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Letztes Update: 02. Juni 2009


Die Kurzen

Die Bewertungsskala:

Materialverschwendung! - ** muss man nicht kennen - *** sollte man mal gehört haben - **** Anschaffung sehr zu empfehlen - ***** gehört in jede Plattensammlung!

Crystal StiltsCrystal Stilts – Love Is A Wave / Sugar Baby (7”, Angular Recording Corporation, www.myspace.com/crystalstilts)

Eine Band aus New York, gegründet 2003, musiziert irgendwo im Spannungsfeld zwischen Velvet Underground, Punk, Suicide und Psychedelia. Vor allem „Sugar Baby“ erinnert stark an Alan Vegas Suicide. Aber auch „Love Is A Wave“ mit schnellem, unruhigem Tempo, starkem Hall auf dem Gesang und einem typischen New Yorker Post Punk New Wave Sound steht in genau dieser Tradition. Es kommt eben alles wieder. Die Single ist gepresst in einem zufälligen Muster schwarz/weiß changierend wie bei diesen Lightshows damals. Sehr schön. ***1/2

The Dead Weather – Hang You From The Heavens / Are Friends Electric (7”, Third Man, www.thedeadweather.com)

The Dead WeatherJack Whites neuester Streich und zugleich so eine Art Supergroup des Alternativ Rock. Mit dabei sind Gitarrist Dean Fertita von The Queens Of The Stone Age, Jack Lawrence am Bass (The Greenhornes, The Raconteurs) und die Sängerin Alison Mossheart von The Kills. Natürlich hört man der Plugside an, dass sie von Jack White mit arrangiert und produziert wurde. Geschrieben wurde der Song jedoch von Mister Fertita und Miss Mossheart. Druckvoller, aggressiver, Rock erklingt aus den Boxen. Mit dröhnendem Bass und schweren Gitarrenriffs. Die Flipside bietet eine rockigere Version von Gary Numans „Are Friends Electric“, die sich im Prinzip jedoch streng an das Arrangement des Originals hält. Wohl ersetzt eine altmodische Orgel den Synthesizer. Sie klingt aber erstaunlicherweise fast genauso. Alisons Art zu singen ist es, die hier stark beeindruckt. ***1/2

Television Personalties – People Think That We’re Strange / A Glimpse Of My Genius (7”, Elefant Records, TVPswww.myspace.com/tvpersonalities)

Das neueste Lebenszeichen von Dan Treacy. Ein seltsamer Kauz war er ja schon immer. Ziemlich böse abgestürzt war er eine Zeit lang. Und nach seinem Comeback 2004 wirkte er immer noch ziemlich angeschlagen. Davon ist nun nichts mehr zu spüren. „People Think That We’re Strange“ zeigt einen abgeklärten, humorvollen Dan Treacy auf der Höhe seiner Songwritingkunst. Musikalisch knüpft der Track bei früheren typischen TVPs Werken an, wenn auch die ganz große Klasse der frühen Singles von „I Know Where Syd Barrett Lives“ bis zu „Sense Of Belonging“ nicht erreicht wird. Auf der Flipside ein weiteres Beispiel anarchistischer Underground Kultur zwischen Jonathan Richman und Pavement. In dem Song „A Glimpse Of My Genius“ kriegen sie alle ihr Fett ab, von Noel Gallagher bis Lily Allen. Die Single ist exklusiv, limitiert und in weißes Vinyl gepresst. ***1/2

Black TimeBlack Time – ICU / Corpse Life / Doomsday Parade (7”, Skulltones, www.myspace.com/blacktimemutant77)

Aus London stammt dieses Garage Punk Trio. „ICU“ (I see you) klingt genau so, als wäre es direkt von einem altem Magnetophonband überspielt worden, dass über 40 Jahre in irgendeinem Speicher vergessen wurde. Songwriting, Arrangement, Attitüde – alles anno 1966 Texas oder Arizona. Der zweite Track ist dann schon mehr 77er Punk oder doch eher Postpunk, wild und roh. Das längliche „Doomsday Parade“ kommt düster und garstig, aber nicht resignativ sondern trotzig daher. Die Single ist auf 500 Stück limitiert und handnummeriert. ***1/2

Peter DohertyPeter Doherty – The Last Of The English Roses / Don’t Look Back (7”, Parlophone, www.myspace.com/gracewastelands)

Über Petes Drogengeschichten, seine Unzuverlässigkeit und seinen Lebenswandel ganz allgemein sollen die britischen Boulevardzeitungen schreiben. Das interessiert mich nicht. Mich erstaunt nur immer wieder, wie der Junge letztlich die Kurve kriegt. Dieses Lebenszeichen in Form einer ersten Solosingle ist ein positives. Schön abgeklärt, entspannt und nach mehrmaligem Anhören sehr eingängig erklingt diese Hommage an die letzte englische Rose. Graham Coxon spielt Gitarre. Doch erinnert die Aufnahme eigentlich eher an den anderen Blur Mann Damon Albarn und sein Gorillaz Projekt. Doch letztlich ist es nur ein sehr englisches Lied in typischer Britpop Tradition. Sollte Pete tatsächlich erwachsen geworden sein? Die ebenfalls hörenswerte B-Seite „Don’t Look Back“ lässt diese Vermutung zumindest zu. Das Album erscheint auf Vinyl erst Ende April. Ich hab es noch nicht gehört. ****

exloversExlovers – Photobooth / Weightless (7“, Young And Lost Club, www.myspace.com/weareexlovers)

Noch so eine Sixties beeinflusste Gitarren-Indie-Pop Band aus London. Ihre Debüt Single wirkt ein bisschen unscheinbar, unspektakulär, unauffällig. Könnte Absicht sein. Bei näherem Hinhören bemerkt man jedoch ein paar feine Melodien und ein an die C86 und Anorak Szene der 1980er Jahre erinnernde Attitüde in Sound und Aufmachung. Shoegazer Pop kann man auch sagen. Entwicklungsfähig. ***1/2

The Left OutsidesThe Left Outsides – The Third Light / Deep Rivers Move In Silence; Shallow Brooks Are Noisy (7”, Hi-Beat Records, www.myspace.com/theleftoutsides)

Kollege Wolfgang Doebeling hat bereits im Rolling Stone (174, 04/09) die passende Worte gefunden für diese wunderbare Single im limitierten Brokatstoffcover. Die Band – eigentlich nur ein Duo bestehend aus Alison Cotton (voc, viola) und Mark Nicholas (g, harmonica, voc) – besteht seit 2003, stammt aus London und war offenbar letzten Sommer in Berlin zu Gast. Warum hat das niemand mitbekommen? Auch diese von Syd Barrett oder Nick Nicely ebenso wie von Fairport Convention inspirierte Single erschien bereits im Juli 2008. Zum Glück für uns blieb sie weitgehend geheim, sonst hätten wir keines der auf 100 Stück limitierten Exemplare mit handgenähtem Brokatcover mehr abbekommen. ****1/2

The See SeeThe See See – Keep Your Head / Clap Your Hands And Shake A Chain (7”, The Great Pop Supplement / Heron, www.myspace.com/theseeseeband)

Die zweite Single von The See See aus London bietet wieder wunderschönen Sixties orientierten, ganz leicht psychedelischen Gitarrenpop im Spannungsfeld zwischen Byrds / Buffalo Springfield und neuerem Liverpool Britpop Sound. Besonders „Keep Your Head“ hat wieder diesen magischen, einschmeichelnden Jangle Sound im Verbund mit einer schier betörenden Melodie, die man so schnell nicht wieder los wird. Will man aber auch gar nicht. Ein Album der Band ist angekündigt für die zweite Hälfte des Jahres. ****1/2

The Sweet VandalsThe Sweet Vandals – Thank You For You / Let’s Have Some Fun (7”, Unique Records, www.myspace.com/thesweetvandals)

The Sweet Vandals aus Madrid mit ihrer Sängerin Mayka Edjo erinnern spontan an die großartige Soul Sängerin Sharon Jones. Das ist natürlich vor allem der Stimme und Performance Maykas geschuldet. Die Musik der Spanier orientiert sich zu gleichen Teilen an Motown Soul wie an britischem Hammond dominiertem R&B solcher Bands wie der Animals, Artwoods oder V.I.P.’s, die ja ihrerseits natürlich schwarze Vorbilder von Ray Charles bis zu Otis Redding hatten. „Thank You For You“ ist der eingängigere, groovigere Track. ***1/2  

BeatschaffeThe Cheeks – Something On My Mind / Redondo Beat – The Spell I’m Under (7”, Zentrale Beatschaffe / Cargo, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)

Bereits im letzten Jahr erschien die zweite 7“45 dieser Reihe „Zentrale Beatschaffe“ als Splitsingle mit zwei der besten Neo-Sixties Bands aus Deutschland. Die Cheeks Seite ist die geringfügig bessere, die es ja auch schon in meine TOP 25 aus 2008 geschafft hat. Eine vortreffliche Orgelmelodie und ein Ohrwurm von Song, soundmäßig irgendwo zwischen The Zombies und The Marmalade angesiedelt. Wie gesagt ebenso eingängig und einprägsam mit seiner immer wiederkehrenden Pianofigur, wehmütiger Melodie und einem verschärften Fuzzgitarrenpart in der Mitte, steht die Redondo Beat Seite dem kaum nach. Ich bin begeistert! ****

The JaybirdsThe Jaybirds – Take Your Chance / Boy Meets Girl Storyline (7”, Time For Action, www.myspace.com/bjjaybird)

Die beste Neo-Sixties Kapelle aus Österreich sind zweifellos The Jaybirds aus Wien, die in letzter Zeit wieder verstärkt aktiv werden. Diese neue Single auf dem noch relativ jungen deutschen Label Time For Action ist in jeder Hinsicht gelungen. Zwei starke Songs, sachdienlich arrangiert und in perfektem Mod Sound vorgetragen. The Who, The Creation werden da beschworen. Auf jedem Rubble Sampler würden diese beiden Tracks glänzen. Dazu kommt das sehr geschmackvolle und dezente Artpop Design des Singlecovers. Alles Ton in Ton. Und das Vinyl gibt es in violett, allerdings limitiert auf 100 Stück. Danach ist es schwarz. Hätte ich diese Single noch im alten Jahr bekommen, sie wäre weit oben in meinen TOP 25. Offizielles Release Date ist allerdings der 22.1.09, also wird die Single wohl in diesem Jahr oben dabei sein! ****

PenetrationPenetration – Our World / Sea Song (7”, Damaged Goods, www.myspace.com/penetrationreanimated)

Was für eine Überraschung! Erinnert sich noch jemand an „Don’t Dictate“, „Life’s A Gamble“ oder „Firing Squad“? Diese Band um die tolle Sängerin Pauline Murray gehörte zu den besten britischen Acts der Punk und New Wave Ära um 1977-79. Und nun sind sie plötzlich wieder da mit einer brandneuen und ganz aktuellen Single, die den großartigen Singles von damals kaum nachsteht. „Our World“ hat alles, was ich an der Musik dieser Band immer geschätzt habe. Phantastische, mitreissende Melodie, uptempo, optimistisch, fordernd. Die Botschaft ist auch ziemlich eindeutig. Diese Welt gehört uns nicht, wir haben sie nur geliehen. ****

 

The Fabulous PenetratorsThe Fabulous Penetrators – The Hump / Oh My Soul! (7”, Stag-O-Lee, www.myspace.com/thefabulouspenetrators)

Glitterhouse begann vor über 20 Jahren mal als Fanzine für Neo-Sixties, Paisley Pop und Eighties Underground. Das gleichnamige Plattenlabel spezialisierte sich dann gegen Ende der 80er auf Seattle und Grunge. Und nachdem die Helden der Generation X allesamt ins Major Lager gewechselt waren, entdeckte man Roots und Americana, zog um nach Beverungen und etablierte sich als führender Mail Order für die zuletzt genannte Musik. Auf eigenem Label veröffentlichte man fortan leider fast nur noch CDs. Nun haben Reinhard und Rembert das Vinyl wieder entdeckt. Und mit Stag-O-Lee gründeten sie ein Sub-Label für fidelen Lärm Roots affiner und Rock’n’Roll räudiger Provenienz. Eine handvoll Singles sind gerade erschienen. Eine davon ist diese recht gelungene R&B, Garage, Cowpunk Scheibe von The Fabulous Penetrators aus London. ***1/2

Palm SpringsPalm Springs – Blood And Water / Stop Making Plans (7”, Rank Records, www.myspace.com/songspalmsprings)

In einer Auflage von drei Stück erschien die A-Seite dieser Single bereits vor ziemlich genau einem Jahr aus Anlass und in Würdigung der 1000sten Sendung von „Roots“ auf Radio Eins. Nun ist diese wundervolle Aufnahme dank der beiden Enthusiasten hinter Rank Records auch einem größeren Publikum auf Vinyl zugänglich. Und erst vor kurzem am vorletzten November Wochenende präsentierte sich die Band Palm Springs bei drei exklusiven Gigs in Deutschland. In Berlin war der Kreuzberger Privat Club mit rund 60-80 Zuschauern gut besucht. Die Stimmung war entspannt und die musikalische Darbietung exzellent. „Blood And Water“ ist einer der seltsamsten Lovesongs, die ich kenne. So zart und scheinbar einfühlsam. Und doch so trügerisch. Liebesschwüre eines Schwarzsehers. Dabei musikalisch kongenial umgesetzt mit Streichern und einem sehr behutsamen Arrangement. Auch die B-Seite ist von gleicher Güte. Die aus dem Echo gehauchten weiblichen Backing Vocals erinnern mich ein wenig an das „Lullaby for Rosemary’s Baby“. Musik für Verliebte in Zeiten von Wirtschaftskrise und Rezession. Aber das ist wohl schon wieder viel zu profan gedacht. Die Gestaltung des Covers und die Verpackung mit extra Beilagen verdient ein besonderes Lob. ****1/2

