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Letztes Update: 11. Juni 2010


Die Kurzen

Die Bewertungsskala:

Materialverschwendung! - ** muss man nicht kennen - *** sollte man mal gehört haben - **** Anschaffung sehr zu empfehlen - ***** gehört in jede Plattensammlung!

The Dead WeatherThe Dead Weather – Die By The Drop / Old Mary (7“, Third Man, www.myspace.com/thedeadweather)

Das zweite Album von The Dead Weather ist ein Lehrstück in Krach, Sound, Attitüde. Songs, die man im Gedächtnis behält, finden sich darauf eher nicht. Und auch diese beiden Tracks hier, auf einer 7“ ausgekoppelt, machen da keine Ausnahme. Und doch geht von den rohen ungeschliffenen Aufnahmen eine erstaunliche Faszination aus. Diese Dynamik, dieser ökonomische Einsatz der Mittel mit dem Ziel höchster Effektivität, dieser kontrollierte Lärm, das ist Rock Urgewalt ohne Rockismus, ohne Klischees, ohne Kompromisse. Herrlich! ****

Dolly Rocker MovementThe Dolly Rocker Movement – Our Brave New World / Mystery Man (7“, Bad Afro, www.myspace.com/thedollyrockermovement)

Gegründet wurde diese Band 2002 in Sydney, Australien. Inzwischen lebt Mastermind Daniel Poulter jedoch in L.A. und hat dort neue Musiker für seine Band gefunden. Diese Single erschien bereits im vergangenen Jahr und war Vorbote eines neuen dritten Albums. Während die frühen Platten der Band eher nach Pub Rock klangen, hat mit der Umbesetzung Psychedelia Einzug gehalten. Sitar, flirrende Gitarrenklänge, kreiselnde Orgeltöne und treibende Rhythmen begleiten die beiden stimmungs- und geheimnisvollen Songs hier. Hörenswert! ****

Frantic RomanticsFrantic Romantics / M.O.T.O. (7“ Split-EP, Squoodge Records, www.myspace.com/franticromanticsbln)

Die Frantic Romantics sind eine Berliner Punk / Powerpop Combo, die sich an Vorbildern wie den Real Kids, New York Dolls u.ä. orientiert. Ihre beiden Tracks hier „Love Me Like A Lover“ und „May I Stare At You“ sind denn auch schnörkellos und schlicht und mit dem nötigen Aplomb vorgetragen. Die zweite Band ist Punk-Urgestein M.O.T.O. aus Chicago, inzwischen in New Orleans ansässig. Auch deren Nummern „Battleship“ sowie „Waw“ werden mit viel Druck und Elan dargeboten. Beide Bands klingen so, als wären die letzten 30 Jahre nicht gewesen. Leider fehlt den Songs dann doch die entscheidende im Gedächtnis bleibende Hookline. **1/2

Lana LovelandLana Loveland – Black Glove / Missing Illusions (7”, Butterfly Records, www.myspace.com/lanaloveland)

Miss Loveland spielte in den 90er Jahren elektrische Orgel in einer Berliner Neo-Sixties Combo namens Cox Orange. Leider löste sich diese Band 1997 auf, ohne irgendeinen Tonträger zu hinterlassen. Lana Loveland, die damals wohl noch gar nicht so genannt wurde, wagte dann den Sprung über den großen Teich und landete in L.A., wo sie sich bald darauf der wiederbelebten Music Machine von Sean Bonniwell anschloss. 2002 lernte sie Rudi Protrudi kennen, der sie kurzerhand als Organistin der Fuzztones engagierte. Aber Lana zog es nach Europa zurück. Sie organisierte 2004 eine Europa Tournee der Music Machine und kehrte dann in ihre Heimatstadt Berlin zurück. Rudi blieb also nichts weiter übrig, als ihr 2005 nachzufolgen. Lana und Rudi leben nun in Berlin, und bei den Fuzztones spielt inzwischen auch noch der frühere Cox Orange Gitarrist mit. Auf Lanas erster eigener Single spielt ebenfalls eine Hälfte der alten Cox Orange Besetzung. Und Rudi konnte als Bassist gewonnen werden. Die beiden Tracks stammen auch noch aus Cox Orange Zeiten. Psychedelischer Garage Beat ist das. „Black Glove“ bezieht sich auf den schwarzen Handschuh, den Lana bei der Music Machine an einer Hand zu tragen pflegte. Der Track lebt vor allem von der Produktion, der hypnotischen Orgel und dem treibenden Beat. Und auch „Missing Illusions“ verströmt in erster Linie Atmosphäre. Auch hier dominiert die Orgel. Lanas Gesang ist eingebettet in geheimnisvollen psychedelischen Sound. Die B-Seite der Single ist aufgrund ihrer Atmosphäre sogar etwas gelungener, wie ich finde. ***1/2  

Last CallsLast Calls – s/t (12” EP, Svart Records, www.myspace.com/lastcalls)

Last Calls aus Tampere, Finnland, sind eine sechsköpfige Roots Pop/Rock Band, deren Musik einem Aki Kaurismäki Film ebenso wie einem Film von David Lynch entstammen könnte. Dezente Keyboard Flächen hinter getragenen Slide Gitarren, Fender Rhodes Piano über einem sachten mit dem Besen gestrichenen Beat. „Dead July“, „Bad Luck Charm“, „Maria’s Arms“ und „Irene” heißen die Tracks auf dieser formidablen Debüt 12”. Ruhig, melancholisch, schön. ****

X-Ray HarpoonsThe X-Ray Harpoons – Zombie Love (7“EP, Copase Disques, www.myspace.com/xrayharpoons)

Garage Rock lebt! Dieser an The Seeds, Music Machine, The Fuzztones, The Standells u.a. geschulte Stil ist nicht tot zu kriegen. Und es gibt auch hier in Deutschland immer wieder junge Bands, die genau so klingen wie ihre Vorbilder. Musiziert wird mit Vintage Instrumenten und Equipment. Und so klingt es dann auch. Vier Songs, alle selbst geschrieben und mit Fuzzgitarren, Farfisa Orgel und der richtigen Attitüde vorgetragen. Auch die Frisuren und Klamotten der Musiker sind absolut stilecht. Alles prima soweit, nur die Songs sind halt keine Klassiker. The X-Ray Harpoons kommen übrigens aus Bonn am Rhein. ***

Black BellesThe Black Belles – What Can I Do? / Lies (7”, Third Man Records, www.myspace.com/theblackbelles)

Jack White hat gerade das Video zur Debüt Single dieser vier Grazien fertiggestellt. Auf der Webseite von Third Man Records ist es zu bewundern. Und natürlich hat Jack White auch diese formidable Garage Single produziert. Während die A-Seite von der schönen Lead Gitarristin und Sängerin Olivia Jean geschrieben wurde, eine sehr ökonomische und spannungsgeladene Garage Beat Nummer mit drohender Gitarre und hypnotischem Orgelriff, bietet die B-Seite eine nicht weniger faszinierende bizarre Version des Knickerbockers Klassikers „Lies“. Gefährlich! ****

Broken Bells – The High Road / An Easy Life (7“, Columbia, www.myspace.com/brokenbells)Broken Bells

Sean Mercer (The Shins) und Brian Burton (a.k.a. Danger Mouse) sind The Broken Bells. Eigentlich wollte ich deren Album zum Album des Monats küren. Und es ist auch wirklich ein sehr schönes Album mit vielen Beatles und Psychedelia Anklängen. Diese Single hier bietet den wohl besten Track der Platte. Sehr einschmeichelnd und einprägsam, aber auch auf eine wohltuende Art distanziert und irgendwie entrückt. Tolle Melodie, sehr stimmiges Arrange-ment, das Sixties Psychedelia mit modernen Sounds organisch verbindet. Sean Mercers Stimme wirkt betörend. Auf der B-Seite eine hübsche, etwas überkandidelte instrumentale Spielerei, die leider nicht wirklich von Belang ist. ****

Dum Dum GirlsDum Dum Girls – Jail La La / Play With Fire (7”, Sub Pop, www.myspace.com/dumdumgirls)

Noch eine Garage Girl Band. In diesem Fall aus Los Angeles und weniger distinguiert als die Black Belles aus Nashville. Dafür mit unbekümmerter Spielfreude und unwiderstehlichem Charme. „Jail La La“ ist eine Uptempo Garage Pop Nummer, die an The Feelies gemahnt. Auf der Flipside eine sparsam instrumentierte Version des Stones Klassikers „Play With Fire“, die dermaßen in Hall gebadet ist, dass sie alleine dadurch vollkommen unwirklich klingt. Sehr fein! ****

