
Die Kurzen (Singles, EP) Longplay (LP, CD) Re-Issues Live Gigs Fanzines Unsigned Talent Album des Monats News Links
Letztes Update: 02. Juni 2009
Die Kurzen
Die Bewertungsskala:
Materialverschwendung! - **
muss man nicht kennen - *** sollte man
mal gehört haben - ****
Anschaffung sehr zu
empfehlen - ***** gehört in jede
Plattensammlung!
Eine Band
aus New York, gegründet 2003, musiziert irgendwo im Spannungsfeld zwischen
Velvet Underground, Punk, Suicide und Psychedelia. Vor allem „Sugar
Baby“ erinnert stark an Alan Vegas Suicide. Aber auch „Love Is A
Wave“ mit schnellem, unruhigem Tempo, starkem Hall auf dem Gesang und
einem typischen New Yorker Post Punk New Wave Sound steht in genau dieser
Tradition. Es kommt eben alles wieder. Die Single ist gepresst in einem
zufälligen Muster schwarz/weiß changierend wie bei diesen Lightshows damals. Sehr
schön. ***1/2
The Dead
Weather – Hang You From The Heavens / Are Friends Electric (7”,
Third Man, www.thedeadweather.com)
Jack Whites neuester Streich und
zugleich so eine Art Supergroup des Alternativ Rock. Mit dabei
sind Gitarrist Dean Fertita von The Queens Of The Stone Age, Jack Lawrence am
Bass (The Greenhornes, The Raconteurs) und die Sängerin Alison Mossheart von
The Kills. Natürlich
hört man der Plugside an, dass sie von Jack White mit arrangiert und produziert
wurde. Geschrieben wurde der Song jedoch von Mister Fertita und Miss Mossheart.
Druckvoller, aggressiver, Rock erklingt aus den Boxen. Mit dröhnendem Bass und
schweren Gitarrenriffs. Die Flipside bietet eine rockigere Version von Gary
Numans „Are Friends Electric“, die sich im Prinzip jedoch streng an
das Arrangement des Originals hält. Wohl ersetzt eine altmodische Orgel den
Synthesizer. Sie klingt aber erstaunlicherweise fast genauso. Alisons Art zu
singen ist es, die hier stark beeindruckt. ***1/2
Television Personalties – People Think
That We’re Strange / A Glimpse Of My Genius (7”, Elefant Records, www.myspace.com/tvpersonalities)
Das neueste
Lebenszeichen von Dan Treacy. Ein seltsamer Kauz war er ja schon immer.
Ziemlich böse abgestürzt war er eine Zeit lang. Und nach seinem Comeback 2004
wirkte er immer noch ziemlich angeschlagen. Davon ist nun nichts mehr zu
spüren. „People Think That We’re Strange“ zeigt einen
abgeklärten, humorvollen Dan Treacy auf der Höhe seiner Songwritingkunst.
Musikalisch knüpft der Track bei früheren typischen TVPs Werken an, wenn auch
die ganz große Klasse der frühen Singles von „I Know Where Syd Barrett
Lives“ bis zu „Sense Of Belonging“ nicht erreicht wird. Auf
der Flipside ein weiteres Beispiel anarchistischer Underground Kultur zwischen
Jonathan Richman und Pavement. In dem Song „A Glimpse Of My Genius“
kriegen sie alle ihr Fett ab, von Noel Gallagher bis Lily Allen. Die Single ist
exklusiv, limitiert und in weißes Vinyl gepresst. ***1/2
Black Time – ICU / Corpse Life / Doomsday Parade
(7”, Skulltones, www.myspace.com/blacktimemutant77)
Aus London stammt dieses Garage Punk Trio. „ICU“
(I see you) klingt genau so, als wäre es direkt von einem altem Magnetophonband
überspielt worden, dass über 40 Jahre in irgendeinem Speicher vergessen wurde.
Songwriting, Arrangement, Attitüde – alles anno 1966 Texas oder Arizona.
Der zweite Track ist dann schon mehr 77er Punk oder doch eher Postpunk, wild
und roh. Das längliche „Doomsday Parade“ kommt düster und garstig,
aber nicht resignativ sondern trotzig daher. Die Single ist auf 500 Stück limitiert und handnummeriert. ***1/2
Peter Doherty – The Last Of The English Roses /
Don’t Look Back (7”,
Parlophone, www.myspace.com/gracewastelands)
Über Petes Drogengeschichten, seine Unzuverlässigkeit und
seinen Lebenswandel ganz allgemein sollen die britischen Boulevardzeitungen
schreiben. Das interessiert mich nicht. Mich erstaunt nur immer wieder, wie der
Junge letztlich die Kurve kriegt. Dieses Lebenszeichen in Form einer ersten
Solosingle ist ein positives. Schön abgeklärt, entspannt und nach mehrmaligem
Anhören sehr eingängig erklingt diese Hommage an die letzte englische Rose.
Graham Coxon spielt Gitarre. Doch erinnert die Aufnahme eigentlich eher an den
anderen Blur Mann Damon Albarn und sein Gorillaz Projekt. Doch letztlich ist es
nur ein sehr englisches Lied in typischer Britpop Tradition. Sollte Pete
tatsächlich erwachsen geworden sein? Die ebenfalls hörenswerte B-Seite
„Don’t Look Back“ lässt diese Vermutung zumindest zu. Das
Album erscheint auf Vinyl erst Ende April. Ich hab es noch nicht gehört. ****
Exlovers – Photobooth / Weightless (7“, Young And Lost Club, www.myspace.com/weareexlovers)
Noch so eine Sixties beeinflusste Gitarren-Indie-Pop Band
aus London. Ihre Debüt Single wirkt ein bisschen unscheinbar, unspektakulär,
unauffällig. Könnte Absicht sein. Bei näherem Hinhören bemerkt man jedoch ein
paar feine Melodien und ein an die C86 und Anorak Szene der 1980er Jahre
erinnernde Attitüde in Sound und Aufmachung. Shoegazer Pop kann man auch sagen. Entwicklungsfähig. ***1/2
The Left Outsides – The Third Light / Deep
Rivers Move In Silence; Shallow Brooks Are Noisy (7”, Hi-Beat Records, www.myspace.com/theleftoutsides)
Kollege Wolfgang Doebeling hat bereits im Rolling Stone
(174, 04/09) die passende Worte gefunden für diese wunderbare Single im limitierten
Brokatstoffcover. Die Band – eigentlich nur ein Duo bestehend aus Alison
Cotton (voc, viola) und Mark Nicholas (g, harmonica, voc) – besteht seit
2003, stammt aus London und war offenbar letzten Sommer in Berlin zu Gast.
Warum hat das niemand mitbekommen? Auch diese von Syd Barrett oder Nick Nicely
ebenso wie von Fairport Convention inspirierte Single erschien bereits im Juli
2008. Zum Glück für uns blieb sie weitgehend geheim, sonst hätten wir keines
der auf 100 Stück limitierten Exemplare mit handgenähtem Brokatcover mehr
abbekommen. ****1/2
The See See – Keep Your Head / Clap Your Hands
And Shake A Chain (7”,
The Great Pop Supplement / Heron, www.myspace.com/theseeseeband)
Die zweite Single von The See See aus London bietet wieder
wunderschönen Sixties orientierten, ganz leicht psychedelischen Gitarrenpop im
Spannungsfeld zwischen Byrds / Buffalo Springfield und neuerem Liverpool
Britpop Sound. Besonders „Keep Your Head“ hat wieder diesen
magischen, einschmeichelnden Jangle Sound im Verbund mit einer schier
betörenden Melodie, die man so schnell nicht wieder los wird. Will man aber
auch gar nicht. Ein Album der Band ist angekündigt für die zweite Hälfte des
Jahres. ****1/2
The Sweet Vandals – Thank You For You /
Let’s Have Some Fun (7”,
Unique Records, www.myspace.com/thesweetvandals)
The Sweet Vandals aus Madrid mit ihrer Sängerin Mayka Edjo
erinnern spontan an die großartige Soul Sängerin Sharon Jones. Das ist
natürlich vor allem der Stimme und Performance Maykas geschuldet. Die Musik der
Spanier orientiert sich zu gleichen Teilen an Motown Soul wie an britischem
Hammond dominiertem R&B solcher Bands wie der Animals, Artwoods oder
V.I.P.’s, die ja ihrerseits natürlich schwarze Vorbilder von Ray Charles
bis zu Otis Redding hatten. „Thank
You For You“ ist der eingängigere, groovigere Track. ***1/2
The Cheeks
– Something On My Mind / Redondo Beat – The Spell I’m Under (7”, Zentrale
Beatschaffe / Cargo, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)
Bereits im letzten Jahr erschien
die zweite 7“45 dieser Reihe „Zentrale Beatschaffe“ als Splitsingle
mit zwei der besten Neo-Sixties Bands aus Deutschland. Die Cheeks Seite ist die
geringfügig bessere, die es ja auch schon in meine TOP 25 aus 2008 geschafft
hat. Eine vortreffliche Orgelmelodie und ein Ohrwurm von Song, soundmäßig
irgendwo zwischen The Zombies und The Marmalade angesiedelt. Wie gesagt ebenso
eingängig und einprägsam mit seiner immer wiederkehrenden Pianofigur,
wehmütiger Melodie und einem verschärften Fuzzgitarrenpart in der Mitte, steht
die Redondo Beat Seite dem kaum nach. Ich bin begeistert! ****
The
Jaybirds – Take Your Chance / Boy Meets Girl Storyline (7”, Time For Action, www.myspace.com/bjjaybird)
Die beste Neo-Sixties Kapelle aus
Österreich sind zweifellos The Jaybirds aus Wien, die in letzter Zeit wieder
verstärkt aktiv werden. Diese neue Single auf dem noch relativ jungen deutschen
Label Time For Action ist in jeder Hinsicht gelungen. Zwei starke Songs,
sachdienlich arrangiert und in perfektem Mod Sound vorgetragen. The Who, The
Creation werden da beschworen. Auf jedem Rubble Sampler würden diese beiden
Tracks glänzen. Dazu kommt das sehr geschmackvolle und dezente Artpop Design
des Singlecovers. Alles
Ton in Ton. Und das Vinyl gibt es in violett,
allerdings limitiert auf 100 Stück. Danach ist es schwarz. Hätte ich diese
Single noch im alten Jahr bekommen, sie wäre weit oben in meinen TOP 25.
Offizielles Release Date ist allerdings der 22.1.09, also wird die Single wohl
in diesem Jahr oben dabei sein! ****
Penetration
– Our World / Sea Song (7”, Damaged Goods, www.myspace.com/penetrationreanimated)
Was für eine Überraschung!
Erinnert sich noch jemand an „Don’t Dictate“,
„Life’s A Gamble“ oder „Firing Squad“? Diese Band
um die tolle Sängerin Pauline Murray gehörte zu den besten britischen Acts der
Punk und New Wave Ära um 1977-79. Und nun sind sie plötzlich wieder da mit
einer brandneuen und ganz aktuellen Single, die den großartigen Singles von
damals kaum nachsteht. „Our World“ hat alles, was ich an der Musik
dieser Band immer geschätzt habe. Phantastische, mitreissende Melodie, uptempo,
optimistisch, fordernd. Die Botschaft ist auch ziemlich eindeutig. Diese Welt
gehört uns nicht, wir haben sie nur geliehen. ****
The Fabulous Penetrators – The Hump / Oh My
Soul! (7”, Stag-O-Lee, www.myspace.com/thefabulouspenetrators)
Glitterhouse begann vor über 20 Jahren mal als Fanzine für Neo-Sixties,
Paisley Pop und Eighties Underground. Das gleichnamige Plattenlabel
spezialisierte sich dann gegen Ende der 80er auf Seattle und Grunge. Und
nachdem die Helden der Generation X allesamt ins Major Lager gewechselt waren,
entdeckte man Roots und Americana, zog um nach Beverungen und etablierte sich
als führender Mail Order für die zuletzt genannte Musik. Auf eigenem Label
veröffentlichte man fortan leider fast nur noch CDs. Nun haben Reinhard und
Rembert das Vinyl wieder entdeckt. Und mit Stag-O-Lee gründeten sie ein
Sub-Label für fidelen Lärm Roots affiner und Rock’n’Roll räudiger
Provenienz. Eine handvoll Singles sind gerade erschienen. Eine davon ist diese
recht gelungene R&B, Garage, Cowpunk Scheibe von The Fabulous Penetrators
aus London. ***1/2
In einer Auflage von drei Stück erschien die A-Seite dieser
Single bereits vor ziemlich genau einem Jahr aus Anlass und in Würdigung der
1000sten Sendung von „Roots“ auf Radio Eins. Nun ist diese
wundervolle Aufnahme dank der beiden Enthusiasten hinter Rank Records auch
einem größeren Publikum auf Vinyl zugänglich. Und erst vor kurzem am vorletzten
November Wochenende präsentierte sich die Band Palm Springs bei drei exklusiven
Gigs in Deutschland. In Berlin war der Kreuzberger Privat Club mit rund 60-80
Zuschauern gut besucht. Die Stimmung war entspannt und die musikalische
Darbietung exzellent. „Blood And Water“ ist einer der seltsamsten
Lovesongs, die ich kenne. So zart und scheinbar einfühlsam. Und doch so
trügerisch. Liebesschwüre eines Schwarzsehers. Dabei musikalisch kongenial
umgesetzt mit Streichern und einem sehr behutsamen Arrangement. Auch die
B-Seite ist von gleicher Güte. Die aus dem Echo gehauchten weiblichen Backing
Vocals erinnern mich ein wenig an das „Lullaby for Rosemary’s
Baby“. Musik für Verliebte in Zeiten von Wirtschaftskrise und Rezession.