The Q - IssuesThe Q – Issues (10” EP, Time For Action Records, www.myspace.com/theqhq)

Eine klassische Mod Band aus den englischen Midlands. The Jam standen hier vor allem Pate, aber auch The Purple Hearts, The Secret Affair und indirekt natürlich die Vorbilder aus den Sixties. Diese EP mit vier Tracks ist das Debüt der Briten auf Vinyl. Vier formidable Tracks, die sowohl in Songwriting wie in Instrumentierung und Arrangement komplett in der Tradition der genannten Vorbilder stehen.  Das alles klingt fast schon beängstigend authentisch. Bis hin zu den Themen der Songs, die sich mit dem „mehr Schein als Sein“ und mit den idealistischen Wünschen und Träumen der Middle Class Kids beschäftigen. Nichtsdestotrotz ein feine und hörenswerte Platte im tollen Zehn Zoll Format. ****

Dr. NortonDr. Norton – Will You Find Beauty In The Brutally Ugly? (7”EP, Go-Kart Rec., www.myspace.com/drnortonbeatpunk)

Gegründet wurde diese Band wohl mal in Regensburg. Aber von der oberbayrischen Provinz zog es sie mit Umwegen über Stettin und Hamburg nach Berlin. Die Musik der vier Männer ist aggressiv und kraftvoll, zugleich aber auch aus-drucksstark und vielschichtig. Ganz in der Ferne hört man Echoes von Sixties Punk US-amerikanischer Prägung. Deutlicher jedoch sind Einflüsse von New und No Wave der späten Seventies. Television haben ebenso Spuren hinterlassen im Sound der Band wie X-Ray Spex etwa. Diese EP ist bereits die dritte Veröffentlichung der Jungs. Vier starke Aufnahmen, die man einer deutschen Band so gar nicht zugetraut hätte. ****

The Higher StateThe Higher State – And In Time / If We Don’t Realise (7”, State Rec., www.myspace.com/thehigherstategaragepsych)

Hervorgegangen aus den Überresten von The Mystreated spielen The Higher State aus Folkestone, Kent, absolut authentischen Sixties Folk Punk, der seine Vorbilder von Love über The Byrds bis zu den 13th Floor Elevators oder Zakary Thaks nicht verleugnet und doch auch eigen und zeitgemäß klingt. Zwei klasse Songs haben die vier hier aufgenommen. Schöne Harmoniegesänge und quengelnde Gitarren, getrieben von scheppernden Drums und Schellenring. Besser geht so etwas kaum. ****1/2

DeathWhite Lies – Death / Black Song (7”, Fiction Records, www.myspace.com/whitelies)

Erschien ihre erste Single noch in nur 500er Auflage auf ihrem eigenen Label, so ist das hier nun der zweite Streich auf Major Label und mit entsprechendem Marketing und Promotion Backing durch das größte Musikunternehmen der Welt. Musikalisch gibt es eigentlich kaum Veränderungen im Vergleich zum Debüt. Das Trio aus Chiswick, West London, versucht nach wie vor, den Sound der frühen Eighties Post Punk Ära mit Vorbildern von Joy Division, Bunnymen bis zu Teardrop Explodes in die Gegenwart zu übertragen. Nach wie vor scharf an der Grenze zu Kitsch und Bombast, aber mit doch eindrucksvollem Ergebnis, Glasvegas gar nicht mal unähnlich. Im Januar erscheint das Debütalbum. ****

Frank PoppFrank Popp – Hey Mr. Innocent (7”, TV Eye Records, www.myspace.com/frankpoppmusic)

Schillernde Figur und in gewisser Weise der Pate zumindest der Düsseldorfer Neo-Sixties Szene ist DJ Frank Popp, der sich hier nach längeren Auslandsreisen und längerer Bühnenabstinenz (zumindest als Musiker in eigener Sache) wieder zurück meldet mit einer von Northern Soul inspirierten Beat Nummer. Hypnotischer Beat, schnarrende Fuzzgitarrenriffs und ein käsiges Orgelriff, dazu die kräftige Stimme von Sam Leigh-Brown. Auf der A-Seite die eher puristische Beat Version, und auf der B-Seite eine etwas aufgemotzte Remix Version für die Disco. ***1/2

The Moving SoundsThe Moving Sounds – Their 08 Hits (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/themovingsounds)

Ein Quintett aus Stockholm, das uns seit gut sechs Jahren zuverlässig mit Garage Beat der traditionellen Art erfreut. Satte Fuzzgitarren, eine kraftvoll drängende Orgel, könnte Hammond sein, und eine treibende scheppernde Rhythmus Formation machen den Sound der Jungs aus. Dazu der heftig shoutermäßige Gesang. Alles nicht neu, aber immer wieder gerne gehört. So auch diese vier neuen Tracks, die im Bremer Hörwerk Analog Tonstudio entstanden. ***

The WaistcoatsThe Waistcoats – Beatschaffe EP (7”EP, Copase Disques, www.myspace.com/zentralebeatschaffe)

Dies ist die erste EP einer neuen Reihe streng analog aufgenommener, gemasterter und gefertigter 7“EPs. Copase Disques bringt in loser Folge in dieser Reihe „Beatschaffe“ Aufnahmen heraus, die in einem Analog Studio mit altem original Equipment 1:1 live im Studio aufgenommen wurden. Den Anfang machen The Waistcoats, ein holländisches Garage Beat Trio, mit vier neuen Tracks, die in ihrer Spontanietät und Spartanität den Geist der Outsiders und von Q65 beschwören. ***1/2

The Hara-Kee-ReesThe Hara-Kee-Rees – The Magic Pill EP (7”EP, Soundflat, www.myspace.com/harakeerees)

Typischer 80s Garage Punk Sound von einer fünfköpfigen Band aus Köln am Rhein. Live ist so etwas immer sehr schön anzuhören und anzusehen. Auf Albumlänge überzeugt diese Musik nur sehr selten. Insofern ist diese EP hier genau das Richtige für die jungen (und auch die älteren) Garage Fans. Drei eigene Werke der Kölschen Jungs mit Farfisa, Fuzzgitarre, viel Gekreisch und vor allem Schmackes vorgetragen. 80s Garage übrigens deshalb, weil die originalen 60s Bands meist doch nicht so punky und rowdy klangen, wie auch das vierte Stück hier, ein Cover der Human Expression von 1967, deutlich macht. „Every Night“ ist eine schöne Garage Pop Ballade und der beste Track, obwohl es auch nicht wirklich großartig ist. Insgesamt knapp ***

King SalamiKing Salami & The Cumberland Three – Shake It Wild / She’s A Kukamunga (7”, Soundflat, www.myspace.com/kingsalamiandthecumberland3)

Dieses Quartett hat sich in London gesucht und gefunden. Die Single auf Soundflat Records ist ihre zweite Veröffentlichung und bietet leicht exotischen R&B beeinflussten Rock’n Roll Trash. „Shake It Wild“ macht genau das, aber was eine „Kukamunga“ ist konnte ich nicht ermitteln. Laut Lexikon handelt es sich um einen bewaldeten Steilhang auf Hawaii. In dem Song dreht es sich aber ganz offensichtlich um eine Frau dieses Namens. Merkwürdig. Zur Single gehört übrigens ein hübsches Schneidebrettchen für die Küche des Salami Fans. Die Musik ist für einschlägige Parties durchaus geeignet. ***

Electric FamilyThe Electric Family – The Inca Cosma Fudge Part 1 & 2 (7”,Sireena Records, www.myspace.com/electricfamily)

Auch in Osterholz-Scharmbeck erinnert man sich der guten alten 7“45, die allerdings in diesem Fall aus technischen Gründen mit 33 Umdrehungen in der Minute ihre Kreise zieht. Dieses achteinhalb minütige Hippie Epos entstand bereits vor Jahren bei einem Trip Tom Redeckers ins ländliche Frankenland in der Nähe von Bayreuth. Und ein psychedelischer Trip in andere Sphären ist es in der Tat. Auch ganz ohne die Hilfe bewusstseinserweiternder Substanzen. Toms sonore Stimme ist wie geschaffen für ein solches Mantra, das mit fließenden Keyboard Klängen und repetitiven Gitarrenlicks und hypnotischen Percussions unterlegt ist. ***1/2

The SatellitersThe Satelliters – Unknown State (Of Mind) / Take Some Soul / Shame On You (7”, El Beasto Recordings, www.myspace.com/thesatelliters)

Eine neue Single der Satelliters aus Darmstadt ist immer willkommen. Über die Jahre haben sie sich zu einer der beständigsten und authentischsten deutschen Garage Beat Bands entwickelt. Bei ihnen klingen selbst die Eigenkompositionen meist wie von einer US Garage Combo anno 1966 verfasst und aufgenommen. Und diese neue Platte mit zwei eigenen und einem gecoverten Stück macht da keine Ausnahme. Auch hier Fuzzgitarren, Schweineorgel, schepperndes Schlagzeug, Schellenring und eine Gesangsstimme, die ganz wunderbar diesen nöligen Snarl drauf hat, der typisch ist für all diese Bands von der Chocolate Watch Band bis zu den Chesterfield Kings. Die Single kommt sehr geschmackvoll in psychedelisch blau/schwarz gesprenkeltem Vinyl. ****

The See SeeThe See See – Up The Hill / Citadel Shuffle (7”, The Great Pop Supplement, www.myspace.com/theseeseeband)

Die Band hat sich in London gefunden. Ein Folk orientierter Schwede, zwei Amis aus Detroit und noch ein Folkie aus Yorkshire spielen eine formidable Mischung aus eben Folkrock,  etwas Psychedelia und wunderbar entspanntem Pop. Einflüsse reichen von The Flying Burrito Brothers bis zu den Spacemen 3. „Up The Hill“ ist fantastisch, und auch die B-Seite geht gut ins Ohr. Leider ist die Single auf 300 Stück limitiert und wahrscheinlich schon jetzt nicht mehr zu finden. Eine zweite 7“ ist für den Herbst angekündigt und eine LP für 2009. Diese Single verdient ****

Wild Billy ChildishWild Billy Childish & The Musicians Of The British Empire – Rosie Jones / Little Miss Contrary (7”, Soundflat, www.myspace.com/themusiciansofthebritishempire)

Und noch eine Single auf Soundflat Records. Wild Billy Childish muss man nicht vorstellen. Seit über 30 Jahren spielt er in diversen Bands und auch allein seine Version von Beat, R&B und Rock’n’Roll. Und so bietet auch diese Single musikalisch nichts wirklich Neues oder gar Überraschendes. „Rosie Jones“ hat jedenfalls ein prägnantes Riff und einen Singalong Charakter, der an frühe Kinks, Who oder Pretty Things Nummern erinnert. Das Cover kann man aufklappen, und wie bei Sgt. Pepper liegen Schnittmusterbögen zum Basteln bei. ***1/2

Coming Around AgainBaby Woodrose – Coming Around Again / I Feel High (7”, Bad Afro, www.myspace.com/babywoodrose)

Wie es sich gehört enthält die neue Single der dänischen Garage Psych Combo zwei exklusive Tracks, die es sonst nirgends gibt. Noch dazu zwei ganz großartige Songs, im richtigen Sound und Arrangement vorgetragen. Die A-Seite ist ein solider Garage Rocker mit überzeugender Hookline und schön bratziger Gitarre. Auf der B-Seite dagegen ein kleines Psych Monster mit akustischer Gitarre, rückwärts Percussion, Farfisa Licks und allerlei hübschen Effekten zu einem entsprechend abgehobenen Text. Das Cover wurde übrigens von Kiryk Drewinski aus Berlin gestaltet, der direkt bei den großen Pop Art Künstlern der Sixties in die Lehre gegangen ist. Diese Single ist rundum perfekt und die beste 7“45 des Garage Beat Genres bisher in diesem Jahr. ****

Freakbeat PhantomThe Rascals – Freakbeat Phantom / Shades Of Embar-rassment / Hand In The Shadow (10”, Deltasonic, www.myspace.com/rascalmusic)

Der Titel dieser Single darf als programmatisch gesehen werden. Und das obwohl es sich hier gar nicht um Freakbeat im engeren Sinn handelt. Ja nicht einmal um Garage Beat. Die Sixties Einflüsse sind freilich nur allzu deutlich. Joe Meek geistert da durch die Arrangements und Effektabteilung der Rascals aus Wirral bei Liverpool. Die Produktion ist phantastisch. Klar und durchsichtig trotz des enormen Halls an einigen Stellen, aber auch kraftvoll und mit einem gewissen Punch. Hervorragende Dynamik. Der Song selbst ist schlicht großartig. So klingt intelligente Fortführung des Sixties Pop. Trotz starker Konkurrenz ist dies bislang meine Single des Jahres! Auch die beiden Tracks auf der B-Seite der 10“ sind überdurchschnittlich gut. In Ermangelung eines passenden Genre Begriffs muss ich die Musik der Rascals Psychedelic Beat nennen. *****