The Fleur De Lys – The Two Sides Of The Fleur De Lys (7”EP, Acid Jazz, www.myspace.com/lesfleurdelys66)

Fleur De LysKeine neue Band und auch keine neuen Aufnahmen. Doch diese vier Tracks der britischen Freakbeat und Mod Kult Combo sind hier zum ersten Mal offiziell zugänglich. Les Fleur De Lys waren wie gesagt eine englische Mod Band, die neben ihren eigenen recht unterschiedlichen Singles auch die Backings für ein paar Singles der südafrikanischen Soul und Beat Sängerin Sharon Tandy einspielte und mitunter auch als Tandys Begleitband auftrat. So auch hier. Die ersten beiden Titel dieser EP sind Demos, die mit Sharon Tandy und im zweiten Fall auch mit ihrem Gesangspartner Tony Head aufgenommen wurden. „Gotta Get Enough Time“ erklingt da ganz in der Tradition solcher Sharon Tandy Klassiker wie „Hold On“ oder „Daughter Of The Sun“. „Yeah, I Do Love You“ dagegen steht in der Tradition der Northern Soul Nummern, für die Miss Tandy ebenso bekannt ist. Auf der Flipside zunächst eine Mod Beat Nummer „Wait For Me“ mit schöner Hammond Orgel und knalligem Gitarrenriff. Und dann gibt es noch eine rohe aber überzeugende Live Version von „Circles“, dem Pete Townshend Song, mit dem The Fleur De Lys bekannt wurden. Alles in allem eine lohnende Ergänzung zum bislang veröffentlichten Repertoire der Band. ****

The Moons – Torn Between Two / Leaving Here (7“, Acid Jazz, www.myspace.com/themoonsofficial)

MoonsUnd noch eine wunderbare Mod Beat Band aus dem UK. Doch im Gegensatz zu The Fleur De Lys ist diese hier eine junge Band und das ist ihre Debüt Single. „Torn Between Two“ ist eine typische leicht melancholische Midtempo Nummer in der Tradition solcher Bands wie The Poets aus Glasgow oder auch Simon Dupree & The Big Sound aus Portsmouth. Eine im Prinzip ganz schlichte aufsteigende Melodielinie, die einen unvermittelt gefangen nimmt. Ein klassischer Refrain fehlt, aber die Melodie steigt wieder ab zu einer Art Refrain. Es folgt eine Bridge, die zu einem heftigen Solo überleitet. Und dann wiederholt sich das Ganze, um schließlich nach und nach zu verklingen. Die eigenartige blaue Stimmung ist perfekt. Auf der B-Seite eine recht passable Version des Motown Klassikers „Leaving Here“. Inzwischen gibt es übrigens schon eine zweite Single und ein Album, die beide bereits unterwegs sind zu mir. ****

Lost In TimeThe Satelliters – Lost In Time / Try It Out (7”, El Beasto, www.myspace.com/thesatelliters)

Eine neue Single von Deutschlands führender aktiver Garage Beat Band. „Lost In Time“ entstand in Kooperation mit Neal Ford, einem Veteran der US Garage Punk Szene der Sixties. Er schrieb den Text 1969 kurz nachdem sich seine Band The Fanatics aufgelöst hatte. Die Musik der vier Hessen bringt dazu die typischen Zutaten, eine schwirrende Orgel, Fuzzgitarren und ein solides Rhythmusgerüst von Bass und Drums. Der Track hat ein leicht psychotisches Flair. Dagegen ist „Try It Out“ auf der Flipside eine sehr krachige Garage Punk Nummer ohne große Fisimatenten. Die Single kommt in schwarz/rot geflammtem Vinyl. ***1/2

Crystal StiltsCrystal Stilts – Love Is A Wave / Sugar Baby (7”, Angular Recording Corporation, www.myspace.com/crystalstilts)

Eine Band aus New York, gegründet 2003, musiziert irgendwo im Spannungsfeld zwischen Velvet Underground, Punk, Suicide und Psychedelia. Vor allem „Sugar Baby“ erinnert stark an Alan Vegas Suicide. Aber auch „Love Is A Wave“ mit schnellem, unruhigem Tempo, starkem Hall auf dem Gesang und einem typischen New Yorker Post Punk New Wave Sound steht in genau dieser Tradition. Es kommt eben alles wieder. Die Single ist gepresst in einem zufälligen Muster schwarz/weiß changierend wie bei diesen Lightshows damals. Sehr schön. ***1/2

The Dead Weather – Hang You From The Heavens / Are Friends Electric (7”, Third Man, www.thedeadweather.com)

The Dead WeatherJack Whites neuester Streich und zugleich so eine Art Supergroup des Alternativ Rock. Mit dabei sind Gitarrist Dean Fertita von The Queens Of The Stone Age, Jack Lawrence am Bass (The Greenhornes, The Raconteurs) und die Sängerin Alison Mossheart von The Kills. Natürlich hört man der Plugside an, dass sie von Jack White mit arrangiert und produziert wurde. Geschrieben wurde der Song jedoch von Mister Fertita und Miss Mossheart. Druckvoller, aggressiver, Rock erklingt aus den Boxen. Mit dröhnendem Bass und schweren Gitarrenriffs. Die Flipside bietet eine rockigere Version von Gary Numans „Are Friends Electric“, die sich im Prinzip jedoch streng an das Arrangement des Originals hält. Wohl ersetzt eine altmodische Orgel den Synthesizer. Sie klingt aber erstaunlicherweise fast genauso. Alisons Art zu singen ist es, die hier stark beeindruckt. ***1/2

Television Personalties – People Think That We’re Strange / A Glimpse Of My Genius (7”, Elefant Records, TVPswww.myspace.com/tvpersonalities)

Das neueste Lebenszeichen von Dan Treacy. Ein seltsamer Kauz war er ja schon immer. Ziemlich böse abgestürzt war er eine Zeit lang. Und nach seinem Comeback 2004 wirkte er immer noch ziemlich angeschlagen. Davon ist nun nichts mehr zu spüren. „People Think That We’re Strange“ zeigt einen abgeklärten, humorvollen Dan Treacy auf der Höhe seiner Songwritingkunst. Musikalisch knüpft der Track bei früheren typischen TVPs Werken an, wenn auch die ganz große Klasse der frühen Singles von „I Know Where Syd Barrett Lives“ bis zu „Sense Of Belonging“ nicht erreicht wird. Auf der Flipside ein weiteres Beispiel anarchistischer Underground Kultur zwischen Jonathan Richman und Pavement. In dem Song „A Glimpse Of My Genius“ kriegen sie alle ihr Fett ab, von Noel Gallagher bis Lily Allen. Die Single ist exklusiv, limitiert und in weißes Vinyl gepresst. ***1/2

Black TimeBlack Time – ICU / Corpse Life / Doomsday Parade (7”, Skulltones, www.myspace.com/blacktimemutant77)

Aus London stammt dieses Garage Punk Trio. „ICU“ (I see you) klingt genau so, als wäre es direkt von einem altem Magnetophonband überspielt worden, dass über 40 Jahre in irgendeinem Speicher vergessen wurde. Songwriting, Arrangement, Attitüde – alles anno 1966 Texas oder Arizona. Der zweite Track ist dann schon mehr 77er Punk oder doch eher Postpunk, wild und roh. Das längliche „Doomsday Parade“ kommt düster und garstig, aber nicht resignativ sondern trotzig daher. Die Single ist auf 500 Stück limitiert und handnummeriert. ***1/2

Peter DohertyPeter Doherty – The Last Of The English Roses / Don’t Look Back (7”, Parlophone, www.myspace.com/gracewastelands)

Über Petes Drogengeschichten, seine Unzuverlässigkeit und seinen Lebenswandel ganz allgemein sollen die britischen Boulevardzeitungen schreiben. Das interessiert mich nicht. Mich erstaunt nur immer wieder, wie der Junge letztlich die Kurve kriegt. Dieses Lebenszeichen in Form einer ersten Solosingle ist ein positives. Schön abgeklärt, entspannt und nach mehrmaligem Anhören sehr eingängig erklingt diese Hommage an die letzte englische Rose. Graham Coxon spielt Gitarre. Doch erinnert die Aufnahme eigentlich eher an den anderen Blur Mann Damon Albarn und sein Gorillaz Projekt. Doch letztlich ist es nur ein sehr englisches Lied in typischer Britpop Tradition. Sollte Pete tatsächlich erwachsen geworden sein? Die ebenfalls hörenswerte B-Seite „Don’t Look Back“ lässt diese Vermutung zumindest zu. Das Album erscheint auf Vinyl erst Ende April. Ich hab es noch nicht gehört. ****

exloversExloversPhotobooth / Weightless (7“, Young And Lost Club, www.myspace.com/weareexlovers)