Aber das ist wohl schon wieder viel zu profan gedacht. Die Gestaltung des
Covers und die Verpackung mit extra Beilagen verdient ein besonderes Lob. ****1/2
The Q – Issues (10” EP, Time For Action Records, www.myspace.com/theqhq)
Eine klassische Mod Band aus den englischen Midlands. The
Jam standen hier vor allem Pate, aber auch The Purple Hearts, The Secret Affair
und indirekt natürlich die Vorbilder aus den Sixties. Diese EP mit vier Tracks
ist das Debüt der Briten auf Vinyl. Vier formidable Tracks, die sowohl in
Songwriting wie in Instrumentierung und Arrangement komplett in der Tradition
der genannten Vorbilder stehen. Das
alles klingt fast schon beängstigend authentisch. Bis hin zu den Themen der
Songs, die sich mit dem „mehr Schein als Sein“ und mit den
idealistischen Wünschen und Träumen der Middle Class Kids beschäftigen.
Nichtsdestotrotz ein feine und hörenswerte Platte im tollen Zehn Zoll Format. ****
Dr. Norton – Will You Find Beauty In The
Brutally Ugly? (7”EP, Go-Kart Rec., www.myspace.com/drnortonbeatpunk)
Gegründet wurde diese Band wohl mal in Regensburg. Aber von
der oberbayrischen Provinz zog es sie mit Umwegen über Stettin und Hamburg nach
Berlin. Die Musik der vier Männer ist aggressiv und kraftvoll, zugleich aber
auch aus-drucksstark und vielschichtig. Ganz in der Ferne hört man Echoes von
Sixties Punk US-amerikanischer Prägung. Deutlicher jedoch sind Einflüsse von
New und No Wave der späten Seventies. Television haben ebenso Spuren
hinterlassen im Sound der Band wie X-Ray Spex etwa. Diese EP ist bereits die
dritte Veröffentlichung der Jungs. Vier starke Aufnahmen, die man einer
deutschen Band so gar nicht zugetraut hätte. ****
The
Hervorgegangen aus den Überresten von The Mystreated spielen
The Higher State aus Folkestone, Kent, absolut authentischen Sixties Folk Punk,
der seine Vorbilder von Love über The Byrds bis zu den 13th Floor Elevators
oder Zakary Thaks nicht verleugnet und doch auch eigen und zeitgemäß klingt.
Zwei klasse Songs haben die vier hier aufgenommen. Schöne Harmoniegesänge und
quengelnde Gitarren, getrieben von scheppernden Drums und Schellenring. Besser
geht so etwas kaum. ****1/2
White Lies
– Death / Black Song (7”, Fiction Records, www.myspace.com/whitelies)
Erschien ihre erste Single noch in nur 500er Auflage auf
ihrem eigenen Label, so ist das hier nun der zweite Streich auf Major Label und
mit entsprechendem Marketing und Promotion Backing durch das größte
Musikunternehmen der Welt. Musikalisch gibt es eigentlich kaum Veränderungen im
Vergleich zum Debüt. Das Trio aus Chiswick, West London, versucht nach wie vor,
den Sound der frühen Eighties Post Punk Ära mit Vorbildern von Joy Division,
Bunnymen bis zu Teardrop Explodes in die Gegenwart zu übertragen. Nach wie vor
scharf an der Grenze zu Kitsch und Bombast, aber mit doch eindrucksvollem
Ergebnis, Glasvegas gar nicht mal unähnlich. Im Januar erscheint das
Debütalbum. ****
Frank Popp
– Hey Mr. Innocent (7”, TV Eye Records, www.myspace.com/frankpoppmusic)
Schillernde Figur und in gewisser Weise der Pate zumindest
der Düsseldorfer Neo-Sixties Szene ist DJ Frank Popp, der sich hier nach
längeren Auslandsreisen und längerer Bühnenabstinenz (zumindest als Musiker in
eigener Sache) wieder zurück meldet mit einer von Northern Soul inspirierten
Beat Nummer. Hypnotischer Beat, schnarrende Fuzzgitarrenriffs und ein käsiges
Orgelriff, dazu die kräftige Stimme von Sam Leigh-Brown. Auf der A-Seite die
eher puristische Beat Version, und auf der B-Seite eine etwas aufgemotzte Remix
Version für die Disco. ***1/2
The Moving Sounds – Their 08 Hits (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/themovingsounds)
Ein Quintett aus Stockholm, das uns seit gut sechs Jahren
zuverlässig mit Garage Beat der traditionellen Art erfreut. Satte Fuzzgitarren,
eine kraftvoll drängende Orgel, könnte Hammond sein, und eine treibende
scheppernde Rhythmus Formation machen den Sound der Jungs aus. Dazu der heftig
shoutermäßige Gesang. Alles nicht neu, aber immer wieder gerne gehört. So auch
diese vier neuen Tracks, die im Bremer Hörwerk Analog Tonstudio entstanden. ***
The Waistcoats – Beatschaffe EP (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)
Dies ist die erste EP einer neuen Reihe streng analog
aufgenommener, gemasterter und gefertigter 7“EPs. Copase Disques bringt
in loser Folge in dieser Reihe „Beatschaffe“ Aufnahmen heraus, die
in einem Analog Studio mit altem original Equipment 1:1 live im Studio
aufgenommen wurden. Den Anfang machen The Waistcoats, ein holländisches Garage
Beat Trio, mit vier neuen Tracks, die in ihrer Spontanietät und Spartanität den
Geist der Outsiders und von Q65 beschwören. ***1/2
The Hara-Kee-Rees – The Magic Pill EP (7”EP, Soundflat, www.myspace.com/harakeerees)
Typischer 80s Garage Punk Sound von einer fünfköpfigen Band
aus Köln am Rhein. Live ist so etwas immer sehr schön anzuhören und anzusehen.
Auf Albumlänge überzeugt diese Musik nur sehr selten. Insofern ist diese EP
hier genau das Richtige für die jungen (und auch die älteren) Garage Fans. Drei
eigene Werke der Kölschen Jungs mit Farfisa, Fuzzgitarre, viel Gekreisch und
vor allem Schmackes vorgetragen. 80s Garage übrigens deshalb, weil die
originalen 60s Bands meist doch nicht so punky und rowdy klangen, wie auch das
vierte Stück hier, ein Cover der Human Expression von 1967, deutlich macht.
„Every Night“ ist eine schöne Garage Pop Ballade und der beste
Track, obwohl es auch nicht wirklich großartig ist. Insgesamt knapp ***
King Salami & The
Dieses Quartett hat sich in London gesucht und gefunden. Die
Single auf Soundflat Records ist ihre zweite Veröffentlichung und bietet leicht
exotischen R&B beeinflussten Rock’n Roll Trash. „Shake It
Wild“ macht genau das, aber was eine „Kukamunga“ ist konnte
ich nicht ermitteln. Laut Lexikon handelt es sich um einen bewaldeten Steilhang
auf Hawaii. In dem Song dreht es sich aber ganz offensichtlich um eine Frau
dieses Namens. Merkwürdig. Zur Single gehört übrigens ein hübsches
Schneidebrettchen für die Küche des Salami Fans. Die Musik ist für einschlägige Parties durchaus geeignet. ***
The Electric Family – The Inca Cosma Fudge Part
1 & 2 (7”,Sireena Records, www.myspace.com/electricfamily)
Auch in Osterholz-Scharmbeck erinnert man sich der guten
alten 7“45, die allerdings in diesem Fall aus technischen Gründen mit 33 Umdrehungen
in der Minute ihre Kreise zieht. Dieses achteinhalb minütige Hippie Epos
entstand bereits vor Jahren bei einem Trip Tom Redeckers ins ländliche
Frankenland in der Nähe von Bayreuth. Und ein psychedelischer Trip in andere
Sphären ist es in der Tat. Auch ganz ohne die Hilfe bewusstseinserweiternder
Substanzen. Toms sonore Stimme ist wie geschaffen für ein solches Mantra, das
mit fließenden Keyboard Klängen und repetitiven Gitarrenlicks und hypnotischen
Percussions unterlegt ist. ***1/2
The Satelliters –
Eine neue Single der Satelliters aus Darmstadt ist immer
willkommen. Über die Jahre haben sie sich zu einer der beständigsten und
authentischsten deutschen Garage Beat Bands entwickelt. Bei ihnen klingen
selbst die Eigenkompositionen meist wie von einer US Garage Combo anno 1966
verfasst und aufgenommen. Und diese neue Platte mit zwei eigenen und einem
gecoverten Stück macht da keine Ausnahme. Auch hier Fuzzgitarren,
Schweineorgel, schepperndes Schlagzeug, Schellenring und eine Gesangsstimme,
die ganz wunderbar diesen nöligen Snarl drauf hat, der typisch ist für all
diese Bands von der Chocolate Watch Band bis zu den Chesterfield Kings. Die
Single kommt sehr geschmackvoll in psychedelisch blau/schwarz gesprenkeltem
Vinyl. ****
The See See – Up The Hill / Citadel Shuffle (7”, The Great Pop Supplement, www.myspace.com/theseeseeband)
Die Band hat sich in London gefunden. Ein Folk orientierter
Schwede, zwei Amis aus Detroit und noch ein Folkie aus Yorkshire spielen eine
formidable Mischung aus eben Folkrock,
etwas Psychedelia und wunderbar entspanntem Pop. Einflüsse reichen von
The Flying Burrito Brothers bis zu den Spacemen 3. „Up The Hill“
ist fantastisch, und auch die B-Seite geht gut ins Ohr. Leider ist die Single
auf 300 Stück limitiert und wahrscheinlich schon jetzt nicht mehr zu finden.
Eine zweite 7“ ist für den Herbst angekündigt und eine LP für 2009. Diese Single verdient ****
Wild Billy Childish & The Musicians Of The
Und noch eine Single auf Soundflat Records. Wild Billy
Childish muss man nicht vorstellen. Seit über 30 Jahren spielt er in diversen
Bands und auch allein seine Version von Beat, R&B und
Rock’n’Roll. Und so bietet auch diese Single musikalisch nichts
wirklich Neues oder gar Überraschendes. „Rosie Jones“ hat
jedenfalls ein prägnantes Riff und einen Singalong Charakter, der an frühe
Kinks, Who oder Pretty Things Nummern erinnert. Das Cover kann man aufklappen,
und wie bei Sgt. Pepper liegen Schnittmusterbögen zum Basteln bei. ***1/2
Baby Woodrose – Coming Around Again / I Feel
High (7”, Bad Afro, www.myspace.com/babywoodrose)
Wie es sich gehört enthält die neue Single der dänischen
Garage Psych Combo zwei exklusive Tracks, die es sonst nirgends gibt. Noch dazu
zwei ganz großartige Songs, im richtigen Sound und Arrangement vorgetragen. Die
A-Seite ist ein solider Garage Rocker mit überzeugender Hookline und schön
bratziger Gitarre. Auf der B-Seite dagegen ein kleines Psych Monster mit
akustischer Gitarre, rückwärts Percussion, Farfisa Licks und allerlei hübschen
Effekten zu einem entsprechend abgehobenen Text. Das Cover wurde übrigens von
Kiryk Drewinski aus Berlin gestaltet, der direkt bei den großen Pop Art
Künstlern der Sixties in die Lehre gegangen ist. Diese Single ist rundum
perfekt und die beste 7“45 des Garage Beat Genres bisher in diesem Jahr. ****
The Rascals – Freakbeat Phantom / Shades Of
Embar-rassment / Hand In The Shadow (10”, Deltasonic, www.myspace.com/rascalmusic)
Der Titel dieser Single darf als programmatisch gesehen
werden. Und das obwohl es sich hier gar nicht um Freakbeat im engeren Sinn
handelt. Ja nicht einmal um Garage Beat. Die Sixties Einflüsse sind freilich
nur allzu deutlich. Joe Meek geistert da durch die Arrangements und
Effektabteilung der Rascals aus Wirral bei Liverpool. Die Produktion ist
phantastisch. Klar und durchsichtig trotz des enormen Halls an einigen Stellen,
aber auch kraftvoll und mit einem gewissen Punch. Hervorragende Dynamik. Der
Song selbst ist schlicht großartig. So klingt intelligente Fortführung des
Sixties Pop. Trotz starker Konkurrenz ist dies bislang meine Single des Jahres!
Auch die beiden Tracks auf der B-Seite der 10“ sind überdurchschnittlich
gut. In Ermangelung eines passenden Genre Begriffs muss ich die Musik der
Rascals Psychedelic Beat nennen. *****
Travis – J. Smith / Get Up / Sarah (10”, Red Telephon Box, www.myspace.com/travis)
Ja, es ist wirklich ein gutes Jahr für Singles. Auch dies
hier ein Anwärter für die vorderen Plätze. Die beste Travis Single seit langem.
Endlich haben sie wieder Biss und einen druckvollen Sound. „J.
Smith“ ist genial. Sowohl als Song wie auch in seiner Umsetzung hier.