J. SmithTravis – J. Smith / Get Up / Sarah (10”, Red Telephon Box, www.myspace.com/travis)

Ja, es ist wirklich ein gutes Jahr für Singles. Auch dies hier ein Anwärter für die vorderen Plätze. Die beste Travis Single seit langem. Endlich haben sie wieder Biss und einen druckvollen Sound. „J. Smith“ ist genial. Sowohl als Song wie auch in seiner Umsetzung hier. „Get Up“ entwickelt eine wunderbare Atmosphäre und Spannung. Und auch „Sarah“ überzeugt mich schließlich, obwohl es noch wie ein Outtake vom letzten Album klingt. Warum diese 10“ auf ihrem eigenen Label in limitierter Auflage erscheint, entzieht sich meiner Kenntnis. Eine nächste Single (dann bei Universal) ist bereits für Mitte September angekündigt. Im Moment freuen wir uns aber erst mal hierüber! ****1/2

GeraldineGlasvegas – Geraldine / The Prettiest Thing On Saltcoats Beach (7”, Columbia / Sony BMG, www.glasvegas.net)

Eine von zwei verschiedenen 7“45s der schottischen Band. Die B-Seite ist jeweils eine andere. Wer die bisherigen Veröffentlichungen der Jungs kennt, erlebt keine Überraschung. Ja man kann sogar behaupten, James Allan klaut hier kräftig bei sich selbst. So eingängig und gefühlvoll diese hymnischen Schmachtnummern auch klingen, „Geraldine“ ist die bisher schwächste. In dem Bestreben alles richtig zu machen und die perfekte Radiosingle mit ihrem Major Debüt zu produzieren ist die Band wohl zu sehr auf „Nummer sicher“ gegangen. „Geraldine“ ist zu perfekt, zu vorhersehbar. Es wird dennoch ein Hit werden, zumindest im UK. Und die Single ist ja auch nicht schlecht, versteht mich da nicht falsch. Auf dieser B-Seite hier eine sehr ruhige, sehr schöne, fast Filmmusik reife Melodie. Die Single kommt in azurblau. ****

Goodnight MonstersGoodnight Monsters – Drifting / Dancehall (7“, Bone Voyage, www.myspace.com/goodnightmonsters)

Diese Band aus Turku begann vor vier Jahren als Wohnzimmerprojekt zweier Oberschüler. Gerade ist ihr zweites Album erschienen. Und diese Single hier ist Teil der 7“45 Offensive des in Hamburg residierenden deutschen Labels der Band 22 Pistepirkko. Auf der My Space Seite der zum Sextett gewachsenen Goodnight Monsters steht etwas von „alternative mersey beat“, und The Hollies werden als Einfluss genannt. Das ist gar nicht so verkehrt. „Drifting“ ist ein absolut perfekter Sixties Pop Song, den The Hollies oder auch 15 Jahre später The Times nicht besser hinbekommen hätten. Die Jungs von der finnischen Westküste haben aber auch so etwas zeitlos unbeschwert Dreampop mäßiges an sich. Ganz zauberhaft! ****1/2

Joensuu 1685Joensuu 1685 – Sick City / Walk On Water (7“, Bone Voyage, www.myspace.com/joensuu1685)

Wie schon der Bandname vermuten lässt sind auch das hier Finnen. Allerdings kommen sie nicht etwa aus dem ostfinnischen Städtchen Joensuu, nein, sie tragen nur alle diesen Familiennamen, der in Finnland fast so häufig ist wie bei uns Meier oder Schulze. Auch dieses Trio orientiert sich an der Musik der 60er Jahre. Und mit ihren berühmten Label Kollegen und Mäzenen 22 Pistepirkko haben sie rein soundmäßig auch viel gemeinsam. Beide Tracks dieser Single hier sind von schwer psychedelischer, hypnotisierender Atmosphäre geprägt. 13th Floor Elevators meet The Spiritualized möchte man meinen. Beeindruckend. ****

The MicragirlsThe Micragirls – Rock’n’Roll Rocket/Rayspectrometer Gal /Haunted Heart (7“, Bone Voyage, www.themicragirls.com)

Diese drei Garage Girls aus dem ostfinnischen Kuopio kennen wir bereits. Seit 2001 spielen sie mit viel Aplomb und völlig unbekümmert den schönsten, herzerfrischendsten primitiven Rock’n’Roll diesseits des Atlantik. Diese 3-track Single ist ihre mittlerweile vierte in diesem Format. Und wie ihre Vorgänger enthält sie wieder halsbrecherische Kracher mit quietschender Orgel, fetziger Gitarre und scheppernden Drums, sowie mit „Haunted Heart“ eine feine Garage Ballade aus tiefstem Herzen. ****

White DenimWhite Denim – Let’s Talk About It / Darksided Computer Mouth (7”, Full Time Hobby, www.myspace.com/bopenglish)

Austin, Texas, ist die Heimatstadt dieses Trios, das bereits vor einem Jahr beim renommierten SXSW Festival als bester Newcomer gefeiert wurde. Ihr Debütalbum erscheint auch gerade. Diese Single hier versprüht eine anarchistische Kraft und Energie, dass es eine Freude ist. Hier passt der Begriff Post Punk wirklich mal. Unglaublich diese in die Beine gehenden Rhythmen gepaart mit subversiver Spielfreude und einem Ideenreichtum, der sich aus mehr als zwei Jahrzehnten US Underground speist. Von Hardcore über Funk bis zu Space Jazz. Schräg. Die Single ist zweifarbig rot/weiß. ***1/2

White LiesWhite Lies – Unfinished Business / You Still Love Him (7”, Chess Club Records, www.myspace.com/whitelies)

Einer von diesen typischen Hypes der britischen Medien, könnte man meinen. Ein junges Trio mit einer auf 500 Stück limitierten 7“, die bereits wenige Tage nach Erscheinen vergriffen ist und nun bei Ebay für 20-25 Pfund angeboten wird. Die A-Seite gibt es übrigens als kostenlosen Download über die My Space Seite der Band. Aber reden wir über die Musik. Und die ist gar nicht mal schlecht. Erinnert spontan an grandiosen Pop zwischen The Mighty Wah und Glasvegas. Sehr eingängig, sehr dramatisch. Aber auch ein bisschen zu sehr auf Wirkung und Eindruck machen aus, fürchte ich. Nach den ersten Spins steigert sich meine Begeisterung noch. Ob sie jedoch bis zur Jahresendabrechnung hält, wird sich zeigen. White Lies könnten auch in Richtung Muse oder U2 abgleiten. Wir wollen hoffen, dass dies nicht geschieht. ****

ClinicClinic – The Witch / Earl Mallard (7”, Domino Records, www.clinicvoot.org)

Moderner Acid Rock von einer Band aus Liverpool. Die Single ist Vorbote ihres bereits fünften Albums in gut zehn Jahren. Sind bisher mehr oder weniger an mir vorbei gegangen die Burschen. Erinnert erstaunlich an US Garage und Psych Punk diese Single. Neben einem treibenden hypnotischen Rhythmus fallen besonders diverse psychedelische Effekte auf. Der Song handelt von einer Hexenjagd, die allerdings nicht näher erläutert wird. Auf der Flipside wird es noch mysteriöser und klanglich experimenteller. Freunde von Nuggets und Rubble Compilations sollten hier unbedingt mal ein Ohr riskieren. ***1/2

The DraytonesThe Draytones – Turn It Down / Happiest Man (7”, 1965 Records, www.myspace.com/thedraytones)

Ebenfalls sehr Sixties beeinflusst ist dieses Trio aus London. Eine Single und ein Mini-Album erschienen letztes Jahr. Diese neue Single ist in gewisser Weise traditioneller und noch stärker am Beat britischer Bands Mitte der 60er Jahre orientiert. „Turn It Down“ klingt zwar letztlich doch modern, aber der Song und alle einzelnen Zutaten sind direkt von The Who, The Eyes oder ähnlichen Mod Bands abgeschaut. Das wievielte Sixties Revival erleben wir nun? Feine Sache jedenfalls! Eine LP der Groovy CellarBand kommt auch bald. ****

The Groovy Cellar – When You Fly Away / April Moon (7”, Firestation Records, www.myspace.com/thegroovycellar)

Mal wieder ein Lebenszeichen von Berlins inzwischen ältester Mod und Dreampop Band. „When You Fly Away“ ist wieder so ein typisches Olaf Schumacher Liebeslied, so eine Art hymnischer Jangle Pop, unterfüttert von Orgelakkorden, einzelnen Pianotönen, einem freundlichen Shuffle Rhythmus und den regelmäßigen Schlägen eines Schellenrings. Das Songwriting erinnert an den schönsten Britpop, den man sich vorstellen mag. Beinahe bombastisch arrangiert das Ganze dieses Mal. Die Flipside bietet einen weiteren Ohrwurm. Uptempo und unwiderstehlich. Solche Songs schreiben nur Olaf Schumacher, Dan Treacy oder Graham MGMTGouldman. ****1/2

MGMT – Time To Pretend / Weekend Wars (7”, Columbia Records, www.myspace.com/mgmt)

MGMT sind ein Pop Duo aus Brooklyn, New York. Ihre Musik ist verspielt, fröhlich, ein bisschen exaltiert und erinnert an alles Mögliche von Kinderliedern über klassischen Britpop bis zu altbackenem Synthi Pop. Zumindest dem Ohrwurm „Time To Pretend“ kann man sich kaum entziehen. Eigentlich bietet der psychedelische leicht verschrobene Indie Pop Track auf der B-Seite der Single aber mehr und abwechslungsreicheren Hörgenuss. Erinnert an so Vieles, von Keith Wests „Grocer Jack“ bis zu Roxy Musics „Editions Of You“. Erstaunlich! ****

Panic At The DiscoPanic At The Disco – Nine In The Afternoon / Behind The Sea (7”, Atlantic Records, www.panicatthedisco.com)

Noch mehr verspielter Retropop, der rein vom Gefühl her im Swinging London der Jahre 1967-69 hätte entstehen können. Dabei kommt dieser wunderschöne Harmoniepop, von Streichern, Bach Trompeten und rückwärts gespielten Tape-Loops unterstützt, aus Las Vegas, 2008. Dass diese Band mal als Blink 182 Coverband angefangen hat, kann man sich kaum vorstellen. Ihre Musik ist herrlich unbeschwert und weit entfernt von irgendeiner Art Rock’n’Roll. Das Schöne dabei ist, man vermisst den Rock’n’Roll The Poem Is Youüberhaupt nicht. ****

The Poem Is You – The Ballad Of Old Harold / Please, Don’t Take My Man (7”, KF Records, www.kfrecords.de)

Eine noch recht junge Folk Band, deren sechs Mitglieder aus Dresden, Berlin, Belgien und Massachussetts stammen. Ihre beiden Tracks auf dieser Single klingen sehr traditionell wie typischer Folkrock aus den frühen 70er Jahren. Speziell „The Ballad Of Old Harold“ hat einen gewissen Charme, der von dem Kontrast der verschachtelten Männer- und Frauenstimmen und der sehr ökomomischen und stilsicheren Instrumentierung lebt. Das zarte Liebeslied auf der Rückseite bleibt dagegen ein wenig blass. Sympathisch allemal. ***

The Duke SpiritThe Duke Spirit – The Step And The Walk / Echo Song (7”, Love Token, www.myspace.com/thedukespirit)

Klasse! Die neue Single der besten britischen Band der letzten Jahre vereint wieder alles, was ich an ihr liebe. Vom ersten böse pulsierenden Basston über die Uuh-Uuhs aus der Ferne, den monotonen immer dringlicheren Rhythmus, die charismatische Stimme von Liela Moss bis zu den dezent gesetzten Gitarrenlicks hinter den Akkordwänden vorn. Das alles hat eine phantastische und faszinierende Wirkung. Spannung pur! Bis zum Ende. Worum es in dem Song geht, hab’ ich trotzdem nicht verstanden. Macht nichts. Der „Echo Song“ auf der Flipside ist dagegen eine schöne entspannende Erholung. Sehr fein! ****1/2

GlasvegasGlasvegas – It’s My Own Cheating Heart That Makes Me Cry / Be My Baby (7”, Sane Man Recordings, www.myspace.com/glasvegas)

Die dritte Single der Band aus Glasgow. Die erste kenne ich leider nicht. Die zweite ist die Single des Jahres 2007. Diese hier ist sowohl vom Songwriting wie produktionstechnisch der vorigen sehr ähnlich. Leider erreicht sie nicht die gleiche Einmaligkeit. Versteht mich nicht falsch. „My Own Cheating Heart“ ist immer noch großartig. Wenn diese Nummer nicht ganz so überwältigt und einen fassungslos vor Freude macht, dann liegt das vermutlich daran, dass das Überraschungsmoment fehlt und vielleicht auch daran, dass die Story nicht ganz so herzergreifend ist. Als Band, die für diesen hallüberladenen Wall of Sound steht, „Be My Baby“ zu covern, ist vielleicht nicht besonders originell, aber das Ergebnis klingt nicht weniger als wunderbar! Und was sollte falsch daran sein, einen der besten Songs aller Zeiten zu spielen? ****1/2

The TasteThe Taste – I Want You / I Die When The Night Comes (7”, Rank Records, www.myspace.com/tastethetaste)

Wonach diese Debütsingle nicht klingt, das ist München und Deutschland. Aber genau daher kommen Maria und Nick Pattusch, ein junges Paar, das die Rollenverteilung der White Stripes kurzerhand umgekehrt hat. Er spielt die Drums und sie singt und spielt Gitarre. Kraftvoller spröder Postrock mit viel Aplomb vorgetragen. Gefühl und Härte war mal so ein Schlagwort in den frühen Achtzigern. Passt hier auch. „I Want You“ ist ein guter Song, der absolut adäquat präsentiert wird in einem Spannungsfeld zwischen Wire und Television. „I Die When The Night Comes“ ist nicht weniger eindringlich und fast ebenso eindrucksvoll. Man sollte die Single mehrfach hören. Beide Seiten. Sie wächst. ****

