auch Musiker von The Shins. Lo-Fi Pop ist es auch, der hier geboten wird. Als Einfluss nennt die Band Fun Boy 3 und fügt gleich hinzu, falls es nicht ganz so klingt, liegt das daran, dass wir mehr Punk sind. Nun charmant ist es auf jeden Fall. „Invitations“ hat was von Cocktail Bar plus Beach Party Atmosphäre zu weit fortgeschrittener Stunde, wenn man nur noch träge an der Bar oder im Strandkorb abhängt. Smooth. ***1/2

The RoutesThe Routes – Stormy / Willie The Wild One (7“, Groovie Records, www.theroutesjapan.com)

The Routes sind ein japanisches Garage Pop Trio. Eine kleine Europa Tournee haben die drei gerade hinter sich. Die führte sie durch Portugal, Spanien, Frankreich und zum krönenden Abschluss auf das diesjährige Le Beat Bespoke Festival in London. Diese Single hier erschien in Portugal und bietet zwei Cover obskurer Sixties Garage Pop Nummern von US Bands. „Stormy“ beginnt mit einem Zitat aus Edvard Griegs „In The Hall Of The Mountain King“ (das in den Sixties offenbar gern von Beat Kapellen aufgegriffen wurde) und mutiert dann recht schnell zu einem flotten und eingängigen Garage Stomper. „Willie The Wild One“ ist kurz, knackig und – wild. ***1/2

All Too TiredThe See See – All Too Tired / 400 Miles (7”, Spring Records, www.myspace.com/theseeseeband)

Da ist sie nun, die lang erwartete neue Single von The See See aus London. Und während ich das hier schreibe, ist die Single auch schon ausverkauft. 250 Stück weg in nur wenigen Tagen. Die Single ist gewohnt gut. Vor allem „All Too Tired“ kennt man ja schon von den Live Gigs der Band. Eine fast rockige Midtempo Nummer mit hohem Mitsingeffekt. Knapper Mittelteil mit angedeutetem Gitarren- und Orgelsolo, noch eine Strophe und dann ist schon Schluss. Sehr effektiv! Trotzdem gefällt mir „400 Miles“ fast besser. Schöne atmosphärische Folkpop Nummer mit Xylophonsolo und dezenter Perkussion. Beide Stücke stammen aus der Feder von Sänger / Gitarrist Richard Olson. Übrigens die nächste Single (diesmal eine Splitsingle mit der Band By The Sea) ist bereits erschienen und vermutlich ähnlich schnell weg. Mehr dazu demnächst auf diesen Seiten. Diese hier verdient ****1/2

Winter RoseThe Bees – Winter Rose / Winter Rose (version) (7”, Fiction Records, www.thebees.info)

The Bees sind eine britische Band von der Isle of Wight. Auch schon in der Vergangenheit sind sie durch gewisse Vorlieben für oder ein Interesse an Südamerika aufgefallen. Laut Band-Info wurden sie zu diesem Song „Winter Rose“ durch die Ayahuasca Pflanze inspiriert, eine Lianenart, der halluzinogene Wirkung nachgesagt wird. Musikalisch haben wir es hier mit einem verträumt psychedelischen Stückchen Reggae zu tun. Kein typischer Reggae zum Glück. Auf der B-Seite die unvermeidliche Dub Version. ***1/2

The GreenhornesThe Greenhornes – Saying Goodbye / Song 13 / Stay Together (7”, Third Man, www.myspace.com/thegreenhornes

Neues von den Greenhornes, die zu den besten und beständigsten British Invasion beeinflussten Bands in den USA im vergangenen Jahrzehnt gehören. Und dabei liegt diese britische Invasion ja nun auch schon bald 50 Jahre zurück. Wie auch immer, diese Single knüpft ganz selbstverständlich da an, wo The Kinks, The Who, The Animals etc. um 1966 gerade musikalisch standen. Feine Sache! ****

The Mourning AfterThe Mourning After – Set Me Free / While You Were Sleeping / Once Over Twice (7”, Tryptic Records, www.myspace.com/themourningaftergarage)

Hier ist es genau umgekehrt. Diese Mod/Garage Band aus Sheffield ist mit ihrem Orgel dominierten, Fuzz getränkten Sound eher von den US Garage Bands der Nuggets Ära beeinflusst. Mit Unterbrechungen ist die Combo nun auch schon seit fast 20 Jahren aktiv. Die aktuelle 7“ erschien bereits letztes Jahr in Frankreich, wo man neben Italien, Spanien und Deutschland die meisten Anhänger solcher Neo-Sixties Klänge findet. ***1/2

Sidewalk SocietySidewalk Society – In The First Place EP (7“EP, Fruits de Mer Records, www.myspace.com/sidewalksociety)

Eine kalifornische Band, die sich ganz dem psychedelischen Pop der späten Sixties verschrieben hat. Auch hier wieder stark britisch orientiert. „In The First Place“ war im Original eine sehr obskure Single der Remo Four zusammen mit George Harrison. Desweiteren werden The Small Faces (Have You Ever Seen Me), The Kinks (Lazy Old Sun) und die Stones (Dandelion) gecovert. Mit viel Ehrfurcht vor den Originalen, vielleicht etwas zu viel Ehrfurcht. Etwas mehr eigener Input wäre sicher ganz spannend gewesen. Aber auch so durchaus hübsch. ***1/2

Slime the BoogieSlime The Boogie – Chinatown / Echopark (7“, Slime The Boogie, www.myspace.com/slimetheboogie)

Das nun ist eher moderner schmutziger Garage Rock’n’Roll aus Berlin. Drummer Tim war mal bei Mind Kiosk, einer der besten deutschen Bands in den 90ern. Hat damals leider kaum jemand mitbekommen. Bruno am der Gitarre und Imke am Bass hängen mit Tim schon seit ner ganzen Weile in Proberäumen ab. Aber seit sie Lehua als Frontfrau und Sängerin gefunden haben, geht die Post ab! Jetzt bringen sie die Punk und Rock Schuppen Berlins zum Glühen. Und nun auch meinen Plattenspieler. Das fetzt prima! ****

The Smokin' 44sThe Smokin’ 44s – My Smokin’ 44 (10“ EP, Get Shot Records, www.thesmokin44s.com)

Jacky (Gitarre) und Andru (Schlagzeug) sind The Smokin’ 44s. Ein Duo also nach Vorbild der White Stripes, aber doch ganz anders. Sie spielen in jedem Club, jeder Kneipe oder Bar, die ihnen ein bisschen Platz in irgend’ner Ecke einräumt. Jede Woche, oft mehrmals. Nun haben sie fünf Songs aufgenommen, ganz allein ohne Overdubs. Als 10“ EP haben sie das Ergebnis auf eigenem Label veröffentlicht. Klingt nach Modern Lovers, nach Trash Rock’n’Roll, nach echtem Blues. Ja, auch danach. Und höchstvergnüglich obendrein. Was will man mehr?! ****  

Beady EyeBeady Eye – Bring The Light / Sons Of The Stage (7”, Beady Eye, www.beadyeyemusic.com)

Oasis ohne Noel Gallagher könnte man meinen. Nun, ganz so ist es nicht. So wie „Psychedelic Situation“, schrieb Otis im Rolling Stone Leserforum. Was den treibenden Rhythmus betrifft und die ungestüme Spielfreude, für die mir nur der amerikanische Begriff „hilarious“ einfällt, stimmt das sogar. Ich hab’ mir die Single inzwischen tatsächlich schön gehört, wenn man so will. „Bring The Light“ ist so eine typische zwei Akkord Power Pop Nummer, die einfach gute Laune macht. Stakkato Piano Riff, simples Schweine Solo auf der Gitarre, und ein wirklich lächerlicher Background Chor. Die B-Seite ist dagegen letztlich eben das, eine typische B-Seite. ****