„Get Up“ entwickelt eine wunderbare Atmosphäre und Spannung. Und
auch „Sarah“ überzeugt mich schließlich, obwohl es noch wie ein
Outtake vom letzten Album klingt. Warum diese 10“ auf ihrem eigenen Label
in limitierter Auflage erscheint, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine nächste
Single (dann bei Universal) ist bereits für Mitte September angekündigt. Im
Moment freuen wir uns aber erst mal hierüber! ****1/2
Glasvegas
– Geraldine / The Prettiest Thing On Saltcoats Beach (7”,
Columbia / Sony BMG, www.glasvegas.net)
Eine von zwei verschiedenen 7“45s der schottischen Band.
Die B-Seite ist jeweils eine andere. Wer die bisherigen Veröffentlichungen der
Jungs kennt, erlebt keine Überraschung. Ja man kann sogar behaupten, James
Allan klaut hier kräftig bei sich selbst. So eingängig und gefühlvoll diese
hymnischen Schmachtnummern auch klingen, „Geraldine“ ist die bisher
schwächste. In dem Bestreben alles richtig zu machen und die perfekte
Radiosingle mit ihrem Major Debüt zu produzieren ist die Band wohl zu sehr auf
„Nummer sicher“ gegangen. „Geraldine“ ist zu perfekt,
zu vorhersehbar. Es wird dennoch ein Hit werden, zumindest im UK. Und die
Single ist ja auch nicht schlecht, versteht mich da nicht falsch. Auf dieser
B-Seite hier eine sehr ruhige, sehr schöne, fast Filmmusik reife Melodie. Die
Single kommt in azurblau. ****
Goodnight Monsters – Drifting / Dancehall (7“,
Bone Voyage, www.myspace.com/goodnightmonsters)
Diese Band aus Turku begann vor vier Jahren als
Wohnzimmerprojekt zweier Oberschüler. Gerade ist ihr zweites Album erschienen.
Und diese Single hier ist Teil der 7“45 Offensive des in Hamburg
residierenden deutschen Labels der Band 22 Pistepirkko. Auf der My Space Seite
der zum Sextett gewachsenen Goodnight Monsters steht etwas von
„alternative mersey beat“, und The Hollies werden als Einfluss
genannt. Das ist gar nicht so verkehrt. „Drifting“ ist ein absolut
perfekter Sixties Pop Song, den The Hollies oder auch 15 Jahre später The Times
nicht besser hinbekommen hätten. Die Jungs von der finnischen Westküste haben
aber auch so etwas zeitlos unbeschwert Dreampop mäßiges an sich. Ganz zauberhaft! ****1/2
Joensuu 1685 –
Wie schon der Bandname vermuten lässt sind auch das hier
Finnen. Allerdings kommen sie nicht etwa aus dem ostfinnischen Städtchen
Joensuu, nein, sie tragen nur alle diesen Familiennamen, der in Finnland fast
so häufig ist wie bei uns Meier oder Schulze. Auch dieses Trio orientiert sich
an der Musik der 60er Jahre. Und mit ihren berühmten Label Kollegen und Mäzenen
22 Pistepirkko haben sie rein soundmäßig auch viel gemeinsam. Beide Tracks
dieser Single hier sind von schwer psychedelischer, hypnotisierender Atmosphäre
geprägt. 13th Floor Elevators meet The
Spiritualized möchte man meinen. Beeindruckend. ****
The Micragirls – Rock’n’Roll
Rocket/Rayspectrometer Gal /Haunted Heart (7“, Bone Voyage, www.themicragirls.com)
Diese drei Garage Girls aus dem ostfinnischen Kuopio kennen
wir bereits. Seit 2001 spielen sie mit viel Aplomb und völlig unbekümmert den
schönsten, herzerfrischendsten primitiven Rock’n’Roll diesseits des
Atlantik. Diese 3-track Single ist ihre mittlerweile vierte in diesem Format.
Und wie ihre Vorgänger enthält sie wieder halsbrecherische Kracher mit
quietschender Orgel, fetziger Gitarre und scheppernden Drums, sowie mit
„Haunted Heart“ eine feine Garage Ballade aus tiefstem Herzen. ****
White Denim – Let’s Talk About It /
Darksided Computer Mouth (7”,
Full Time Hobby, www.myspace.com/bopenglish)
Austin, Texas, ist die Heimatstadt dieses Trios, das bereits
vor einem Jahr beim renommierten SXSW Festival als bester Newcomer gefeiert
wurde. Ihr Debütalbum erscheint auch gerade. Diese Single hier versprüht eine
anarchistische Kraft und Energie, dass es eine Freude ist. Hier passt der
Begriff Post Punk wirklich mal. Unglaublich diese in die Beine gehenden
Rhythmen gepaart mit subversiver Spielfreude und einem Ideenreichtum, der sich
aus mehr als zwei Jahrzehnten US Underground speist. Von Hardcore über Funk bis
zu Space Jazz. Schräg. Die Single ist zweifarbig rot/weiß. ***1/2
White Lies – Unfinished Business / You Still Love
Him (7”, Chess Club
Records, www.myspace.com/whitelies)
Einer von diesen typischen Hypes der britischen Medien,
könnte man meinen. Ein junges Trio mit einer auf 500 Stück limitierten 7“,
die bereits wenige Tage nach Erscheinen vergriffen ist und nun bei Ebay für
20-25 Pfund angeboten wird. Die A-Seite gibt es übrigens als kostenlosen
Download über die My Space Seite der Band. Aber reden wir über die Musik. Und
die ist gar nicht mal schlecht. Erinnert spontan an grandiosen Pop zwischen The
Mighty Wah und Glasvegas. Sehr eingängig, sehr dramatisch. Aber auch ein
bisschen zu sehr auf Wirkung und Eindruck machen aus, fürchte ich. Nach den
ersten Spins steigert sich meine Begeisterung noch. Ob sie jedoch bis zur
Jahresendabrechnung hält, wird sich zeigen. White Lies könnten auch in Richtung
Muse oder U2 abgleiten. Wir wollen hoffen, dass dies nicht geschieht. ****
Clinic
– The Witch / Earl Mallard (7”, Domino Records, www.clinicvoot.org)
Moderner Acid Rock von einer Band aus Liverpool. Die Single
ist Vorbote ihres bereits fünften Albums in gut zehn Jahren. Sind bisher mehr
oder weniger an mir vorbei gegangen die Burschen. Erinnert erstaunlich an US
Garage und Psych Punk diese Single. Neben einem treibenden hypnotischen
Rhythmus fallen besonders diverse psychedelische Effekte auf. Der Song handelt
von einer Hexenjagd, die allerdings nicht näher erläutert wird. Auf der
Flipside wird es noch mysteriöser und klanglich experimenteller. Freunde von
Nuggets und Rubble Compilations sollten hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. ***1/2
The Draytones – Turn It Down / Happiest Man (7”, 1965 Records, www.myspace.com/thedraytones)
Ebenfalls sehr Sixties beeinflusst ist dieses Trio aus
London. Eine Single und ein Mini-Album erschienen letztes Jahr. Diese neue
Single ist in gewisser Weise traditioneller und noch stärker am Beat britischer
Bands Mitte der 60er Jahre orientiert. „Turn It Down“ klingt zwar
letztlich doch modern, aber der Song und alle einzelnen Zutaten sind direkt von
The Who, The Eyes oder ähnlichen Mod Bands abgeschaut. Das wievielte Sixties
Revival erleben wir nun? Feine Sache jedenfalls! Eine LP der Band kommt auch bald. ****
The Groovy Cellar –
When You Fly Away / April Moon (7”,
Firestation Records, www.myspace.com/thegroovycellar)
Mal wieder ein Lebenszeichen von Berlins inzwischen ältester
Mod und Dreampop Band. „When You Fly Away“ ist wieder so ein
typisches Olaf Schumacher Liebeslied, so eine Art hymnischer Jangle Pop,
unterfüttert von Orgelakkorden, einzelnen Pianotönen, einem freundlichen
Shuffle Rhythmus und den regelmäßigen Schlägen eines Schellenrings. Das
Songwriting erinnert an den schönsten Britpop, den man sich vorstellen mag.
Beinahe bombastisch arrangiert das Ganze dieses Mal. Die Flipside bietet einen
weiteren Ohrwurm. Uptempo und unwiderstehlich. Solche Songs schreiben nur Olaf
Schumacher, Dan Treacy oder Graham Gouldman. ****1/2
MGMT – Time To Pretend
/ Weekend Wars (7”, Columbia Records, www.myspace.com/mgmt)
MGMT sind ein Pop Duo aus Brooklyn, New York. Ihre Musik ist
verspielt, fröhlich, ein bisschen exaltiert und erinnert an alles Mögliche von
Kinderliedern über klassischen Britpop bis zu altbackenem Synthi Pop. Zumindest
dem Ohrwurm „Time To Pretend“ kann man sich kaum entziehen.
Eigentlich bietet der psychedelische leicht verschrobene Indie Pop Track auf
der B-Seite der Single aber mehr und abwechslungsreicheren Hörgenuss. Erinnert an so Vieles, von Keith Wests „Grocer
Jack“ bis zu Roxy Musics „Editions Of You“. Erstaunlich! ****
Panic At The Disco – Nine In The Afternoon /
Behind The Sea (7”, Atlantic Records, www.panicatthedisco.com)
Noch mehr verspielter Retropop, der rein vom Gefühl her im
Swinging London der Jahre 1967-69 hätte entstehen können. Dabei kommt dieser wunderschöne
Harmoniepop, von Streichern, Bach Trompeten und rückwärts gespielten Tape-Loops
unterstützt, aus Las Vegas, 2008. Dass diese Band mal als Blink 182 Coverband
angefangen hat, kann man sich kaum vorstellen. Ihre Musik ist herrlich
unbeschwert und weit entfernt von irgendeiner Art Rock’n’Roll. Das
Schöne dabei ist, man vermisst den Rock’n’Roll überhaupt
nicht. ****
The Poem Is You – The
Ballad Of Old Harold / Please, Don’t Take My Man (7”, KF Records, www.kfrecords.de)
Eine noch recht junge Folk Band, deren sechs Mitglieder aus
Dresden, Berlin, Belgien und Massachussetts stammen. Ihre beiden Tracks auf
dieser Single klingen sehr traditionell wie typischer Folkrock aus den frühen
70er Jahren. Speziell „The Ballad Of Old Harold“ hat einen gewissen
Charme, der von dem Kontrast der verschachtelten Männer- und Frauenstimmen und
der sehr ökomomischen und stilsicheren Instrumentierung lebt. Das zarte
Liebeslied auf der Rückseite bleibt dagegen ein wenig blass. Sympathisch allemal. ***
The Duke Spirit – The Step And The Walk / Echo
Song (7”, Love Token, www.myspace.com/thedukespirit)
Klasse! Die neue Single der besten britischen Band der
letzten Jahre vereint wieder alles, was ich an ihr liebe. Vom ersten böse
pulsierenden Basston über die Uuh-Uuhs aus der Ferne, den monotonen immer
dringlicheren Rhythmus, die charismatische Stimme von Liela Moss bis zu den
dezent gesetzten Gitarrenlicks hinter den Akkordwänden vorn. Das alles hat eine
phantastische und faszinierende Wirkung. Spannung pur! Bis zum Ende. Worum es
in dem Song geht, hab’ ich trotzdem nicht verstanden. Macht nichts. Der
„Echo Song“ auf der Flipside ist dagegen eine schöne entspannende
Erholung. Sehr fein! ****1/2
Glasvegas
– It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry / Be My Baby (7”, Sane Man
Recordings, www.myspace.com/glasvegas)
Die dritte Single der Band aus
Glasgow. Die erste kenne ich leider nicht. Die zweite ist die Single des Jahres
2007. Diese hier ist sowohl vom Songwriting wie produktionstechnisch der
vorigen sehr ähnlich. Leider erreicht sie nicht die gleiche Einmaligkeit.
Versteht mich nicht falsch. „My Own Cheating Heart“ ist immer noch
großartig. Wenn diese Nummer nicht ganz so überwältigt und einen fassungslos
vor Freude macht, dann liegt das vermutlich daran, dass das Überraschungsmoment
fehlt und vielleicht auch daran, dass die Story nicht ganz so herzergreifend
ist. Als Band, die für diesen hallüberladenen Wall of Sound steht, „Be My
Baby“ zu covern, ist vielleicht nicht besonders originell, aber das
Ergebnis klingt nicht weniger als wunderbar! Und was sollte falsch daran sein,
einen der besten Songs aller Zeiten zu spielen? ****1/2
The Taste
– I Want You / I Die When The Night Comes (7”, Rank Records, www.myspace.com/tastethetaste)
Wonach diese Debütsingle nicht klingt, das ist München und
Deutschland. Aber genau daher kommen Maria und Nick Pattusch, ein junges Paar,
das die Rollenverteilung der White Stripes kurzerhand umgekehrt hat. Er spielt
die Drums und sie singt und spielt Gitarre. Kraftvoller spröder Postrock mit
viel Aplomb vorgetragen. Gefühl und Härte war mal so ein Schlagwort in den
frühen Achtzigern. Passt hier auch. „I Want You“ ist ein guter
Song, der absolut adäquat präsentiert wird in einem Spannungsfeld zwischen Wire
und Television. „I Die When The Night Comes“ ist nicht weniger
eindringlich und fast ebenso eindrucksvoll. Man sollte die Single mehrfach
hören. Beide Seiten. Sie wächst. ****
Twig
– Ciao Ciao Bomb / Wentworth (7”, Cloudberry Records, www.myspace.com/twigsweden)
Stockholm ist die Heimatstadt
dieses Trios, das Twee Pop und klingelnde Gitarren mit stürmischen Beats und
lieblichem Gesang verbindet. Orange Juice standen da ebenso Pate wie The Associates oder The Divine
Comedy. Etwas irritierend ist die
Tatsache, dass sich A und B-Seite dieser Single schon sehr ähneln. Erschienen
ist die Platte übrigens in Florida in strikt limitierter Auflage. Eine kleine
Bildergeschichte liegt auch noch bei. Feine Sache! ***1/2
Vampire
Weekend – Mansard Roof / Ladies Of Cambridge (7”, Abeano Music, www.myspace.com/vampireweekend)
Die B-Seite mit dieser
bezaubernden Violine und dem an eine feierliche Hochzeitszeremonie erinnernden
Zwischenteil finde ich viel schöner als die zwar originelle und hinreichend
exotische aber auch schnell langweilige A-Seite. Aus New York stammt die Band,
die bereits hier und da als „The Next Big Thing“ gehandelt wird.