TwigTwig – Ciao Ciao Bomb / Wentworth (7”, Cloudberry Records, www.myspace.com/twigsweden)

Stockholm ist die Heimatstadt dieses Trios, das Twee Pop und klingelnde Gitarren mit stürmischen Beats und lieblichem Gesang verbindet. Orange Juice standen da ebenso Pate wie The Associates oder The Divine Comedy. Etwas irritierend ist die Tatsache, dass sich A und B-Seite dieser Single schon sehr ähneln. Erschienen ist die Vampire WeekendPlatte übrigens in Florida in strikt limitierter Auflage. Eine kleine Bildergeschichte liegt auch noch bei. Feine Sache! ***1/2

Vampire Weekend – Mansard Roof / Ladies Of Cambridge (7”, Abeano Music, www.myspace.com/vampireweekend)

Die B-Seite mit dieser bezaubernden Violine und dem an eine feierliche Hochzeitszeremonie erinnernden Zwischenteil finde ich viel schöner als die zwar originelle und hinreichend exotische aber auch schnell langweilige A-Seite. Aus New York stammt die Band, die bereits hier und da als „The Next Big Thing“ gehandelt wird. Erfrischend auf jeden Fall und musikalisch durchaus innovativ. Auf Albumlänge aber wohl zu exotisch für mich. ***1/2

YeasayerYeasayer – 2080 / Sunrise (7”, We Are Free, clear light green vinyl, www.myspace.com/yeasayer)

Noch eine Kapelle aus Brooklyn, New York, die bereits vielfach gelobt wird. „Middle Eastern Psych Pop/Snap Gospel” nennen sie selbst ihre Musik. Das sind also polyrhythmische Songstrukturen, wie die Spex diesen leicht exotisch gefärbten Sunshine Pop bezeichnet. Ok, Harper’s Bizarre oder The Hobbits klangen anders. Aber so ungewöhnlich oder gar ungewohnt klingt das hier nun auch nicht. Sehr hübsch hört sich diese Verbindung von allerlei Percussion, akustischen Zupf- und Saiteninstrumenten sowie Zimbeln und Glockenspiel an. Der mehrstimmige Gesang dazu wirkt stellenweise tatsächlich tribalistisch. Und vielleicht sind da ja wirklich ein paar afrikanische Einflüsse verarbeitet. Vor allem bei „Sunrise“. ***1/2

22 Pistepirkko22 Pistepirkko – Angoulême 2036 / Sky Girl (slide demo) (7”, Bone Voyage, www.myspace.com/22pistepirkko)

Neues von meinen Lieblingsfinnen. Auf der A-Seite ein für die Band sehr typischer Track. Sowohl der nasale, leicht nuschelige Gesang von PK Keränen, als auch der typische Swamp Blues Shuffle und der schlichte, aklamatorische Charakter des Songs erinnern an frühere Werke der Band aus den  Neunziger Jahren. Angoulême ist ein Ort in Frankreich, in welchem jährlich eine der größten Comic Messen Europas stattfindet. Ob und was das mit dieser Single zu tun hat, habe ich nicht ermitteln können. Die eher kryptischen und kaum verständlichen Lyrics geben da nichts her. Der Track hat eine eigenartig hypnotische Wirkung. Fast psychedelisch. Die B-Seite bietet einen wundervoll atmosphärischen Track. Eine tolle Slide Gitarren Begleitung zu einem verträumten Liebeslied. ***1/2

Turner CodyTurner Cody – Suzzannah / Liza (7“, Boy Scout Recordings, www.myspace.com/misterturnercody)

Turner Cody ist ein Kumpel von Adam Green aus Brooklyn. Das soll uns aber bestimmt nicht abschrecken. „Suzzannah“ ist eine mysteriöse akustische Nummer mit einer wunderbaren Melodieführung und ungewöhnlicher Instrumentierung. Neben Akustikgitarre, Akustikbass und dezenter Percussion setzt ein schräges Saxophon effektvolle Akzente. Der Track erinnert mich sehr an die großartigen Bone-Box aus England. „Liza“ auf der Rückseite ist ein akustischer Kaffeehaus Charleston, wieder unterstützt von diesem seltsamen Saxophon und einer Fiddle. **** 

 

Lot LizardsLot Lizards – Leave Me Alone (I’ve Got A Bomb) 7 Neon Lights / Candy Man (7”, Perpetrator Records, www.myspace.com/lotlizardslondon)

Eine Londoner White Stripes Kopie? Auf den ersten Blick könnte man so denken. GG Cicciolina spielt eine sehr rohe und bratzige Gitarre, Meg (sic!) Slim spielt Schlagzeug im Stehen und kreischt. Doch sind die beiden eher einer Tradition US-amerikanischen Hardcore Punks verpflichtet, die von Bands wie The Gories oder Pussy Galore repräsentiert wird. Beeindruckend ist dieser kompromisslose und ehrlich wütende Lärm auf jeden Fall. Warum ihre erste Single ausgerechnet in Auckland, Neuseeland, erscheint, ich weiß es nicht. Die zweite (etwas schwächere) Single wurde fast zeitgleich in Frankreich veröffentlicht. ***1/2

Carbon / SiliconCarbon/Silicon – The Magic Suitcase / Acton Zulus (7”, Carbon/Silicon Records, www.myspace.com/carbonsiliconinc)

Schön, dass sich Mick Jones (ex-Clash) und Tony James (ex-Generation X) nun endlich doch dazu durchgerungen haben, auch Leute, die ihre Musik auf die gute alte analoge Art zu hören pflegen, an ihrem durchaus hörenswerten Output teilhaben zu lassen. Ich kenne ihre früheren Werke nicht, diese Single hier und auch eine zweite bereits erschienene 7“ klingen jedoch sehr nach Jones’ früheren Sachen, die er bereits bei The Clash und dann später bei Big Audio Dynamite zu verantworten hatte. „The Magic Suitcase“ ist ein etwas seltsamer, beinahe phantastischer Song über die Vergänglichkeit allen Seins. Einschmeichelnde Melodie, beinahe konventionelles Arrangement. Auf der B-Seite geht es um die Zukunft im digitalen Zeitalter, ein Thema, das sich wie es scheint ständig durch die Songs der beiden ex-Punks zieht. Die Melodie auch hier absolut typisch Mick Jones. Keiner klaut besser bei sich selbst als er. ***1/2

I Know What You Did Last SummerThe Cheeks – I Know What You Did Last Summer EP (7” EP, Beyond Your Mind Record, www.thecheeks.de)

Der Titeltrack dieser EP sollte eigentlich als Twang! 7“45 erscheinen. Hat aus finanziellen Gründen leider nicht geklappt. Das ändert nichts daran, dass diese Nummer große Klasse ist! „Summer“ hat alles, was eine gute Garage Pop Single braucht. Ein Orgel-Intro, dass sofort Aufmerksamkeit erweckt, eine unwiderstehliche Hookline, einprägsamen Refrain, tolles Arrangement mit Fuzztone Riffs, kurzem Schweinesolo, ein paar hübschen Effekten als Sahnehäubchen. Auch die anderen Tracks auf der EP halten den hohen Standard, den die Jungs und das Mädel (an den Drums) aus Dortmund sich mit ihrem letzten Album gesetzt haben. „Memory Line“ ist eine einschmeichelnde Beatnummer mit Kirmes Orgel. „On A Night Like This“ kommt als kurzer, knackiger Garage Rocker daher, ebenfalls mit relativ dominanter Orgel. Und der letzte Track „The Ballad of Will-o-the-Whisp“ hat was von typisch britischem Artpop des Swinging London der späten Sixties. Feine Sache! ****

Get Off My TrackGraham Day & The Gaolers – Get Off My Track / The Man Who Came Back (7”, Disques Volfoni, www.myspace.com/grahamdayandthegaolers)

Graham Day ist unverwüstlich. Nach dem Ende der Prisoners, der englischen Mod Band der Eighties schlechthin, gründete er The Prime Movers, später dann The Solarflares und nun ist er wieder da mit einem Trio, das sich The Gaolers nennt (gesprochen „Jailers“). Anfang November spielte die Band im Bang Bang Club in Berlins Mitte. Laut, druckvoll, krachig. Ein bisschen zu laut, fand ich. Und das Repertoire war trotz diverser typischer Mod Rocker zu wenig abwechslungsreich, zu sehr runtergedroschen von den zweifellos versierten, professionellen Musikern. Das Album der Band habe ich noch nicht. Aber diese Single hier ist großartig! Hier klingt Mister Day so wie man ihn kennt und liebt. Natürlich druckvoll, natürlich kompromisslos, mit der nötigen Schärfe und kontrollierter Wut. Eine Single für alte und junge Mods und Rocker. Klasse! Auf der B-Seite ein ordentliches Garage Rock Instrumental. ****

The BombettesThe Bombettes – What’s Cooking Good Looking? (7”EP, Ny Våg Records, www.myspace.com/thebombettes)

Großartige Girl Punk Band aus Umeå in Nordschweden. Direkt und mit unglaublich viel Energie und Spaß spielen die fünf Mädels klassischen schnellen und überzeugenden Punk Pop wie die Revillos oder Kleenex damals. „I wanna kick your ass, 'cos you’ve got a nice ass!“ schmettert Leadsängerin Elin den Jungs entgegen. Wer will da widerstehen?! Vier kurze knackige Songs um Themen, die schon immer die Welt bewegten. „I stole a look from you while dancing to the Who.“ Oder „I’m bored, and your record collection is too small…” Die Mädels sehen übrigens auch noch klasse aus! ****

College FallCollege Fall – Gravity / That’s The Way Love Is (7”, Ride Records, www.collegefall.com)

Seit zwei Jahren gibt es dieses Indie Pop / Shoegazer Trio aus Perth, Westaustralien. Glenn Musto sowie Jodie und Simon Bartlett (Geschwister oder verheiratet?) spielen aufgeräumt und mit viel Aplomb sehr eingängigen und mitunter ver-träumten Gitarrenpop. Jodie singt mit überzeugender Stimme. „Gravity“ ist ein Ohrwurm, der schöne Erinnerungen weckt an Eighties Pop mit seiner hübschen Synthi Figur und den kräftigen Gitarren Riffs später im Arrangement. Die B-Seite ist das Cover eines Acid House bzw. Techno Titels von Ten City. Ich kenne zwar das Original nicht, aber diese Version hier klingt eben wie Shoegazer Pop mit einem Touch Soul. Die Band scheint ihre Platten vor allem im UK und in Finnland zu veröffentlichen. Auf Tournee durch halb Europa waren sie auch gerade. ****

The Imperial SurfersThe Imperial Surfers – Twist, Twist! + 3 (7”EP, Soundflat Records, www.theimperialsurfers.com)

Wie der Titel vermuten lässt handelt es sich hier um eine Twist Kapelle, die auch Frat Rock und Surf Sound im Repertoire hat. In Madrid, Spanien sind die Herren zuhause. Dieses ist ihre zweite Veröffentlichung mit vier Instrumental Nummern, mal flott und heftig, mal etwas moderater aber nicht weniger zackig. Neben der Gitarre setzt vor allem ein Saxophon schöne Akzente. Sehr hübsch dabei ihre Version von „If I Had A Hammer“. Was die Herren mit „Hünken Sound“ meinen, bedarf allerdings noch der Klärung. ***

Kula ShakerKula Shaker – Second Sight / Out On The Highway (acoustic version) (7”, Strange Folk, www.kulashaker.co.uk)

Da sind sie also wieder. Das Album bisher zwar nur als CD erhältlich, aber diese Single hier knüpft sehr schön da an wo die Band Ende 1999 nach dem Weggang von Crispian Mills aufhörte. Sixties orientiert und Westcoast informiert in Songwriting und Sound. Erwachsener auch. Der indische Firlefanz – so hübsch er im Einzelfall ja war – ist zugunsten einer kraftvollen Direktheit und kaum noch verspielten Klarheit gewichen. Satte Gitarrenriffs und Hammond Breitseiten aber auch schnelle Tempowechsel und knappe jedoch prägnante Solo Vignetten. Dazu ein einprägsamer Song. Immer noch unverkennbar Kula Shaker. ****

The SatellitersThe Satelliters – It Came To Me + 3 (7”EP, Soundflat Records, www.thesatelliters.de)

Immer noch die beste deutsche Neo-Sixties bzw. Garage Rock Band sind The Satelliters aus Darmstadt. Die beständigste sind sie inzwischen auch. Der Titeltrack ist ein gelungenes Cover des Nederbeat Stompers von The Q65. Manisch und wild und komplett mit Harmonika Solo. Die drei eigenen Songs der Band sind aber mindestens genauso gut. Die Jungs haben sich seit Jahren dermaßen in diesen Sixties Garage Style vertieft, sie können wohl nur noch Originale schreiben, die klingen als wären sie 40 Jahre alt. Feine Fuzzgitarre, oszillierende Orgelklänge, treffliche Trommeln! Mein Favorit hier der letzte Track „Cry, Cry, Cry“ mit dem an die Yardbirds gemahnenden sitarähnlichen Gitarrenriff und dem unerwarteten Shuffle Rhythmus. Große Klasse! ****