Noch so eine Sixties beeinflusste Gitarren-Indie-Pop Band aus London. Ihre Debüt Single wirkt ein bisschen unscheinbar, unspektakulär, unauffällig. Könnte Absicht sein. Bei näherem Hinhören bemerkt man jedoch ein paar feine Melodien und ein an die C86 und Anorak Szene der 1980er Jahre erinnernde Attitüde in Sound und Aufmachung. Shoegazer Pop kann man auch sagen. Entwicklungsfähig. ***1/2

The Left OutsidesThe Left Outsides – The Third Light / Deep Rivers Move In Silence; Shallow Brooks Are Noisy (7”, Hi-Beat Records, www.myspace.com/theleftoutsides)

Kollege Wolfgang Doebeling hat bereits im Rolling Stone (174, 04/09) die passende Worte gefunden für diese wunderbare Single im limitierten Brokatstoffcover. Die Band – eigentlich nur ein Duo bestehend aus Alison Cotton (voc, viola) und Mark Nicholas (g, harmonica, voc) – besteht seit 2003, stammt aus London und war offenbar letzten Sommer in Berlin zu Gast. Warum hat das niemand mitbekommen? Auch diese von Syd Barrett oder Nick Nicely ebenso wie von Fairport Convention inspirierte Single erschien bereits im Juli 2008. Zum Glück für uns blieb sie weitgehend geheim, sonst hätten wir keines der auf 100 Stück limitierten Exemplare mit handgenähtem Brokatcover mehr abbekommen. ****1/2

The See SeeThe See See – Keep Your Head / Clap Your Hands And Shake A Chain (7”, The Great Pop Supplement / Heron, www.myspace.com/theseeseeband)

Die zweite Single von The See See aus London bietet wieder wunderschönen Sixties orientierten, ganz leicht psychedelischen Gitarrenpop im Spannungsfeld zwischen Byrds / Buffalo Springfield und neuerem Liverpool Britpop Sound. Besonders „Keep Your Head“ hat wieder diesen magischen, einschmeichelnden Jangle Sound im Verbund mit einer schier betörenden Melodie, die man so schnell nicht wieder los wird. Will man aber auch gar nicht. Ein Album der Band ist angekündigt für die zweite Hälfte des Jahres. ****1/2

The Sweet VandalsThe Sweet Vandals – Thank You For You / Let’s Have Some Fun (7”, Unique Records, www.myspace.com/thesweetvandals)

The Sweet Vandals aus Madrid mit ihrer Sängerin Mayka Edjo erinnern spontan an die großartige Soul Sängerin Sharon Jones. Das ist natürlich vor allem der Stimme und Performance Maykas geschuldet. Die Musik der Spanier orientiert sich zu gleichen Teilen an Motown Soul wie an britischem Hammond dominiertem R&B solcher Bands wie der Animals, Artwoods oder V.I.P.’s, die ja ihrerseits natürlich schwarze Vorbilder von Ray Charles bis zu Otis Redding hatten. „Thank You For You“ ist der eingängigere, groovigere Track. ***1/2  

BeatschaffeThe Cheeks – Something On My Mind / Redondo Beat – The Spell I’m Under (7”, Zentrale Beatschaffe / Cargo, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)

Bereits im letzten Jahr erschien die zweite 7“45 dieser Reihe „Zentrale Beatschaffe“ als Splitsingle mit zwei der besten Neo-Sixties Bands aus Deutschland. Die Cheeks Seite ist die geringfügig bessere, die es ja auch schon in meine TOP 25 aus 2008 geschafft hat. Eine vortreffliche Orgelmelodie und ein Ohrwurm von Song, soundmäßig irgendwo zwischen The Zombies und The Marmalade angesiedelt. Wie gesagt ebenso eingängig und einprägsam mit seiner immer wiederkehrenden Pianofigur, wehmütiger Melodie und einem verschärften Fuzzgitarrenpart in der Mitte, steht die Redondo Beat Seite dem kaum nach. Ich bin begeistert! ****

The JaybirdsThe Jaybirds – Take Your Chance / Boy Meets Girl Storyline (7”, Time For Action, www.myspace.com/bjjaybird)

Die beste Neo-Sixties Kapelle aus Österreich sind zweifellos The Jaybirds aus Wien, die in letzter Zeit wieder verstärkt aktiv werden. Diese neue Single auf dem noch relativ jungen deutschen Label Time For Action ist in jeder Hinsicht gelungen. Zwei starke Songs, sachdienlich arrangiert und in perfektem Mod Sound vorgetragen. The Who, The Creation werden da beschworen. Auf jedem Rubble Sampler würden diese beiden Tracks glänzen. Dazu kommt das sehr geschmackvolle und dezente Artpop Design des Singlecovers. Alles Ton in Ton. Und das Vinyl gibt es in violett, allerdings limitiert auf 100 Stück. Danach ist es schwarz. Hätte ich diese Single noch im alten Jahr bekommen, sie wäre weit oben in meinen TOP 25. Offizielles Release Date ist allerdings der 22.1.09, also wird die Single wohl in diesem Jahr oben dabei sein! ****

PenetrationPenetration – Our World / Sea Song (7”, Damaged Goods, www.myspace.com/penetrationreanimated)

Was für eine Überraschung! Erinnert sich noch jemand an „Don’t Dictate“, „Life’s A Gamble“ oder „Firing Squad“? Diese Band um die tolle Sängerin Pauline Murray gehörte zu den besten britischen Acts der Punk und New Wave Ära um 1977-79. Und nun sind sie plötzlich wieder da mit einer brandneuen und ganz aktuellen Single, die den großartigen Singles von damals kaum nachsteht. „Our World“ hat alles, was ich an der Musik dieser Band immer geschätzt habe. Phantastische, mitreissende Melodie, uptempo, optimistisch, fordernd. Die Botschaft ist auch ziemlich eindeutig. Diese Welt gehört uns nicht, wir haben sie nur geliehen. ****

 

The Fabulous PenetratorsThe Fabulous Penetrators – The Hump / Oh My Soul! (7”, Stag-O-Lee, www.myspace.com/thefabulouspenetrators)

Glitterhouse begann vor über 20 Jahren mal als Fanzine für Neo-Sixties, Paisley Pop und Eighties Underground. Das gleichnamige Plattenlabel spezialisierte sich dann gegen Ende der 80er auf Seattle und Grunge. Und nachdem die Helden der Generation X allesamt ins Major Lager gewechselt waren, entdeckte man Roots und Americana, zog um nach Beverungen und etablierte sich als führender Mail Order für die zuletzt genannte Musik. Auf eigenem Label veröffentlichte man fortan leider fast nur noch CDs. Nun haben Reinhard und Rembert das Vinyl wieder entdeckt. Und mit Stag-O-Lee gründeten sie ein Sub-Label für fidelen Lärm Roots affiner und Rock’n’Roll räudiger Provenienz. Eine handvoll Singles sind gerade erschienen. Eine davon ist diese recht gelungene R&B, Garage, Cowpunk Scheibe von The Fabulous Penetrators aus London. ***1/2

Palm SpringsPalm Springs – Blood And Water / Stop Making Plans (7”, Rank Records, www.myspace.com/songspalmsprings)

In einer Auflage von drei Stück erschien die A-Seite dieser Single bereits vor ziemlich genau einem Jahr aus Anlass und in Würdigung der 1000sten Sendung von „Roots“ auf Radio Eins. Nun ist diese wundervolle Aufnahme dank der beiden Enthusiasten hinter Rank Records auch einem größeren Publikum auf Vinyl zugänglich. Und erst vor kurzem am vorletzten November Wochenende präsentierte sich die Band Palm Springs bei drei exklusiven Gigs in Deutschland. In Berlin war der Kreuzberger Privat Club mit rund 60-80 Zuschauern gut besucht. Die Stimmung war entspannt und die musikalische Darbietung exzellent. „Blood And Water“ ist einer der seltsamsten Lovesongs, die ich kenne. So zart und scheinbar einfühlsam. Und doch so trügerisch. Liebesschwüre eines Schwarzsehers. Dabei musikalisch kongenial umgesetzt mit Streichern und einem sehr behutsamen Arrangement. Auch die B-Seite ist von gleicher Güte. Die aus dem Echo gehauchten weiblichen Backing Vocals erinnern mich ein wenig an das „Lullaby for Rosemary’s Baby“. Musik für Verliebte in Zeiten von Wirtschaftskrise und Rezession. Aber das ist wohl schon wieder viel zu profan gedacht. Die Gestaltung des Covers und die Verpackung mit extra Beilagen verdient ein besonderes Lob. ****1/2