Erfrischend auf jeden Fall und musikalisch durchaus innovativ. Auf Albumlänge
aber wohl zu exotisch für mich. ***1/2
Yeasayer
– 2080 /
Noch eine Kapelle aus Brooklyn,
New York, die bereits vielfach gelobt wird. „Middle Eastern Psych
Pop/Snap Gospel” nennen sie selbst ihre Musik. Das sind also
polyrhythmische Songstrukturen, wie die Spex diesen leicht exotisch gefärbten
Sunshine Pop bezeichnet. Ok, Harper’s Bizarre oder The Hobbits klangen
anders. Aber so ungewöhnlich oder gar ungewohnt klingt das hier nun auch nicht.
Sehr hübsch hört sich diese Verbindung von allerlei Percussion, akustischen
Zupf- und Saiteninstrumenten sowie Zimbeln und Glockenspiel an. Der
mehrstimmige Gesang dazu wirkt stellenweise tatsächlich tribalistisch. Und
vielleicht sind da ja wirklich ein paar afrikanische Einflüsse verarbeitet. Vor
allem bei „Sunrise“. ***1/2
22
Pistepirkko – Angoulême 2036 / Sky Girl (slide demo) (7”,
Bone Voyage, www.myspace.com/22pistepirkko)
Neues von meinen Lieblingsfinnen. Auf der A-Seite ein für
die Band sehr typischer Track. Sowohl der nasale, leicht nuschelige Gesang von
PK Keränen, als auch der typische Swamp Blues Shuffle und der schlichte,
aklamatorische Charakter des Songs erinnern an frühere Werke der Band aus
den Neunziger Jahren. Angoulême ist ein
Ort in Frankreich, in welchem jährlich eine der größten Comic Messen Europas
stattfindet. Ob und was das mit dieser Single zu tun hat, habe ich nicht ermitteln
können. Die eher kryptischen und kaum verständlichen Lyrics geben da nichts
her. Der Track hat eine eigenartig hypnotische Wirkung. Fast psychedelisch. Die
B-Seite bietet einen wundervoll atmosphärischen Track. Eine tolle Slide
Gitarren Begleitung zu einem verträumten Liebeslied. ***1/2
Turner Cody – Suzzannah / Liza (7“, Boy Scout Recordings, www.myspace.com/misterturnercody)
Turner Cody ist ein Kumpel von
Adam Green aus Brooklyn. Das soll uns aber bestimmt nicht abschrecken. „Suzzannah“
ist eine mysteriöse akustische Nummer mit einer wunderbaren Melodieführung und
ungewöhnlicher Instrumentierung. Neben Akustikgitarre, Akustikbass und dezenter
Percussion setzt ein schräges Saxophon effektvolle Akzente. Der Track erinnert
mich sehr an die großartigen Bone-Box aus England. „Liza“ auf der
Rückseite ist ein akustischer Kaffeehaus Charleston, wieder unterstützt von
diesem seltsamen Saxophon und einer Fiddle. ****
Lot
Lizards – Leave Me Alone (I’ve Got A Bomb) 7 Neon Lights / Candy
Man (7”,
Perpetrator Records, www.myspace.com/lotlizardslondon)
Eine
Londoner White Stripes Kopie? Auf den ersten Blick könnte
man so denken. GG Cicciolina spielt eine sehr rohe und bratzige Gitarre, Meg
(sic!) Slim spielt Schlagzeug im Stehen und kreischt. Doch sind die beiden eher
einer Tradition US-amerikanischen Hardcore Punks verpflichtet, die von Bands
wie The Gories oder Pussy Galore repräsentiert wird. Beeindruckend ist dieser
kompromisslose und ehrlich wütende Lärm auf jeden Fall. Warum ihre erste Single
ausgerechnet in Auckland, Neuseeland, erscheint, ich weiß es nicht. Die zweite
(etwas schwächere) Single wurde fast zeitgleich in Frankreich veröffentlicht. ***1/2
Carbon/Silicon
– The Magic Suitcase /
Schön, dass sich Mick Jones
(ex-Clash) und Tony James (ex-Generation X) nun endlich doch dazu durchgerungen
haben, auch Leute, die ihre Musik auf die gute alte analoge Art zu hören
pflegen, an ihrem durchaus hörenswerten Output teilhaben zu lassen. Ich kenne
ihre früheren Werke nicht, diese Single hier und auch eine zweite bereits
erschienene 7“ klingen jedoch sehr nach Jones’ früheren Sachen, die
er bereits bei The Clash und dann später bei Big Audio Dynamite zu verantworten
hatte. „The Magic Suitcase“ ist ein etwas seltsamer, beinahe
phantastischer Song über die Vergänglichkeit allen Seins. Einschmeichelnde
Melodie, beinahe konventionelles Arrangement. Auf der B-Seite geht es um die
Zukunft im digitalen Zeitalter, ein Thema, das sich wie es scheint ständig
durch die Songs der beiden ex-Punks zieht. Die Melodie auch hier absolut
typisch Mick Jones. Keiner klaut besser bei sich selbst als er. ***1/2
The Cheeks
– I Know What You Did Last Summer EP (7” EP, Beyond Your Mind Record, www.thecheeks.de)
Der Titeltrack dieser EP sollte eigentlich als Twang!
7“45 erscheinen. Hat aus finanziellen Gründen leider nicht geklappt. Das
ändert nichts daran, dass diese Nummer große Klasse ist! „Summer“
hat alles, was eine gute Garage Pop Single braucht. Ein Orgel-Intro, dass
sofort Aufmerksamkeit erweckt, eine unwiderstehliche Hookline, einprägsamen
Refrain, tolles Arrangement mit Fuzztone Riffs, kurzem Schweinesolo, ein paar
hübschen Effekten als Sahnehäubchen. Auch die anderen Tracks auf der EP halten
den hohen Standard, den die Jungs und das Mädel (an den Drums) aus Dortmund
sich mit ihrem letzten Album gesetzt haben. „Memory Line“ ist eine
einschmeichelnde Beatnummer mit Kirmes Orgel. „On A Night Like
This“ kommt als kurzer, knackiger Garage Rocker daher, ebenfalls mit
relativ dominanter Orgel. Und der letzte Track „The Ballad of Will-o-the-Whisp“
hat was von typisch britischem Artpop des Swinging London der späten Sixties. Feine Sache! ****
Graham Day & The Gaolers – Get Off My Track
/ The Man Who Came Back (7”,
Disques Volfoni, www.myspace.com/grahamdayandthegaolers)
Graham Day ist unverwüstlich. Nach dem Ende der Prisoners, der
englischen Mod Band der Eighties schlechthin, gründete er The Prime Movers,
später dann The Solarflares und nun ist er wieder da mit einem Trio, das sich
The Gaolers nennt (gesprochen „Jailers“). Anfang November spielte
die Band im Bang Bang Club in Berlins Mitte. Laut, druckvoll, krachig. Ein
bisschen zu laut, fand ich. Und das Repertoire war trotz diverser typischer Mod
Rocker zu wenig abwechslungsreich, zu sehr runtergedroschen von den zweifellos
versierten, professionellen Musikern. Das Album der Band habe ich noch nicht.
Aber diese Single hier ist großartig! Hier klingt Mister Day so wie man ihn
kennt und liebt. Natürlich druckvoll, natürlich kompromisslos, mit der nötigen
Schärfe und kontrollierter Wut. Eine Single für alte und junge Mods und Rocker.
Klasse! Auf der B-Seite ein
ordentliches Garage Rock Instrumental. ****
The
Bombettes – What’s Cooking Good Looking? (7”EP, Ny Våg Records,
www.myspace.com/thebombettes)
Großartige Girl Punk Band aus Umeå in Nordschweden. Direkt
und mit unglaublich viel Energie und Spaß spielen die fünf Mädels klassischen
schnellen und überzeugenden Punk Pop wie die Revillos oder Kleenex damals. „I wanna kick your ass, 'cos you’ve got a
nice ass!“ schmettert Leadsängerin Elin den Jungs entgegen. Wer will
da widerstehen?! Vier kurze knackige Songs um Themen, die schon immer die Welt
bewegten. „I stole a look from
you while dancing to the Who.“
College Fall – Gravity / That’s The Way
Love Is (7”, Ride Records, www.collegefall.com)
Seit zwei Jahren gibt es dieses Indie Pop / Shoegazer Trio
aus Perth, Westaustralien. Glenn Musto sowie Jodie und Simon Bartlett
(Geschwister oder verheiratet?) spielen aufgeräumt und mit viel Aplomb sehr
eingängigen und mitunter ver-träumten Gitarrenpop. Jodie singt mit
überzeugender Stimme. „Gravity“ ist ein Ohrwurm, der schöne
Erinnerungen weckt an Eighties Pop mit seiner hübschen Synthi Figur und den
kräftigen Gitarren Riffs später im Arrangement. Die B-Seite ist das Cover eines
Acid House bzw. Techno Titels von Ten City. Ich kenne zwar das Original nicht,
aber diese Version hier klingt eben wie Shoegazer Pop mit einem Touch Soul. Die
Band scheint ihre Platten vor allem im UK und in Finnland zu veröffentlichen.
Auf Tournee durch halb Europa waren sie auch gerade. ****
The
Imperial Surfers – Twist, Twist! + 3 (7”EP, Soundflat
Records, www.theimperialsurfers.com)
Wie der Titel vermuten lässt handelt es sich hier um eine
Twist Kapelle, die auch Frat Rock und Surf Sound im Repertoire hat. In Madrid,
Spanien sind die Herren zuhause. Dieses ist ihre zweite Veröffentlichung mit
vier Instrumental Nummern, mal flott und heftig, mal etwas moderater aber nicht
weniger zackig. Neben der Gitarre setzt vor allem ein Saxophon schöne Akzente.
Sehr hübsch dabei ihre Version von „If I Had A Hammer“. Was die
Herren mit „Hünken Sound“ meinen, bedarf allerdings noch der
Klärung. ***
Kula Shaker – Second Sight / Out On The Highway
(acoustic version)
(7”, Strange Folk, www.kulashaker.co.uk)
Da sind sie also wieder. Das Album bisher zwar nur als CD
erhältlich, aber diese Single hier knüpft sehr schön da an wo die Band Ende
1999 nach dem Weggang von Crispian Mills aufhörte. Sixties orientiert und
Westcoast informiert in Songwriting und Sound. Erwachsener auch. Der indische
Firlefanz – so hübsch er im Einzelfall ja war – ist zugunsten einer
kraftvollen Direktheit und kaum noch verspielten Klarheit gewichen. Satte
Gitarrenriffs und Hammond Breitseiten aber auch schnelle Tempowechsel und
knappe jedoch prägnante Solo Vignetten. Dazu ein einprägsamer Song. Immer noch
unverkennbar Kula Shaker. ****
The Satelliters – It Came To Me + 3 (7”EP, Soundflat Records, www.thesatelliters.de)
Immer noch die beste deutsche Neo-Sixties bzw. Garage Rock
Band sind The Satelliters aus Darmstadt. Die beständigste sind sie inzwischen
auch. Der Titeltrack ist ein gelungenes Cover des Nederbeat Stompers von The
Q65. Manisch und wild und komplett mit Harmonika Solo. Die drei eigenen Songs
der Band sind aber mindestens genauso gut. Die Jungs haben sich seit Jahren
dermaßen in diesen Sixties Garage Style vertieft, sie können wohl nur noch
Originale schreiben, die klingen als wären sie 40 Jahre alt. Feine Fuzzgitarre,
oszillierende Orgelklänge, treffliche Trommeln! Mein Favorit hier der letzte
Track „Cry, Cry, Cry“ mit dem an die Yardbirds gemahnenden
sitarähnlichen Gitarrenriff und dem unerwarteten Shuffle Rhythmus. Große Klasse! ****
The Soundcarriers – I Had A Girl / Without Sound
(7”, Heron Recordings, www.myspace.com/thesoundcarriers)
Wenn das Attribut „psychedelic“ in der Pop Musik
heute noch irgendeine Bedeutung hat, dann bestimmt für die Musik dieses
Quartetts aus Nottingham, England. Jüngere Musik Freunde mögen das auch
Dreampop oder Shoegazer Sound nennen. Aber die klassischen Merkmale eines
Psychedelic Sound sind da. Neben den fast elfenhaften Harmonien sind das
bestimmte Akkordfolgen und Melodiebögen, gar nicht so sehr die Instrumente, die
mit Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboards ja klassisch zu nennen sind. Wie sie
aber klingen und eingesetzt werden, dass ist so wirkungs- wie geheimnisvoll. Unwillkürlich denkt man an Strawberry Alarm Clocks, an
Susan on the Westcoast waiting oder an Crystal Ships am Horizont. Beide
Tracks auf dieser Single sind wunderbar. Aber „I Had A Girl“ hat
dieses gewisse Etwas, das den Song und die Aufnahme zu dem Besonderen machen.