The SoundcarriersThe Soundcarriers – I Had A Girl / Without Sound (7”, Heron Recordings, www.myspace.com/thesoundcarriers)

Wenn das Attribut „psychedelic“ in der Pop Musik heute noch irgendeine Bedeutung hat, dann bestimmt für die Musik dieses Quartetts aus Nottingham, England. Jüngere Musik Freunde mögen das auch Dreampop oder Shoegazer Sound nennen. Aber die klassischen Merkmale eines Psychedelic Sound sind da. Neben den fast elfenhaften Harmonien sind das bestimmte Akkordfolgen und Melodiebögen, gar nicht so sehr die Instrumente, die mit Bass, Gitarre, Schlagzeug und Keyboards ja klassisch zu nennen sind. Wie sie aber klingen und eingesetzt werden, dass ist so wirkungs- wie geheimnisvoll. Unwillkürlich denkt man an Strawberry Alarm Clocks, an Susan on the Westcoast waiting oder an Crystal Ships am Horizont. Beide Tracks auf dieser Single sind wunderbar. Aber „I Had A Girl“ hat dieses gewisse Etwas, das den Song und die Aufnahme zu dem Besonderen machen. Eine der Singles des Jahres ohne jeden Zweifel! *****

Kakka-Hätä 77Kakka-Hätä 77 – WTC Räjähtää EP (7”EP, Combat Rock Industry, www.myspace.com/kakkahata77)

Klassischer 77er Punk Rock aus Finnland. Erstaunlich ist jedoch die Tatsache, dass diese Band und diese Platte ganz aktuell in diesem Jahr erschienen. Musikalisch und inhaltlich unterscheiden sie sich überhaupt nicht von den finnischen Punks der ersten Stunde.  Kakka-Hätä, das ist es was kleine Kinder verspüren, die dringend auf’s Töpfchen müssen. Der EP Titel lautet übersetzt: WTC (World Trade Center) explodiert. Und die Songs handeln von den klassischen Punk Themen Langeweile, Gewalt im TV, vom System, das nicht funktioniert und von Spaß und Pogo. Sollte man nicht allzu ernst nehmen. Aber es scheint anzukommen in Finnland. Das ist bereits die zweite Auflage der EP in pissgelbem Vinyl. ***

KeithKeith – Hold That Gun / No Solemn Quest (7“, Lucky Number, www.myspace.com/keiththeband)

Bereits die zweite Single von Keith aus Manchester. Ein Album gibt es auch schon. Eine Studentenband. Stilistisch nicht festzulegen. Ein bisschen Indie Pop (aber was ist das denn?), ein bisschen Electronica, Krautrock anyone? Doch die A-Seite dieser Single hat was betörend Überzeugendes. Ungewöhnliche Melodieführung und seltsam verschachtelte Rhythmen. Erinnert auch irgendwie an die Eighties. Rave, Hacienda, und so. Schöne Single. Ohrwurm. ***

Sticks & StonesThe Pierces – Sticks And Stones / Turn On Billie (7”, Lizard King, www.myspace.com/thepierces)

Sie sehen klasse aus, die beiden Schwestern aus Alabama. Aber sie singen auch sehr charmant. Auf beiden Seiten dieser 17 cm Schallplatte. „Sticks And Stones“ kam mir gleich sehr bekannt vor. Aber ich habe mich dumm und dämlich gesucht, ich finde nichts, was auf den Ursprung des Songs hindeutet. Haben sie den also doch selbst geschrieben? Könnte ein altes Volkslied sein. Oder ein Abzählreim. Jedenfalls hoppelt die Nummer fröhlich und unbeschwert dahin. „Turn On Billie“ klingt viel verhaltener und hat so was beinahe Lounge Pop Artiges. Nicht zu sehr, glücklicherweise. Ich glaube, ich muss mir doch das Album besorgen. ***

SternbuschwegSternbuschweg – Paula, ich liebe dich / Das Höchste der Gefühle (7“, Firestation, www.myspace.com/sternbuschweg)

Die dritte Single aus dem Firestation Records Singles Club. Das ist ein Label für Indie und Twee Pop, von Berlin aus operierend. Näheres zum Singles Club (Abo usw.) findet man unter www.firestation-records.de. Sternbuschweg sind eine der besseren deutschen Indie Bands, aus Berlin, die auf Deutsch singen. Eigentlich kommen sie ja aus Dessau. Aber wie alle jungen Popmusiker, die es wissen wollen, sind sie nach Berlin gezogen, um nicht in der (ost)deutschen Provinz zu versauern. Der Bandname geht auf einen Tom Liwa Song zurück. Und da kommen sicher auch ein paar musikalische Einflüsse her. Wie gesagt, unauffällige deutschsprachige Popmusik, die nicht nervt. Das ist schon viel wert. ***

Travis – Selfish Jean / Is That Love? / Pulling Mussels (From A Shell) (2x7”, Independiente, www.travisonline.com)

Selfish JeanDie neueste Masche der Plattenindustrie ist es, Doppelsingles zu veröffentlichen, die man einzeln kaufen muss. So auch diese hier. A-Seite in beiden Fällen dieselbe, B-Seite jeweils ein anderer Track. Warum man nicht gleich vier verschiedene Tracks als eine Doppelsingle zum von mir aus etwas höheren Preis verkauft, weiß keiner. Immerhin hat der Käufer im vorliegenden Fall noch die Möglichkeit, nur eine Single zu erwerben, falls er nur die A-Seite will, die B-Seiten ihm aber vollkommen egal sind, bzw. er nur eine der B-Seiten präferiert. Eine sehr theoretische Wahlmöglichkeit. Der Travis Fan braucht natürlich alles! „Selfish Jean“ kennen wir bereits vom formidablen Album „The Boy With No Name“. Und selbst auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, teile ich hier mit, das ist der beste Track des Albums, und nun auch die beste Travis Single seit langer Zeit! Uptempo, Motown infiziert, großartige schwelgerische Melodie, toller Gesang, vortreffliche Jangle Gitarre, phantastischer Groove! Frannie at his very best! Das ist so eine Single, die mir durch häufiges Airplay immer noch sympathischer wird. Die beiden B-Seiten sind Coverversionen von Squeeze Songs aus der Feder von Chris Difford und Glenn Tilbrook. Gute Coverversionen auf jeden Fall, die den hervorragenden Originalen freilich nichts hinzuzufügen vermögen. Obgleich diese locker leichte Interpretation vor allem bei „Pulling Mussels“ (eh meine zweitliebste Squeeze Single) wirklich sehr gelungen ist. An diesen Covern ist der heimliche Travis Mentor Wolfgang D. nicht ganz unschuldig, so ließ er selbst neulich verlauten. Bin gespannt, was er den Jungs als Nächstes empfiehlt. *****

Lost At Sea 2Various Artists – Lost At Sea Vol. 2 (7”EP, Third Eye Surfer, www.fuzznsurf.net)

Das ist also schon die zweite EP, die ein gewisser „Third Eye Surfer“ aus Magdeburg veröffentlicht. Vier Tracks mit klassischer, typischer Surf Musik aus aller Welt. Das sind zunächst Stronzo Gelantino & The Boo-Men aus Köln, die mit viel Treble und Hall ein eher mittelmäßiges Instrumentalstück darbieten. The Space Agency ein offenbar britisches Trio mit einer Asiatin an der Gitarre, steuern einen sehr eingängigen und hörenswerten Surf Track bei, „Sakura No Ame“ betitelt (was das auch immer heißen mag). Mein Favorit ist The Mysterious Tape Man aus Neuseeland, der seinen Beitrag „Asteroid“ anscheinend ganz allein im Multitrack Verfahren eingespielt hat. Ebenfalls recht hörenswert The Dead Rocks aus Brasilien, die mit „Kalamanawa“ eine eher ruhige relaxte Surfnummer für den Ausklang der Strandparty liefern. Auf der oben genannten Webseite muss man sich erst mal etwas durchfummeln. Es gibt da aber viele interessante Artikel und Links. Die EP bekommt im Schnitt knapp ***

CucumberCucumber – Chris Clubber / Malyflow’s Garden (7”, Cosmic Groove, www.cucumbermusiclab.com)

Späte Sixties und frühe Seventies, da fühlen sich die Damen und Herren  von Cucumber ganz offensichtlich sehr heimisch. Zwei 7“ 45s sind beim Label Cosmic Groove gerade erschienen. Diese hier ist die etwas bessere. Reine Instrumentalmusik machen die Franzosen. Mit Hammondorgel, Rhodes Piano, Synthesizern, aber auch den Standardinstrumenten Gitarre, Bass, Schlagzeug. Alles sehr stilecht, sehr groovy. Hätte als alternative Beat Club Titelmusik wunderbar gepasst. Die A-Seite ist eher die Tanznummer für den Club, während auf der Flipside eine Chill Out Melodie geboten wird, die auch ganz gut in einen SciFi Film passen würde. Das Ganze lebt vor allem vom Sound und von der sehr detailverliebten stilsicheren Präsentation. In weißem Vinyl. ***1/2

The MonstersThe Monsters – I Still Love Her / Blues For Joe / Fever (7”, Soundflat Records, www.myspace.com/theswissmonsters)

Ihr kennt Voodoo Rhythm Records aus der Schweiz? Ihr kennt den Lightning Beat-Man, den Boss des Labels? Nicht? Und The Monsters kennt ihr auch nicht? Die wildeste und rüdeste zeitgenössische Garage Combo im deutschsprachigen Raum kommt ebenfalls aus der Schweiz. Ihren eigenen Underground Hit „I Still Love Her“ haben die Jungs hier noch mal neu eingespielt. Mit neuem Gesang in Schwyzerdütsch. Ob Englisch oder eben Schwyzerdütsch, man versteht eh nicht viel. Und entscheidend ist hier wohl auch mehr der Klang sägender Fuzzgitarren, scheppernder Becken und Trommeln, sowie die Stimme des Beat-Man, die ganz tief aus einem rostigen Fass zu schallen scheint. Der Titeltrack hat eine ganz ordentliche Hookline. Der „Blues For Joe“ stampft ebenfalls recht rüde daher. Und die Version von „Fever“ (ja, der Klassiker ist gemeint) ist einfach schräg. Sehr schön ist die Aufmachung der limitierten Single mit Klappcover und einem beigelegten Monsters Quartettspiel. ***

PsychodaisyPsychodaisy – Du hast mich / Teenage Music International – Sei nicht traurig (7“, Soundflat Records, www.myspace.com/psychodaisybeatexplosions, www.myspace.com/teenagemusicinternational)

Ein Split Single mit zwei Bands aus Bremen. Beide Bands tief in den späten Sixties verwurzelt. Auch wenn sie wohl nicht ausschließlich in ihrer Muttersprache singen, hier gibt es Beatmusik auf deutsch. Psychodaisy beaten eine gelungene Coverversion des Songs, der auf der B-Seite von Howard Carpendales „Das schöne Mädchen von Seite Eins“ jahrzehntelang verborgen blieb, bis er von der Neo-Sixties Club Szene vor ein paar Jahren neu entdeckt wurde und seither zu den sicheren Floorfillern gehört. Die Nummer stammt aus der Feder von Jörg Heider und Fred Jay, die zahlreiche deutsche Schlager auf dem Gewissen haben. Hier ist jedoch – nicht zuletzt durch das großartige Arrangement mit Hammondorgel und Hendrix geschulter Leadgitarre – ein klasse Beat-Track entstanden. Die neue Aufnahme der Bremer orientiert sich stark am Original, setzt aber tatsächlich noch einen drauf, da die Jungs ihre Stilelemente eben aus dem FF beherrschen. Die Flipside, eine Eigenkomposition der TMI aus Bremen, fällt dagegen fast ein bisschen ab, ist aber auch nicht übel. ****

The Scarlet HarlotsThe Scarlet Harlots – Explain / Cats Eyes (7”, Firestation Records, www.myspace.com/thescarletharlots)

Dieses ist die erste 7“45 im gerade gestarteten Singles Club des Labels. Mehr dazu bei www.firestation-records.de. Die Band stammt aus Birmingham, UK, und wurde u.a. gerade von Steve Lamacq (BBC, Radio One) zur „unsigned band of the week“ gekürt. Keine Ahnung, ob das toll ist oder ent-scheidende Folgen hat. Was man hier hört, das klingt jedenfalls vielversprechend. Frisch, punky, typisch britischer Indie Pop. Schrammelnde Gitarren, pumpender Bass, treibende Drums und ein leicht klagender, fordernder Singsang. Dabei sind beide Seiten der Single durchaus hörenswert und fast gleich catchy. „Explain“ vielleicht ein Spur zwingender. ***

The Scuba MenThe Scuba Men – Scuba Dooba Baby / Green Seas (7”, Hillsdale Records, www.HillsdaleRecords.com)

Surf Sound anno 2007! Oder Unterwasser Sound eigentlich. Denn Scuba Men sind nichts anderes als Taucher. Wie auch immer. Das Scuba Dooba Baby ist eine flotte Surf Beat Nummer von knapp zwei Minuten, die gut ins Ohr und in die Beine geht. Man tanzt dazu Twist, Hully Gully oder Freestyle. Die Flipside ist eine Surf Bearbeitung von „Greensleeves“, auch wenn uns die Band glauben machen will, sie hätte die Nummer selbst geschrieben. Ebenfalls sehr flott und unter zwei Minuten lang. Ach so, das Ganze stammt natürlich aus Kalifornien. ***