The Truth is in the DirtKaren Elson – The Truth Is In The Dirt / Season Of The Witch (7”, Third Man, www.karenelson.com)

Eine weitere Single aus dem Debütalbum von Jack Whites Ehefrau. „The Truth Is In The Dirt“ ist einer der besseren Tracks auf dem Album. Schöne Pedal Steel Gitarre, seltsam schwankender Rhythmus und eine insgesamt mysteriöse Atmosphäre. Den Donovan Klassiker „Season Of The Witch” interpretiert Mrs. Elson unspektakulär und nahe am Original. Trotzdem hörenswert. ***1/2

Hausfrauen ExperimentHausfrauen Experiment – Baby’s On Fire / Oscillations / Sebastian / Spirit Of The Age (2x7”, Fruits de Mer, www.myspace.com/hausfrauenexperiment)

Drei Damen – nein, nicht vom Grill – aus dem UK musizieren auf elektronischen Instrumenten. Keine einzige Gitarre, aber auch kein originaler Moog Synthesizer wird hier malträtiert. „Baby’s On Fire“ kommt dem Brian Eno Original relativ nahe, „Oscillations“ (Silver Apples) klingt leider etwas beliebig und lässt die famose Exaltiertheit des Originals völlig vermissen. Cockney Rebels „Sebastian“ wird von den Hausfrauen auf ziemlich rüde Weise vergewaltigt. „Spirit Of The Age“ kenne ich als Hawkwind Original nicht, aber diese Version hier klingt tatsächlich nach einer weiblichen Hawkwind Version. Erstaunlich. Insgesamt knapp ***

The StandThe Stand – I’ll Be There / I’ll Be There (Version) (7“, Acid Jazz, www.facebook.com/thestandgroup)

Vermutlich einer der ältesten Fußballsongs überhaupt. Schon in den 1920er Jahren wurde „I’ll Be There“ im Stadion von Cardiff in Wales gesungen. Nun haben sich ein paar prominente Waliser des Liedes angenommen. Mit dabei sind Musiker von Catatonia, Super Furry Animals und der Schauspieler Jonathan Owen. Das Ganze klingt ein bisschen nach Celtic Punk, Pogues und The Faces. Mit dem Geld, das die Single einspielt, soll eine Statue der walisischen Fußball Legende Fred Keenor finanziert werden. ***1/2 für den guten Zweck.

Still CornersStill Corners – Don’t Fall In Love / Wish (7”, Great Pop Supplement, www.myspace.com/stillcorners)

Was man alles so an Attributen findet, wenn man Still Corners in eine Suchmaschine eingibt. Dream Pop, Pop Noir, Avant Pop, C86, Surf Pop, etc. Fakt ist, „Don’t Fall In Love“ wird getragen von einer fast ätherisch zu nennenden Frauenstimme, von einer musikalischen Begleitung, die träge und auch geheimnisvoll daherkommt, die wohl gut zu einem David Lynch Film passte. Still Corners ist ein Duo aus London, das quasi den Missing Link zwischen Portishead und Warpaint darstellt. Oder doch eher Joe Meek trifft auf Rachel Goswell? ****

RaiderThe Trimdon Grange Explosion – Raider / Trimdon Grange Explosion (7“, Great Pop Supplement, www.myspace.com/trimdongrange)

Debütsingle einer vierköpfigen Folk Rock Band aus Süd-London. „Raider“ ist ein Cover eines Songs von Judy Henske und Jerry Yester aus deren Acid Folk Album „Farewell To Aldebaran“ aus dem Jahr 1969. Etwas runder, straighter klingt diese neue Version, wie wohl das psychedelische Element immer noch deutlich zu spüren ist. Auf der B-Seite dann eine traditionell anmutende Folk Ballade. Ebenfalls ein Cover. Tommy Armstrong schrieb den Song seinerzeit über ein tragisches Bergwerksunglück in Durham im Jahr 1882. Und diesen Song hat sich die Band dann auch noch als Namenspatron gewählt. ***1/2

BrokofBrokof – a/b (10”EP, Goldrausch, www.myspace.com/brokof)

Brokof ist eine Band aus Berlin. Zeitgleich mit ihrem Debütalbum (leider nur als CD erhältlich) veröffentlichen sie diese 10“ EP mit fünf Tracks. Opener ist das locker leichte „Smile“, eine sommerliche Pop Melodie über einem schlichten 4/4 Takt. Hübsch und schnell ins Ohr gehend, aber nicht auf Dauer überzeugend. Bester Track auf der Scheibe ist das verhaltene doch hypnotische „Angels“. Auch hier ein monotoner durchgehender Rhythmus. Darüber eine seltsam schwebende Melodie, wie sie Postpunk oder Grunge Bands Anfang der 90er Jahre gerne spielten. Gitarren Feedback und ein nach Slide klingender Effekt verstärken den Eindruck des Ungewissen. Auf der B-Seite nach einem kleinen unscheinbaren Folksong dann der Versuch, so etwas wie eine Hymne zu kreieren. So ein bisschen Bruce Springsteen oder U2 für Arme mit viel Aplomb und Distortion. Zum Glück mehr Bruce als Bono. Alles in allem knapp ***

Cranium PieCranium Pie – Rememberrr/bw Mothership (7“, Bracken Records, www.myspace.com/craniumpie)

Cranium Pie ist eine fünfköpfige Band aus Bath (UK), deren Musik wirklich so klingt, als hätten die Jungs nicht nur alle Pink Floyd Platten bis ca. 1971 sondern auch noch den damaligen Output der Canterbury Szene sowie die eine oder andere Krautrock Scheibe obendrein verinnerlicht. Überbor-dende Soundeffekte auf Gesang und Percussion, Theremin, Moog Synthesizer, andere Keyboards und sogar ein bisschen Gitarre, Bass und Schlagzeug. Die beiden eher getragenen Songs ertrinken leider in diesem Meer aus Sound und Zitaten. Für die Psych Party natürlich dennoch bestens geeignet. ***1/2

Won't Give InThe Flight Reaction – Won’t Give In /bw I Lost You (7“, Copase Disques, www.myspace.com/theflightreaction)

Die bessere von zwei 7“45s, die zeitgleich in Stockholm aufgenommen und nun beim rührigen Hamburger Label Copase Disques veröffentlicht wurden. Eine schwedische Neo-Sixties und Garage Band also. Alle vier Musiker haben bereits in diversen anderen schwedischen Bands dieses Genres gespielt. Der Sound ist demzufolge „amtlich“. Die Songs sind recht typisch, und man fragt sich immer, woher stammt jetzt diese Zeile, jener Refrain, diese Bridge? Zumindest bei „Won’t Give In“ komme ich zu keinem Ergebnis. Aber ich krieg dien Song schon nicht mehr aus dem Kopf. ***1/2

The FlipsThe Flips – I Just Don’t Know Where I Stand /bw 1 And 1 / Sooner Than Later (7“, HoZac Records)

Sechs Chicks aus Milwaukee gründeten vor gut zwei Jahren The Flips, eine old fashioned girl group ganz im Stil der Shangri-Las oder Whyte Boots. Dies ist ihre zweite 7“45, auf der sie mit viel Aplomb und perfektem Stilgefühl zur Sache gehen. Absolut phantastisch! Leider haben sie sich schon wieder aufgelöst, wie ich soeben bei Facebook lesen musste. Diese 7“ gibt es auch auf goldenem Vinyl mit einem anderen Pic Sleeve. ****

Powers Of TenThe See See – Powers Of Ten /bw Open Up Your Door (7“, Rank Records, www.myspace.com/theseeseeband)