Eine der Singles des Jahres ohne jeden Zweifel! *****
Kakka-Hätä 77 – WTC Räjähtää EP (7”EP, Combat Rock Industry, www.myspace.com/kakkahata77)
Klassischer 77er Punk Rock aus Finnland. Erstaunlich ist
jedoch die Tatsache, dass diese Band und diese Platte ganz aktuell in diesem
Jahr erschienen. Musikalisch und inhaltlich unterscheiden sie sich überhaupt
nicht von den finnischen Punks der ersten Stunde. Kakka-Hätä, das ist es was kleine Kinder
verspüren, die dringend auf’s Töpfchen müssen. Der EP Titel lautet
übersetzt: WTC (World Trade Center) explodiert. Und die Songs handeln von den
klassischen Punk Themen Langeweile, Gewalt im TV, vom System, das nicht
funktioniert und von Spaß und Pogo. Sollte man nicht allzu ernst nehmen. Aber
es scheint anzukommen in Finnland. Das ist bereits die zweite Auflage der EP in
pissgelbem Vinyl. ***
Keith – Hold That Gun / No Solemn Quest (7“, Lucky Number, www.myspace.com/keiththeband)
Bereits die zweite Single von Keith aus Manchester. Ein
Album gibt es auch schon. Eine Studentenband. Stilistisch nicht festzulegen.
Ein bisschen Indie Pop (aber was ist das denn?), ein bisschen Electronica,
Krautrock anyone? Doch die A-Seite dieser Single hat was betörend
Überzeugendes. Ungewöhnliche Melodieführung und seltsam verschachtelte
Rhythmen. Erinnert auch irgendwie an die Eighties. Rave, Hacienda, und so. Schöne Single. Ohrwurm. ***
The Pierces – Sticks And Stones / Turn On Billie
(7”, Lizard King, www.myspace.com/thepierces)
Sie sehen klasse aus, die beiden Schwestern aus Alabama.
Aber sie singen auch sehr charmant. Auf beiden Seiten dieser 17 cm
Schallplatte. „Sticks And Stones“ kam mir gleich sehr bekannt vor.
Aber ich habe mich dumm und dämlich gesucht, ich finde nichts, was auf den
Ursprung des Songs hindeutet. Haben sie den also doch selbst geschrieben?
Könnte ein altes Volkslied sein. Oder ein Abzählreim. Jedenfalls hoppelt die
Nummer fröhlich und unbeschwert dahin. „Turn On Billie“ klingt viel
verhaltener und hat so was beinahe Lounge Pop Artiges. Nicht zu sehr,
glücklicherweise. Ich glaube, ich muss mir doch das Album besorgen. ***
Sternbuschweg
– Paula, ich liebe dich / Das Höchste der Gefühle (7“,
Firestation, www.myspace.com/sternbuschweg)
Die dritte Single aus dem Firestation Records Singles Club.
Das ist ein Label für Indie und Twee Pop, von Berlin aus operierend. Näheres
zum Singles Club (Abo usw.) findet man unter www.firestation-records.de.
Sternbuschweg sind eine der besseren deutschen Indie Bands, aus Berlin, die auf
Deutsch singen. Eigentlich kommen sie ja aus Dessau. Aber wie alle jungen
Popmusiker, die es wissen wollen, sind sie nach Berlin gezogen, um nicht in der
(ost)deutschen Provinz zu versauern. Der Bandname geht auf einen Tom Liwa Song
zurück. Und da kommen sicher auch ein paar musikalische Einflüsse her. Wie
gesagt, unauffällige deutschsprachige Popmusik, die nicht nervt. Das ist schon
viel wert. ***
Travis – Selfish Jean / Is That Love? / Pulling Mussels (From A
Shell) (2x7”,
Independiente, www.travisonline.com)
Die
neueste Masche der Plattenindustrie ist es, Doppelsingles zu veröffentlichen,
die man einzeln kaufen muss. So auch diese hier. A-Seite in beiden Fällen
dieselbe, B-Seite jeweils ein anderer Track. Warum man nicht gleich vier
verschiedene Tracks als eine Doppelsingle zum von mir aus etwas höheren Preis
verkauft, weiß keiner. Immerhin hat der Käufer im vorliegenden Fall noch die
Möglichkeit, nur eine Single zu erwerben, falls er nur die A-Seite will, die
B-Seiten ihm aber vollkommen egal sind, bzw. er nur eine der B-Seiten
präferiert. Eine sehr theoretische Wahlmöglichkeit. Der Travis Fan braucht
natürlich alles! „Selfish Jean“ kennen wir bereits vom formidablen
Album „The Boy With No Name“. Und selbst auf die Gefahr hin, mich
zu wiederholen, teile ich hier mit, das ist der beste Track des Albums, und nun
auch die beste Travis Single seit langer Zeit! Uptempo, Motown infiziert,
großartige schwelgerische Melodie, toller Gesang, vortreffliche Jangle Gitarre,
phantastischer Groove! Frannie at his very best! Das ist so eine Single, die
mir durch häufiges Airplay immer noch sympathischer wird. Die beiden B-Seiten
sind Coverversionen von Squeeze Songs aus der Feder von Chris Difford und Glenn
Tilbrook. Gute Coverversionen auf jeden Fall, die den hervorragenden Originalen
freilich nichts hinzuzufügen vermögen. Obgleich diese locker leichte
Interpretation vor allem bei „Pulling Mussels“ (eh meine
zweitliebste Squeeze Single) wirklich sehr gelungen ist. An diesen Covern ist
der heimliche Travis Mentor Wolfgang D. nicht ganz unschuldig, so ließ er
selbst neulich verlauten. Bin gespannt, was er den Jungs als Nächstes
empfiehlt. *****
Various
Artists – Lost At Sea Vol. 2 (7”EP, Third Eye Surfer, www.fuzznsurf.net)
Das ist also schon die zweite EP, die ein gewisser
„Third Eye Surfer“ aus Magdeburg veröffentlicht. Vier Tracks mit
klassischer, typischer Surf Musik aus aller Welt. Das sind zunächst Stronzo
Gelantino & The Boo-Men aus Köln, die mit viel Treble und Hall ein eher
mittelmäßiges Instrumentalstück darbieten. The Space Agency ein offenbar
britisches Trio mit einer Asiatin an der Gitarre, steuern einen sehr
eingängigen und hörenswerten Surf Track bei, „Sakura No Ame“
betitelt (was das auch immer heißen mag). Mein Favorit ist The Mysterious
Tape Man aus Neuseeland, der seinen Beitrag „Asteroid“
anscheinend ganz allein im Multitrack Verfahren eingespielt hat. Ebenfalls
recht hörenswert The Dead Rocks aus Brasilien, die mit
„Kalamanawa“ eine eher ruhige relaxte Surfnummer für den Ausklang
der Strandparty liefern. Auf der oben genannten Webseite muss man sich erst mal
etwas durchfummeln. Es gibt da aber viele interessante Artikel und Links. Die
EP bekommt im Schnitt knapp ***
Cucumber
– Chris Clubber / Malyflow’s Garden (7”, Cosmic Groove, www.cucumbermusiclab.com)
Späte Sixties und frühe Seventies, da fühlen sich die Damen
und Herren von Cucumber ganz
offensichtlich sehr heimisch. Zwei 7“ 45s sind beim Label Cosmic Groove
gerade erschienen. Diese hier ist die etwas bessere. Reine Instrumentalmusik
machen die Franzosen. Mit Hammondorgel, Rhodes Piano, Synthesizern, aber auch
den Standardinstrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug. Alles sehr stilecht, sehr
groovy. Hätte als alternative Beat Club Titelmusik wunderbar gepasst. Die
A-Seite ist eher die Tanznummer für den Club, während auf der Flipside eine
Chill Out Melodie geboten wird, die auch ganz gut in einen SciFi Film passen
würde. Das Ganze lebt vor allem vom Sound und von der sehr detailverliebten
stilsicheren Präsentation. In weißem
Vinyl. ***1/2
The Monsters – I Still Love Her / Blues For Joe
/ Fever (7”, Soundflat Records,
www.myspace.com/theswissmonsters)
Ihr kennt Voodoo Rhythm Records aus der Schweiz? Ihr kennt
den Lightning Beat-Man, den Boss des Labels? Nicht? Und The Monsters kennt ihr
auch nicht? Die wildeste und rüdeste zeitgenössische Garage Combo im
deutschsprachigen Raum kommt ebenfalls aus der Schweiz. Ihren eigenen
Underground Hit „I Still Love Her“ haben die Jungs hier noch mal neu
eingespielt. Mit neuem Gesang in Schwyzerdütsch. Ob Englisch oder eben
Schwyzerdütsch, man versteht eh nicht viel. Und entscheidend ist hier wohl auch
mehr der Klang sägender Fuzzgitarren, scheppernder Becken und Trommeln, sowie
die Stimme des Beat-Man, die ganz tief aus einem rostigen Fass zu schallen
scheint. Der Titeltrack hat eine ganz ordentliche Hookline. Der „Blues
For Joe“ stampft ebenfalls recht rüde daher. Und die Version von
„Fever“ (ja, der Klassiker ist gemeint) ist einfach schräg. Sehr
schön ist die Aufmachung der limitierten Single mit Klappcover und einem
beigelegten Monsters Quartettspiel. ***
Psychodaisy
– Du hast mich / Teenage Music International – Sei nicht traurig (7“,
Soundflat Records, www.myspace.com/psychodaisybeatexplosions,
www.myspace.com/teenagemusicinternational)
Ein Split Single mit zwei Bands aus Bremen. Beide Bands tief
in den späten Sixties verwurzelt. Auch wenn sie wohl nicht ausschließlich in
ihrer Muttersprache singen, hier gibt es Beatmusik auf deutsch. Psychodaisy
beaten eine gelungene Coverversion des Songs, der auf der B-Seite von Howard
Carpendales „Das schöne Mädchen von Seite Eins“ jahrzehntelang
verborgen blieb, bis er von der Neo-Sixties Club Szene vor ein paar Jahren neu
entdeckt wurde und seither zu den sicheren Floorfillern gehört. Die Nummer
stammt aus der Feder von Jörg Heider und Fred Jay, die zahlreiche deutsche
Schlager auf dem Gewissen haben. Hier ist jedoch – nicht zuletzt durch
das großartige Arrangement mit Hammondorgel und Hendrix geschulter Leadgitarre
– ein klasse Beat-Track entstanden. Die neue Aufnahme der Bremer
orientiert sich stark am Original, setzt aber tatsächlich noch einen drauf, da
die Jungs ihre Stilelemente eben aus dem FF beherrschen. Die Flipside, eine
Eigenkomposition der TMI aus Bremen, fällt dagegen fast ein bisschen ab, ist
aber auch nicht übel. ****
The Scarlet Harlots – Explain / Cats Eyes (7”, Firestation Records, www.myspace.com/thescarletharlots)
Dieses ist die erste 7“45 im gerade gestarteten
Singles Club des Labels. Mehr dazu bei www.firestation-records.de. Die
Band stammt aus Birmingham, UK, und wurde u.a. gerade von Steve Lamacq (BBC,
Radio One) zur „unsigned band of the week“ gekürt. Keine Ahnung, ob
das toll ist oder ent-scheidende Folgen hat. Was man hier hört, das klingt
jedenfalls vielversprechend. Frisch, punky, typisch britischer Indie Pop.
Schrammelnde Gitarren, pumpender Bass, treibende Drums und ein leicht
klagender, fordernder Singsang. Dabei sind beide Seiten der Single durchaus
hörenswert und fast gleich catchy. „Explain“
vielleicht ein Spur zwingender. ***
The Scuba Men – Scuba Dooba Baby /
Surf Sound anno 2007! Oder Unterwasser Sound eigentlich.
Denn Scuba Men sind nichts anderes als Taucher. Wie auch immer. Das Scuba Dooba
Baby ist eine flotte Surf Beat Nummer von knapp zwei Minuten, die gut ins Ohr
und in die Beine geht. Man tanzt dazu Twist, Hully Gully oder Freestyle. Die
Flipside ist eine Surf Bearbeitung von „Greensleeves“, auch wenn
uns die Band glauben machen will, sie hätte die Nummer selbst geschrieben.