Seventeen EvergreenSeventeen Evergreen – Haven’t Been Yourself / Sufferbus (7”, Pacific Radio Fire Records / Lucky Number Music, www.myspace.com/seventeenevergreen)

Ebenfalls aus Kalifornien, San Francisco, um genau zu sein,  aber der Unterschied könnte kaum größer sein zur eben besprochenen Single. Mit Psychedelia ist die Musik der Band auch nur unzureichend beschrieben. Ein bisschen verträumt, laid back, wie man so schön sagt, auch irgendwie trippy. Beide Tracks hier sind vom bereits vor zwei Jahren in den USA erschienenen Debütalbum der Band. Erinnert ganz entfernt an die Beachwood Sparks aus Kalifornien. Allerdings ist bei Seventeen Evergreen der Bezug zu moderneren Sounds wie z.B. Trip Hop eher gegeben. Vor allem die A-Seite hier wächst mit jedem Hören. Sehr entspannt, sehr schön. ****

Arcade FireArcade Fire – Intervention / Ocean Of Noise (Calexico) (7”, Arcade Fire Music / Mercury, www.arcadefire.com)

Die zweite Single aus dem aktuellen Album der Kanadier. Ein Album das m.E. viel besser ist als sein Ruf. Dieses hier ist zweifellos einer der besten Tracks auf „Neon Bible“. Warum der jetzt als Single veröffentlicht wird statt kurz vor Weihnachten, verstehe ich zwar nicht so ganz, aber was soll’s. Verbreiten wir also feierliche Stimmung im Frühsommer. Ich weiß nicht worüber Win Butler da singt und wen oder was er anspricht. Aber die etwas kryptisch-dramatische Botschaft passt zu allem Möglichen. Warum nicht auch zum G8 Gipfel? Auf der Flipside werden Arcade Fire von Calexico gecovert. Keine schlechte Idee, so etwas auf die B-Seite zu packen. Klingt gar nicht mal so verschieden vom Original. Mehr nach Calexico, klar. Ein guter Song jedenfalls. Und insgesamt eine feine Single. ***1/2

The ChecksThe Checks – Hunting Whales / The Creek (live) (7”, Full Time Hobby Records, www.myspace.com/thechecks)

Ziemlich heavy. Aber nicht Led Zeppelin heavy, diese Neuseeländer. Mich erinnern sie an Tuomari Nurmio und seine derzeitige Band, deren Name auf deutsch „Hämmer der Unterwelt“ lautet. Aber die wirst Du, geneigte Leserin, geneigter Leser, eher nicht kennen. Walgesänge kann man sich aber auch so vorstellen. Vor allem, wenn die Wale von gewissenlosen Walfängern gejagt werden. Moby Dick bäumt sich auf, schlingert, und schleudert dann eine volle Breitseite in Richtung Trawler. Dazu klagen die Potwale im Chor. Eine sehr beeindruckende, druckvolle Single. Ansonsten ist eine entfernte Ähnlichkeit mit Wolfmother, den australischen Kollegen, zu bemerken. Allerdings zeigen The Checks letztlich mehr Nähe zu den R&B Wurzeln als zum Acid und Schweine Rock. ***1/2

Kaiser ChiefsKaiser Chiefs – Everything Is Everage Nowadays / I Like To Fight (7”, B-Unique, www.myspace.com/kaiserchiefs)

Everything is average nowadays, also auch diese Single. Der Kalauer musste einfach sein. Ein bisschen habe ich den Eindruck, die Luft ist raus bei den Jungs aus Leeds, die sich gerade anschicken, die USA zu erobern. Na ja, sie versuchen es jedenfalls. Das zweite Album ist ziemlich mittelmäßig bis langweilig. „Ruby“ ist noch der beste Track daraus. Die vorliegende Single A-Seite geht zum einen Ohr rein und zum anderen wieder hinaus. Man kennt das. Dabei waren das Debüt Album und die ersten drei, vier Singles der Band seinerzeit ganz große Klasse. Hier gefällt die B-Seite spontan viel besser. Die schließt wenigstens ein wenig an alte Glanzlichter der Kaiser Chiefs an. **1/2

ManicsManic Street Preachers – Your Love Alone Is Not Enough / Fearless Punk Ballad (7”, Columbia Records / Sony-BMG, www.myspace.com/manics)

Die neue Single der Manics ist erstaunlich gut! Alles da! Tolle Melodie, so leicht hymnisch mit klasse Harmonien. Perfekt produziert und arrangiert. Schwelgerische Gitarrenakkorde, satter Bass, treffsichere Drums und großartige Breaks. Und sie haben sich kluger Weise Nina Persson von den Cardigans als Unterstützung ans Mikrofon geholt. Je öfter ich die Single höre, desto begeisterter bin ich. Erinnert mich stellenweise an die Hoodoo Gurus, falls euch das was sagt. Die furchtlose Punk Ballade auf der Rückseite klingt allerdings eher wie ein verhindertes Weihnachtslied. Viel zu dick aufgetragen. James Dean Bradfield neigt leider zu solchen Übertreibungen, und er hat einen Hang zum Kitsch. Egal, die A-Seite ist brillant! ****

Candie PayneCandie Payne – I Wish I Could Have Loved You More / Gloomy Sunday (7”, Deltasonic Records / Sony-BMG,  www.myspace.com/candiepayne)

Was von manchen Kritiker/innen etwas vorwurfsvoll in Richtung der jungen Dame aus Liverpool verlautbart wird, weckt bei mir gerade besonderes Interesse. Diese musikalischen Versatzstücke aus der vermeintlichen Mottenkiste. Dieses an Gangster Movies und Cocktail Bar Mitte/Ende der 60er erinnernde Konglomerat aus Jazz, Lounge und Acid. Hier wird das alles sehr geschickt und gekonnt eingesetzt. Dazu singt Miss Payne sehr schön und fast ein bisschen abwesend. Distanziert könnte man auch sagen. Aber das ist ok. Es passt schon. Auf der Flipside scheint es für sie fast geraten, nicht zu viel Nähe zuzulassen. Sie könnte leicht in den Sog dieses großartigsten aller Selbstmörder Songs geraten. Ihre Interpretation indes ist dennoch absolut angemessen. Sehr behutsam und packend zugleich. ****

Patti SmithPatti Smith – Perfect Day / Here I Dreamt I Was An Architect (Columbia / Sony, www.myspace.com/pattismith)

Das Cover Album von Patti Smith stößt wohl auch nicht auf ungeteilte Zustimmung oder Begeisterung. Ich muss sagen, mir gefällt es sehr gut. Aber ich mag ihre Stimme eh sehr. Und ich habe auch nicht erwartet, dass sie die Songs völlig neu interpretiert. Was sie macht ist eigentlich ganz simpel. Indem sie die Songs singt, werden diese zu Patti Smith Songs. Ganz einfach. Man sollte da nicht zu sehr mit den Originalen vergleichen. Die sind in eigentlich allen Fällen eh nicht zu übertreffen. Das gilt auch für Lou Reeds ganz wunderbares „Perfect Day“. Und doch hat Pattis Version ihre ganz eigene Dramaturgie und Bedeutung. Den Song der Decembrists kenne ich nicht im Original. Hier klingt er halt wie ein ganz wunderbarer, nachdenklicher Patti Smith Song. Diese Single gab es wohl nur als Promo bzw. sehr limitiert in einigen Läden in den USA. Ich erhielt mein Exemplar zusammen mit der Doppel LP als Zugabe. ***1/2

Cherry GhostCherry Ghost – Mathematics / Junebug (7”, Heavenly/EMI, www.myspace.com/cherryghostband)

Debütsingle einer relativ jungen Band aus Manchester. Melodisch, ruhig und etwas verträumt, mit leichtem Zuckerguss versehen. Gerade klebrig genug, verhuschte junge Frauen festzuhalten und schüchternen Abiturienten Hoffnung zu geben. Die B-Seite ist fast noch schöner. Nur zur akustischen Gitarre singt Simon Aldred einen Song von Mark Linkous, der übrigens auch als Vorbild der Louis LamentBand genannt wird. ***1/2 

Louis Lament – Pimp Bride With A Smoke Smile / Sugar Sugar (7”, TV-Eye Records, www.louislament.de)

Ich sag’s ja immer mal wieder. Deutsche Bands müssen nicht deutsch klingen (und singen). Schon gar nicht, wenn der Sänger Louis Ramirez heißt und aus Santa Cruz, Kalifornien, stammt. Dieses Trio wurde letztes Jahr in Köln gegründet und spielt herrlich altmodischen Blues, Funk und Groove informierten Hardrock. Die Gitarre zerrt, quengelt und gniedelt herzallerliebst. Und dieser Louis hat ein Organ, alle Achtung! Die B-Seite ist übrigens nicht von The Archies. ***1/2

Pull Tiger TailPull Tiger Tail – Let’s Lightning / The Big Sleep (7”, B-Unique Records, www.myspace.com/pulltigertail)

Etwas aufgeregtes und ziemlich verspieltes Trio aus London, England, UK. Scheint auch eine Debütsingle zu sein. Die Einflüsse der Jungs sind nicht bei Alanis Morissette zu suchen, wie sie auf ihrer My Space Seite dreist behaupten, sondern viel mehr in britischem Post Punk der frühen 80er Jahre. Und da sind sie nun wahrlich nicht die Einzigen, die sich so inspirieren lassen. Zum Glück hat „Let’s Lightning“ eine höllisch coole Hookline und einen catchy Refrain. ***1/2

Telepathic LoveRedondo Beat – Telepathic Love / The Magic Touch (7”, TV-Eye Records, www.myspace.com/redondobeat)

Ihre letzte Single ist gerade mal vier Monate alt und dreht sich noch regelmäßig auf meinem Turntable, da wird auch schon nachgelegt. Die neue 7“45 aus dem Hause Roman Aul + Friends bringt zwei schicke Coverversionen. Greg Sage und die Wipers werden mit „Telepathic Love“ in Erinnerung gebracht. Eine Minute und 37 Sekunden vollen Adrenalinausstoß, Fuzzgitarre satt und die Regler bis zum Anschlag. Die andere Seite (ich mag gar nicht B-Seite schreiben) bietet eine kraftvolle Garage Version von „Magic Touch“, das Insider als Northern Soul Klassiker von Melba Moore kennen, das aber auch in der Version der Bobby Fuller Four als 7“45 erschien. Redondo Beat kennen sich aus. ***1/2

Sister VanillaSister Vanilla – Can’t Stop The Rock / What Goes Around (7”, Chemikal Underground, www.sistervanilla.com)

Die Rückkehr der Brüder Reid aus East Kilbride. Mit ihrer kleinen Schwester haben die Helden des Feedback und Vorturner des Shoegazing ein ganzes Album aufgenommen, das es wohl nur als CD gibt. Aber auf dieser Single werden auf das Schönste gute alte Zeiten und Underground Rock Klischees beschworen. Musikalisch knüpft man dort an wo man mit „Munki“ 1998 abbrach. Die kleine Schwester nölt dazu ganz vortrefflich. ****

Hey JulesThe Subcandies – Hey Jules / Little Man (7”, Ton um Ton, www.myspace.com/subcandies)

Im Zitieren und Verwerten von Klassikern der psychedelischen Beat Ära haben es The Subcandies aus Wien mit dieser Single zu wahrer Meisterschaft gebracht. Vor allem die A-Seite „Hey Jules“ bietet Stoff für gleich mehrere Quizfragen bei Soundschnipsel oder Pop Quiz Veranstaltungen. Dennoch ist das Kunststück gelungen, eine ganz eigenständige Nummer zu produzieren, die ins Ohr geht, darin verweilt und nicht mehr weichen will. „Little Man“ ist auch nicht schlecht. In der Band spielen inzwischen schon zwei Mitglieder der Wiener Mod Legende The Jaybirds, und mit der attraktiven Griechin Katerina an der Orgel haben sie sich nicht nur optisch Verstärkung geholt. Für den kommenden Herbst (oder Winter) ist eine LP angekündigt. Bis dahin wird „Hey Jules“ in rotem Vinyl noch oft seine Wah Wah und Hammond Grooves aus meinen Boxen schallen lassen. ****1/2

Chow ChowChow Chow – Dear Francis / Wedding Video (7”, Fantastic Plastic, www.myspace.com/chowchowband)

Englisches Trio mit seiner zweiten 7“ innerhalb von vier Monaten. Prägnantes Gitarrenlick, das ein bisschen an eine Feuerwehrsirene erinnert. Hübscher aber nicht sonderlich einprägsamer Song. Die A-Seite der Single lebt mehr von den Dynamikschwankungen und der dadurch erzeugten Atmosphäre, während die B-Seite fast experimentell daherkommt, gänzlich ohne wiedererkennbaren Song. Das Singlecover kommt als Brettspiel komplett mit Würfel und Spielfiguren. Alles in allem nicht unflott. ***

The DraytonesThe Draytones – Keep Loving Me / Forever On (7”, 1965 Records, www.myspace.com/thedraytones)

Noch ein Trio aus England, aus der Hauptstadt gar. Das hier ist ihre Debütsingle. Klasse! Typischer moderner Garage Beat Sound mit ein paar psychedelischen Zutaten wie rückwärts laufender Gitarre und einem immer wiederkehrenden hypnotischen Basslauf. Sehr ungestüm und frisch klingt das alles. Die B-Seite wirkt irgendwie unfertig. Wie ein Demo, ein südamerikanisches. Hat Gabriel Boccazzi, Gitarrist und Sänger, argentinische Wurzeln? ****