The Q - IssuesThe Q – Issues (10” EP, Time For Action Records, www.myspace.com/theqhq)

Eine klassische Mod Band aus den englischen Midlands. The Jam standen hier vor allem Pate, aber auch The Purple Hearts, The Secret Affair und indirekt natürlich die Vorbilder aus den Sixties. Diese EP mit vier Tracks ist das Debüt der Briten auf Vinyl. Vier formidable Tracks, die sowohl in Songwriting wie in Instrumentierung und Arrangement komplett in der Tradition der genannten Vorbilder stehen.  Das alles klingt fast schon beängstigend authentisch. Bis hin zu den Themen der Songs, die sich mit dem „mehr Schein als Sein“ und mit den idealistischen Wünschen und Träumen der Middle Class Kids beschäftigen. Nichtsdestotrotz ein feine und hörenswerte Platte im tollen Zehn Zoll Format. ****

Dr. NortonDr. Norton – Will You Find Beauty In The Brutally Ugly? (7”EP, Go-Kart Rec., www.myspace.com/drnortonbeatpunk)

Gegründet wurde diese Band wohl mal in Regensburg. Aber von der oberbayrischen Provinz zog es sie mit Umwegen über Stettin und Hamburg nach Berlin. Die Musik der vier Männer ist aggressiv und kraftvoll, zugleich aber auch aus-drucksstark und vielschichtig. Ganz in der Ferne hört man Echoes von Sixties Punk US-amerikanischer Prägung. Deutlicher jedoch sind Einflüsse von New und No Wave der späten Seventies. Television haben ebenso Spuren hinterlassen im Sound der Band wie X-Ray Spex etwa. Diese EP ist bereits die dritte Veröffentlichung der Jungs. Vier starke Aufnahmen, die man einer deutschen Band so gar nicht zugetraut hätte. ****

The Higher StateThe Higher State – And In Time / If We Don’t Realise (7”, State Rec., www.myspace.com/thehigherstategaragepsych)

Hervorgegangen aus den Überresten von The Mystreated spielen The Higher State aus Folkestone, Kent, absolut authentischen Sixties Folk Punk, der seine Vorbilder von Love über The Byrds bis zu den 13th Floor Elevators oder Zakary Thaks nicht verleugnet und doch auch eigen und zeitgemäß klingt. Zwei klasse Songs haben die vier hier aufgenommen. Schöne Harmoniegesänge und quengelnde Gitarren, getrieben von scheppernden Drums und Schellenring. Besser geht so etwas kaum. ****1/2

DeathWhite Lies – Death / Black Song (7”, Fiction Records, www.myspace.com/whitelies)

Erschien ihre erste Single noch in nur 500er Auflage auf ihrem eigenen Label, so ist das hier nun der zweite Streich auf Major Label und mit entsprechendem Marketing und Promotion Backing durch das größte Musikunternehmen der Welt. Musikalisch gibt es eigentlich kaum Veränderungen im Vergleich zum Debüt. Das Trio aus Chiswick, West London, versucht nach wie vor, den Sound der frühen Eighties Post Punk Ära mit Vorbildern von Joy Division, Bunnymen bis zu Teardrop Explodes in die Gegenwart zu übertragen. Nach wie vor scharf an der Grenze zu Kitsch und Bombast, aber mit doch eindrucksvollem Ergebnis, Glasvegas gar nicht mal unähnlich. Im Januar erscheint das Debütalbum. ****

Frank PoppFrank Popp – Hey Mr. Innocent (7”, TV Eye Records, www.myspace.com/frankpoppmusic)

Schillernde Figur und in gewisser Weise der Pate zumindest der Düsseldorfer Neo-Sixties Szene ist DJ Frank Popp, der sich hier nach längeren Auslandsreisen und längerer Bühnenabstinenz (zumindest als Musiker in eigener Sache) wieder zurück meldet mit einer von Northern Soul inspirierten Beat Nummer. Hypnotischer Beat, schnarrende Fuzzgitarrenriffs und ein käsiges Orgelriff, dazu die kräftige Stimme von Sam Leigh-Brown. Auf der A-Seite die eher puristische Beat Version, und auf der B-Seite eine etwas aufgemotzte Remix Version für die Disco. ***1/2

The Moving SoundsThe Moving Sounds – Their 08 Hits (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/themovingsounds)

Ein Quintett aus Stockholm, das uns seit gut sechs Jahren zuverlässig mit Garage Beat der traditionellen Art erfreut. Satte Fuzzgitarren, eine kraftvoll drängende Orgel, könnte Hammond sein, und eine treibende scheppernde Rhythmus Formation machen den Sound der Jungs aus. Dazu der heftig shoutermäßige Gesang. Alles nicht neu, aber immer wieder gerne gehört. So auch diese vier neuen Tracks, die im Bremer Hörwerk Analog Tonstudio entstanden. ***

The WaistcoatsThe Waistcoats – Beatschaffe EP (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)

Dies ist die erste EP einer neuen Reihe streng analog aufgenommener, gemasterter und gefertigter 7“EPs. Copase Disques bringt in loser Folge in dieser Reihe „Beatschaffe“ Aufnahmen heraus, die in einem Analog Studio mit altem original Equipment 1:1 live im Studio aufgenommen wurden. Den Anfang machen The Waistcoats, ein holländisches Garage Beat Trio, mit vier neuen Tracks, die in ihrer Spontanietät und Spartanität den Geist der Outsiders und von Q65 beschwören. ***1/2

The Hara-Kee-ReesThe Hara-Kee-Rees – The Magic Pill EP (7”EP, Soundflat, www.myspace.com/harakeerees)

Typischer 80s Garage Punk Sound von einer fünfköpfigen Band aus Köln am Rhein. Live ist so etwas immer sehr schön anzuhören und anzusehen. Auf Albumlänge überzeugt diese Musik nur sehr selten. Insofern ist diese EP hier genau das Richtige für die jungen (und auch die älteren) Garage Fans. Drei eigene Werke der Kölschen Jungs mit Farfisa, Fuzzgitarre, viel Gekreisch und vor allem Schmackes vorgetragen. 80s Garage übrigens deshalb, weil die originalen 60s Bands meist doch nicht so punky und rowdy klangen, wie auch das vierte Stück hier, ein Cover der Human Expression von 1967, deutlich macht. „Every Night“ ist eine schöne Garage Pop Ballade und der beste Track, obwohl es auch nicht wirklich großartig ist. Insgesamt knapp ***

King SalamiKing Salami & The Cumberland Three – Shake It Wild / She’s A Kukamunga (7”, Soundflat, www.myspace.com/kingsalamiandthecumberland3)

Dieses Quartett hat sich in London gesucht und gefunden. Die Single auf Soundflat Records ist ihre zweite Veröffentlichung und bietet leicht exotischen R&B beeinflussten Rock’n Roll Trash. „Shake It Wild“ macht genau das, aber was eine „Kukamunga“ ist konnte ich nicht ermitteln. Laut Lexikon handelt es sich um einen bewaldeten Steilhang auf Hawaii. In dem Song dreht es sich aber ganz offensichtlich um eine Frau dieses Namens. Merkwürdig. Zur Single gehört übrigens ein hübsches Schneidebrettchen für die Küche des Salami Fans. Die Musik ist für einschlägige Parties durchaus geeignet. ***

Electric FamilyThe Electric Family – The Inca Cosma Fudge Part 1 & 2 (7”,Sireena Records, www.myspace.com/electricfamily)

Auch in Osterholz-Scharmbeck erinnert man sich der guten alten 7“45, die allerdings in diesem Fall aus technischen Gründen mit 33 Umdrehungen in der Minute ihre Kreise zieht. Dieses achteinhalb minütige Hippie Epos entstand bereits vor Jahren bei einem Trip Tom Redeckers ins ländliche Frankenland in der Nähe von Bayreuth. Und ein psychedelischer Trip in andere Sphären ist es in der Tat. Auch ganz ohne die Hilfe bewusstseinserweiternder Substanzen. Toms sonore Stimme ist wie geschaffen für ein solches Mantra, das mit fließenden Keyboard Klängen und repetitiven Gitarrenlicks und hypnotischen Percussions unterlegt ist. ***1/2