Ebenfalls sehr flott und unter zwei Minuten lang. Ach so, das Ganze stammt
natürlich aus Kalifornien. ***
Seventeen
Evergreen – Haven’t Been Yourself / Sufferbus (7”, Pacific Radio Fire Records / Lucky Number
Music, www.myspace.com/seventeenevergreen)
Ebenfalls aus Kalifornien, San Francisco, um genau zu
sein, aber der Unterschied könnte kaum
größer sein zur eben besprochenen Single. Mit Psychedelia ist die Musik der
Band auch nur unzureichend beschrieben. Ein bisschen verträumt, laid back, wie
man so schön sagt, auch irgendwie trippy. Beide Tracks hier sind vom bereits
vor zwei Jahren in den USA erschienenen Debütalbum der Band. Erinnert ganz
entfernt an die Beachwood Sparks aus Kalifornien. Allerdings ist bei Seventeen
Evergreen der Bezug zu moderneren Sounds wie z.B. Trip Hop eher gegeben. Vor
allem die A-Seite hier wächst mit jedem Hören. Sehr entspannt, sehr schön. ****
Arcade
Fire – Intervention /
Die zweite Single aus dem aktuellen Album der Kanadier. Ein
Album das m.E. viel besser ist als sein Ruf. Dieses hier ist zweifellos einer
der besten Tracks auf „Neon Bible“. Warum der jetzt als Single
veröffentlicht wird statt kurz vor Weihnachten, verstehe ich zwar nicht so
ganz, aber was soll’s. Verbreiten wir also feierliche Stimmung im
Frühsommer. Ich weiß nicht worüber Win Butler da singt und wen oder was er
anspricht. Aber die etwas kryptisch-dramatische Botschaft passt zu allem
Möglichen. Warum nicht auch zum G8 Gipfel? Auf der Flipside werden Arcade Fire
von Calexico gecovert. Keine schlechte Idee, so etwas auf die B-Seite zu
packen. Klingt gar nicht mal so verschieden vom Original. Mehr nach Calexico,
klar. Ein guter Song jedenfalls. Und
insgesamt eine feine Single. ***1/2
The Checks – Hunting Whales / The Creek (live) (7”, Full Time Hobby Records, www.myspace.com/thechecks)
Ziemlich heavy. Aber nicht Led Zeppelin heavy, diese
Neuseeländer. Mich erinnern sie an Tuomari Nurmio und seine derzeitige Band,
deren Name auf deutsch „Hämmer der Unterwelt“ lautet. Aber die
wirst Du, geneigte Leserin, geneigter Leser, eher nicht kennen. Walgesänge kann
man sich aber auch so vorstellen. Vor allem, wenn die Wale von gewissenlosen
Walfängern gejagt werden. Moby Dick bäumt sich auf, schlingert, und schleudert
dann eine volle Breitseite in Richtung Trawler. Dazu klagen die Potwale im
Chor. Eine sehr beeindruckende, druckvolle Single. Ansonsten ist eine entfernte
Ähnlichkeit mit Wolfmother, den australischen Kollegen, zu bemerken. Allerdings
zeigen The Checks letztlich mehr Nähe zu den R&B Wurzeln als zum Acid und
Schweine Rock. ***1/2
Kaiser Chiefs – Everything Is Everage Nowadays /
I Like To Fight (7”, B-Unique, www.myspace.com/kaiserchiefs)
Everything is average
nowadays, also auch diese Single. Der Kalauer musste einfach sein.
Ein bisschen habe ich den Eindruck, die Luft ist raus bei den Jungs aus Leeds,
die sich gerade anschicken, die USA zu erobern. Na ja, sie versuchen es
jedenfalls. Das zweite Album ist ziemlich mittelmäßig bis langweilig.
„Ruby“ ist noch der beste Track daraus. Die vorliegende Single
A-Seite geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus. Man kennt das.
Dabei waren das Debüt Album und die ersten drei, vier Singles der Band
seinerzeit ganz große Klasse. Hier gefällt die B-Seite spontan viel besser. Die
schließt wenigstens ein wenig an alte Glanzlichter der Kaiser Chiefs an. **1/2
Die neue Single der Manics ist erstaunlich gut! Alles da!
Tolle Melodie, so leicht hymnisch mit klasse Harmonien. Perfekt produziert und
arrangiert. Schwelgerische Gitarrenakkorde, satter Bass, treffsichere Drums und
großartige Breaks. Und sie haben sich kluger Weise Nina Persson von den
Cardigans als Unterstützung ans Mikrofon geholt. Je öfter ich die Single höre,
desto begeisterter bin ich. Erinnert mich stellenweise an die Hoodoo Gurus,
falls euch das was sagt. Die furchtlose Punk Ballade auf der Rückseite klingt
allerdings eher wie ein verhindertes Weihnachtslied. Viel zu dick aufgetragen.
James Dean Bradfield neigt leider zu solchen Übertreibungen, und er hat einen
Hang zum Kitsch. Egal, die A-Seite ist
brillant! ****
Candie Payne – I Wish I Could Have Loved You
More / Gloomy Sunday (7”,
Deltasonic Records / Sony-BMG, www.myspace.com/candiepayne)
Was von manchen Kritiker/innen etwas vorwurfsvoll in
Richtung der jungen Dame aus Liverpool verlautbart wird, weckt bei mir gerade besonderes
Interesse. Diese musikalischen Versatzstücke aus der vermeintlichen
Mottenkiste. Dieses an Gangster Movies und Cocktail Bar Mitte/Ende der 60er
erinnernde Konglomerat aus Jazz, Lounge und Acid. Hier wird das alles sehr
geschickt und gekonnt eingesetzt. Dazu singt Miss Payne sehr schön und fast ein
bisschen abwesend. Distanziert könnte man auch sagen. Aber das ist ok. Es passt
schon. Auf der Flipside scheint es für sie fast geraten, nicht zu viel Nähe
zuzulassen. Sie könnte leicht in den Sog dieses großartigsten aller
Selbstmörder Songs geraten. Ihre Interpretation indes ist dennoch absolut
angemessen. Sehr behutsam und packend zugleich. ****
Patti Smith – Perfect Day / Here I Dreamt I Was
An Architect (
Das Cover Album von Patti Smith stößt wohl auch nicht auf
ungeteilte Zustimmung oder Begeisterung. Ich muss sagen, mir gefällt es sehr
gut. Aber ich mag ihre Stimme eh sehr. Und ich habe auch nicht erwartet, dass
sie die Songs völlig neu interpretiert. Was sie macht ist eigentlich ganz
simpel. Indem sie die Songs singt, werden diese zu Patti Smith Songs. Ganz
einfach. Man sollte da nicht zu sehr mit den Originalen vergleichen. Die sind
in eigentlich allen Fällen eh nicht zu übertreffen. Das gilt auch für Lou Reeds
ganz wunderbares „Perfect Day“. Und doch hat Pattis Version ihre
ganz eigene Dramaturgie und Bedeutung. Den Song der Decembrists kenne ich nicht
im Original. Hier klingt er halt wie ein ganz wunderbarer, nachdenklicher Patti
Smith Song. Diese Single gab es wohl nur als Promo bzw. sehr limitiert in
einigen Läden in den USA. Ich erhielt mein Exemplar zusammen mit der Doppel LP
als Zugabe. ***1/2
Cherry
Ghost – Mathematics / Junebug (7”, Heavenly/EMI, www.myspace.com/cherryghostband)
Debütsingle einer relativ jungen Band aus Manchester.
Melodisch, ruhig und etwas verträumt, mit leichtem Zuckerguss versehen. Gerade
klebrig genug, verhuschte junge Frauen festzuhalten und schüchternen
Abiturienten Hoffnung zu geben. Die B-Seite ist fast noch schöner. Nur zur
akustischen Gitarre singt Simon Aldred einen Song von Mark Linkous, der
übrigens auch als Vorbild der
Band
genannt wird. ***1/2
Louis Lament – Pimp Bride With A Smoke Smile / Sugar Sugar (7”, TV-Eye Records, www.louislament.de)
Ich sag’s ja immer mal wieder. Deutsche Bands müssen nicht
deutsch klingen (und singen). Schon gar nicht, wenn der Sänger Louis Ramirez
heißt und aus Santa Cruz, Kalifornien, stammt. Dieses Trio wurde letztes Jahr
in Köln gegründet und spielt herrlich altmodischen Blues, Funk und Groove
informierten Hardrock. Die Gitarre zerrt, quengelt und gniedelt
herzallerliebst. Und dieser Louis hat ein Organ, alle Achtung! Die B-Seite ist übrigens nicht von The Archies. ***1/2
Pull Tiger
Tail – Let’s Lightning / The Big Sleep (7”, B-Unique Records, www.myspace.com/pulltigertail)
Etwas aufgeregtes und ziemlich verspieltes Trio aus London,
England, UK. Scheint auch eine Debütsingle zu sein. Die Einflüsse der Jungs
sind nicht bei Alanis Morissette zu suchen, wie sie auf ihrer My Space Seite
dreist behaupten, sondern viel mehr in britischem Post Punk der frühen 80er
Jahre. Und da sind sie nun wahrlich nicht die Einzigen, die sich so inspirieren
lassen. Zum Glück hat „Let’s Lightning“ eine höllisch coole Hookline
und einen catchy Refrain. ***1/2
Redondo
Beat – Telepathic Love / The Magic Touch (7”, TV-Eye Records, www.myspace.com/redondobeat)
Ihre letzte Single ist gerade mal vier Monate alt und dreht
sich noch regelmäßig auf meinem Turntable, da wird auch schon nachgelegt. Die
neue 7“45 aus dem Hause Roman Aul + Friends bringt zwei schicke
Coverversionen. Greg Sage und die Wipers werden mit „Telepathic
Love“ in Erinnerung gebracht. Eine Minute und 37 Sekunden vollen Adrenalinausstoß,
Fuzzgitarre satt und die Regler bis zum Anschlag. Die andere Seite (ich mag gar
nicht B-Seite schreiben) bietet eine kraftvolle Garage Version von „Magic
Touch“, das Insider als Northern Soul Klassiker von Melba Moore kennen,
das aber auch in der Version der Bobby Fuller Four als 7“45 erschien. Redondo Beat kennen sich aus. ***1/2
Sister
Vanilla – Can’t Stop The Rock / What Goes Around (7”, Chemikal
Underground, www.sistervanilla.com)
Die Rückkehr der Brüder Reid aus East Kilbride. Mit ihrer
kleinen Schwester haben die Helden des Feedback und Vorturner des Shoegazing
ein ganzes Album aufgenommen, das es wohl nur als CD gibt. Aber auf dieser
Single werden auf das Schönste gute alte Zeiten und Underground Rock Klischees
beschworen. Musikalisch knüpft man dort an wo man mit „Munki“ 1998
abbrach. Die kleine Schwester nölt dazu ganz vortrefflich. ****
The Subcandies – Hey Jules / Little Man (7”, Ton um Ton, www.myspace.com/subcandies)
Im Zitieren und Verwerten von Klassikern der psychedelischen
Beat Ära haben es The Subcandies aus Wien mit dieser Single zu wahrer
Meisterschaft gebracht. Vor allem die A-Seite „Hey Jules“ bietet
Stoff für gleich mehrere Quizfragen bei Soundschnipsel oder Pop Quiz
Veranstaltungen. Dennoch ist das Kunststück gelungen, eine ganz eigenständige
Nummer zu produzieren, die ins Ohr geht, darin verweilt und nicht mehr weichen
will. „Little Man“ ist auch nicht schlecht. In der Band spielen
inzwischen schon zwei Mitglieder der Wiener Mod Legende The Jaybirds, und mit
der attraktiven Griechin Katerina an der Orgel haben sie sich nicht nur optisch
Verstärkung geholt. Für den kommenden Herbst (oder Winter) ist eine LP
angekündigt. Bis dahin wird „Hey Jules“ in rotem Vinyl noch oft
seine Wah Wah und Hammond Grooves aus meinen Boxen schallen lassen. ****1/2
Chow Chow
– Dear Francis / Wedding Video (7”, Fantastic Plastic, www.myspace.com/chowchowband)
Englisches Trio mit seiner zweiten 7“ innerhalb von
vier Monaten. Prägnantes Gitarrenlick, das ein bisschen an eine Feuerwehrsirene
erinnert. Hübscher aber nicht sonderlich einprägsamer Song. Die A-Seite der
Single lebt mehr von den Dynamikschwankungen und der dadurch erzeugten
Atmosphäre, während die B-Seite fast experimentell daherkommt, gänzlich ohne
wiedererkennbaren Song. Das Singlecover kommt als Brettspiel komplett mit
Würfel und Spielfiguren. Alles in
allem nicht unflott. ***
The Draytones – Keep Loving Me / Forever On (7”, 1965 Records, www.myspace.com/thedraytones)
Noch ein Trio aus England, aus der Hauptstadt gar. Das hier
ist ihre Debütsingle. Klasse! Typischer moderner Garage Beat Sound mit ein paar
psychedelischen Zutaten wie rückwärts laufender Gitarre und einem immer
wiederkehrenden hypnotischen Basslauf. Sehr ungestüm und frisch klingt das
alles. Die B-Seite wirkt irgendwie unfertig. Wie ein Demo, ein südamerikanisches.