Folsom Prison BluesRoland Heinrich & Gunter Gabriel – Folsom Prison Blues / Geisterreiter (7“, Rockin’ H Records, Postfach 360339, 10973 Berlin)

Der Song ist bekannt. Gunter Gabriel auch. Diese Version jedoch ist neu. Roland Heinrich verleiht dieser deutschsprachigen Neuaufnahme des Klassikers das notwendige Quäntchen Ironie, ohne das sie wohl unerträglich wäre. Heinrich ist ausgewiesener Country Gitarrist und Spezialist, der in Berlin sonst auch mit eigenem Material in Erscheinung tritt. Diese Single wurde zum 75. Geburtstag Johnny Cashs zu Ehren des Verstorbenen aufgenommen und veröffentlicht. Er selbst hätte sich wohl geschmeichelt gefühlt. Auf der Rückseite eine ebenfalls nicht bierernst gemeinte Version eines anderen Klassikers. Die Covergestaltung übernahm Reinhard Kleist, von dem auch die im vorigen Jahr erschienene Johnny Cash Biographie als Comic Buch stammt. ***

Husky RescueHusky Rescue – Nightless Night / Nightless Night (Remix) (7”, Catskills Records, www.husky-rescue.com)

 „A combination of David Lynch and Bambi“, schreibt der Observer in London über Husky Rescue aus Helsinki. Und das ist gar nicht mal verkehrt. Auch wenn dieser locker flockige Roadsong hier beim ersten flüchtigen Hören nur eben locker flockig klingt. Die Nummer hat’s in sich. Man wird diese Melodie, diese Stimme von Reeta-Leena, diese fesselnde Atmosphäre nicht mehr los. Synthi und Pedal Steel Gitarre gehen eine sehr stimmungsvolle Symbiose ein. Viel deutlicher noch beim Remix auf der Flipside. ****

The NomadsThe Nomads – Ain’t No King Of Rock’n’Roll / The Sweet Zeros – Which Bitch (7”, Devil’s Jukebox, www.lamf.biz)

Es gibt sie also immer noch. The Nomads aus Schweden waren eine der besten und aufregendsten Neo-Garage Bands in den Achtzigern. Dieser neue Track hier klingt imgrunde so, als wären die letzten gut 20 Jahre völlig spurlos an der Band vorübergegangen. Den Titel kann man getrost als alter-natives Statement verstehen. Es gibt keinen King des Rock’n’Roll. Oder besser: Der König ist tot, es lebe der König! Und als Könige respektive Vorbilder erkennt man hier zweifelsohne The Sonic’s Rendezvous Band und ihren Klassiker „City Slang“, der übrigens gerade auf gleichem Label wiederveröffentlicht wurde. Auf der anderen Seite dieser Splitsingle hört man deftigen Punkrock mit einer Sängerin, aus Brighton, UK. Die Single kommt in geschmackvollem pink Vinyl. ***1/2

Ready Steady...The What…For! – Ready Steady EP (7”, Copase Disques, www.copasetic.de)

Deutschlands beste Beatband der Achtziger und frühen Neunziger Jahre waren sie unbestreitbar. Und seit ihrem 20-jährigem Jubiläum vor anderthalb Jahren sind sie bereits zweimal wieder auf die Bretter, die die Welt bedeuten, geklettert. Zuletzt Anfang diesen Jahres zur Eröffnung der „Ready Steady Go“ Veranstaltungsreihe im Schokoladen in Berlin Mitte. Aus diesem Anlass wurde auch ein wenig in den Archiven gekramt. Und siehe da, hier sind vier Tracks, die seinerzeit unveröffentlicht blieben. Nun denkt man ja immer, es wird schon seinen Grund gehabt haben, dass der Deckel da drauf blieb. In diesem Fall: falsch gedacht! Die vier Tracks haben damals einfach nicht mehr drauf gepasst auf die erste bzw. die zweite EP 1987 respektive 1991. Zwar handelt s sich hier ausschließlich um Fremdmaterial, sprich Cover. Aber das ist es doch, was die Fans des Genres wollen, wenn wir ehrlich sind. Und die Versionen der fünf Berliner klingen wirklich aus-gesprochen frisch und authentisch. „Zoot Suit“ eröffnet die EP in sehr gepflegtem, stilvollem Modsound. Das Original der High Numbers (Vorläufer von The Who) ist der Mod Klassiker schlechthin! „Goin’ Out Of My Mind“ (The Easybeats) ist eine der leider vergessenen Modbeat Hymnen und ein echter Vorläufer klassischen Powerpops. „Mr. Heartache“ und „He Was A Square“ bieten britischen R&B wie ihn eben nur The Primitives oder The Downliners Sect verkörperten. Und The What..For! zeigen, dass sie ihre Vorbilder bis ins Detail studiert und verinnerlicht haben. Dennoch tragen alle vier Tracks nicht zuletzt durch die unvergleichliche Stimme von Urs Elßel einen deutlichen What...For! Stempel. ****

Janie JonesBabyshambles & Friends – Janie Jones (Strummerville) (7”, B-Unique Records, www.strummerville.com)

Die Fakten: dies ist eine Charity Single, die Geld für die noch von Joe Strummer ins Leben gerufene Foundation zur Unterstützung junger Musiker einsammeln soll. Wer auch immer die Idee dazu hatte und das Ding ins Rollen brachte, erstaunlich ist die Vielzahl der neuen jungen Bands, die daran beteiligt sind. Von den Guillemots über Larrikin Love bis zu The Rakes und We Are Scientists. Die Musik kommt im wesentlichen von den Babyshambles. Pete Doherty singt Lead Vocals, und die Beiträge der vielen Gastsänger sind nicht so ohne Weiteres auszumachen. Der Song ist bekannt. Diese Version unterscheidet sich allenfalls durch eine etwas zeitgemäßere Produktion vom Original von The Clash. Auch der Statik Remix auf der B-Seite fügt nur Marginalien im Sound hinzu. Das Begrüßendstwerteste – neben dem guten Zweck natürlich – ist die Beteiligung von Carl Barat. Von einer Libertines Re-Union zu träumen, wäre dennoch wohl etwas übereilt. ***1/2

Duke SpiritThe Duke Spirit – A House Is Not A Motel / 007 (7”, Velo Records, www.myspace.com/thedukespirit)

Limitiert auf 300 Stück und wohl fast ausschließlich übers Internet zu beziehen ist diese sehr spartanisch aufgemachte Tribute Single. Kein Cover, keine Liner Notes, nur eine dicke schwarze Vinylscheibe mit zwei Bildetiketten der beiden kürz-lich Verstorbenen, die hier gewürdigt werden. Dafür entschädigt die Musik vollends. Sowohl der Song von Arthur Lee aus dem meisterhaften Songzyklus „Forever Changes“ als auch die Rude Boy Hymne aus der Feder von Desmond Dekker werden von The Duke Spirit hervorragend interpretiert. Die Stimme von Liela Moss ist es vor allem, neben einem eigenständigen Arrangement, die das Zuhören unvergleichlich macht. Hoffentlich gibt es bald mehr Neues von unserer Londoner Lieblingsband. ****1/2

Benni Hemm HemmBenni Hemm Hemm – Beginning End / Beygja og Beygja (7”, Morr Music, www.morrmusic.com)

So klingt also Isländisch. Weit weniger unangenehm als Arabisch oder irgendwelche slawischen Sprachen jedenfalls. Aber die A-Seite dieser Single ist eh ein Instrumental Track. Klingt ein bisschen wie die Filmmusik zu einem Fünfziger Jahre Familienfilm aus Skandinavien. Akustische Gitarren, Bläser, Glockenspiel und eine aufsteigende Dur Tonleiter. Drollig. Bei der Gesangsnummer auf der Rückseite bekommt man dann eine Ahnung, dass es der Bursche irgendwie doch faustdick hinter den Ohren hat. Auch wenn man kein Wort versteht. Immer noch Filmmusik, Ennio Morricone lässt grüßen, und so ein heimeliges Gejingel und Gejangel. Klingt sympathisch. ***

Lord Litter – Yummy Yummy Yummy / Donny Fester / Cafe Rosa (CD, Trash Tone, www.LordLitter.de)

Ein neues Lebenszeichen von Lord Litter, dem alten Haudegen der Berliner und internationalen Tape und independent online Radio Szene. Drei Tracks im inzwischen schon typischen Litter Sound mit seiner ganz eigenen Aura. Unglaublich was der Lord aus dem alten Bubble Gum Klassiker des Ohio Express macht. Durch seine sonore Stimme, das reduzierte Tempo und ein quasi gothic country Arrangement bekommt der Song eine völlig neue Qualität. Diese gothic atmosphere setzt sich fort bei „Donny Fester“, einer Hommage an eine wohl völlig unterbewertete Figur aus „The X-Files“. Auch wenn das womöglich Manchen auf eine falsche Fährte lockt, ich muss hier an Paul Roland und seine Geister- und Voodoo-Geschichten aus den späten Achtzigern denken. Ganz großartig dann schließlich das Song Tribute für das Café Rosa in Berlin Mitte, das es leider schon nicht mehr gibt. Insgesamt hinterlassen die drei Tracks einen Eindruck von wohliger Wehmut, wenn ihr wisst was ich meine. Wie wär’s mit einer Vinyl Veröffentlichung, Sir? ****

Hitch HikeRedondo Beat – Hitch Hike / Rock Tonight (7”, TV Eye Records, www.myspace.com/redondobeat)

Redondo Beat, wir erinnern uns, ist in erster Linie Roman Aul, ehedem Schlagzeuger der Heidelberger Garage Rock Combo Mucus 2. Zwei 7“45s auf eigenem Label sowie einen Longplayer hat Roman mit Redondo Beat schon auf der Habenseite. Eine Single erschien 2005 in USA und Redondo Beat unternahmen eine ausgedehnte Tour durch die Staaten. Inzwischen hat Roman, der ja inzwischen Gitarre spielt und singt, eine völlig neue Band hinter sich und ein neues Album im Kasten. Diese Single ist sozusagen der Vorbote. Sehr authentisch klingender R&B und Rock’n’Roll dringt hier aus den Boxen. „Sweet soul music blasting through my headphones, and I feel just like a rolling stone“ singt Roman. Das Erstaunliche ist, dieses Klischee funktioniert und wirkt keinen Moment peinlich oder aufgesetzt. The Seeds oder The Chocolate Watch Band hätten es kaum besser hinbekommen. ****

Not Psycho EnoughVarious Artists – Not Psycho Enough!? Vol. 2 + 3 (7”, Dull City Records, www.myspace.com/dullcityrecords)

Dull City Records ist ein Punk und Garage Rock Label aus dem höchsten Norden Norwegens. Veröffentlicht werden nur 7“ EPs. Zumeist Compilations oder Tribute Sampler wie diese hier. So sind diese beiden EPs mit je vier Tracks der australischen Punk Rock Band Cosmic Psychos gewidmet. Erstaunlich wie viele Fans diese Band anscheinend noch immer hat. Und wie viele jüngere Punk Bands ihre Songs im Repertoire pflegen. Ich bin mit den Originalen nicht sonderlich vertraut, aber allem Anschein nach werden die hier präsentierten Cover ihnen vollkommen gerecht. Was Lärm, Attitüde und Rohheit angeht bestimmt. Songs heißen „Supervixen“, „Crazy Woman“, „Pub“, „David Lee Roth“ oder „Come On Cunt“. Die Bands kommen aus Finnland: Lothar, Spank My Jones; Frankreich: Jerry Spider Gang; England: The Dry Retch; und aus Australien: Hell Crab City, Meatbeaters, Interstater, Gazoonga Attack. Falls jemand immer noch nicht genau weiß, wie das alles klingen könnte. Stell dir vor,  Motörhead spielen eine Jam Session und Lemmy lässt sich hin und wieder von irgendsonem Milchbubi am Mikro vertreten. Durchschnittlich **1/2

South American Teenage Garage PunkVarious Artists – South American Teenage Garage Punk Vol. 2 (7“, Butterfly Records, www.butterfly-records.com)

Butterfly Records ist ein Label aus Barcelona, das sich um Beat, Garage Punk, Soul und andere Vintage Musikstile verdient macht. Dies hier ist bereits die zweite Folge einer EP Reihe, die zeitgenössische und hierzulande naturgemäß vollkommen unbekannte Bands aus Südamerika vorstellt. Wie der Titel der Reihe es andeutet hören wir typischen Garage Punk von La Cosa De Venus (auf Spanisch), Sixties Beat von Tren Fantasma (auf Spanisch), noch mehr Garage Punk von Thee Butchers’ Orchestra (auf Englisch) und ein Surf Instru-mental von The Tormentos. Insgesamt ganz unterhaltsam aber bis auf die Surf Nummer leider nichts, was man immer wieder hören möchte. **1/2    

From The Songbook of Greg CartwrightFrom The Songbook of Greg Cartwright (7”, Sympathy for the Record Industry, www.sympathyrecords.com)

Schade, Split-Singles sind bei den Jahresbestenlisten nicht erlaubt. Andernfalls rangierte diese hier ziemlich weit oben bei mir. Greg Cartwright ist eine Größe in Detroit. Er spielte bei The Oblivians, spielt jetzt bei The Reigning Sound, und er produzierte u.a. The Detroit Cobras. Ein guter Songwriter ist er außerdem. Das fanden zwei der heißesten neueren Bands aus Detroit wohl auch und nahmen je einen seiner Songs auf für ihre aktuellen LPs. Beide Bands mit female lead vocals. The Fondas präsentieren „Don’t Come Back“, eine Girl Group Nummer mit typischem Detroit R&B Feeling. Auf der anderen Seite – Long John Gone, der Boss von Sympathy, nennt sie wohlweislich nicht B sonder AA-Seite – hört man The Ettes mit „We Repel Each Other“. Als ich das zum ersten Mal The Datsunshörte, war ich wie elektrisiert! Dieser Track, diese Performance ist pure Ekstase! Phantastisch! *****