The SatellitersThe SatellitersUnknown State (Of Mind) / Take Some Soul / Shame On You (7”, El Beasto Recordings, www.myspace.com/thesatelliters)

Eine neue Single der Satelliters aus Darmstadt ist immer willkommen. Über die Jahre haben sie sich zu einer der beständigsten und authentischsten deutschen Garage Beat Bands entwickelt. Bei ihnen klingen selbst die Eigenkompositionen meist wie von einer US Garage Combo anno 1966 verfasst und aufgenommen. Und diese neue Platte mit zwei eigenen und einem gecoverten Stück macht da keine Ausnahme. Auch hier Fuzzgitarren, Schweineorgel, schepperndes Schlagzeug, Schellenring und eine Gesangsstimme, die ganz wunderbar diesen nöligen Snarl drauf hat, der typisch ist für all diese Bands von der Chocolate Watch Band bis zu den Chesterfield Kings. Die Single kommt sehr geschmackvoll in psychedelisch blau/schwarz gesprenkeltem Vinyl. ****

The See SeeThe See See – Up The Hill / Citadel Shuffle (7”, The Great Pop Supplement, www.myspace.com/theseeseeband)

Die Band hat sich in London gefunden. Ein Folk orientierter Schwede, zwei Amis aus Detroit und noch ein Folkie aus Yorkshire spielen eine formidable Mischung aus eben Folkrock,  etwas Psychedelia und wunderbar entspanntem Pop. Einflüsse reichen von The Flying Burrito Brothers bis zu den Spacemen 3. „Up The Hill“ ist fantastisch, und auch die B-Seite geht gut ins Ohr. Leider ist die Single auf 300 Stück limitiert und wahrscheinlich schon jetzt nicht mehr zu finden. Eine zweite 7“ ist für den Herbst angekündigt und eine LP für 2009. Diese Single verdient ****

Wild Billy ChildishWild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire – Rosie Jones / Little Miss Contrary (7”, Soundflat, www.myspace.com/themusiciansofthebritishempire)

Und noch eine Single auf Soundflat Records. Wild Billy Childish muss man nicht vorstellen. Seit über 30 Jahren spielt er in diversen Bands und auch allein seine Version von Beat, R&B und Rock’n’Roll. Und so bietet auch diese Single musikalisch nichts wirklich Neues oder gar Überraschendes. „Rosie Jones“ hat jedenfalls ein prägnantes Riff und einen Singalong Charakter, der an frühe Kinks, Who oder Pretty Things Nummern erinnert. Das Cover kann man aufklappen, und wie bei Sgt. Pepper liegen Schnittmusterbögen zum Basteln bei. ***1/2

Coming Around AgainBaby Woodrose – Coming Around Again / I Feel High (7”, Bad Afro, www.myspace.com/babywoodrose)

Wie es sich gehört enthält die neue Single der dänischen Garage Psych Combo zwei exklusive Tracks, die es sonst nirgends gibt. Noch dazu zwei ganz großartige Songs, im richtigen Sound und Arrangement vorgetragen. Die A-Seite ist ein solider Garage Rocker mit überzeugender Hookline und schön bratziger Gitarre. Auf der B-Seite dagegen ein kleines Psych Monster mit akustischer Gitarre, rückwärts Percussion, Farfisa Licks und allerlei hübschen Effekten zu einem entsprechend abgehobenen Text. Das Cover wurde übrigens von Kiryk Drewinski aus Berlin gestaltet, der direkt bei den großen Pop Art Künstlern der Sixties in die Lehre gegangen ist. Diese Single ist rundum perfekt und die beste 7“45 des Garage Beat Genres bisher in diesem Jahr. ****

Freakbeat PhantomThe Rascals – Freakbeat Phantom / Shades Of Embar-rassment / Hand In The Shadow (10”, Deltasonic, www.myspace.com/rascalmusic)

Der Titel dieser Single darf als programmatisch gesehen werden. Und das obwohl es sich hier gar nicht um Freakbeat im engeren Sinn handelt. Ja nicht einmal um Garage Beat. Die Sixties Einflüsse sind freilich nur allzu deutlich. Joe Meek geistert da durch die Arrangements und Effektabteilung der Rascals aus Wirral bei Liverpool. Die Produktion ist phantastisch. Klar und durchsichtig trotz des enormen Halls an einigen Stellen, aber auch kraftvoll und mit einem gewissen Punch. Hervorragende Dynamik. Der Song selbst ist schlicht großartig. So klingt intelligente Fortführung des Sixties Pop. Trotz starker Konkurrenz ist dies bislang meine Single des Jahres! Auch die beiden Tracks auf der B-Seite der 10“ sind überdurchschnittlich gut. In Ermangelung eines passenden Genre Begriffs muss ich die Musik der Rascals Psychedelic Beat nennen. *****

J. SmithTravis – J. Smith / Get Up / Sarah (10”, Red Telephon Box, www.myspace.com/travis)

Ja, es ist wirklich ein gutes Jahr für Singles. Auch dies hier ein Anwärter für die vorderen Plätze. Die beste Travis Single seit langem. Endlich haben sie wieder Biss und einen druckvollen Sound. „J. Smith“ ist genial. Sowohl als Song wie auch in seiner Umsetzung hier. „Get Up“ entwickelt eine wunderbare Atmosphäre und Spannung. Und auch „Sarah“ überzeugt mich schließlich, obwohl es noch wie ein Outtake vom letzten Album klingt. Warum diese 10“ auf ihrem eigenen Label in limitierter Auflage erscheint, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine nächste Single (dann bei Universal) ist bereits für Mitte September angekündigt. Im Moment freuen wir uns aber erst mal hierüber! ****1/2

GeraldineGlasvegas – Geraldine / The Prettiest Thing On Saltcoats Beach (7”, Columbia / Sony BMG, www.glasvegas.net)

Eine von zwei verschiedenen 7“45s der schottischen Band. Die B-Seite ist jeweils eine andere. Wer die bisherigen Veröffentlichungen der Jungs kennt, erlebt keine Überraschung. Ja man kann sogar behaupten, James Allan klaut hier kräftig bei sich selbst. So eingängig und gefühlvoll diese hymnischen Schmachtnummern auch klingen, „Geraldine“ ist die bisher schwächste. In dem Bestreben alles richtig zu machen und die perfekte Radiosingle mit ihrem Major Debüt zu produzieren ist die Band wohl zu sehr auf „Nummer sicher“ gegangen. „Geraldine“ ist zu perfekt, zu vorhersehbar. Es wird dennoch ein Hit werden, zumindest im UK. Und die Single ist ja auch nicht schlecht, versteht mich da nicht falsch. Auf dieser B-Seite hier eine sehr ruhige, sehr schöne, fast Filmmusik reife Melodie. Die Single kommt in azurblau. ****

Goodnight MonstersGoodnight Monsters – Drifting / Dancehall (7“, Bone Voyage, www.myspace.com/goodnightmonsters)

Diese Band aus Turku begann vor vier Jahren als Wohnzimmerprojekt zweier Oberschüler. Gerade ist ihr zweites Album erschienen. Und diese Single hier ist Teil der 7“45 Offensive des in Hamburg residierenden deutschen Labels der Band 22 Pistepirkko. Auf der My Space Seite der zum Sextett gewachsenen Goodnight Monsters steht etwas von „alternative mersey beat“, und The Hollies werden als Einfluss genannt. Das ist gar nicht so verkehrt. „Drifting“ ist ein absolut perfekter Sixties Pop Song, den The Hollies oder auch 15 Jahre später The Times nicht besser hinbekommen hätten. Die Jungs von der finnischen Westküste haben aber auch so etwas zeitlos unbeschwert Dreampop mäßiges an sich. Ganz zauberhaft! ****1/2

Joensuu 1685Joensuu 1685 – Sick City / Walk On Water (7“, Bone Voyage, www.myspace.com/joensuu1685)

Wie schon der Bandname vermuten lässt sind auch das hier Finnen. Allerdings kommen sie nicht etwa aus dem ostfinnischen Städtchen Joensuu, nein, sie tragen nur alle diesen Familiennamen, der in Finnland fast so häufig ist wie bei uns Meier oder Schulze. Auch dieses Trio orientiert sich an der Musik der 60er Jahre. Und mit ihren berühmten Label Kollegen und Mäzenen 22 Pistepirkko haben sie rein soundmäßig auch viel gemeinsam. Beide Tracks dieser Single hier sind von schwer psychedelischer, hypnotisierender Atmosphäre geprägt. 13th Floor Elevators meet The Spiritualized möchte man meinen. Beeindruckend. ****