Das ist nun bereits die vierte Single dieser jungen Band aus London, deren Mitglieder allerdings aus Schweden, USA, Neuseeland und dem UK stammen. Weniger Sixties Psych Pop inspiriert als die ersten beiden 7“45s und etwas eindringlicher oder sagen wir überzeugender als die erst vor wenigen Monaten erschienene dritte 7“ klingt „Powers Of Ten“, das mit einer wunderschön sanften Melodie, einer nach Dobro klingenden Gitarre und dann doch wieder ein paar sacht psychedelischen Soundeffekten aufwartet. Auch „Open Up Your Door“ transportiert eine Americana infizierte, leicht lockere Atmosphäre mit zusätzlichen Bläsern und Violine. Die bislang zweitbeste Single auf Rank! ****

Sisu – Sharp Teeth /bw Stranger Skin (7”, Hell Yes! www.myspace.com/sisumusic)

SisuSisu ist ein Trio aus Los Angeles, das in einer Tradition von Silver Apples, Brian Eno aber auch Vashti Bunyan musiziert. Keine Ahnung wie die Drei auf den Namen Sisu kamen. Das ist Finnisch und bedeutet in etwa Mut, Ausdauer, Kraft. Ihre Debüt 7“ erscheint beim italienischen Label Hell Yes! in bunt gesprenkeltem Vinyl und einem handgestanzten Spezial-Cover. Die Sängerin Sandy Vu erinnert stimmlich ein wenig an Siouxsie aber auch Kate Bush. „Sharp Teeth“ ist rhythmisch langsam monoton, fast robotisch und ganz faszinierend, beinahe majestätisch mit seinen verhallten Surfgitarren Licks, dem Riesenhall auf dem Background Gesang und immer wiederkehrenden Synthesizer Loops. ****

Action Biker – Hesperian Puisto / Tears With You Tears Without (7”, Destination Pop, www.myspace.com/actionbiker)

Action BikerHinter Action Biker verbirgt sich nicht etwa eine Bande von Motorradfahrern, die Born To Be Wild grölt. Nein, es ist der Künstlername einer jungen Frau aus Schweden, die in dem Jahr geboren wurde, als Kraftwerks Tour De France erschien und Dolly Mixture ihre legendäre Doppel-LP Demonstration Tapes rausbrachten, 1983. Sarah Nyberg Pergament heißt diese junge Frau bürgerlich, und Musik macht sie bereits seit 2002. Vor zwei Jahren erschien ihr Debütalbum Hesperian Puisto in Schweden. Der Titeltrack, der hier zum ersten Mal auf Vinyl erscheint, ist ein hübsches, verträumtes Stückchen Electro Pop. Ziemlich minimalistisch erinnert es sowohl ein bisschen an die ähnlich gesinnten Au Revoir Simone aus New York wie auch ganz entfernt an die Young Marble Giants, deren Meisterwerk Colossal Youth noch vor der Geburt unserer Heldin hier erschien. Hesperian Puisto ist ein zentral gelegener Park in Helsinki, ähnlich dem Central Park in New York. Mit Helsinki und diesem Park verbindet die Sängerin offenbar Einiges. Der Track auf der B-Seite der Single ist neu und exklusiv und ähnlich verträumt und fragil wie die A-Seite. Das hier ist übrigens die erste Veröffentlichung eines neuen Pop Labels aus Berlin. ***1/2

The Coral – 1000 Years / The King Has Died (7”, Deltasonic, www.myspace.com/thecoral)

1000 YearsInzwischen ist ja auch das Album Butterfly House erschienen, das natürlich leicht ein Album des Monats geworden wäre, wenn ich nicht meist lieber unbekannten Bands und Künstlern der Vorzug gäbe. 1000 Years ist schlicht großartig! Eine klassische Sixties Pop Single, die mich besonders an die Moody Blues der späten 60er erinnert. Übrigens auch an meine Freunde The Grip Weeds aus New York. Aber The Coral benötigen solche Vergleiche gar nicht. Dieser Song, diese Aufnahme ist so prägnant wie majestätisch. The King Has Died erscheint exklusiv auf der Single. Eine leicht melancholische Britpop Nummer mit diesem für die Band typischen zeitlosen Retro Flair. ****1/2

Fay Hallam TrinityFay Hallam Trinity – Mode Selector EP (7“EP, Tryptic Records, www.myspace.com/fayhallamtrinity)

Fay Hallams Stimme, ihre Art zu singen, zu phrasieren ist unvergleichlich und unverwechselbar. Es ist wirklich eine Schande, dass sie mit ihrer wunderbaren Musik kein größeres Publikum erreicht. Sicher, der Sound ist nicht neu, die Songs sind nicht immer herausragend, aber das ändert doch nichts daran, dass es immer wieder eine große Freude und Zufriedenheit bereitet, wenn man sie hört. Es ist immer der gleiche Hammond dominierte Mod Sound. Leicht Soul orientiert, meist von einem groovenden Bass getrieben. Oder bisweilen etwas ruhiger, auch melancholischer, aber immer absolut überzeugend und mitreißend. So auch hier bei diesen vier Tracks, die alle von ihr selbst geschrieben wurden. ****

Lothar – Blacksmith Blues EP (7“EP, Lorna Records, www.myspace.com/lotharfinland)

LotharLothar ist eine 4-köpfige Garage Rock Blues Band aus der kleinen Gemeinde Keuruu, die ziemlich genau in der Mitte Finnlands liegt. Gegründet haben die vier Jungs die Band 1998 nachdem sie sich auf dem Provinssi Rock Festival (einem der größten Festivals in Finnland) getroffen hatten und schnell feststellten, dass sie mit The Sonics, The Nomads, Motörhead, Ramones u.a. ganz ähnliche musikalische Vorlieben pflegten. Nach einigen Veröffentlichungen auf CD ist dies nun ihre erste Vinyl EP, der eben genannte Vorlieben deutlich anzuhören sind. Wobei das Songwriting wohl auch sehr von Blues und Southern Rock Bands der 1970er Jahre beeinflusst ist. Bleibt die Frage, wer von den Jungs hat Verwandte oder Bekannte in Deutschland, die Lothar heißen? ***1/2

Billy MacKenzieBilly MacKenzie – Return To Love / The Soul That Sighs (7”, Destination Pop, c/o Gilbert Blecken, Unter den Rüstern 13, 12167 Berlin)

Billy MacKenzie war der Sänger der Associates, einer jener typischen Eighties Pop Bands, mit denen ich eigentlich nie so recht etwas anfangen konnte. Wobei ich fairerweise sagen muss, dass das in erster Linie an meiner Abneigung gegen rein artifizielle Electro Pop Musik liegt. Ein toller Sänger war MacKenzie zweifellos. 1997 nahm er sich leider im Alter von 39 Jahren von Depressionen getrieben das Leben. Diese originale Demoversion von Return Of Love nahm Billy mit seinem musikalischen Partner in der 1990ern Steve Aungle auf. Der Song und vor allem seine Atmosphäre haben etwas betörend Hymnisches. Hier, aber mehr noch bei The Soul That Sighs, erinnert mich MacKenzie auch an Scott Walker. Wie gesagt, diese Musik ist nicht unbedingt meine Tasse Tee. Jedoch die Songs und die Stimme sind schon gut, das zumindest muss ich anerkennen. ***

Imelda MayImelda May – Psycho / My Baby Left Me (7”, Decca, www.myspace.com/imeldamay1)

Aus Dublin stammt diese recht junge und ansehnliche Chanteuse. Ihre Musik klingt allerdings, als wäre sie bereits über 50 Jahre alt (die Musik, nicht die Sängerin). R&B und Rock and Roll in einem leicht aufpolierten und hoch getunten Style. Trotzdem absolut stilecht, keine Bange. Das von ihr selbst verfasste Psycho stünde den Cramps oder Sonics durchaus ebenso gut an. Auf der B-Seite der Single zollt sie Arthur Crudup (und Elvis) den gebührenden Tribut. Die Single kommt in reinweißem Vinyl, obwohl sie ziemlich schwarz klingt. ****