Hat Gabriel Boccazzi, Gitarrist und Sänger, argentinische Wurzeln? ****
Roland Heinrich & Gunter Gabriel – Folsom
Prison Blues / Geisterreiter (7“,
Rockin’ H Records, Postfach 360339, 10973 Berlin)
Der Song ist bekannt. Gunter
Gabriel auch. Diese Version jedoch ist neu. Roland Heinrich verleiht dieser
deutschsprachigen Neuaufnahme des Klassikers das notwendige Quäntchen Ironie,
ohne das sie wohl unerträglich wäre. Heinrich ist ausgewiesener Country
Gitarrist und Spezialist, der in Berlin sonst auch mit eigenem Material in
Erscheinung tritt. Diese Single wurde zum 75. Geburtstag Johnny Cashs zu Ehren
des Verstorbenen aufgenommen und veröffentlicht. Er selbst hätte sich wohl
geschmeichelt gefühlt. Auf der Rückseite eine ebenfalls nicht bierernst gemeinte
Version eines anderen Klassikers. Die Covergestaltung übernahm Reinhard Kleist,
von dem auch die im vorigen Jahr erschienene Johnny Cash Biographie als Comic
Buch stammt. ***
Husky
Rescue – Nightless Night / Nightless Night (Remix) (7”, Catskills Records,
www.husky-rescue.com)
„A combination of David Lynch and
Bambi“, schreibt der Observer in London über Husky Rescue aus Helsinki. Und das ist gar nicht mal verkehrt. Auch wenn dieser locker flockige
Roadsong hier beim ersten flüchtigen Hören nur eben locker flockig klingt. Die
Nummer hat’s in sich. Man wird diese Melodie, diese Stimme von
Reeta-Leena, diese fesselnde Atmosphäre nicht mehr los. Synthi und Pedal Steel
Gitarre gehen eine sehr stimmungsvolle Symbiose ein. Viel deutlicher noch beim
Remix auf der Flipside. ****
The Nomads
– Ain’t No King Of Rock’n’Roll / The Sweet Zeros
– Which Bitch (7”, Devil’s Jukebox, www.lamf.biz)
Es gibt sie also immer noch. The Nomads aus Schweden waren
eine der besten und aufregendsten Neo-Garage Bands in den Achtzigern. Dieser
neue Track hier klingt imgrunde so, als wären die letzten gut 20 Jahre völlig
spurlos an der Band vorübergegangen. Den Titel kann man getrost als
alter-natives Statement verstehen. Es gibt keinen King des
Rock’n’Roll. Oder besser: Der König ist tot, es lebe der König! Und
als Könige respektive Vorbilder erkennt man hier zweifelsohne The Sonic’s
Rendezvous Band und ihren Klassiker „City Slang“, der übrigens
gerade auf gleichem Label wiederveröffentlicht wurde. Auf der anderen Seite
dieser Splitsingle hört man deftigen Punkrock mit einer Sängerin, aus Brighton,
UK. Die Single kommt in geschmackvollem
pink Vinyl. ***1/2
The What…For! – Ready Steady EP (7”, Copase Disques, www.copasetic.de)
Deutschlands beste Beatband der Achtziger und frühen
Neunziger Jahre waren sie unbestreitbar. Und seit ihrem 20-jährigem Jubiläum
vor anderthalb Jahren sind sie bereits zweimal wieder auf die Bretter, die die
Welt bedeuten, geklettert. Zuletzt Anfang diesen Jahres zur Eröffnung der
„Ready Steady Go“ Veranstaltungsreihe im Schokoladen in Berlin
Mitte. Aus diesem Anlass wurde auch ein wenig in den Archiven gekramt. Und
siehe da, hier sind vier Tracks, die seinerzeit unveröffentlicht blieben. Nun
denkt man ja immer, es wird schon seinen Grund gehabt haben, dass der Deckel da
drauf blieb. In diesem Fall: falsch gedacht! Die vier Tracks haben damals
einfach nicht mehr drauf gepasst auf die erste bzw. die zweite EP 1987
respektive 1991. Zwar handelt s sich hier ausschließlich um Fremdmaterial,
sprich Cover. Aber das ist es doch, was die Fans des Genres wollen, wenn wir
ehrlich sind. Und die Versionen der fünf Berliner klingen wirklich
aus-gesprochen frisch und authentisch. „Zoot Suit“ eröffnet die EP
in sehr gepflegtem, stilvollem Modsound. Das Original der High Numbers
(Vorläufer von The Who) ist der Mod Klassiker schlechthin! „Goin’
Out Of My Mind“ (The Easybeats) ist eine der leider vergessenen Modbeat
Hymnen und ein echter Vorläufer klassischen Powerpops. „Mr.
Heartache“ und „He Was A Square“ bieten britischen R&B
wie ihn eben nur The Primitives oder The Downliners Sect verkörperten. Und The
What..For! zeigen, dass sie ihre Vorbilder bis ins Detail studiert und
verinnerlicht haben. Dennoch tragen alle vier Tracks nicht zuletzt durch die
unvergleichliche Stimme von Urs Elßel einen deutlichen What...For! Stempel. ****
Babyshambles & Friends – Janie Jones
(Strummerville) (7”, B-Unique Records, www.strummerville.com)
Die Fakten: dies ist eine Charity Single, die Geld für die
noch von Joe Strummer ins Leben gerufene Foundation zur Unterstützung junger
Musiker einsammeln soll. Wer auch immer die Idee dazu hatte und das Ding ins
Rollen brachte, erstaunlich ist die Vielzahl der neuen jungen Bands, die daran
beteiligt sind. Von den Guillemots über Larrikin Love bis zu The Rakes und We
Are Scientists. Die Musik kommt im wesentlichen von den Babyshambles. Pete
Doherty singt Lead Vocals, und die Beiträge der vielen Gastsänger sind nicht so
ohne Weiteres auszumachen. Der Song ist bekannt. Diese Version unterscheidet
sich allenfalls durch eine etwas zeitgemäßere Produktion vom Original von The
Clash. Auch der Statik Remix auf der B-Seite fügt nur Marginalien im Sound
hinzu. Das Begrüßendstwerteste – neben dem guten Zweck natürlich –
ist die Beteiligung von Carl Barat. Von einer Libertines Re-Union zu träumen,
wäre dennoch wohl etwas übereilt. ***1/2
The Duke Spirit – A House Is Not A Motel / 007 (7”, Velo Records, www.myspace.com/thedukespirit)
Limitiert auf 300 Stück und wohl fast ausschließlich übers
Internet zu beziehen ist diese sehr spartanisch aufgemachte Tribute Single.
Kein Cover, keine Liner Notes, nur eine dicke schwarze Vinylscheibe mit zwei
Bildetiketten der beiden kürz-lich Verstorbenen, die hier gewürdigt werden.
Dafür entschädigt die Musik vollends. Sowohl der Song von Arthur Lee aus dem
meisterhaften Songzyklus „Forever Changes“ als auch die Rude Boy
Hymne aus der Feder von Desmond Dekker werden von The Duke Spirit hervorragend
interpretiert. Die Stimme von Liela Moss ist es vor allem, neben einem
eigenständigen Arrangement, die das Zuhören unvergleichlich macht. Hoffentlich
gibt es bald mehr Neues von unserer Londoner Lieblingsband. ****1/2
Benni Hemm Hemm – Beginning End / Beygja og
Beygja (7”, Morr Music, www.morrmusic.com)
So klingt also Isländisch. Weit weniger unangenehm als
Arabisch oder irgendwelche slawischen Sprachen jedenfalls. Aber die A-Seite
dieser Single ist eh ein Instrumental Track. Klingt ein bisschen wie die
Filmmusik zu einem Fünfziger Jahre Familienfilm aus Skandinavien. Akustische
Gitarren, Bläser, Glockenspiel und eine aufsteigende Dur Tonleiter. Drollig.
Bei der Gesangsnummer auf der Rückseite bekommt man dann eine Ahnung, dass es
der Bursche irgendwie doch faustdick hinter den Ohren hat. Auch wenn man kein
Wort versteht. Immer noch Filmmusik, Ennio Morricone lässt grüßen, und so ein
heimeliges Gejingel und Gejangel. Klingt
sympathisch. ***
Lord Litter – Yummy
Yummy Yummy / Donny Fester / Cafe Rosa (CD, Trash Tone, www.LordLitter.de)
Ein neues Lebenszeichen von Lord Litter, dem alten Haudegen
der Berliner und internationalen Tape und independent online Radio Szene. Drei
Tracks im inzwischen schon typischen Litter Sound mit seiner ganz eigenen Aura.
Unglaublich was der Lord aus dem alten Bubble Gum Klassiker des Ohio Express
macht. Durch seine sonore Stimme, das reduzierte Tempo und ein quasi gothic
country Arrangement bekommt der Song eine völlig neue Qualität. Diese gothic
atmosphere setzt sich fort bei „Donny Fester“, einer Hommage an
eine wohl völlig unterbewertete Figur aus „The X-Files“. Auch wenn
das womöglich Manchen auf eine falsche Fährte lockt, ich muss hier an Paul
Roland und seine Geister- und Voodoo-Geschichten aus den späten Achtzigern
denken. Ganz großartig dann schließlich das Song Tribute für das Café Rosa in
Berlin Mitte, das es leider schon nicht mehr gibt. Insgesamt hinterlassen die
drei Tracks einen Eindruck von wohliger Wehmut, wenn ihr wisst was ich meine.
Wie wär’s mit einer Vinyl Veröffentlichung, Sir? ****
Redondo
Beat – Hitch Hike / Rock Tonight (7”, TV Eye Records, www.myspace.com/redondobeat)
Redondo Beat, wir erinnern uns, ist in erster Linie Roman Aul,
ehedem Schlagzeuger der Heidelberger Garage Rock Combo Mucus 2. Zwei
7“45s auf eigenem Label sowie einen Longplayer hat Roman mit Redondo Beat
schon auf der Habenseite. Eine Single erschien 2005 in USA und Redondo Beat
unternahmen eine ausgedehnte Tour durch die Staaten. Inzwischen hat Roman, der
ja inzwischen Gitarre spielt und singt, eine völlig neue Band hinter sich und
ein neues Album im Kasten. Diese Single ist sozusagen der Vorbote. Sehr
authentisch klingender R&B und Rock’n’Roll dringt hier aus den
Boxen. „Sweet soul music blasting
through my headphones, and I feel just like a rolling stone“ singt Roman.
Das Erstaunliche ist, dieses Klischee funktioniert und wirkt keinen
Moment peinlich oder aufgesetzt. The Seeds oder The Chocolate Watch Band hätten
es kaum besser hinbekommen. ****
Various Artists – Not Psycho Enough!? Vol. 2 + 3
(7”, Dull City Records, www.myspace.com/dullcityrecords)
Dull City Records ist ein Punk und Garage Rock Label aus dem
höchsten Norden Norwegens. Veröffentlicht werden nur 7“ EPs. Zumeist
Compilations oder Tribute Sampler wie diese hier. So sind diese beiden EPs mit
je vier Tracks der australischen Punk Rock Band Cosmic Psychos gewidmet.
Erstaunlich wie viele Fans diese Band anscheinend noch immer hat. Und wie viele
jüngere Punk Bands ihre Songs im Repertoire pflegen. Ich bin mit den Originalen
nicht sonderlich vertraut, aber allem Anschein nach werden die hier
präsentierten Cover ihnen vollkommen gerecht. Was Lärm, Attitüde und Rohheit
angeht bestimmt. Songs heißen „Supervixen“, „Crazy
Woman“, „Pub“, „David Lee Roth“ oder „Come
On Cunt“. Die Bands kommen aus Finnland: Lothar, Spank My Jones;
Frankreich: Jerry Spider Gang; England: The Dry Retch; und aus Australien: Hell
Crab City, Meatbeaters, Interstater, Gazoonga Attack. Falls jemand immer noch
nicht genau weiß, wie das alles klingen könnte. Stell dir vor, Motörhead spielen eine Jam Session und Lemmy
lässt sich hin und wieder von irgendsonem Milchbubi am Mikro vertreten. Durchschnittlich **1/2
Various Artists – South American Teenage Garage
Punk Vol. 2 (7“, Butterfly
Records, www.butterfly-records.com)
Butterfly Records ist ein Label aus Barcelona, das sich um
Beat, Garage Punk, Soul und andere Vintage Musikstile verdient macht. Dies hier
ist bereits die zweite Folge einer EP Reihe, die zeitgenössische und
hierzulande naturgemäß vollkommen unbekannte Bands aus Südamerika vorstellt.
Wie der Titel der Reihe es andeutet hören wir typischen Garage Punk von La Cosa
De Venus (auf Spanisch), Sixties Beat von Tren Fantasma (auf Spanisch), noch
mehr Garage Punk von Thee Butchers’ Orchestra (auf Englisch) und ein Surf
Instru-mental von The Tormentos. Insgesamt ganz unterhaltsam aber bis auf die
Surf Nummer leider nichts, was man immer wieder hören möchte. **1/2
From The Songbook of Greg Cartwright (7”, Sympathy for the Record Industry, www.sympathyrecords.com)
Schade, Split-Singles sind bei den Jahresbestenlisten nicht
erlaubt. Andernfalls rangierte diese hier ziemlich weit oben bei mir. Greg
Cartwright ist eine Größe in Detroit. Er spielte bei The Oblivians, spielt
jetzt bei The Reigning Sound, und er produzierte u.a. The Detroit Cobras. Ein
guter Songwriter ist er außerdem. Das fanden zwei der heißesten neueren Bands
aus Detroit wohl auch und nahmen je einen seiner Songs auf für ihre aktuellen
LPs. Beide Bands mit female lead vocals. The Fondas präsentieren
„Don’t Come Back“, eine Girl Group Nummer mit typischem
Detroit R&B Feeling. Auf der anderen Seite – Long John Gone, der Boss
von Sympathy, nennt sie wohlweislich nicht B sonder AA-Seite – hört man
The Ettes mit „We Repel Each Other“. Als ich das zum ersten Mal
hörte, war
ich wie elektrisiert! Dieser Track, diese Performance ist pure Ekstase!