The MicragirlsThe MicragirlsRock’n’Roll Rocket/Rayspectrometer Gal /Haunted Heart (7“, Bone Voyage, www.themicragirls.com)

Diese drei Garage Girls aus dem ostfinnischen Kuopio kennen wir bereits. Seit 2001 spielen sie mit viel Aplomb und völlig unbekümmert den schönsten, herzerfrischendsten primitiven Rock’n’Roll diesseits des Atlantik. Diese 3-track Single ist ihre mittlerweile vierte in diesem Format. Und wie ihre Vorgänger enthält sie wieder halsbrecherische Kracher mit quietschender Orgel, fetziger Gitarre und scheppernden Drums, sowie mit „Haunted Heart“ eine feine Garage Ballade aus tiefstem Herzen. ****

White DenimWhite Denim – Let’s Talk About It / Darksided Computer Mouth (7”, Full Time Hobby, www.myspace.com/bopenglish)

Austin, Texas, ist die Heimatstadt dieses Trios, das bereits vor einem Jahr beim renommierten SXSW Festival als bester Newcomer gefeiert wurde. Ihr Debütalbum erscheint auch gerade. Diese Single hier versprüht eine anarchistische Kraft und Energie, dass es eine Freude ist. Hier passt der Begriff Post Punk wirklich mal. Unglaublich diese in die Beine gehenden Rhythmen gepaart mit subversiver Spielfreude und einem Ideenreichtum, der sich aus mehr als zwei Jahrzehnten US Underground speist. Von Hardcore über Funk bis zu Space Jazz. Schräg. Die Single ist zweifarbig rot/weiß. ***1/2

White LiesWhite Lies – Unfinished Business / You Still Love Him (7”, Chess Club Records, www.myspace.com/whitelies)

Einer von diesen typischen Hypes der britischen Medien, könnte man meinen. Ein junges Trio mit einer auf 500 Stück limitierten 7“, die bereits wenige Tage nach Erscheinen vergriffen ist und nun bei Ebay für 20-25 Pfund angeboten wird. Die A-Seite gibt es übrigens als kostenlosen Download über die My Space Seite der Band. Aber reden wir über die Musik. Und die ist gar nicht mal schlecht. Erinnert spontan an grandiosen Pop zwischen The Mighty Wah und Glasvegas. Sehr eingängig, sehr dramatisch. Aber auch ein bisschen zu sehr auf Wirkung und Eindruck machen aus, fürchte ich. Nach den ersten Spins steigert sich meine Begeisterung noch. Ob sie jedoch bis zur Jahresendabrechnung hält, wird sich zeigen. White Lies könnten auch in Richtung Muse oder U2 abgleiten. Wir wollen hoffen, dass dies nicht geschieht. ****

ClinicClinic – The Witch / Earl Mallard (7”, Domino Records, www.clinicvoot.org)

Moderner Acid Rock von einer Band aus Liverpool. Die Single ist Vorbote ihres bereits fünften Albums in gut zehn Jahren. Sind bisher mehr oder weniger an mir vorbei gegangen die Burschen. Erinnert erstaunlich an US Garage und Psych Punk diese Single. Neben einem treibenden hypnotischen Rhythmus fallen besonders diverse psychedelische Effekte auf. Der Song handelt von einer Hexenjagd, die allerdings nicht näher erläutert wird. Auf der Flipside wird es noch mysteriöser und klanglich experimenteller. Freunde von Nuggets und Rubble Compilations sollten hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. ***1/2

The DraytonesThe Draytones – Turn It Down / Happiest Man (7”, 1965 Records, www.myspace.com/thedraytones)

Ebenfalls sehr Sixties beeinflusst ist dieses Trio aus London. Eine Single und ein Mini-Album erschienen letztes Jahr. Diese neue Single ist in gewisser Weise traditioneller und noch stärker am Beat britischer Bands Mitte der 60er Jahre orientiert. „Turn It Down“ klingt zwar letztlich doch modern, aber der Song und alle einzelnen Zutaten sind direkt von The Who, The Eyes oder ähnlichen Mod Bands abgeschaut. Das wievielte Sixties Revival erleben wir nun? Feine Sache jedenfalls! Eine LP der Groovy CellarBand kommt auch bald. ****

The Groovy Cellar – When You Fly Away / April Moon (7”, Firestation Records, www.myspace.com/thegroovycellar)

Mal wieder ein Lebenszeichen von Berlins inzwischen ältester Mod und Dreampop Band. „When You Fly Away“ ist wieder so ein typisches Olaf Schumacher Liebeslied, so eine Art hymnischer Jangle Pop, unterfüttert von Orgelakkorden, einzelnen Pianotönen, einem freundlichen Shuffle Rhythmus und den regelmäßigen Schlägen eines Schellenrings. Das Songwriting erinnert an den schönsten Britpop, den man sich vorstellen mag. Beinahe bombastisch arrangiert das Ganze dieses Mal. Die Flipside bietet einen weiteren Ohrwurm. Uptempo und unwiderstehlich. Solche Songs schreiben nur Olaf Schumacher, Dan Treacy oder Graham MGMTGouldman. ****1/2

MGMT – Time To Pretend / Weekend Wars (7”, Columbia Records, www.myspace.com/mgmt)

MGMT sind ein Pop Duo aus Brooklyn, New York. Ihre Musik ist verspielt, fröhlich, ein bisschen exaltiert und erinnert an alles Mögliche von Kinderliedern über klassischen Britpop bis zu altbackenem Synthi Pop. Zumindest dem Ohrwurm „Time To Pretend“ kann man sich kaum entziehen. Eigentlich bietet der psychedelische leicht verschrobene Indie Pop Track auf der B-Seite der Single aber mehr und abwechslungsreicheren Hörgenuss. Erinnert an so Vieles, von Keith Wests „Grocer Jack“ bis zu Roxy Musics „Editions Of You“. Erstaunlich! ****

Panic At The DiscoPanic At The Disco – Nine In The Afternoon / Behind The Sea (7”, Atlantic Records, www.panicatthedisco.com)

Noch mehr verspielter Retropop, der rein vom Gefühl her im Swinging London der Jahre 1967-69 hätte entstehen können. Dabei kommt dieser wunderschöne Harmoniepop, von Streichern, Bach Trompeten und rückwärts gespielten Tape-Loops unterstützt, aus Las Vegas, 2008. Dass diese Band mal als Blink 182 Coverband angefangen hat, kann man sich kaum vorstellen. Ihre Musik ist herrlich unbeschwert und weit entfernt von irgendeiner Art Rock’n’Roll. Das Schöne dabei ist, man vermisst den Rock’n’Roll The Poem Is Youüberhaupt nicht. ****

The Poem Is You – The Ballad Of Old Harold / Please, Don’t Take My Man (7”, KF Records, www.kfrecords.de)

Eine noch recht junge Folk Band, deren sechs Mitglieder aus Dresden, Berlin, Belgien und Massachussetts stammen. Ihre beiden Tracks auf dieser Single klingen sehr traditionell wie typischer Folkrock aus den frühen 70er Jahren. Speziell „The Ballad Of Old Harold“ hat einen gewissen Charme, der von dem Kontrast der verschachtelten Männer- und Frauenstimmen und der sehr ökomomischen und stilsicheren Instrumentierung lebt. Das zarte Liebeslied auf der Rückseite bleibt dagegen ein wenig blass. Sympathisch allemal. ***

The Duke SpiritThe Duke Spirit – The Step And The Walk / Echo Song (7”, Love Token, www.myspace.com/thedukespirit)

Klasse! Die neue Single der besten britischen Band der letzten Jahre vereint wieder alles, was ich an ihr liebe. Vom ersten böse pulsierenden Basston über die Uuh-Uuhs aus der Ferne, den monotonen immer dringlicheren Rhythmus, die charismatische Stimme von Liela Moss bis zu den dezent gesetzten Gitarrenlicks hinter den Akkordwänden vorn. Das alles hat eine phantastische und faszinierende Wirkung. Spannung pur! Bis zum Ende. Worum es in dem Song geht, hab’ ich trotzdem nicht verstanden. Macht nichts. Der „Echo Song“ auf der Flipside ist dagegen eine schöne entspannende Erholung. Sehr fein! ****1/2

GlasvegasGlasvegas – It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry / Be My Baby (7”, Sane Man Recordings, www.myspace.com/glasvegas)