The Dead WeatherThe Dead Weather – Die By The Drop / Old Mary (7“, Third Man, www.myspace.com/thedeadweather)

Das zweite Album von The Dead Weather ist ein Lehrstück in Krach, Sound, Attitüde. Songs, die man im Gedächtnis behält, finden sich darauf eher nicht. Und auch diese beiden Tracks hier, auf einer 7“ ausgekoppelt, machen da keine Ausnahme. Und doch geht von den rohen ungeschliffenen Aufnahmen eine erstaunliche Faszination aus. Diese Dynamik, dieser ökonomische Einsatz der Mittel mit dem Ziel höchster Effektivität, dieser kontrollierte Lärm, das ist Rock Urgewalt ohne Rockismus, ohne Klischees, ohne Dolly Rocker MovementKompromisse. Herrlich! ****

The Dolly Rocker Movement – Our Brave New World / Mystery Man (7“, Bad Afro, www.myspace.com/thedollyrockermovement)

Gegründet wurde diese Band 2002 in Sydney, Australien. Inzwischen lebt Mastermind Daniel Poulter jedoch in L.A. und hat dort neue Musiker für seine Band gefunden. Diese Single erschien bereits im vergangenen Jahr und war Vorbote eines neuen dritten Albums. Während die frühen Platten der Band eher nach Pub Rock klangen, hat mit der Umbesetzung Psychedelia Einzug gehalten. Sitar, flirrende Gitarrenklänge, kreiselnde Orgeltöne und treibende Rhythmen begleiten die beiden stimmungs- und geheimnisvollen Songs hier. Hörenswert! ****

Frantic RomanticsFrantic Romantics / M.O.T.O. (7“ Split-EP, Squoodge Records, www.myspace.com/franticromanticsbln)

Die Frantic Romantics sind eine Berliner Punk / Powerpop Combo, die sich an Vorbildern wie den Real Kids, New York Dolls u.ä. orientiert. Ihre beiden Tracks hier „Love Me Like A Lover“ und „May I Stare At You“ sind denn auch schnörkellos und schlicht und mit dem nötigen Aplomb vorgetragen. Die zweite Band ist Punk-Urgestein M.O.T.O. aus Chicago, inzwischen in New Orleans ansässig. Auch deren Nummern „Battleship“ sowie „Waw“ werden mit viel Druck und Elan dargeboten. Beide Bands klingen so, als wären die letzten 30 Jahre nicht gewesen. Leider fehlt den Songs dann doch die entscheidende im Gedächtnis bleibende Hookline. **1/2

Lana LovelandLana Loveland – Black Glove / Missing Illusions (7”, Butterfly Records, www.myspace.com/lanaloveland)

Miss Loveland spielte in den 90er Jahren elektrische Orgel in einer Berliner Neo-Sixties Combo namens Cox Orange. Leider löste sich diese Band 1997 auf, ohne irgendeinen Tonträger zu hinterlassen. Lana Loveland, die damals wohl noch gar nicht so genannt wurde, wagte dann den Sprung über den großen Teich und landete in L.A., wo sie sich bald darauf der wiederbelebten Music Machine von Sean Bonniwell anschloss. 2002 lernte sie Rudi Protrudi kennen, der sie kurzerhand als Organistin der Fuzztones engagierte. Aber Lana zog es nach Europa zurück. Sie organisierte 2004 eine Europa Tournee der Music Machine und kehrte dann in ihre Heimatstadt Berlin zurück. Rudi blieb also nichts weiter übrig, als ihr 2005 nachzufolgen. Lana und Rudi leben nun in Berlin, und bei den Fuzztones spielt inzwischen auch noch der frühere Cox Orange Gitarrist mit. Auf Lanas erster eigener Single spielt ebenfalls eine Hälfte der alten Cox Orange Besetzung. Und Rudi konnte als Bassist gewonnen werden. Die beiden Tracks stammen auch noch aus Cox Orange Zeiten. Psychedelischer Garage Beat ist das. „Black Glove“ bezieht sich auf den schwarzen Handschuh, den Lana bei der Music Machine an einer Hand zu tragen pflegte. Der Track lebt vor allem von der Produktion, der hypnotischen Orgel und dem treibenden Beat. Und auch „Missing Illusions“ verströmt in erster Linie Atmosphäre. Auch hier dominiert die Orgel. Lanas Gesang ist eingebettet in geheimnisvollen psychedelischen Sound. Die B-Seite der Single ist aufgrund ihrer Atmosphäre sogar etwas gelungener, wie ich finde. ***1/2  

Last CallsLast Calls – s/t (12” EP, Svart Records, www.myspace.com/lastcalls)

Last Calls aus Tampere, Finnland, sind eine sechsköpfige Roots Pop/Rock Band, deren Musik einem Aki Kaurismäki Film ebenso wie einem Film von David Lynch entstammen könnte. Dezente Keyboard Flächen hinter getragenen Slide Gitarren, Fender Rhodes Piano über einem sachten mit dem Besen gestrichenen Beat. „Dead July“, „Bad Luck Charm“, „Maria’s Arms“ und „Irene” heißen die Tracks auf dieser formidablen Debüt 12”. Ruhig, melancholisch, schön. ****

X-Ray HarpoonsThe X-Ray Harpoons – Zombie Love (7“EP, Copase Disques, www.myspace.com/xrayharpoons)

Garage Rock lebt! Dieser an The Seeds, Music Machine, The Fuzztones, The Standells u.a. geschulte Stil ist nicht tot zu kriegen. Und es gibt auch hier in Deutschland immer wieder junge Bands, die genau so klingen wie ihre Vorbilder. Musiziert wird mit Vintage Instrumenten und Equipment. Und so klingt es dann auch. Vier Songs, alle selbst geschrieben und mit Fuzzgitarren, Farfisa Orgel und der richtigen Attitüde vorgetragen. Auch die Frisuren und Klamotten der Musiker sind absolut stilecht. Alles prima soweit, nur die Songs sind halt keine Klassiker. The X-Ray Harpoons kommen übrigens aus Bonn am Rhein. ***

Black BellesThe Black Belles – What Can I Do? / Lies (7”, Third Man Records, www.myspace.com/theblackbelles)

Jack White hat gerade das Video zur Debüt Single dieser vier Grazien fertiggestellt. Auf der Webseite von Third Man Records ist es zu bewundern. Und natürlich hat Jack White auch diese formidable Garage Single produziert. Während die A-Seite von der schönen Lead Gitarristin und Sängerin Olivia Jean geschrieben wurde, eine sehr ökonomische und spannungsgeladene Garage Beat Nummer mit drohender Gitarre und hypnotischem Orgelriff, bietet die B-Seite eine nicht weniger faszinierende bizarre Version des Knickerbockers Klassikers „Lies“. Gefährlich! ****

Broken Bells – The High Road / An Easy Life (7“, Columbia, www.myspace.com/brokenbells)Broken Bells

Sean Mercer (The Shins) und Brian Burton (a.k.a. Danger Mouse) sind The Broken Bells. Eigentlich wollte ich deren Album zum Album des Monats küren. Und es ist auch wirklich ein sehr schönes Album mit vielen Beatles und Psychedelia Anklängen. Diese Single hier bietet den wohl besten Track der Platte. Sehr einschmeichelnd und einprägsam, aber auch auf eine wohltuende Art distanziert und irgendwie entrückt. Tolle Melodie, sehr stimmiges Arrange-ment, das Sixties Psychedelia mit modernen Sounds organisch verbindet. Sean Mercers Stimme wirkt betörend. Auf der B-Seite eine hübsche, etwas überkandidelte instrumentale Spielerei, die leider nicht wirklich von Belang ist. ****