The Datsuns – System Overload / Killer Bees (7“, Hellsquad Records/V2, www.thedatsuns.com)

Um The Datsuns aus Neuseeland ist es ruhiger geworden. Wenn es denn je richtig laut war. Die Jungs selbst waren und sind es schon. Laut, meine ich. Zwischen Punk und Hardrock changiert ihr relativ konventioneller Sound immer noch. Voll auf die Zwölf. „System Overload“ ist ein so brachiales wie exaktes Stückchen Punkrock. Mit fetten Drums, satten Gitarren und einem nervös dazwischen funkenden Synthi. „Killer Bees“ ist noch einen Zacken schneller und kompromissloser. Zum Abreagieren bei aufgestautem Frust bestens Liam Frostgeeignet. ***

Liam Frost & The Slowdown Family – The City Is At Standstill / Naïve (7”, Lavolta Records, www.liamfrost.co.uk)

Als britische Antwort auf Bright Eyes oder als neuer Badly Drawn Boy wurde der 22-jährige Liam Frost aus Manchester schon bezeichnet. Dies ist seine zweite Single (ein Album gibt es auch schon), und in britischer Songwriter Tradition steht der Junge auf jeden Fall. Erinnert durchaus an Jarvis Cocker oder Neil Hannon. Relativ hymnisch, fast bombastisch arrangiert kommt die Plugside 9 Crimesdaher. „Naive“ dagegen klingt eher verhalten. Sehr hübsch. ****

Damien Rice – 9 Crimes / The Rat Within The Grain (7“, 14th Floor Records, www.damienrice.com)

Sehr ruhig, sehr schön, sehr zart. Mit verlorener, fast klagender Stimme leitet Lisa Hannigan dieses Duett ein. Nur von einem Klavier begleitet. Nachdem Damien dann einsetzt treten erst ein Cello und dann weitere Streicher hinzu, die schließlich auf dem Höhepunkt abbrechen. Geht es hier „nur“ um Trennungsschmerz oder mehr? Starke Gefühle allemal. Die limitierte Single kommt in clear vinyl und mit einem beigelegten Benjamin's EgoFaltposter. ****

Rosemary – Benjamin’s Ego / Turning Blue (7”, Split Records, www.RosemaryMusic.com)

Noch ne neue Band. Aus Dartford stammt dieses Trio. Ihre zweite Single „Benjamin’s Ego“ ist nicht weniger britisch als die erste, die bereits gute Reviews im UK einheimste. Aber diese neue Single bzw. ihre A-Seite weicht schon ein wenig ab vom üblichen Britpop / Britrock Schema. Deklamatorisch, schlicht aber kraftvoll. Irgendwo zwischen XTC und The Strokes. Die Single ist auf 500 limitiert und alle Copies sind Ed Vallancevon der Band signiert. ***1/2

Ed Vallance – Deep End / Spark Of Life (7“, Proof Records, www.edvallance.com)

Neue Stimme aus London. Mit dem Moniker Singer / Songwriter ist Mr. Vallance nur unzureichend beschrieben. Seine Stimme erinnert mich an Bowie ebenso wie an Mark Hollis. Die Musik ist mehr Pop als Rock. Klassische Bandbesetzung mit Drums, Bass, Gitarre, Piano, Gesang. „Deep End“ entwickelt sich recht schnell zum Ohrwurm. Fast hymnisch, leicht melancholisch und sehr eindrucksvoll. Eine ziemlich gelungene Debütsingle! Ach was sag ich, eine großartige Debütsingle! ****1/2

Bone-BoxBone-Box – Dragging Wires / Oh Won’t You Help? My Love Is Dying (7”, Fat Northener, www.fatnortherner.com)

Jay Taylor, Mastermind der Bone-Box, ist zwar in Manchester, England, zuhause, aber viel lieber wäre er wohl irgendwo in den Staaten auf abgelegenen Appalachen Pfaden oder kalifornischen Highways unterwegs. Während die in den Coyote Studios in Brooklyn, New York, aufgenommene B-Seite dieser Single ganz eindeutig amerikanische Roots Musik zwischen Tom Waits und Willie Nelson präsentiert, bietet die sehr feine A-Seite noch einiges mehr. Die leise von spukhaften Streichern dominierte Strophe lässt mich gleich an Paul Roland denken, der Ähnliches in den späten Achtzigern ganz vortrefflich produzierte. Dagegen bringt der volltönende shantyhafte Refrain die Pogues in Erinnerung. Diese Mischung und das fast schon bombastisch zu nennende Finale mit Streichern und Bläsern (das dann doch wieder in die leisen Töne vom Anfang mündet) macht den besonderen Reiz des Tracks aus. Direkt beim Label gibt es die Single wohl noch. ****1/2

Dan SartainDan Sartain – Replacement Man / Indian Ink (7“, One Little Indian, www.indian.co.uk)

Eine moderne Variante von Rockabilly spielt dieses Duo aus Birmingham, Alabama. Die beiden Tracks dieser Single wurden von Liam Watson im Londoner Toe Rag Studio aufgenommen. Auf merkwürdige Weise erinnert der Sound vor allem bei „Replacement Man“ an die Rockabilly Produktionen Joe Meeks aus den frühen Sixties. Recht spartanisch instrumentiert mit einer schrammelnden Rhythmusgitarre und einer mächtig verhallten Link Wray oder Duane Eddie evozierenden Melodiegitarre, die aber immer nur das gleiche Riff spielt. Die B-Seite bietet eine Art Stammesgesang und lässt u.a. an den indischstämmigen exzentrischen King Khan denken. ***1/2

Mikko Torvisen Viihdeorkesteri – Haistakaapa Vittu / Moppi ja Aivokurkiaiset – Homoreikä (7“, Lipposen Levy ja Kasetti, zu Mikko Torvisen Viihdeorkesteribeziehen bei www.stupido.fi)

Ich gebe zu, wer der finnischen Sprache nicht mächtig ist, der hat mit dieser Single vermutlich nur relativ wenig Freude. Es handelt sich hier um eine Splitsingle in sehr kleiner Auflage. Auf der A-Seite hören wir Mikko Torvinens Unterhaltungsorchester mit einem Track, der sehr stark an finnische Punk und New Wave Musik der frühen Achtziger erinnert. Billige Kaufhausorgel, superschneller 4/4 Beat, Schrammelgitarre, darüber eine Art Sprechgesang von völlig überdrehten Uh-Ah Chören begleitet. Aber das Beste ist wie gesagt der Text, der im Gegensatz zum fröhlichen locker flockigen Vortrag bösartige Publikumsbeschimpfung darstellt. Den Titel wörtlich zu übersetzen, verbietet mir der Anstand. Sehr frei bedeutet er so viel wie „Ihr könnt uns mal gerne haben!“ Der Track auf der Rückseite der Single wurzelt ebenfalls in den frühen 80ern. Avantgardistischer Electropop. In Deutschland standen Gruppen wie Der Plan oder Palais Schaumburg für diese Art von Pop. Moppi und die Hirnsparren (so kann man den Bandnamen vielleicht übersetzen) besingen hier allerdings Dinge, die sich selbst mir nicht erschließen wollen. A-Seite ***1/2

The SlitsThe Slits – Revenge Of The Killer Slits EP (7”, Only Lovers Left Alive / Cargo)

Ari Up, Tessa Pollit, Viv Albertine und Palmolive waren als The Slits die aufregendste und unglaublichste Girl Punk Band, die man sich 1978 vorstellen konnte. Ich war so verrückt nach ihnen, dass ich ohne zu zögern eine originale Boots 7“45 „Gaby“ gegen ihre erste LP eintauschte. Im Vorprogramm der Nina Hagen Band spielten sie im Herbst 1978 im Berliner Quartier Latin gegen ein ignorantes und borniertes Deutschrock Publikum an, mit einer Unbekümmertheit und Chuzpe, die man nur bewundern kann. Palmolive schloss sich dann den Raincoats an und nach der zweiten LP 1979 der drei restlichen Slits war bereits Schluss. Ari Up lebte lange auf Jamaika und machte dort auch weiter Musik. Jetzt haben Ari und Tessa zusammen mit Paul Cook (ex-Sex Pistols) und Marco Pirroni (Adam & The Ants / Siouxsie & The Banshees) in einer Art Tribal Gathering in einem Londoner Tonstudio ein paar neue Songs aufgenommen. Sie knüpfen beinahe nahtlos da an, wo „Cut“ einst endete. Punky Reggae, Dub und jede Menge Spaß und Anarchie. „Slits Tradition“, die A-Seite der Single, hat was von einem Ohrwurm. „Number One Enemy“ ist beinahe aggressiv. Und “Kill Skyflakes / Clarendon HillsThem With Love” ist überdreht und entspannt zugleich. ***1/2

The Skyflakes vs. The Clarendon Hills EP (7”, F.U. Records, www.theskyflakes.com)

Eine Split EP aus Kalifornien. Erschien bereits Ende 2002. Scheint aber immer noch erhältlich zu sein. Beide Bands haben einen asiatischen Background (The Skyflakes sind zum Teil Filipino Amerikaner) und sind in der kalifornischen College Radio Szene aktiv. Die Musik beider Bands wäre vor 20 Jahren im UK unter dem Label C86 geführt worden. Die Sängerin der Skyflakes hat diese für Asiatinnen typische hohe Stimme, die gerne als „niedlich“ bezeichnet wird. Musikalisch relativ schlicht aber charmant. The Clarendon Hills sind ein Trio, das sich auf seiner Homepage als „eine der wichtigsten Thrash Metal Bands der 80er“ bezeichnet. Sehr witzig. Trotz eines bewusst zur Schau getragenen Dilettantismus haben ihre beiden Tracks hier durchaus Substanz. Hübsch. ***

Sharon JonesLos Walkysons feat. Sharon Jones – Do The Crank / I Idolize You (7”, Butterfly Records, www.butterfly-records.com

Sharon Jones ist eine offenbar recht erfolgreiche Funk und Soul Sängerin aus Brooklyn, New York. Ihre Platten auf Daptone Records scheinen bei Kennern dieser Szene beliebt und begehrt zu sein. Ich schreibe das deshalb mit aller Vorsicht, weil ich mich da überhaupt nicht auskenne. Wie sie an die spanische Surf und Garage Rock Band Los Walkysons geraten ist, erläutern die Sleeve Notes von Keb Darge (Soul Spezialist und DJ aus dem UK) leider auch nicht. Das Ergebnis ist jedenfalls sehr hörenswert. „Do The Crank“ (im Original von The Belgianettes) ist ein uptempo R&B Track. Mir persönlich gefällt das etwas gefühlvollere “I Idolize You” (Original Ike & Tina Turner) aber besser. Sharon singt hier wie eine jüngere Mrs. Turner und die Nummer hat sehr viel Sex in den Grooves. ***1/2

Cosmic Rough Riders – In Time / You Are Still (7”, Korova Records, www.cosmicroughriders.com)

Lange hat man von den Schotten nichts Neues gehört. Vor fünf Jahren gab es zwei wunderschöne Sommer Pop Singles mit Flower Power Flair von ihnen. Mit dieser großartigen neuen 7“ knüpfen sie wieder genau da an. Herrlich verträumt, milde psychedelisch und mit einer ganz famosen Hookline. Die B-Seite kommt etwas kraftvoller und konventioneller. Aber auch hier zeigt sich überragendes Songwriting und phänomenales Gefühl für Struktur und Aufbau eines klassischen Popsongs. ****

Husky StashHusky Stash – One Two I Love You / Cover Me (7”, Rank Records, www.rank-records.com, www.huskystash.com)

Die Single des Monats aber kommt aus Berlin! Ein grandioses Debüt, sowohl für die Band Husky Stash wie für das Label Rank Records. Bei der Record Release Party im Festsaal Kreuzberg, wo die Band im Vorprogramm der Flaming Stars aus London auftrat, zeigte sich eine selbstbewusste Sängerin in schwarzer Lack-Lederjacke und passenden Stiefeln, die auch stimmlich überzeugte. Die drei männlichen Bandmitglieder lieferten einen soliden und stoischen Set mit gelegentlichen Ausbrüchen des Gitarristen Holger. Endlich hat Berlin wieder eine Band, auf die das Attribut „cool“ voll zutrifft! Die Single A-Seite ist eine großartige spannungsgeladene sexy Angelegenheit. Nicoles Gesang changiert von lasziv zu fast unbeteiligt. Die wütenden Gitarren und eigentlich das ganze unruhige treibende rhythmische Backing lassen an eine moderne Version von VU denken. Der Song ist spartanisch und doch ungeheuer erregend. Die Aufnahme beginnt mit einem monoton wiederholten Gitarrenriff und dem fast fordernden „One Two I Love You“, und sie endet nach drei Minuten mit dem gleichen Riff und dem ständig wiederholten „turn around, you’re telling me“. Dazwischen ist Spannung pur, die jedoch nie wirklich gelöst wird. Man muss die Nadel zwangsläufig immer wieder an den Anfang setzen. „Cover Me“ ist ähnlich heftig fordernd und fast schon zu viel des Guten. ****

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