Die dritte Single der Band aus Glasgow. Die erste kenne ich leider nicht. Die zweite ist die Single des Jahres 2007. Diese hier ist sowohl vom Songwriting wie produktionstechnisch der vorigen sehr ähnlich. Leider erreicht sie nicht die gleiche Einmaligkeit. Versteht mich nicht falsch. „My Own Cheating Heart“ ist immer noch großartig. Wenn diese Nummer nicht ganz so überwältigt und einen fassungslos vor Freude macht, dann liegt das vermutlich daran, dass das Überraschungsmoment fehlt und vielleicht auch daran, dass die Story nicht ganz so herzergreifend ist. Als Band, die für diesen hallüberladenen Wall of Sound steht, „Be My Baby“ zu covern, ist vielleicht nicht besonders originell, aber das Ergebnis klingt nicht weniger als wunderbar! Und was sollte falsch daran sein, einen der besten Songs aller Zeiten zu spielen? ****1/2

The TasteThe Taste – I Want You / I Die When The Night Comes (7”, Rank Records, www.myspace.com/tastethetaste)

Wonach diese Debütsingle nicht klingt, das ist München und Deutschland. Aber genau daher kommen Maria und Nick Pattusch, ein junges Paar, das die Rollenverteilung der White Stripes kurzerhand umgekehrt hat. Er spielt die Drums und sie singt und spielt Gitarre. Kraftvoller spröder Postrock mit viel Aplomb vorgetragen. Gefühl und Härte war mal so ein Schlagwort in den frühen Achtzigern. Passt hier auch. „I Want You“ ist ein guter Song, der absolut adäquat präsentiert wird in einem Spannungsfeld zwischen Wire und Television. „I Die When The Night Comes“ ist nicht weniger eindringlich und fast ebenso eindrucksvoll. Man sollte die Single mehrfach hören. Beide Seiten. Sie wächst. ****

TwigTwig – Ciao Ciao Bomb / Wentworth (7”, Cloudberry Records, www.myspace.com/twigsweden)

Stockholm ist die Heimatstadt dieses Trios, das Twee Pop und klingelnde Gitarren mit stürmischen Beats und lieblichem Gesang verbindet. Orange Juice standen da ebenso Pate wie The Associates oder The Divine Comedy. Etwas irritierend ist die Tatsache, dass sich A und B-Seite dieser Single schon sehr ähneln. Erschienen ist die Vampire WeekendPlatte übrigens in Florida in strikt limitierter Auflage. Eine kleine Bildergeschichte liegt auch noch bei. Feine Sache! ***1/2

Vampire Weekend – Mansard Roof / Ladies Of Cambridge (7”, Abeano Music, www.myspace.com/vampireweekend)

Die B-Seite mit dieser bezaubernden Violine und dem an eine feierliche Hochzeitszeremonie erinnernden Zwischenteil finde ich viel schöner als die zwar originelle und hinreichend exotische aber auch schnell langweilige A-Seite. Aus New York stammt die Band, die bereits hier und da als „The Next Big Thing“ gehandelt wird. Erfrischend auf jeden Fall und musikalisch durchaus innovativ. Auf Albumlänge aber wohl zu exotisch für mich. ***1/2

YeasayerYeasayer – 2080 / Sunrise (7”, We Are Free, clear light green vinyl, www.myspace.com/yeasayer)

Noch eine Kapelle aus Brooklyn, New York, die bereits vielfach gelobt wird. „Middle Eastern Psych Pop/Snap Gospel” nennen sie selbst ihre Musik. Das sind also polyrhythmische Songstrukturen, wie die Spex diesen leicht exotisch gefärbten Sunshine Pop bezeichnet. Ok, Harper’s Bizarre oder The Hobbits klangen anders. Aber so ungewöhnlich oder gar ungewohnt klingt das hier nun auch nicht. Sehr hübsch hört sich diese Verbindung von allerlei Percussion, akustischen Zupf- und Saiteninstrumenten sowie Zimbeln und Glockenspiel an. Der mehrstimmige Gesang dazu wirkt stellenweise tatsächlich tribalistisch. Und vielleicht sind da ja wirklich ein paar afrikanische Einflüsse verarbeitet. Vor allem bei „Sunrise“. ***1/2

22 Pistepirkko22 PistepirkkoAngoulême 2036 / Sky Girl (slide demo) (7”, Bone Voyage, www.myspace.com/22pistepirkko)

Neues von meinen Lieblingsfinnen. Auf der A-Seite ein für die Band sehr typischer Track. Sowohl der nasale, leicht nuschelige Gesang von PK Keränen, als auch der typische Swamp Blues Shuffle und der schlichte, aklamatorische Charakter des Songs erinnern an frühere Werke der Band aus den  Neunziger Jahren. Angoulême ist ein Ort in Frankreich, in welchem jährlich eine der größten Comic Messen Europas stattfindet. Ob und was das mit dieser Single zu tun hat, habe ich nicht ermitteln können. Die eher kryptischen und kaum verständlichen Lyrics geben da nichts her. Der Track hat eine eigenartig hypnotische Wirkung. Fast psychedelisch. Die B-Seite bietet einen wundervoll atmosphärischen Track. Eine tolle Slide Gitarren Begleitung zu einem verträumten Liebeslied. ***1/2

Turner CodyTurner Cody – Suzzannah / Liza (7“, Boy Scout Recordings, www.myspace.com/misterturnercody)

Turner Cody ist ein Kumpel von Adam Green aus Brooklyn. Das soll uns aber bestimmt nicht abschrecken. „Suzzannah“ ist eine mysteriöse akustische Nummer mit einer wunderbaren Melodieführung und ungewöhnlicher Instrumentierung. Neben Akustikgitarre, Akustikbass und dezenter Percussion setzt ein schräges Saxophon effektvolle Akzente. Der Track erinnert mich sehr an die großartigen Bone-Box aus England. „Liza“ auf der Rückseite ist ein akustischer Kaffeehaus Charleston, wieder unterstützt von diesem seltsamen Saxophon und einer Fiddle. **** 

 

Lot LizardsLot Lizards – Leave Me Alone (I’ve Got A Bomb) 7 Neon Lights / Candy Man (7”, Perpetrator Records, www.myspace.com/lotlizardslondon)

Eine Londoner White Stripes Kopie? Auf den ersten Blick könnte man so denken. GG Cicciolina spielt eine sehr rohe und bratzige Gitarre, Meg (sic!) Slim spielt Schlagzeug im Stehen und kreischt. Doch sind die beiden eher einer Tradition US-amerikanischen Hardcore Punks verpflichtet, die von Bands wie The Gories oder Pussy Galore repräsentiert wird. Beeindruckend ist dieser kompromisslose und ehrlich wütende Lärm auf jeden Fall. Warum ihre erste Single ausgerechnet in Auckland, Neuseeland, erscheint, ich weiß es nicht. Die zweite (etwas schwächere) Single wurde fast zeitgleich in Frankreich veröffentlicht. ***1/2

Carbon / SiliconCarbon/Silicon – The Magic Suitcase / Acton Zulus (7”, Carbon/Silicon Records, www.myspace.com/carbonsiliconinc)

Schön, dass sich Mick Jones (ex-Clash) und Tony James (ex-Generation X) nun endlich doch dazu durchgerungen haben, auch Leute, die ihre Musik auf die gute alte analoge Art zu hören pflegen, an ihrem durchaus hörenswerten Output teilhaben zu lassen. Ich kenne ihre früheren Werke nicht, diese Single hier und auch eine zweite bereits erschienene 7“ klingen jedoch sehr nach Jones’ früheren Sachen, die er bereits bei The Clash und dann später bei Big Audio Dynamite zu verantworten hatte. „The Magic Suitcase“ ist ein etwas seltsamer, beinahe phantastischer Song über die Vergänglichkeit allen Seins. Einschmeichelnde Melodie, beinahe konventionelles Arrangement. Auf der B-Seite geht es um die Zukunft im digitalen Zeitalter, ein Thema, das sich wie es scheint ständig durch die Songs der beiden ex-Punks zieht. Die Melodie auch hier absolut typisch Mick Jones. Keiner klaut besser bei sich selbst als er. ***1/2

I Know What You Did Last SummerThe Cheeks – I Know What You Did Last Summer EP (7” EP, Beyond Your Mind Record, www.thecheeks.de)