Dum Dum GirlsDum Dum Girls – Jail La La / Play With Fire (7”, Sub Pop, www.myspace.com/dumdumgirls)

Noch eine Garage Girl Band. In diesem Fall aus Los Angeles und weniger distinguiert als die Black Belles aus Nashville. Dafür mit unbekümmerter Spielfreude und unwiderstehlichem Charme. „Jail La La“ ist eine Uptempo Garage Pop Nummer, die an The Feelies gemahnt. Auf der Flipside eine sparsam instrumentierte Version des Stones Klassikers „Play With Fire“, die dermaßen in Hall gebadet ist, dass sie alleine dadurch vollkommen unwirklich klingt. Sehr fein! ****

The Fleur De Lys – The Two Sides Of The Fleur De Lys (7”EP, Acid Jazz, www.myspace.com/lesfleurdelys66)

Fleur De LysKeine neue Band und auch keine neuen Aufnahmen. Doch diese vier Tracks der britischen Freakbeat und Mod Kult Combo sind hier zum ersten Mal offiziell zugänglich. Les Fleur De Lys waren wie gesagt eine englische Mod Band, die neben ihren eigenen recht unterschiedlichen Singles auch die Backings für ein paar Singles der südafrikanischen Soul und Beat Sängerin Sharon Tandy einspielte und mitunter auch als Tandys Begleitband auftrat. So auch hier. Die ersten beiden Titel dieser EP sind Demos, die mit Sharon Tandy und im zweiten Fall auch mit ihrem Gesangspartner Tony Head aufgenommen wurden. „Gotta Get Enough Time“ erklingt da ganz in der Tradition solcher Sharon Tandy Klassiker wie „Hold On“ oder „Daughter Of The Sun“. „Yeah, I Do Love You“ dagegen steht in der Tradition der Northern Soul Nummern, für die Miss Tandy ebenso bekannt ist. Auf der Flipside zunächst eine Mod Beat Nummer „Wait For Me“ mit schöner Hammond Orgel und knalligem Gitarrenriff. Und dann gibt es noch eine rohe aber überzeugende Live Version von „Circles“, dem Pete Townshend Song, mit dem The Fleur De Lys bekannt wurden. Alles in allem eine lohnende Ergänzung zum bislang veröffentlichten Repertoire der Band. ****

The Moons – Torn Between Two / Leaving Here (7“, Acid Jazz, www.myspace.com/themoonsofficial)

MoonsUnd noch eine wunderbare Mod Beat Band aus dem UK. Doch im Gegensatz zu The Fleur De Lys ist diese hier eine junge Band und das ist ihre Debüt Single. „Torn Between Two“ ist eine typische leicht melancholische Midtempo Nummer in der Tradition solcher Bands wie The Poets aus Glasgow oder auch Simon Dupree & The Big Sound aus Portsmouth. Eine im Prinzip ganz schlichte aufsteigende Melodielinie, die einen unvermittelt gefangen nimmt. Ein klassischer Refrain fehlt, aber die Melodie steigt wieder ab zu einer Art Refrain. Es folgt eine Bridge, die zu einem heftigen Solo überleitet. Und dann wiederholt sich das Ganze, um schließlich nach und nach zu verklingen. Die eigenartige blaue Stimmung ist perfekt. Auf der B-Seite eine recht passable Version des Motown Klassikers „Leaving Here“. Inzwischen gibt es übrigens schon eine zweite Single und ein Album, die beide bereits unterwegs sind zu mir. ****

Lost In TimeThe Satelliters – Lost In Time / Try It Out (7”, El Beasto, www.myspace.com/thesatelliters)

Eine neue Single von Deutschlands führender aktiver Garage Beat Band. „Lost In Time“ entstand in Kooperation mit Neal Ford, einem Veteran der US Garage Punk Szene der Sixties. Er schrieb den Text 1969 kurz nachdem sich seine Band The Fanatics aufgelöst hatte. Die Musik der vier Hessen bringt dazu die typischen Zutaten, eine schwirrende Orgel, Fuzzgitarren und ein solides Rhythmusgerüst von Bass und Drums. Der Track hat ein leicht psychotisches Flair. Dagegen ist „Try It Out“ auf der Flipside eine sehr krachige Garage Punk Nummer ohne große Fisimatenten. Die Single kommt in schwarz/rot geflammtem Vinyl. ***1/2

Crystal StiltsCrystal Stilts – Love Is A Wave / Sugar Baby (7”, Angular Recording Corporation, www.myspace.com/crystalstilts)

Eine Band aus New York, gegründet 2003, musiziert irgendwo im Spannungsfeld zwischen Velvet Underground, Punk, Suicide und Psychedelia. Vor allem „Sugar Baby“ erinnert stark an Alan Vegas Suicide. Aber auch „Love Is A Wave“ mit schnellem, unruhigem Tempo, starkem Hall auf dem Gesang und einem typischen New Yorker Post Punk New Wave Sound steht in genau dieser Tradition. Es kommt eben alles wieder. Die Single ist gepresst in einem zufälligen Muster schwarz/weiß changierend wie bei diesen Lightshows damals. Sehr schön. ***1/2

The Dead Weather – Hang You From The Heavens / Are Friends Electric (7”, Third Man, www.thedeadweather.com)

The Dead WeatherJack Whites neuester Streich und zugleich so eine Art Supergroup des Alternativ Rock. Mit dabei sind Gitarrist Dean Fertita von The Queens Of The Stone Age, Jack Lawrence am Bass (The Greenhornes, The Raconteurs) und die Sängerin Alison Mossheart von The Kills. Natürlich hört man der Plugside an, dass sie von Jack White mit arrangiert und produziert wurde. Geschrieben wurde der Song jedoch von Mister Fertita und Miss Mossheart. Druckvoller, aggressiver, Rock erklingt aus den Boxen. Mit dröhnendem Bass und schweren Gitarrenriffs. Die Flipside bietet eine rockigere Version von Gary Numans „Are Friends Electric“, die sich im Prinzip jedoch streng an das Arrangement des Originals hält. Wohl ersetzt eine altmodische Orgel den Synthesizer. Sie klingt aber erstaunlicherweise fast genauso. Alisons Art zu singen ist es, die hier stark beeindruckt. ***1/2

Television Personalties – People Think That We’re Strange / A Glimpse Of My Genius (7”, Elefant Records, TVPswww.myspace.com/tvpersonalities)

Das neueste Lebenszeichen von Dan Treacy. Ein seltsamer Kauz war er ja schon immer. Ziemlich böse abgestürzt war er eine Zeit lang. Und nach seinem Comeback 2004 wirkte er immer noch ziemlich angeschlagen. Davon ist nun nichts mehr zu spüren. „People Think That We’re Strange“ zeigt einen abgeklärten, humorvollen Dan Treacy auf der Höhe seiner Songwritingkunst. Musikalisch knüpft der Track bei früheren typischen TVPs Werken an, wenn auch die ganz große Klasse der frühen Singles von „I Know Where Syd Barrett Lives“ bis zu „Sense Of Belonging“ nicht erreicht wird. Auf der Flipside ein weiteres Beispiel anarchistischer Underground Kultur zwischen Jonathan Richman und Pavement. In dem Song „A Glimpse Of My Genius“ kriegen sie alle ihr Fett ab, von Noel Gallagher bis Lily Allen. Die Single ist exklusiv, limitiert und in weißes Vinyl gepresst. ***1/2

Black TimeBlack Time – ICU / Corpse Life / Doomsday Parade (7”, Skulltones, www.myspace.com/blacktimemutant77)