Phantastisch! *****
The Datsuns – System Overload / Killer Bees (7“,
Hellsquad Records/V2, www.thedatsuns.com)
Um The Datsuns aus Neuseeland ist es ruhiger geworden. Wenn
es denn je richtig laut war. Die Jungs selbst waren und sind es schon. Laut,
meine ich. Zwischen Punk und Hardrock changiert ihr relativ konventioneller
Sound immer noch. Voll auf die Zwölf. „System Overload“ ist ein so
brachiales wie exaktes Stückchen Punkrock. Mit fetten Drums, satten Gitarren
und einem nervös dazwischen funkenden Synthi. „Killer Bees“ ist
noch einen Zacken schneller und kompromissloser. Zum Abreagieren bei
aufgestautem Frust bestens
geeignet. ***
Liam Frost & The Slowdown
Family – The City Is At Standstill / Naïve (7”, Lavolta Records, www.liamfrost.co.uk)
Als britische Antwort auf Bright Eyes oder als neuer Badly Drawn
Boy wurde der 22-jährige Liam Frost aus Manchester schon bezeichnet. Dies ist
seine zweite Single (ein Album gibt es auch schon), und in britischer
Songwriter Tradition steht der Junge auf jeden Fall. Erinnert durchaus an
Jarvis Cocker oder Neil Hannon. Relativ hymnisch, fast bombastisch arrangiert
kommt die Plugside
daher.
„Naive“ dagegen klingt eher verhalten. Sehr hübsch. ****
Damien Rice – 9 Crimes / The Rat Within The Grain (7“,
14th Floor Records, www.damienrice.com)
Sehr ruhig, sehr schön, sehr zart. Mit verlorener, fast
klagender Stimme leitet Lisa Hannigan dieses Duett ein. Nur von einem Klavier
begleitet. Nachdem Damien dann einsetzt treten erst ein Cello und dann weitere
Streicher hinzu, die schließlich auf dem Höhepunkt abbrechen. Geht es hier
„nur“ um Trennungsschmerz oder mehr? Starke Gefühle allemal. Die
limitierte Single kommt in clear vinyl und mit einem beigelegten
Faltposter.
****
Rosemary –
Benjamin’s Ego / Turning Blue (7”, Split Records, www.RosemaryMusic.com)
Noch ne neue Band. Aus Dartford stammt dieses Trio. Ihre
zweite Single „Benjamin’s Ego“ ist nicht weniger britisch als
die erste, die bereits gute Reviews im UK einheimste. Aber diese neue Single
bzw. ihre A-Seite weicht schon ein wenig ab vom üblichen Britpop / Britrock
Schema. Deklamatorisch, schlicht aber kraftvoll. Irgendwo zwischen XTC und The
Strokes. Die Single ist auf 500 limitiert und alle Copies sind
von der
Band signiert. ***1/2
Ed Vallance – Deep End
/ Spark Of Life (7“, Proof Records, www.edvallance.com)
Neue Stimme aus London. Mit dem Moniker Singer / Songwriter
ist Mr. Vallance nur unzureichend beschrieben. Seine Stimme erinnert mich an
Bowie ebenso wie an Mark Hollis. Die Musik ist mehr Pop als Rock. Klassische
Bandbesetzung mit Drums, Bass, Gitarre, Piano, Gesang. „Deep End“
entwickelt sich recht schnell zum Ohrwurm. Fast hymnisch, leicht melancholisch
und sehr eindrucksvoll. Eine ziemlich gelungene Debütsingle! Ach was sag ich,
eine großartige Debütsingle! ****1/2
Bone-Box – Dragging Wires / Oh Won’t You
Help? My Love Is Dying (7”,
Fat Northener, www.fatnortherner.com)
Jay Taylor, Mastermind der Bone-Box, ist zwar in Manchester,
England, zuhause, aber viel lieber wäre er wohl irgendwo in den Staaten auf
abgelegenen Appalachen Pfaden oder kalifornischen Highways unterwegs. Während
die in den Coyote Studios in Brooklyn, New York, aufgenommene B-Seite dieser
Single ganz eindeutig amerikanische Roots Musik zwischen Tom Waits und Willie
Nelson präsentiert, bietet die sehr feine A-Seite noch einiges mehr. Die leise
von spukhaften Streichern dominierte Strophe lässt mich gleich an Paul Roland denken,
der Ähnliches in den späten Achtzigern ganz vortrefflich produzierte. Dagegen
bringt der volltönende shantyhafte Refrain die Pogues in Erinnerung. Diese
Mischung und das fast schon bombastisch zu nennende Finale mit Streichern und
Bläsern (das dann doch wieder in die leisen Töne vom Anfang mündet) macht den
besonderen Reiz des Tracks aus. Direkt beim Label gibt es die Single wohl noch.
****1/2
Dan
Sartain – Replacement Man / Indian Ink (7“, One Little
Indian, www.indian.co.uk)
Eine moderne Variante von Rockabilly spielt dieses Duo aus
Birmingham, Alabama. Die beiden Tracks dieser Single wurden von Liam Watson im
Londoner Toe Rag Studio aufgenommen. Auf merkwürdige Weise erinnert der Sound
vor allem bei „Replacement Man“ an die Rockabilly Produktionen Joe
Meeks aus den frühen Sixties. Recht spartanisch instrumentiert mit einer
schrammelnden Rhythmusgitarre und einer mächtig verhallten Link Wray oder Duane
Eddie evozierenden Melodiegitarre, die aber immer nur das gleiche Riff spielt.
Die B-Seite bietet eine Art Stammesgesang und lässt u.a. an den
indischstämmigen exzentrischen King Khan denken. ***1/2
Mikko Torvisen Viihdeorkesteri – Haistakaapa Vittu /
Moppi ja Aivokurkiaiset – Homoreikä (7“, Lipposen Levy ja
Kasetti, zu
beziehen
bei www.stupido.fi)
Ich gebe zu, wer der finnischen Sprache nicht mächtig ist,
der hat mit dieser Single vermutlich nur relativ wenig Freude. Es handelt sich
hier um eine Splitsingle in sehr kleiner Auflage. Auf der A-Seite hören wir
Mikko Torvinens Unterhaltungsorchester mit einem Track, der sehr stark an
finnische Punk und New Wave Musik der frühen Achtziger erinnert. Billige
Kaufhausorgel, superschneller 4/4 Beat, Schrammelgitarre, darüber eine Art
Sprechgesang von völlig überdrehten Uh-Ah Chören begleitet. Aber das Beste ist
wie gesagt der Text, der im Gegensatz zum fröhlichen locker flockigen Vortrag
bösartige Publikumsbeschimpfung darstellt. Den Titel wörtlich zu übersetzen,
verbietet mir der Anstand. Sehr frei bedeutet er so viel wie „Ihr könnt
uns mal gerne haben!“ Der Track auf der Rückseite der Single wurzelt
ebenfalls in den frühen 80ern. Avantgardistischer Electropop. In Deutschland
standen Gruppen wie Der Plan oder Palais Schaumburg für diese Art von Pop.
Moppi und die Hirnsparren (so kann man den Bandnamen vielleicht übersetzen)
besingen hier allerdings Dinge, die sich selbst mir nicht erschließen wollen. A-Seite ***1/2
The Slits – Revenge Of The Killer Slits EP (7”, Only Lovers Left Alive / Cargo)
Ari Up, Tessa Pollit, Viv Albertine und Palmolive waren als
The Slits die aufregendste und unglaublichste Girl Punk Band, die man sich 1978
vorstellen konnte. Ich war so verrückt nach ihnen, dass ich ohne zu zögern eine
originale Boots 7“45 „Gaby“ gegen ihre erste LP eintauschte.
Im Vorprogramm der Nina Hagen Band spielten sie im Herbst 1978 im Berliner
Quartier Latin gegen ein ignorantes und borniertes Deutschrock Publikum an, mit
einer Unbekümmertheit und Chuzpe, die man nur bewundern kann. Palmolive schloss
sich dann den Raincoats an und nach der zweiten LP 1979 der drei restlichen
Slits war bereits Schluss. Ari Up lebte lange auf Jamaika und machte dort auch
weiter Musik. Jetzt haben Ari und Tessa zusammen mit Paul Cook (ex-Sex Pistols)
und Marco Pirroni (Adam & The Ants / Siouxsie & The Banshees) in einer
Art Tribal Gathering in einem Londoner Tonstudio ein paar neue Songs
aufgenommen. Sie knüpfen beinahe nahtlos da an, wo „Cut“ einst
endete. Punky Reggae, Dub und jede Menge Spaß und Anarchie. „Slits
Tradition“, die A-Seite der Single, hat was von einem Ohrwurm.
„Number One Enemy“ ist beinahe aggressiv. Und “Kill
Them With
Love” ist überdreht und entspannt zugleich. ***1/2
The Skyflakes vs. The
Clarendon Hills EP (7”,
F.U. Records, www.theskyflakes.com)
Eine Split EP aus Kalifornien. Erschien bereits Ende 2002.
Scheint aber immer noch erhältlich zu sein. Beide Bands haben einen asiatischen
Background (The Skyflakes sind zum Teil Filipino Amerikaner) und sind in der
kalifornischen College Radio Szene aktiv. Die Musik beider Bands wäre vor 20
Jahren im UK unter dem Label C86 geführt worden. Die Sängerin der Skyflakes hat
diese für Asiatinnen typische hohe Stimme, die gerne als „niedlich“
bezeichnet wird. Musikalisch relativ schlicht aber charmant. The Clarendon
Hills sind ein Trio, das sich auf seiner Homepage als „eine der
wichtigsten Thrash Metal Bands der 80er“ bezeichnet. Sehr witzig. Trotz
eines bewusst zur Schau getragenen Dilettantismus haben ihre beiden Tracks hier
durchaus Substanz. Hübsch. ***
Los Walkysons feat. Sharon Jones – Do The Crank
/ I Idolize You (7”, Butterfly Records,
www.butterfly-records.com
Sharon Jones ist eine offenbar recht erfolgreiche Funk und
Soul Sängerin aus Brooklyn, New York. Ihre Platten auf Daptone Records scheinen
bei Kennern dieser Szene beliebt und begehrt zu sein. Ich schreibe das deshalb
mit aller Vorsicht, weil ich mich da überhaupt nicht auskenne. Wie sie an die
spanische Surf und Garage Rock Band Los Walkysons geraten ist, erläutern die
Sleeve Notes von Keb Darge (Soul Spezialist und DJ aus dem UK) leider auch
nicht. Das Ergebnis ist jedenfalls sehr hörenswert. „Do The Crank“
(im Original von The Belgianettes) ist ein uptempo R&B Track. Mir
persönlich gefällt das etwas gefühlvollere “I Idolize You”
(Original Ike & Tina Turner) aber besser. Sharon singt hier wie eine
jüngere Mrs. Turner und die Nummer hat sehr viel Sex in den Grooves. ***1/2
Cosmic Rough Riders –
In Time / You Are Still (7”,
Korova Records, www.cosmicroughriders.com)
Lange hat man von den Schotten nichts Neues gehört. Vor fünf
Jahren gab es zwei wunderschöne Sommer Pop Singles mit Flower Power Flair von
ihnen. Mit dieser großartigen neuen 7“ knüpfen sie wieder genau da an.
Herrlich verträumt, milde psychedelisch und mit einer ganz famosen Hookline.
Die B-Seite kommt etwas kraftvoller und konventioneller. Aber auch hier zeigt
sich überragendes Songwriting und phänomenales Gefühl für Struktur und Aufbau
eines klassischen Popsongs. ****
Husky Stash – One Two I Love You / Cover Me (7”, Rank Records, www.rank-records.com, www.huskystash.com)
Die Single des Monats aber kommt aus Berlin! Ein grandioses
Debüt, sowohl für die Band Husky Stash wie für das Label Rank Records. Bei der
Record Release Party im Festsaal Kreuzberg, wo die Band im Vorprogramm der
Flaming Stars aus London auftrat, zeigte sich eine selbstbewusste Sängerin in
schwarzer Lack-Lederjacke und passenden Stiefeln, die auch stimmlich
überzeugte. Die drei männlichen Bandmitglieder lieferten einen soliden und
stoischen Set mit gelegentlichen Ausbrüchen des Gitarristen Holger. Endlich hat
Berlin wieder eine Band, auf die das Attribut „cool“ voll zutrifft!
Die Single A-Seite ist eine großartige spannungsgeladene sexy Angelegenheit.
Nicoles Gesang changiert von lasziv zu fast unbeteiligt. Die wütenden Gitarren
und eigentlich das ganze unruhige treibende rhythmische Backing lassen an eine
moderne Version von VU denken. Der Song ist spartanisch und doch ungeheuer
erregend. Die Aufnahme beginnt mit einem monoton wiederholten Gitarrenriff und
dem fast fordernden „One Two I Love You“, und sie endet nach drei
Minuten mit dem gleichen Riff und dem ständig wiederholten „turn around,
you’re telling me“. Dazwischen ist Spannung pur, die jedoch nie
wirklich gelöst wird. Man muss die Nadel zwangsläufig immer wieder an den
Anfang setzen. „Cover Me“ ist ähnlich heftig fordernd und fast
schon zu viel des Guten. ****
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