Der Titeltrack dieser EP sollte eigentlich als Twang! 7“45 erscheinen. Hat aus finanziellen Gründen leider nicht geklappt. Das ändert nichts daran, dass diese Nummer große Klasse ist! „Summer“ hat alles, was eine gute Garage Pop Single braucht. Ein Orgel-Intro, dass sofort Aufmerksamkeit erweckt, eine unwiderstehliche Hookline, einprägsamen Refrain, tolles Arrangement mit Fuzztone Riffs, kurzem Schweinesolo, ein paar hübschen Effekten als Sahnehäubchen. Auch die anderen Tracks auf der EP halten den hohen Standard, den die Jungs und das Mädel (an den Drums) aus Dortmund sich mit ihrem letzten Album gesetzt haben. „Memory Line“ ist eine einschmeichelnde Beatnummer mit Kirmes Orgel. „On A Night Like This“ kommt als kurzer, knackiger Garage Rocker daher, ebenfalls mit relativ dominanter Orgel. Und der letzte Track „The Ballad of Will-o-the-Whisp“ hat was von typisch britischem Artpop des Swinging London der späten Sixties. Feine Sache! ****

Get Off My TrackGraham Day & The Gaolers – Get Off My Track / The Man Who Came Back (7”, Disques Volfoni, www.myspace.com/grahamdayandthegaolers)

Graham Day ist unverwüstlich. Nach dem Ende der Prisoners, der englischen Mod Band der Eighties schlechthin, gründete er The Prime Movers, später dann The Solarflares und nun ist er wieder da mit einem Trio, das sich The Gaolers nennt (gesprochen „Jailers“). Anfang November spielte die Band im Bang Bang Club in Berlins Mitte. Laut, druckvoll, krachig. Ein bisschen zu laut, fand ich. Und das Repertoire war trotz diverser typischer Mod Rocker zu wenig abwechslungsreich, zu sehr runtergedroschen von den zweifellos versierten, professionellen Musikern. Das Album der Band habe ich noch nicht. Aber diese Single hier ist großartig! Hier klingt Mister Day so wie man ihn kennt und liebt. Natürlich druckvoll, natürlich kompromisslos, mit der nötigen Schärfe und kontrollierter Wut. Eine Single für alte und junge Mods und Rocker. Klasse! Auf der B-Seite ein ordentliches Garage Rock Instrumental. ****

The BombettesThe Bombettes – What’s Cooking Good Looking? (7”EP, Ny Våg Records, www.myspace.com/thebombettes)

Großartige Girl Punk Band aus Umeå in Nordschweden. Direkt und mit unglaublich viel Energie und Spaß spielen die fünf Mädels klassischen schnellen und überzeugenden Punk Pop wie die Revillos oder Kleenex damals. „I wanna kick your ass, 'cos you’ve got a nice ass!“ schmettert Leadsängerin Elin den Jungs entgegen. Wer will da widerstehen?! Vier kurze knackige Songs um Themen, die schon immer die Welt bewegten. „I stole a look from you while dancing to the Who.“ Oder „I’m bored, and your record collection is too small…” Die Mädels sehen übrigens auch noch klasse aus! ****

College FallCollege Fall – Gravity / That’s The Way Love Is (7”, Ride Records, www.collegefall.com)

Seit zwei Jahren gibt es dieses Indie Pop / Shoegazer Trio aus Perth, Westaustralien. Glenn Musto sowie Jodie und Simon Bartlett (Geschwister oder verheiratet?) spielen aufgeräumt und mit viel Aplomb sehr eingängigen und mitunter ver-träumten Gitarrenpop. Jodie singt mit überzeugender Stimme. „Gravity“ ist ein Ohrwurm, der schöne Erinnerungen weckt an Eighties Pop mit seiner hübschen Synthi Figur und den kräftigen Gitarren Riffs später im Arrangement. Die B-Seite ist das Cover eines Acid House bzw. Techno Titels von Ten City. Ich kenne zwar das Original nicht, aber diese Version hier klingt eben wie Shoegazer Pop mit einem Touch Soul. Die Band scheint ihre Platten vor allem im UK und in Finnland zu veröffentlichen. Auf Tournee durch halb Europa waren sie auch gerade. ****

The Imperial SurfersThe Imperial Surfers – Twist, Twist! + 3 (7”EP, Soundflat Records, www.theimperialsurfers.com)

Wie der Titel vermuten lässt handelt es sich hier um eine Twist Kapelle, die auch Frat Rock und Surf Sound im Repertoire hat. In Madrid, Spanien sind die Herren zuhause. Dieses ist ihre zweite Veröffentlichung mit vier Instrumental Nummern, mal flott und heftig, mal etwas moderater aber nicht weniger zackig. Neben der Gitarre setzt vor allem ein Saxophon schöne Akzente. Sehr hübsch dabei ihre Version von „If I Had A Hammer“. Was die Herren mit „Hünken Sound“ meinen, bedarf allerdings noch der Klärung. ***

Kula ShakerKula Shaker – Second Sight / Out On The Highway (acoustic version) (7”, Strange Folk, www.kulashaker.co.uk)

Da sind sie also wieder. Das Album bisher zwar nur als CD erhältlich, aber diese Single hier knüpft sehr schön da an wo die Band Ende 1999 nach dem Weggang von Crispian Mills aufhörte. Sixties orientiert und Westcoast informiert in Songwriting und Sound. Erwachsener auch. Der indische Firlefanz – so hübsch er im Einzelfall ja war – ist zugunsten einer kraftvollen Direktheit und kaum noch verspielten Klarheit gewichen. Satte Gitarrenriffs und Hammond Breitseiten aber auch schnelle Tempowechsel und knappe jedoch prägnante Solo Vignetten. Dazu ein einprägsamer Song. Immer noch unverkennbar Kula Shaker. ****

The SatellitersThe Satelliters – It Came To Me + 3 (7”EP, Soundflat Records, www.thesatelliters.de)

Immer noch die beste deutsche Neo-Sixties bzw. Garage Rock Band sind The Satelliters aus Darmstadt. Die beständigste sind sie inzwischen auch. Der Titeltrack ist ein gelungenes Cover des Nederbeat Stompers von The Q65. Manisch und wild und komplett mit Harmonika Solo. Die drei eigenen Songs der Band sind aber mindestens genauso gut. Die Jungs haben sich seit Jahren dermaßen in diesen Sixties Garage Style vertieft, sie können wohl nur noch Originale schreiben, die klingen als wären sie 40 Jahre alt. Feine Fuzzgitarre, oszillierende Orgelklänge, treffliche Trommeln! Mein Favorit hier der letzte Track „Cry, Cry, Cry“ mit dem an die Yardbirds gemahnenden sitarähnlichen Gitarrenriff und dem unerwarteten Shuffle Rhythmus. Große Klasse! ****

The SoundcarriersThe Soundcarriers – I Had A Girl / Without Sound (7”, Heron Recordings, www.myspace.com/thesoundcarriers)

Wenn das Attribut „psychedelic“ in der Pop Musik heute noch irgendeine Bedeutung hat, dann bestimmt für die Musik dieses Quartetts aus Nottingham, England. Jüngere Musik Freunde mögen das auch Dreampop oder Shoegazer Sound nennen. Aber die klassischen Merkmale eines Psychedelic Sound sind da. Neben den fast elfenhaften Harmonien sind das bestimmte Akkordfolgen und Melodiebögen, gar nicht so sehr die Instrumente, die mit Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboards ja klassisch zu nennen sind. Wie sie aber klingen und eingesetzt werden, dass ist so wirkungs- wie geheimnisvoll. Unwillkürlich denkt man an Strawberry Alarm Clocks, an Susan on the Westcoast waiting oder an Crystal Ships am Horizont. Beide Tracks auf dieser Single sind wunderbar. Aber „I Had A Girl“ hat dieses gewisse Etwas, das den Song und die Aufnahme zu dem Besonderen machen. Eine der Singles des Jahres ohne jeden Zweifel! *****

Kakka-Hätä 77Kakka-Hätä 77 – WTC Räjähtää EP (7”EP, Combat Rock Industry, www.myspace.com/kakkahata77)

Klassischer 77er Punk Rock aus Finnland. Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass diese Band und diese Platte ganz aktuell in diesem Jahr erschienen. Musikalisch und inhaltlich unterscheiden sie sich überhaupt nicht von den finnischen Punks der ersten Stunde.  Kakka-Hätä, das ist es was kleine Kinder verspüren, die dringend auf’s Töpfchen müssen. Der EP Titel lautet übersetzt: WTC (World Trade Center) explodiert. Und die Songs handeln von den klassischen Punk Themen Langeweile, Gewalt im TV, vom System, das nicht funktioniert und von Spaß und Pogo. Sollte man nicht allzu ernst nehmen. Aber es scheint anzukommen in Finnland. Das ist bereits die zweite Auflage der EP in pissgelbem Vinyl. ***

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