Aus London stammt dieses Garage Punk Trio. „ICU“ (I see you) klingt genau so, als wäre es direkt von einem altem Magnetophonband überspielt worden, dass über 40 Jahre in irgendeinem Speicher vergessen wurde. Songwriting, Arrangement, Attitüde – alles anno 1966 Texas oder Arizona. Der zweite Track ist dann schon mehr 77er Punk oder doch eher Postpunk, wild und roh. Das längliche „Doomsday Parade“ kommt düster und garstig, aber nicht resignativ sondern trotzig daher. Die Single ist auf 500 Stück limitiert und handnummeriert. ***1/2

Peter DohertyPeter Doherty – The Last Of The English Roses / Don’t Look Back (7”, Parlophone, www.myspace.com/gracewastelands)

Über Petes Drogengeschichten, seine Unzuverlässigkeit und seinen Lebenswandel ganz allgemein sollen die britischen Boulevardzeitungen schreiben. Das interessiert mich nicht. Mich erstaunt nur immer wieder, wie der Junge letztlich die Kurve kriegt. Dieses Lebenszeichen in Form einer ersten Solosingle ist ein positives. Schön abgeklärt, entspannt und nach mehrmaligem Anhören sehr eingängig erklingt diese Hommage an die letzte englische Rose. Graham Coxon spielt Gitarre. Doch erinnert die Aufnahme eigentlich eher an den anderen Blur Mann Damon Albarn und sein Gorillaz Projekt. Doch letztlich ist es nur ein sehr englisches Lied in typischer Britpop Tradition. Sollte Pete tatsächlich erwachsen geworden sein? Die ebenfalls hörenswerte B-Seite „Don’t Look Back“ lässt diese Vermutung zumindest zu. Das Album erscheint auf Vinyl erst Ende April. Ich hab es noch nicht gehört. ****

exloversExlovers – Photobooth / Weightless (7“, Young And Lost Club, www.myspace.com/weareexlovers)

Noch so eine Sixties beeinflusste Gitarren-Indie-Pop Band aus London. Ihre Debüt Single wirkt ein bisschen unscheinbar, unspektakulär, unauffällig. Könnte Absicht sein. Bei näherem Hinhören bemerkt man jedoch ein paar feine Melodien und ein an die C86 und Anorak Szene der 1980er Jahre erinnernde Attitüde in Sound und Aufmachung. Shoegazer Pop kann man auch sagen. Entwicklungsfähig. ***1/2

The Left OutsidesThe Left Outsides – The Third Light / Deep Rivers Move In Silence; Shallow Brooks Are Noisy (7”, Hi-Beat Records, www.myspace.com/theleftoutsides)

Kollege Wolfgang Doebeling hat bereits im Rolling Stone (174, 04/09) die passende Worte gefunden für diese wunderbare Single im limitierten Brokatstoffcover. Die Band – eigentlich nur ein Duo bestehend aus Alison Cotton (voc, viola) und Mark Nicholas (g, harmonica, voc) – besteht seit 2003, stammt aus London und war offenbar letzten Sommer in Berlin zu Gast. Warum hat das niemand mitbekommen? Auch diese von Syd Barrett oder Nick Nicely ebenso wie von Fairport Convention inspirierte Single erschien bereits im Juli 2008. Zum Glück für uns blieb sie weitgehend geheim, sonst hätten wir keines der auf 100 Stück limitierten Exemplare mit handgenähtem Brokatcover mehr abbekommen. ****1/2

The See SeeThe See See – Keep Your Head / Clap Your Hands And Shake A Chain (7”, The Great Pop Supplement / Heron, www.myspace.com/theseeseeband)

Die zweite Single von The See See aus London bietet wieder wunderschönen Sixties orientierten, ganz leicht psychedelischen Gitarrenpop im Spannungsfeld zwischen Byrds / Buffalo Springfield und neuerem Liverpool Britpop Sound. Besonders „Keep Your Head“ hat wieder diesen magischen, einschmeichelnden Jangle Sound im Verbund mit einer schier betörenden Melodie, die man so schnell nicht wieder los wird. Will man aber auch gar nicht. Ein Album der Band ist angekündigt für die zweite Hälfte des Jahres. ****1/2

The Sweet VandalsThe Sweet Vandals – Thank You For You / Let’s Have Some Fun (7”, Unique Records, www.myspace.com/thesweetvandals)

The Sweet Vandals aus Madrid mit ihrer Sängerin Mayka Edjo erinnern spontan an die großartige Soul Sängerin Sharon Jones. Das ist natürlich vor allem der Stimme und Performance Maykas geschuldet. Die Musik der Spanier orientiert sich zu gleichen Teilen an Motown Soul wie an britischem Hammond dominiertem R&B solcher Bands wie der Animals, Artwoods oder V.I.P.’s, die ja ihrerseits natürlich schwarze Vorbilder von Ray Charles bis zu Otis Redding hatten. „Thank You For You“ ist der eingängigere, groovigere Track. ***1/2  

BeatschaffeThe Cheeks – Something On My Mind / Redondo Beat – The Spell I’m Under (7”, Zentrale Beatschaffe / Cargo, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)

Bereits im letzten Jahr erschien die zweite 7“45 dieser Reihe „Zentrale Beatschaffe“ als Splitsingle mit zwei der besten Neo-Sixties Bands aus Deutschland. Die Cheeks Seite ist die geringfügig bessere, die es ja auch schon in meine TOP 25 aus 2008 geschafft hat. Eine vortreffliche Orgelmelodie und ein Ohrwurm von Song, soundmäßig irgendwo zwischen The Zombies und The Marmalade angesiedelt. Wie gesagt ebenso eingängig und einprägsam mit seiner immer wiederkehrenden Pianofigur, wehmütiger Melodie und einem verschärften Fuzzgitarrenpart in der Mitte, steht die Redondo Beat Seite dem kaum nach. Ich bin begeistert! ****

The JaybirdsThe Jaybirds – Take Your Chance / Boy Meets Girl Storyline (7”, Time For Action, www.myspace.com/bjjaybird)

Die beste Neo-Sixties Kapelle aus Österreich sind zweifellos The Jaybirds aus Wien, die in letzter Zeit wieder verstärkt aktiv werden. Diese neue Single auf dem noch relativ jungen deutschen Label Time For Action ist in jeder Hinsicht gelungen. Zwei starke Songs, sachdienlich arrangiert und in perfektem Mod Sound vorgetragen. The Who, The Creation werden da beschworen. Auf jedem Rubble Sampler würden diese beiden Tracks glänzen. Dazu kommt das sehr geschmackvolle und dezente Artpop Design des Singlecovers. Alles Ton in Ton. Und das Vinyl gibt es in violett, allerdings limitiert auf 100 Stück. Danach ist es schwarz. Hätte ich diese Single noch im alten Jahr bekommen, sie wäre weit oben in meinen TOP 25. Offizielles Release Date ist allerdings der 22.1.09, also wird die Single wohl in diesem Jahr oben dabei sein! ****

PenetrationPenetration – Our World / Sea Song (7”, Damaged Goods, www.myspace.com/penetrationreanimated)

Was für eine Überraschung! Erinnert sich noch jemand an „Don’t Dictate“, „Life’s A Gamble“ oder „Firing Squad“? Diese Band um die tolle Sängerin Pauline Murray gehörte zu den besten britischen Acts der Punk und New Wave Ära um 1977-79. Und nun sind sie plötzlich wieder da mit einer brandneuen und ganz aktuellen Single, die den großartigen Singles von damals kaum nachsteht. „Our World“ hat alles, was ich an der Musik dieser Band immer geschätzt habe. Phantastische, mitreissende Melodie, uptempo, optimistisch, fordernd. Die Botschaft ist auch ziemlich eindeutig. Diese Welt gehört uns nicht, wir haben sie nur geliehen. ****

 

The Fabulous PenetratorsThe Fabulous Penetrators – The Hump / Oh My Soul! (7”, Stag-O-Lee, www.myspace.com/thefabulouspenetrators)

Glitterhouse begann vor über 20 Jahren mal als Fanzine für Neo-Sixties, Paisley Pop und Eighties Underground. Das gleichnamige Plattenlabel spezialisierte sich dann gegen Ende der 80er auf Seattle und Grunge. Und nachdem die Helden der Generation X allesamt ins Major Lager gewechselt waren, entdeckte man Roots und Americana, zog um nach Beverungen und etablierte sich als führender Mail Order für die zuletzt genannte Musik. Auf eigenem Label veröffentlichte man fortan leider fast nur noch CDs. Nun haben Reinhard und Rembert das Vinyl wieder entdeckt. Und mit Stag-O-Lee gründeten sie ein Sub-Label für fidelen Lärm Roots affiner und Rock’n’Roll räudiger Provenienz. Eine handvoll Singles sind gerade erschienen. Eine davon ist diese recht gelungene R&B, Garage, Cowpunk Scheibe von The Fabulous Penetrators aus London. ***1/2

Palm SpringsPalm Springs – Blood And Water / Stop Making Plans (7”, Rank Records, www.myspace.com/songspalmsprings)

In einer Auflage von drei Stück erschien die A-Seite dieser Single bereits vor ziemlich genau einem Jahr aus Anlass und in Würdigung der 1000sten Sendung von „Roots“ auf Radio Eins. Nun ist diese wundervolle Aufnahme dank der beiden Enthusiasten hinter Rank Records auch einem größeren Publikum auf Vinyl zugänglich. Und erst vor kurzem am vorletzten November Wochenende präsentierte sich die Band Palm Springs bei drei exklusiven Gigs in Deutschland. In Berlin war der Kreuzberger Privat Club mit rund 60-80 Zuschauern gut besucht. Die Stimmung war entspannt und die musikalische Darbietung exzellent. „Blood And Water“ ist einer der seltsamsten Lovesongs, die ich kenne. So zart und scheinbar einfühlsam. Und doch so trügerisch. Liebesschwüre eines Schwarzsehers. Dabei musikalisch kongenial umgesetzt mit Streichern und einem sehr behutsamen Arrangement. Auch die B-Seite ist von gleicher Güte. Die aus dem Echo gehauchten weiblichen Backing Vocals erinnern mich ein wenig an das „Lullaby for Rosemary’s Baby“. Musik für Verliebte in Zeiten von Wirtschaftskrise und Rezession. Aber das ist wohl schon wieder viel zu profan gedacht. Die Gestaltung des Covers und die Verpackung mit extra Beilagen verdient ein besonderes Lob. ****1/2

The Q - IssuesThe Q – Issues (10” EP, Time For Action Records, www.myspace.com/theqhq)

Eine klassische Mod Band aus den englischen Midlands. The Jam standen hier vor allem Pate, aber auch The Purple Hearts, The Secret Affair und indirekt natürlich die Vorbilder aus den Sixties. Diese EP mit vier Tracks ist das Debüt der Briten auf Vinyl. Vier formidable Tracks, die sowohl in Songwriting wie in Instrumentierung und Arrangement komplett in der Tradition der genannten Vorbilder stehen.  Das alles klingt fast schon beängstigend authentisch. Bis hin zu den Themen der Songs, die sich mit dem „mehr Schein als Sein“ und mit den idealistischen Wünschen und Träumen der Middle Class Kids beschäftigen. Nichtsdestotrotz ein feine und hörenswerte Platte im tollen Zehn Zoll Format. ****

Dr. NortonDr. Norton – Will You Find Beauty In The Brutally Ugly? (7”EP, Go-Kart Rec., www.myspace.com/drnortonbeatpunk)

Gegründet wurde diese Band wohl mal in Regensburg. Aber von der oberbayrischen Provinz zog es sie mit Umwegen über Stettin und Hamburg nach Berlin. Die Musik der vier Männer ist aggressiv und kraftvoll, zugleich aber auch aus-drucksstark und vielschichtig. Ganz in der Ferne hört man Echoes von Sixties Punk US-amerikanischer Prägung. Deutlicher jedoch sind Einflüsse von New und No Wave der späten Seventies. Television haben ebenso Spuren hinterlassen im Sound der Band wie X-Ray Spex etwa. Diese EP ist bereits die dritte Veröffentlichung der Jungs. Vier starke Aufnahmen, die man einer deutschen Band so gar nicht zugetraut hätte. ****

The Higher StateThe Higher State – And In Time / If We Don’t Realise (7”, State Rec., www.myspace.com/thehigherstategaragepsych)

Hervorgegangen aus den Überresten von The Mystreated spielen The Higher State aus Folkestone, Kent, absolut authentischen Sixties Folk Punk, der seine Vorbilder von Love über The Byrds bis zu den 13th Floor Elevators oder Zakary Thaks nicht verleugnet und doch auch eigen und zeitgemäß klingt. Zwei klasse Songs haben die vier hier aufgenommen. Schöne Harmoniegesänge und quengelnde Gitarren, getrieben von scheppernden Drums und Schellenring. Besser geht so etwas kaum. ****1/2

DeathWhite Lies – Death / Black Song (7”, Fiction Records, www.myspace.com/whitelies)

Erschien ihre erste Single noch in nur 500er Auflage auf ihrem eigenen Label, so ist das hier nun der zweite Streich auf Major Label und mit entsprechendem Marketing und Promotion Backing durch das größte Musikunternehmen der Welt. Musikalisch gibt es eigentlich kaum Veränderungen im Vergleich zum Debüt. Das Trio aus Chiswick, West London, versucht nach wie vor, den Sound der frühen Eighties Post Punk Ära mit Vorbildern von Joy Division, Bunnymen bis zu Teardrop Explodes in die Gegenwart zu übertragen. Nach wie vor scharf an der Grenze zu Kitsch und Bombast, aber mit doch eindrucksvollem Ergebnis, Glasvegas gar nicht mal unähnlich. Im Januar erscheint das Debütalbum. ****

Frank PoppFrank Popp – Hey Mr. Innocent (7”, TV Eye Records, www.myspace.com/frankpoppmusic)

Schillernde Figur und in gewisser Weise der Pate zumindest der Düsseldorfer Neo-Sixties Szene ist DJ Frank Popp, der sich hier nach längeren Auslandsreisen und längerer Bühnenabstinenz (zumindest als Musiker in eigener Sache) wieder zurück meldet mit einer von Northern Soul inspirierten Beat Nummer. Hypnotischer Beat, schnarrende Fuzzgitarrenriffs und ein käsiges Orgelriff, dazu die kräftige Stimme von Sam Leigh-Brown. Auf der A-Seite die eher puristische Beat Version, und auf der B-Seite eine etwas aufgemotzte Remix Version für die Disco. ***1/2

The Moving SoundsThe Moving Sounds – Their 08 Hits (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/themovingsounds)

Ein Quintett aus Stockholm, das uns seit gut sechs Jahren zuverlässig mit Garage Beat der traditionellen Art erfreut. Satte Fuzzgitarren, eine kraftvoll drängende Orgel, könnte Hammond sein, und eine treibende scheppernde Rhythmus Formation machen den Sound der Jungs aus. Dazu der heftig shoutermäßige Gesang. Alles nicht neu, aber immer wieder gerne gehört. So auch diese vier neuen Tracks, die im Bremer Hörwerk Analog Tonstudio entstanden. ***

The WaistcoatsThe Waistcoats – Beatschaffe EP (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)

Dies ist die erste EP einer neuen Reihe streng analog aufgenommener, gemasterter und gefertigter 7“EPs. Copase Disques bringt in loser Folge in dieser Reihe „Beatschaffe“ Aufnahmen heraus, die in einem Analog Studio mit altem original Equipment 1:1 live im Studio aufgenommen wurden. Den Anfang machen The Waistcoats, ein holländisches Garage Beat Trio, mit vier neuen Tracks, die in ihrer Spontanietät und Spartanität den Geist der Outsiders und von Q65 beschwören. ***1/2

The Hara-Kee-ReesThe Hara-Kee-Rees – The Magic Pill EP (7”EP, Soundflat, www.myspace.com/harakeerees)

Typischer 80s Garage Punk Sound von einer fünfköpfigen Band aus Köln am Rhein. Live ist so etwas immer sehr schön anzuhören und anzusehen. Auf Albumlänge überzeugt diese Musik nur sehr selten. Insofern ist diese EP hier genau das Richtige für die jungen (und auch die älteren) Garage Fans. Drei eigene Werke der Kölschen Jungs mit Farfisa, Fuzzgitarre, viel Gekreisch und vor allem Schmackes vorgetragen. 80s Garage übrigens deshalb, weil die originalen 60s Bands meist doch nicht so punky und rowdy klangen, wie auch das vierte Stück hier, ein Cover der Human Expression von 1967, deutlich macht. „Every Night“ ist eine schöne Garage Pop Ballade und der beste Track, obwohl es auch nicht wirklich großartig ist. Insgesamt knapp ***

King SalamiKing Salami & The Cumberland Three – Shake It Wild / She’s A Kukamunga (7”, Soundflat, www.myspace.com/kingsalamiandthecumberland3)

Dieses Quartett hat sich in London gesucht und gefunden. Die Single auf Soundflat Records ist ihre zweite Veröffentlichung und bietet leicht exotischen R&B beeinflussten Rock’n Roll Trash. „Shake It Wild“ macht genau das, aber was eine „Kukamunga“ ist konnte ich nicht ermitteln. Laut Lexikon handelt es sich um einen bewaldeten Steilhang auf Hawaii. In dem Song dreht es sich aber ganz offensichtlich um eine Frau dieses Namens. Merkwürdig. Zur Single gehört übrigens ein hübsches Schneidebrettchen für die Küche des Salami Fans. Die Musik ist für einschlägige Parties durchaus geeignet. ***

Electric FamilyThe Electric Family – The Inca Cosma Fudge Part 1 & 2 (7”,Sireena Records, www.myspace.com/electricfamily)

Auch in Osterholz-Scharmbeck erinnert man sich der guten alten 7“45, die allerdings in diesem Fall aus technischen Gründen mit 33 Umdrehungen in der Minute ihre Kreise zieht. Dieses achteinhalb minütige Hippie Epos entstand bereits vor Jahren bei einem Trip Tom Redeckers ins ländliche Frankenland in der Nähe von Bayreuth. Und ein psychedelischer Trip in andere Sphären ist es in der Tat. Auch ganz ohne die Hilfe bewusstseinserweiternder Substanzen. Toms sonore Stimme ist wie geschaffen für ein solches Mantra, das mit fließenden Keyboard Klängen und repetitiven Gitarrenlicks und hypnotischen Percussions unterlegt ist. ***1/2

The SatellitersThe Satelliters – Unknown State (Of Mind) / Take Some Soul / Shame On You (7”, El Beasto Recordings, www.myspace.com/thesatelliters)

Eine neue Single der Satelliters aus Darmstadt ist immer willkommen. Über die Jahre haben sie sich zu einer der beständigsten und authentischsten deutschen Garage Beat Bands entwickelt. Bei ihnen klingen selbst die Eigenkompositionen meist wie von einer US Garage Combo anno 1966 verfasst und aufgenommen. Und diese neue Platte mit zwei eigenen und einem gecoverten Stück macht da keine Ausnahme. Auch hier Fuzzgitarren, Schweineorgel, schepperndes Schlagzeug, Schellenring und eine Gesangsstimme, die ganz wunderbar diesen nöligen Snarl drauf hat, der typisch ist für all diese Bands von der Chocolate Watch Band bis zu den Chesterfield Kings. Die Single kommt sehr geschmackvoll in psychedelisch blau/schwarz gesprenkeltem Vinyl. ****

The See SeeThe See See – Up The Hill / Citadel Shuffle (7”, The Great Pop Supplement, www.myspace.com/theseeseeband)

Die Band hat sich in London gefunden. Ein Folk orientierter Schwede, zwei Amis aus Detroit und noch ein Folkie aus Yorkshire spielen eine formidable Mischung aus eben Folkrock,  etwas Psychedelia und wunderbar entspanntem Pop. Einflüsse reichen von The Flying Burrito Brothers bis zu den Spacemen 3. „Up The Hill“ ist fantastisch, und auch die B-Seite geht gut ins Ohr. Leider ist die Single auf 300 Stück limitiert und wahrscheinlich schon jetzt nicht mehr zu finden. Eine zweite 7“ ist für den Herbst angekündigt und eine LP für 2009. Diese Single verdient ****

Wild Billy ChildishWild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire – Rosie Jones / Little Miss Contrary (7”, Soundflat, www.myspace.com/themusiciansofthebritishempire)

Und noch eine Single auf Soundflat Records. Wild Billy Childish muss man nicht vorstellen. Seit über 30 Jahren spielt er in diversen Bands und auch allein seine Version von Beat, R&B und Rock’n’Roll. Und so bietet auch diese Single musikalisch nichts wirklich Neues oder gar Überraschendes. „Rosie Jones“ hat jedenfalls ein prägnantes Riff und einen Singalong Charakter, der an frühe Kinks, Who oder Pretty Things Nummern erinnert. Das Cover kann man aufklappen, und wie bei Sgt. Pepper liegen Schnittmusterbögen zum Basteln bei. ***1/2

Coming Around AgainBaby Woodrose – Coming Around Again / I Feel High (7”, Bad Afro, www.myspace.com/babywoodrose)

Wie es sich gehört enthält die neue Single der dänischen Garage Psych Combo zwei exklusive Tracks, die es sonst nirgends gibt. Noch dazu zwei ganz großartige Songs, im richtigen Sound und Arrangement vorgetragen. Die A-Seite ist ein solider Garage Rocker mit überzeugender Hookline und schön bratziger Gitarre. Auf der B-Seite dagegen ein kleines Psych Monster mit akustischer Gitarre, rückwärts Percussion, Farfisa Licks und allerlei hübschen Effekten zu einem entsprechend abgehobenen Text. Das Cover wurde übrigens von Kiryk Drewinski aus Berlin gestaltet, der direkt bei den großen Pop Art Künstlern der Sixties in die Lehre gegangen ist. Diese Single ist rundum perfekt und die beste 7“45 des Garage Beat Genres bisher in diesem Jahr. ****

Freakbeat PhantomThe Rascals – Freakbeat Phantom / Shades Of Embar-rassment / Hand In The Shadow (10”, Deltasonic, www.myspace.com/rascalmusic)

Der Titel dieser Single darf als programmatisch gesehen werden. Und das obwohl es sich hier gar nicht um Freakbeat im engeren Sinn handelt. Ja nicht einmal um Garage Beat. Die Sixties Einflüsse sind freilich nur allzu deutlich. Joe Meek geistert da durch die Arrangements und Effektabteilung der Rascals aus Wirral bei Liverpool. Die Produktion ist phantastisch. Klar und durchsichtig trotz des enormen Halls an einigen Stellen, aber auch kraftvoll und mit einem gewissen Punch. Hervorragende Dynamik. Der Song selbst ist schlicht großartig. So klingt intelligente Fortführung des Sixties Pop. Trotz starker Konkurrenz ist dies bislang meine Single des Jahres! Auch die beiden Tracks auf der B-Seite der 10“ sind überdurchschnittlich gut. In Ermangelung eines passenden Genre Begriffs muss ich die Musik der Rascals Psychedelic Beat nennen. *****

Zurück zu Twang! News Singles Longplayer Re-Issues Konzertrückschau Fanzine Reviews Unsigned Talent Links Album des Monats